Pirsch zum Hirsch

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Im Nationalpark Thayatal einem Rothirsch zu begegnen ist nicht unmöglich, aber dennoch schwierig. Warum? Nationalpark-Förster Wolfgang Riener erklärt uns den Grund: „Die Rothirsche ziehen bei uns herum, leben aber nicht dauerhaft auf dem Gebiet des Nationalparks, einfach weil es dafür zu klein ist.“
Wenn ihr herausfinden wollt, wie es kommt, dass die ehemaligen Bewohner von Steppenlandschaften nun im Wald leben, warum es zu Verbiss kommt, wann dieser erwünscht ist und wann nicht – aus unserer Perspektive freilich – und in welchen Wäldern sich Rothirsche besonders wohl fühlen, dann solltet ihr euch diesen Blogbeitrag zu Gemüte führen: Wo ist der Hirsch?

Mein Thayatal

Was macht für Euch das Thayatal besonders? Warum ist es “euer” Thayatal? Welches unvergessliche Erlebnis verbindet ihr damit?
Inspiration gefällig? :)   Nationalpark-Ranger Hans Fittl und Nationalpark-Förster Wolfgang Riener geben euch in folgendem Video einen kurzen Einblick davon, was für sie das Besondere am Nationalpark Thayatal ist.

Wild, wilder, Wildschwein

Wildschweine sind Allesfresser, die im Herbst gerne lichte Wälder aufsuchen, um an Pilzen, Eicheln, Bucheckern und Co. zu naschen.

Wildschweine sind Allesfresser, die im Herbst gerne lichte Wälder aufsuchen, um an Pilzen, Eicheln, Bucheckern und Co. zu naschen.

Wenn Eicheln und Bucheckern den Waldboden bedecken, Pilze sprießen und Fallobst verführerisch duftet, ist die feine Nase der Wildschweine (Sus scrofa) auch schon zur Stelle. Und wo ein Wildschwein ist, da sind mit großer Wahrscheinlichkeit gleich mehr Wildschweine. Denn abgesehen von den erwachsenen Männchen, den großen Keilern, die als Einzelgänger leben, sind Wildschweine sehr sozial veranlagt. Sie ziehen in Rotten, die von einer Leitbache angeführt werden, durch die Wälder.
„Wildschweine sind ein wichtiger Bestandteil unserer Wälder, vorausgesetzt das Geschlechterverhältnis, die Altersstruktur und der Lebensraum passen“, sagt Nationalpark-Förster Wolfgang Riener und ergänzt: „Das Aufwühlen des Waldbodens durch die Schweine trägt zur natürlichen Verjüngung der Bäume bei.“

Das richtige Maß ist dabei jedoch wichtig. Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, dann klickt Euch in den Blogbeitrag: „Wühlen mit Maß“ rein und trefft unseren Nationalpark-Förster am besten persönlich. Wie das geht? Bei unserer NP-Veranstaltung „Mit dem Förster durch den Nationalparkwald“ am 15. Oktober. Hier gelangt hier in ansonsten unzugängliche Bereiche des Nationalparks Thayatal, könnt alte Baumriesen und urwaldähnliche Ecken des Nationalpark-Waldes bestaunen, Wolfgang Riener alle Fragen, stellen, die Euch brennend interessieren und mit etwas Glück auch auf ein paar Wildscheine stoßen!

