Aktiv durch den Winter

Einige hauen sich aufs Ohr, andere frieren ein, um die kalte Jahreszeit zu überstehen. Aber was ist mit jenen wackeren Wildtieren, die auch im Winter aktiv sind?

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Warum sich Wühlmäuse unter der Schneedecke am wohlsten fühlen, wie der Biber seinen Kühlschrank immer gut gefüllt hält und warum der Fischotter im Winter richtig Spaß hat, das verrät Euch der NP Thayatal Blog!

Und wie kommt ihr am besten durch den Winter?

Die Thaya im Winter

Warum gefrieren fließende Gewässer wesentlich langsamer und tauen auch wieder früher auf als stehende Gewässer?
Ganz einfach, je schneller das Wasser fließt, umso tiefer müssen die Temperaturen fallen, damit das Wasser gefriert. Die Thaya ist zwar kein reißender Fluss, aber sie friert im Winter nur in den allerseltensten Fällen zu. Woran das liegt? – Das könnt ihr hier nachlesen.
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Wie es um den Vereisungsgrad der Thaya bestellt ist, das könnt ihr zu Jahresende auch selber überprüfen, bei der gemeinsamen Silvesterwanderung im Nationalpark. Heuer jährt sich die Wanderung zum Jahresende bereits zum zwanzigsten Mal. Seid dabei und meldet euch gleich an!

Das wundersame Leben der Tiere im Winter

Stimmt, einige hauen sich faul aufs Ohr, andere frieren ein, um die kalte Zeit möglichst unaufgeregt hinter sich zu bringen. Aber es gibt sie die wackeren Pioniere, die dem Winter trotzen, weil sie gelernt haben, seine eisigen Bedingungen gezielt für ihre Zwecke einzusetzen und mitunter scheinen sie sogar richtig Spaß daran zu haben.

Hier hat einer der winterlichen Pioniere seine Spuren im Schnee hinterlassen. Wer das wohl war? - Der Fischotter!

Hier hat einer der winterlichen Pioniere seine Spuren im Schnee hinterlassen. Wer das wohl war? – Der Fischotter!

Betriebsamkeit unterm Schnee
Aber der Reihe nach. Wenn wir so durch einen winterlich verschneiten Wald spazieren, denken wir wohl kaum daran, dass es unter der Schneedecke wie auf einem viel befahrenen Verkehrsknotenpunkt zugehen kann. Wer dafür verantwortlich ist? – Die Wühlmäuse. Zwar lassen sie sich im Winter hie und da auch oberirdisch blicken, meist legen sie dort aber nur kurze Strecken zurück, um von einem Baueinang zum nächsten zu huschen. Am heimeligsten fühlen sie sich unter der Schneedecke. Diese hat nämlich eine angenehm isolierende Wirkung, weshalb der Boden unter dem Schnee in der Regel nicht friert. Ein Umstand, den sich die Wühlmäuse zunutze machen und mitten im Winter – wenn andere rasten – eifrig ihr Gänge-Netzwerk ausweiten. Sobald der Schnee im Frühjahr abschmilzt, lassen sich die „Narben“ ihrer wühlenden Aktivität leicht ausfindig machen.
Die Schneedecke hat aber noch etwas Gutes – zumindest aus Sicht der Mäuse. Sie bewahrt sie, bei ausreichender Dicke, vor so manchem Feind. Aber eben nur vor so manchen. Einige Räuber sind nämlich so gewieft, dass es ihnen gelingt, die kleinen Nager selbst durch eine beträchtliche Schneehaube ausfindig zu machen. Füchse oder Habichtskäuze nutzen dafür ihr feines Gehör. Also aufgepasst, wer das nächste Frühjahr erleben möchte!

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Fischotter wissen sich den Winter auch mit Spaß zu vertreiben.

Lust auf eine Rutschpartie?
Vor dem Fischotter müssen sich die kleinen Nager nicht in Acht nehmen, obwohl er ein Räuber ist. Aber der Fischotter hat es – nomen est omen – auf anderes Futter abgesehen. Um an selbiges zu gelangen, nutzt er – für den Gang ins Wasser – in der Regel immer die gleichen Eingänge. Doch was tun, wenn sein Gewässer im Winter zufriert? Ganz einfach, die räuberischen Marder brechen ein Loch ins Eis, durch das sie abtauchen und auch wieder Luft schnappen, falls keine andere Stelle offen ist.
An Land wissen sie sich ebenfalls ihre Zeit zu vertreiben und das nimmt sehr oft auch spielerische Auswüchse an. Man ist ja immer vorsichtig beim Zuweisen von menschlichen Verhaltensweisen. So wird ein spielerisches Verhalten bei Jungtieren meist als Vorbereitung auf den harten „Kampf ums Dasein“ gesehen, es geht darum Jagdtechniken beim Herumtollen einzuüben. Was aber, wenn auch die Erwachsenen herumtollen? Machen sie dann einen „Auffrischungskurs“? Wer Fischotter dabei beobachtet, wie sie einen vereisten Hang oder eine Schneerutsche nach unten flitzen und kaum angekommen schon wieder nach oben hasten, um eine zweite, dritte, vierte Runde in Angriff zu nehmen, der kommt nicht umhin, eine gewisse Spiellust ausfindig zu machen. Und bei vielen Tieren gibt es diese tatsächlich, nicht jede Handlung ist konsequent ziel- und zweckgewidmet. Manchmal kann man auch einfach Spaß haben! – Wobei die Fischotter ihre Schneerutschen im Winter gerne auch als Schnellverbindungen zur Fortbewegung nutzen. Spaß und Nutzen lassen sich auf diese Weise ideal kombinieren. Eine clevere Strategie.

