Wildnis kehrt zurück

Wo hat sich die Wildnis die letzten Jahre oder Jahrzehnte versteckt, und wie breitet sich Wildnis wieder aus? Nationalparkförster Wolfgang Riener

Der Begriff Wildnis ist in aller Munde doch wie definiert man Wildnis exakt? Meiner Auffassung nach ist Wildnis dort, wo der Mensch auf sämtliche Nutzung verzichtet und der Natur freien Lauf lässt. Somit kann Wildnis auch im urbanen Raum entstehen, wenn zum Beispiel alte Fabrik- oder Industrieanlagen nicht mehr genutzt werden. Auf solchen Flächen nimmt schnell die Natur Oberhand und bietet vielen Tier- und Pflanzartenarten einen neuen wilden Lebensraum. In einem Nationalpark sieht Wildnis dann doch etwas anders aus als ein Stück verwildertes Land. In manchen Bereichen des Nationalparks Thayatal hat der Mensch seit über 20 Jahren nichts mehr getan. Bäume dürfen alt werden, wenn sie absterben bleiben sie stehen und werden nicht gefällt. Irgendwann fallen sie um und bleiben am Boden liegen, sogenanntes Totholz. Man muss sich schon an den Anblick eines wilden Waldes gewöhnen, da er nicht dem Ideal eines Wirtschaftswaldes entspricht. Dort stehen Bäume in Reih und Glied, sind gleich alt und es gibt nur wenig Vegetation am Waldboden, weil das dichte Kronendach kaum Sonnenlicht durchlässt. Gerade dieser sogenannte Fichten Altersklassen Wald leidet derzeit massiv unter der Klimaveränderung. Der Borkenkäfer hat nun leichtes Spiel und hat sich in manchen Waldgebieten Österreichs explosionsartig vermehrt, auch weil in einem Wirtschaftswald die Antagonisten fehlen. Schlupfwespen und Ameisenbuntkäfer sind die natürlichen Feinde, ich bezeichne sie auch gerne als Gegenspieler, die einen sehr wertvollen Beitrag zur Eindämmung der Borkenkäferbestände beitragen können. In Wildnisgebieten und Nationalparks reguliert sich die Natur ganz von selbst.

Wenn wir Wildnis auch in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft wieder zulassen, leisten wir einen wertvollen Beitrag für einen gesunden Naturhaushalt und die damit verbundene Artenvielfalt.

Totholz an der Thaya BR_NPTT_D. Manhart

Foto: NP Thayatal, D.Manhart

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