Die Rückkehr der Wölfe – Porträt des Säugetiers des Jahres 2017

Europäischer Grauwolf (Canis lupus lupus)

Der Wolf kehrt auf leisen Pfoten auch nach Niederösterreich zurück. Ein kleines Wolfsrudel hat sich den Truppenübungsplatz Allentsteig als neue Heimat ausgesucht. Einzelgänger durchqueren auf der Suche nach einem geeigneten Lebensraum unser Bundesland. Bei diesen „Durchzüglern“ handelt es sich meistens um Jungwölfe, die bei ihren Wanderungen mehr als 1000 Kilometer in einem Monat zurücklegen können. Solche Jungwölfe wurden wahrscheinlich auch im Kamptal gesichtet. Wölfe, die zur Familie der Hunde gehören, sind sehr anpassungsfähig und können praktisch überall vorkommen, wo es Wasser und ausreichend Nahrung gibt. Und Meister Isegrim braucht ausreichend Platz für sich und sein Rudel. Mindestens 100 Quadratkilometer hat ein kleines Wolfsrevier, wobei die Größe des Reviers stark von der Anzahl der Beutetiere und der Größe des Wolfsrudels abhängt.

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Ein Wolf aus dem Tiergehege im Nationalpark Bayrischer Wald

Kein anderes Tier löst beim Menschen so eine Faszination aus wie der Wolf. Sei es die Wölfin, die Romulus und Remus gesäugt hat, die Geschichte von Franz von Assisi, der mit dem Wolf sprach oder der böse Wolf im Märchen von Rotkäppchen. Als existenzbedrohend für Hirten, Bauern und Jäger wurde er früher gesehen und daher bis zu seiner Ausrottung verfolgt und gejagt.

Stimmen diese Bilder vom Wolf oder sind es bloß menschliche Mythen? Ich denke der Wolf ist weder gut noch böse. Der Wolf ist ein Wildtier mit einem außerordentlichen Sozialleben und ein Individualist – im Verhalten und Charakter ähnlich uns Menschen. Er ist aber auch ein Raubtier vor dem man Respekt, aber keine Angst haben muss. Wir haben einfach verlernt mit dem Wolf Seite an Seite zu leben und das löst noch immer Unbehagen aus.

Wölfe sind äußerst vorsichtig und sehr neugierig und dieses natürliche Verhalten kann manchmal von Menschen falsch interpretiert werden. Dort wo wir Menschen den Wolf dulden, wird er auch künftig ein Zuhause haben und eine wertvolle Bereicherung für unser Ökosystem sein.

NÖN Kolumne, 8. Februar 2017, Wolfgang Riener

Winter”zauber”

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Rotbuchen, Hainbuchen und Eichen scheinen im Winter zauberhafte Eigenschaften zu entfalten. Insbesondere die jüngeren Bäume behalten oftmals einige ihrer Blätter den ganzen Winter hindurch. Warum sie sich nicht trennen können, erklärt Nationalpark-Förster Wolfgang Riener: „Die Blätter dienen als zusätzlicher Schutz für die sensiblen Knospen, die im nächsten Frühjahr anstelle der welken Blätter austreiben.”
Was all das mit dem Teufel zu tun hat und warum dieser mit den Buchen- und Eichenblättern keine Freude hat, könnt ihr auch im Blogbeitrag „Den Teufel ausgetrickst“ nachlesen.

Die Inventur im Wald

In einem Nationalpark kann sich die Natur frei entwickeln. Was heißt das konkret für das Thayatal? – Es gibt immer mehr Laubbäume und das Totholz im Wald nimmt eifrig zu.

Soweit die Theorie, aber lässt sich das auch hieb- und stichfest beweisen?

Ja, und zwar mit einer „Waldinventur“. Wie das funktioniert? – Nun, man schaut sich zu einem bestimmten Zeitpunkt an, wie es um den Zustand des Waldes bestellt ist und zehn Jahre später – so der Usus – schaut man erneut hin und stellt fest, was sich über die Jahre alles getan hat.

Im Nationalpark Thayatal gab es 2002 die erste Inventur. Zu diesem Zweck wurden an 412 Punkten verteilt über das ganze Nationalparkgebiet alle Baumarten, inklusive Höhe und Durchmesser erfasst, das Totholz, die Kraut- und Strauchschicht erhoben und auch Daten zu Wildverbiss und Wildtierlosung aufgenommen. „2012, also zehn Jahre später, suchte das Inventur-Team diese Punkte erneut auf, um entsprechende Vergleichswerte zu erhalten“, erklärt Nationalpark-Förster Wolfgang Riener.

