Zur “Winterfrische” im Thayatal

Auch wenn die Temperaturen tief fallen, die Thaya friert im Winter nur in den allerseltensten Fällen zu. Verantwortlich dafür ist der regulierte Schwallbetrieb des Kraftwerks Vranov, das in Tschechien, flussaufwärts von Hardegg liegt. Ein „Service“, den vor allem die befiederten Wintergäste des Nationalparks zu schätzen wissen. Sobald es kalt wird, tummeln sich nämlich an den offen gebliebenen Wasserflächen der Thaya Enten, Haubentaucher, Schwäne, Graureiher und sogar Seeadler!

Österreichs Wappenvogel überwintert regelmäßig im NP Thayatal. Im letzten Jahr hat ein Seeadler-Pärchen knapp außerhalb der Nationalparkgrenze sogar gebrütet.
Überhaupt zeichnet sich ein positiver Trend bei den Seeadlern ab. Seit 2001 sind ganze 97 Jungadler in Österreich, wo sie zuvor viele Jahrzehnte ausgestorben waren, flügge geworden. Geschätzte 17 Brutpaare dürften sich derzeit in unserem Land aufhalten und in den Wintermonaten ziehen mittlerweile wieder rund 150 Seeadler – nord- und osteuropäische „Winterfrischler“ – über Österreich und in den Grenzgebieten zu Tschechien, der Slowakei und Ungarn ihre Runden.

Erkennbar sind die majestätischen Vögel vor allem an ihrem massiven gelben Schnabel und den charakteristischen weißen Schwanzfedern. Wie typisch für viele Greifvogelarten unterscheiden sich Männchen und Weibchen in der Größe. Dabei verhält es sich aber umgekehrt als vielleicht vielfach angenommen. Ein ausgewachsenes Seeadler-Weibchen kann fast sieben Kilogramm auf die Waage bringen und eine Flügelspannweite von bis zu 2,5 Metern erreichen. Männchen schaffen es dagegen – ungefähr – auf bis zu 2,1 Meter Flügelspannweite und wiegen “nur” um die fünf Kilogramm. Der Grund dafür? – Den wendigeren Männchen gelingt es mehr Beute zu fangen, was vor allem in den ersten Wochen nach dem Schlupf der Jungvögel wichtig ist, wenn nur das Männchen auf Jagd geht und das Weibchen bei den Jungen am Horst bleibt.

Bei ausgewachsenen Seeadlern lassen sich der massive gelbe Schnabel und die charakteristischen weißen Schwanzfedern gut erkennen.

Bei ausgewachsenen Seeadlern lassen sich der massive gelbe Schnabel und die charakteristischen weißen Schwanzfedern gut erkennen.

Im Winter sind alle, auch die jungen Seeadler, beim Beutefang auf sich allein angewiesen. Da lohnt es sich, in der Nähe von eisfreien Wasserflächen zu warten. Wenn ringsum alles zugefroren ist, versammeln sich hier nämlich Enten, Schwäne und andere Wasservögel. Mitunter eine leichte Beute für den Seeadler, vor allem wenn die Tiere krank oder verletzt sind. Für alle Naturliebhaber aber auch der ideale Tipp für spannende winterliche Vogelbeobachtungen!