In den letzten zehn Jahren ging der Anteil der Nadelbäume deutlich zurück. Der Thayatal-Wald entwicklet

In den letzten zehn Jahren ging der Anteil der Nadelbäume deutlich zurück.

Und wie hat sich der Wald in den letzten Jahren entwickelt?
Die erste Erkenntnis lautet – wenig überraschend: Die Nadelbäume haben deutlich abgenommen. 50 Prozent weniger Fichten, 45 Prozent weniger Kiefern und 13 Prozent weniger Lärchen. Wenig überraschend deswegen, weil der Nationalpark Thayatal gezielte Renaturierungsmaßnahmen durchführte, um ehemalige Wirtschaftswälder – vor allem Fichtenreinbestände -  in die für das Thayatal typische Waldvegetation überzuführen. Und diese ist vor allem durch Laubbäume bestimmt. Das bestätigte auch die Inventur, denn Fichte, Kiefer und Co. verjüngen sich kaum mehr. Lag der Anteil an aufkommenden Jungbäumen 2002 noch bei 1 Prozent, so sind es 2012 nur mehr 0,4 Prozent „Nadelbaum-Nachwuchs“.
„Das ist ein verschwindend kleiner Anteil. Die Entwicklung geht eindeutig in Richtung Laubbäume“, sagt Wolfgang Riener. Und diese können durchaus stattliche Maße annehmen. Die größte Rotbuche des Nationalparks etwa hat einen Brusthöhendurchmesser von 115 Zentimetern und streckt ihre Zweige bis in 40 Meter Höhe aus. Nicht schlecht.

"Die Inventur bestätgt", sagt Nationalpark-Förster Wolfgang Riener, "dass die Entwicklung des Thayatal-Waldes eindeutig in Richtung Laubbäume geht."

“Die Inventur bestätgt”, sagt Nationalpark-Förster Wolfgang Riener, “dass die Entwicklung des Thayatal-Waldes eindeutig in Richtung Laubbäume geht.”

Also, die erste „Theorie“ wäre damit bewiesen. Wie sieht es mit der zweiten aus, wie steht es um das Totholz? Außerordentlich gut, lautet auch hier die Antwort der Inventur. Die Totholzmenge, stehend wie liegend, hat sich über den Verlauf der zehn Jahre mehr als verdoppelt! Und auch die Flächen, auf denen Totholz zu finden ist, haben sich merklich ausgebreitet. „Was uns besonders freut, ist die Tatsache, dass der Anteil an großem, stärkeren Totholz zugenommen hat“, erklärt der Nationalpark-Förster. Während 2002 nur 10 Prozent der toten Bäume einen Stammdurchmesser von mehr als 30 Zentimeter aufwiesen, waren es 2012 bereits 30 Prozent. Warum die Größe zählt? „Spechte sind wichtige Höhlenbauer im Wald, nicht nur für sich selber, sondern auch für zahlreiche andere Tierarten wie Fledermäuse oder Wildbienen. Damit sie diese Funktion erfüllen können, muss das stehende Totholz auch eine gewisse Dicke haben“, sagt Wolfgang Riener.

Besonders erfreulich ist, dass vor allem der Anteil des stärkeren Totholzes zunimmt.

Besonders erfreulich ist, dass vor allem der Anteil des stärkeren Totholzes zunimmt.

Der Nationalpark ist also auf dem richtigen Weg. Das wussten wir natürlich schon längst, aber mit der Inventur haben wir es jetzt schwarz auf weiß!

Oh Tannenbaum…

Jedes Jahr werden in Österreich rund 2,45 Millionen Christbäume aufgestellt. Über 65 Prozent davon gehen auf das Konto der Nordmann-Tanne, dem unangefochtenen Lieblings-Weihnachtsbaum der Österreicher. Abgesehen davon, dass sie zu diesem Zweck plantagenmäßig bei uns angepflanzt wird, kommt die Nordmann-Tanne in unseren Wäldern nicht vor.

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Es gibt auch eine heimische Tannen-Art bei uns, die Weiß-Tanne.

Dennoch gibt es in unserem Land eine heimische Tannen-Art, und zwar die Weiß-Tanne (Abies alba). Reine Weiß-Tannenwälder finden sich allerdings weder bei uns noch andernorts bzw. sind ausgesprochen selten. Wenn, dann mischt sich die Tanne unter Fichten oder Rotbuchen, hat aber gegenüber diesen oft das Nachsehen. In höheren Lagen kann sich häufig die Fichte besser durchsetzen, da sie frosthärter und insgesamt kälteresistenter ist, während in tieferen Lagen die Rotbuche mit ihrem schnelleren Jugendwachstum punktet. Die Tannensprösslinge gehen es zwar langsamer an, dafür können sie auch auf vernässten und schweren Waldböden gedeihen und diese mit ihren tief reichenden Pfahlwurzeln stabilisieren.

Leider haben Weiß-Tannen in unseren Wäldern schon Seltenheitswert. Von Haus aus sind sie nur in geringen Zahlen vertreten, weswegen sich negative Einflüsse viel rascher auswirken. Hohe Wildbestände haben etwa zu großen Verbissschäden geführt. Vielerorts wurden die Tannen-Bestände übernutzt bzw. von der Forstwirtschaft, die vor allem auf die Fichte setzt, links liegen gelassen. Und als schadstoffempfindlichste heimische Baumart hat sie etwa mit Schwefel-Emissionen stark zu kämpfen.

Im Nationalpark Thayatal kommen nur wenige Nadelbäume vor, und zwar Rot-Föhre, Wacholder, Eibe und – ja genau – auch die Weiß-Tanne. Aber auch in den naturnahen Thayatal-Wäldern gedeihen sie nicht im Überfluss. Nur wenige alte, stattliche Tannen finden sich an der Thaya. Nationalparkförster Wolfgang Riener erklärt: „Im Gegensatz zur Fichte findet die Tanne in manchen Bereichen des Thayatals gute Bedingungen. Vor allem in den kühleren und feuchteren Seitentälern gibt es einige Standorte. So ist zum Beispiel im Fugnitztal der alte Flurname ‚Tannenwald‘ erhalten geblieben.“

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Seit einigen Jahren gibt’s Grund zur Freude im Nationalpark Thayatal: Tannen-Jungbäume wurden gesichtet!

Altbäume ja, aber von Jungbäumen gab es lange Zeit keine Spur. Bis vor ein paar Jahren. Auf einigen der Umwandlungsflächen – wo einst Wirtschaftswälder standen, die nun langsam wieder in die natürliche Waldvegetation zurückgeführt werden – entdeckten die Nationalpark-Mitarbeiter plötzlich „Nachwuchs“. Junge Tannen sind hier aufgekommen und geben ein deutliches Lebenszeichen von sich. So schnell lässt sich die Tanne nicht unterkriegen!

Tanne oder Fichte?
Vielen fällt die Unterscheidung schwer. Dabei ist es ganz einfach: Sind die Nadeln spitz, schmal und stechen leicht? Dann haben wir es mit einer Fichte zu tun. Sind sie vorne abgerundet, insgesamt breiter und weicher? Dann ist es eine Tanne.
Außerdem hilft ein Blick auf die Unterseite der Nadeln. Dort finden sich bei Tannen zwei deutliche weiße Streifen. Bei der Fichte fehlen diese „Schispuren“.
Weiters stehen die Zapfen der Tanne aufrecht, während jene der Fichte hängen und im Ganzen abfallen. Bei der Tanne lösen sich die Zapfen auf und die Samen und Deckschuppen schweben zu Boden. Man spricht zwar oft von Tannenzapfen, im Wald findet man sie jedoch nur sehr selten!

Wo ist der Hirsch?

Im Nationalpark Thayatal ist „er“ immer wieder mal da. Eine richtige Population gibt es aber nicht. „Das Thayatal ist ein Rotwildrandgebiet. Die Rothirsche ziehen herum, leben jedoch nicht dauerhaft im Gebiet, einfach weil es dafür zu klein ist“, sagt Nationalpark-Förster Wolfgang Riener.

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Dieser Hirsch wandert von der tschechischen Seite durch die Thaya in den österreichischen Nationalpark.

Rothirsche werden auch als Rotwild bezeichnet. Das weibliche Rotwild ist die Hirschkuh und das männliche Rotwild ist der Hirsch. Auch wenn Rothirsche im Thayatal nicht häufig anzutreffen sind, in früheren Zeiten dürften sie einige der Thayatal-Wiesen als Brunftplätze genutzt haben. Und hie und da scheint es auch heute noch den einen oder anderen brünftigen Hirsch auf eine Wiese entlang der Thaya zu locken. Im Blogbeitrag „Geräusche der Nacht“ könnt ihr reinhören, wie es sich anhört, wenn ein Hirsch im September durch den Thaya-Canyon röhrt.

Die Zeit der Brunft ist eine der wenigen Gelegenheiten, bei der man das Rotwild auf offener Fläche zu Gesicht bekommt. Ansonsten lebt es meist verborgen im Wald. Allerdings erst seit „Neuestem“. Ursprünglich haben sich Rothirsche ganz und gar nicht im Wald aufgehalten, sie waren vielmehr Bewohner von Steppen- und Offenlandschaften. Erst der Mensch hat sie in den Wald gedrängt und dazu gebracht von einem tagaktiven Dasein zu einem nachtaktiven zu wechseln.
Und seit der Mensch eifrig in das Landschaftsbild eingreift, sind auch die längeren Wanderungen, die die Rothirsche einst unternommen haben, Geschichte. Früher verbrachten sie den Winter in den Auen und den Sommer in den Bergen. Heute sind solche Wanderschaften nicht mehr denkbar, es sei denn die Tiere würden die Autobahn nehmen.
Sie stecken nun gewissermaßen in den Bergen fest, wo es allerdings im Winter kaum Nahrung für die Pflanzenfresser gibt. Deshalb tun sie sich vermehrt an den Rinden von Bäumen gütlich, womit Waldbesitzer wiederum keine große Freude haben. Um den winterlichen Verbiss zu verringern, werden die Rothirsche deshalb gefüttert und teilweise sogar in sogenannten Wintergattern, die mehrere Hektar groß sein können, eingesperrt.

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Wanderungen von den Auen in die Berge und umgekehrt sind heutzutage nicht mehr möglich.

Doch Verbiss ist nicht gleich Verbiss. Mitunter kann er sogar erwünscht sein, wie Wolfgang Riener anmerkt: „Im Bereich der Trockenrasen ist es in der Tat positiv, wenn das Rotwild aufkommende Bäume abbeißt und so das Verbuschen der Trockenrasen verhindert.“
Sie dabei in flagranti zu erwischen, wird aber schwierig. Denn sie sind scheu und haben eine ausgezeichnete Nase, die potenzielle Feinde bereits aus großer Entfernung erschnüffelt – vorausgesetzt der Wind steht richtig.
Apropos Wind, im Winter ist es für die Rothirsche besonders wichtig, möglichst wenig dem Wind ausgesetzt zu sein. In dichten, windgeschützten Nadelwäldern fühlen sie sich in der Regel wohler als in Laubwäldern, die im Winter wenig Windschutz bieten. Dafür liefern Laubwälder den Hirschen aber Nahrung wie Eicheln oder Bucheckern. „In erster Linie versuchen die Tiere im Winter Energie zu sparen, das lässt sich etwa in Tal- und Kessellagen, wo es im Vergleich zu exponierten Standorten wärmer ist, ganz gut bewerkstelligen“, ergänzt der Nationalpark-Förster.
Insofern könnte man also doch einmal Glück haben und an den Ufern der Thaya auf einen stattlichen Hirsch stoßen, der sich gerade am Wasser des Flusses labt. Selbiges friert nämlich wegen der konstanten Wassertemperatur um die 4°C auch im Winter nicht ein.

Wühlen mit Maß

Wenn man aufmerksam durch den Wald geht, stehen im Herbst die Chancen gut, auf Wildschweine zu stoßen. Warum? Die ersten Früchte fallen nun auf den Boden; im Nationalpark Thayatal sind das vor allem Eicheln und Bucheckern. Außerdem gibt es – speziell heuer – Pilze in Hülle und Fülle.

Wildschweine sind Allesfresser, die im Herbst gerne lichte Wälder aufsuchen, um an Pilzen, Eicheln, Bucheckern und Co. zu naschen.

Wildschweine sind Allesfresser, die im Herbst gerne lichte Wälder aufsuchen, um an Pilzen, Eicheln, Bucheckern und Co. zu naschen.

Auf diese Leckereien haben es die Allesfresser abgesehen. Und wo ein Wildschwein, da ist meist auch ein weiteres. Nur die erwachsenen Männchen, die Keiler, leben als Einzelgänger. Alle anderen sind sehr sozial veranlagt und grunzen sich in einer sogenannten Rotte, die von einer Leitbache angeführt wird, durch den Wald.
Und dort gehören sie auch hin: „Wildschweine sind ein wichtiger Bestandteil unserer Wälder, vorausgesetzt das Geschlechterverhältnis, die Altersstruktur und der Lebensraum passen“, sagt Nationalpark-Förster Wolfgang Riener und ergänzt: „Das Aufwühlen des Waldbodens durch die Schweine trägt zur natürlichen Verjüngung der Bäume bei.“

Aber wie so oft ist alles eine Frage des Gleichgewichts. „Wenn zu viele Wildschweine über einen längeren Zeitraum im Wald aktiv sind, kann sich dieser positive Effekt in einen negativen verwandeln. Ständiges Umwühlen lässt junge Pflanzen nämlich gar nicht mehr aufkommen. Auch auf den Wiesen und Trockenrasen können sich Wühlschäden sehr rasch negativ auswirken“, erklärt der Förster.
Fragt sich nur, wie es dazu kommt, dass sich plötzlich zu viele der grunzenden Tiere durch die Wälder wühlen. Das kann mehrere Gründe haben. Milde Winter sowie Eichen- und Buchenmastjahre ermöglichen es etwa, dass besonders viele Frischlinge heranwachsen. Auch fehlen in unseren Breiten nach wie vor große Raubtiere, die regulierend auf die Bestände einwirken könnten.

Die in der Regel dämmerungsaktiven Tiere tragen mit ihrer Wühlaktivität zur Waldverjüngung bei. Aber alles mit Maß und Ziel.

Die in der Regel dämmerungsaktiven Tiere tragen mit ihrer Wühlaktivität zur Waldverjüngung bei. Aber alles mit Maß und Ziel.

Vor allem ist es aber der Mensch, der die Anzahl der Tiere stark beeinflusst. Wolfgang Riener erklärt uns, warum: „Viele Jäger freuen sich, wenn Wildschweine in ihrem Revier leben. Durch zusätzliche Fütterungen steigt die Population dann aber oft rasch an. Die Wühlschäden häufen sich und es wird wieder verstärkt gejagt. Durch den höheren Jagdruck werden die Sauen vorsichtiger und entsprechend schwerer zu bejagen. Hinzu kommt, dass unerfahrene Jäger mitunter eine Leitbache erlegen, wodurch die Rotte aus dem Gleichgewicht gerät. Die restlichen Tiere sind nun führerlos, nervös und verursachen weitere Schäden. Ein Teufelskreis.“
In den Wäldern des Nationalparks Thayatal besteht keine Gefahr für Überpopulation. Hier erfüllen die Tiere ihre wühlende Bestimmung mit Maß und Ziel und führen ein – in der Tat – sauwohles Leben.

Die “Mutter des Waldes”

Heuer fiel die Wahl auf die Rotbuche (Fagus sylvatica). Der Baum mit den markanten, oft kerzengeraden Stämmen, der Wuchshöhen bis über 40 Meter erreicht und bis zu 300 Jahre, manchmal sogar deutlich älter werden kann, ist der österreichische Baum des Jahres 2014, gewählt vom Ministerium für ein lebenswertes Österreich und dem Kuratorium Wald.

Rotbuchen sind gut erkennbar an ihren markanten Stämmen, die bis ins hohe Alter glatt bleiben und oft kerzengerade in die Höhe streben.

Rotbuchen sind gut erkennbar an ihren markanten Stämmen, die bis ins hohe Alter glatt bleiben und oft kerzengerade in die Höhe streben.

Die Rotbuche, die ihren Namen wegen der leicht rötlichen Färbung ihres Holzes erhalten hat, macht in Österreich etwa zehn Prozent aller heimischen Bäume aus, damit ist sie die häufigste Laubbaumart unseres Landes. Würden wir uns den Menschen und die Forstwirtschaft wegdenken, wäre ihr Anteil noch viel eklatanter. Dann nämlich wäre der Großteil Mitteleuropas von Buchenwäldern oder Buchen-Mischwäldern bedeckt.

Der Nationalpark Thayatal ist dafür ein Paradebeispiel, denn in ihm gedeiht die „Mutter des Waldes“, wie die Rotbuche oft auch genannt wird, nach wie vor üppig. Dieser Titel kommt nicht von ungefähr, denn die Rotbuche sorgt für einen gesunden Waldboden. Ihr reicher Laubfall und die intensive Durchwurzelung des Bodens, die bis in tiefe Bodenschichten reicht, hält den Boden – die Basis des Waldes – fit.

„Leider musste die Rotbuche in den letzten Jahren und Jahrzehnten der Fichte Platz machen. Gott sei Dank gibt es im Nationalpark Thayatal noch submontane Buchenwälder, die sich durch gezielte Waldumwandlungsmaßnahmen wieder erholen und flächenmäßig wachsen“, freut sich Nationalpark-Förster Wolfgang Riener. Besonders stolz ist er auf die „alten, mächtigen Exemplare im Nationalpark“, die – wie er sagt – „allen Modelaunen der Forstwirtschaft trotzen konnten und dem Nationalparkwald seinen unverwechselbaren Charakter geben“.

Genau diesen schätzen auch die Besucher des Nationalparkwaldes. Und den ganz aufmerksamen unter ihnen wird auffallen, dass die Rotbuchen, die im Waldverband wachsen, oft bis hoch nach oben astlos sind. Dagegen verfügen frei stehende Buchen meist über bis tief zum Boden reichende, weit ausladende Äste.

Im Waldverband sind Buchen oft bis weit nach oben astlos.

Im Waldverband sind Rotbuchen oft bis weit nach oben astlos.

Doch egal ob frei stehend oder im Waldverband wachsend, alle produzieren sie im Herbst die charakteristischen Buchenfrüchte, die Bucheckern. Diese stehen wiederum an der Nahrungsbasis einer Vielzahl von Kleinsäugern und Vögeln. Doch nicht jedes Jahr versorgt die „Mutter des Waldes“ ihre Schützlinge in gleichem Ausmaß. Rotbuchen bringen mal mehr, mal weniger Früchte hervor. Im Schnitt alle fünf bis acht Jahre kommt es zu einem sogenannten Mastjahr, mit Bucheckern in Hülle und Fülle. Der Wald pulsiert eben im Rhythmus seiner Mutter.