Für die Fischotter sind die Schneerutschen im Winter Schnellverbindungen zur Fortbewegung, aber nicht nur das, sie bieten auch jede Menge Spaß und Rutschvergnügen!

Für die Fischotter sind die Schneerutschen im Winter Schnellverbindungen zur Fortbewegung, aber nicht nur das, sie bieten auch jede Menge Spaß und Rutschvergnügen!

Gut gekühlt schmeckt’s am besten
Am schwersten haben es wohl die Vegetarier unter den winterlichen „Aktivsportlern“. Grünzeug ist halt während der kalten Jahreszeit Mangelware. Was also tun? – Der Biber weiß sich zu helfen. Rechtzeitig bevor der Winter anbricht, sorgt er vor. Wie? – Indem er Bäume fällt, bevorzugt Weiden und Pappeln. Das tut er aber nicht x-beliebig, sondern ganz gezielt. Er nagt die Bäume so an, dass sie nicht in Richtung des trockenen Ufers umfallen, sondern ins Wasser plumpsen. Im kalten Nass nämlich bleiben die Blätter wie in einem Kühlschrank lange frisch. Wann immer es den Biber dann im Winter nach einem Blatt-Snack gelüstet, braucht er nur seinen Kühlschrank aufzumachen und loszuschmausen. Erst wenn die Blätter ganz aufgezehrt sind, verlegen sich die Biber auf kargere Rindenkost. Wer reichlich vorsorgt, diniert also auch im Winter vorzüglich.

Biber wissen vorzusorgen, um den kalten Winter mit ausreichend schmackhafter Kost zu überstehen.

Biber wissen vorzusorgen, um den kalten Winter mit ausreichend schmackhafter Kost zu überstehen. Sie schätzen eben ein gutes Festessen – vermutlich auch zu Weihnachten ;-)

Und was lernen wir daraus? Wir Menschen sind nicht die einzigen, die gewitzte Strategien entwickeln, um es uns gut gehen zu lassen und Spaß zu haben. Frohe Festtage!

Zur “Winterfrische” im Thayatal

Auch wenn die Temperaturen tief fallen, die Thaya friert im Winter nur in den allerseltensten Fällen zu. Verantwortlich dafür ist der regulierte Schwallbetrieb des Kraftwerks Vranov, das in Tschechien, flussaufwärts von Hardegg liegt. Ein „Service“, den vor allem die befiederten Wintergäste des Nationalparks zu schätzen wissen. Sobald es kalt wird, tummeln sich nämlich an den offen gebliebenen Wasserflächen der Thaya Enten, Haubentaucher, Schwäne, Graureiher und sogar Seeadler!

Österreichs Wappenvogel überwintert regelmäßig im NP Thayatal. Im letzten Jahr hat ein Seeadler-Pärchen knapp außerhalb der Nationalparkgrenze sogar gebrütet.
Überhaupt zeichnet sich ein positiver Trend bei den Seeadlern ab. Seit 2001 sind ganze 97 Jungadler in Österreich, wo sie zuvor viele Jahrzehnte ausgestorben waren, flügge geworden. Geschätzte 17 Brutpaare dürften sich derzeit in unserem Land aufhalten und in den Wintermonaten ziehen mittlerweile wieder rund 150 Seeadler – nord- und osteuropäische „Winterfrischler“ – über Österreich und in den Grenzgebieten zu Tschechien, der Slowakei und Ungarn ihre Runden.

Erkennbar sind die majestätischen Vögel vor allem an ihrem massiven gelben Schnabel und den charakteristischen weißen Schwanzfedern. Wie typisch für viele Greifvogelarten unterscheiden sich Männchen und Weibchen in der Größe. Dabei verhält es sich aber umgekehrt als vielleicht vielfach angenommen. Ein ausgewachsenes Seeadler-Weibchen kann fast sieben Kilogramm auf die Waage bringen und eine Flügelspannweite von bis zu 2,5 Metern erreichen. Männchen schaffen es dagegen – ungefähr – auf bis zu 2,1 Meter Flügelspannweite und wiegen “nur” um die fünf Kilogramm. Der Grund dafür? – Den wendigeren Männchen gelingt es mehr Beute zu fangen, was vor allem in den ersten Wochen nach dem Schlupf der Jungvögel wichtig ist, wenn nur das Männchen auf Jagd geht und das Weibchen bei den Jungen am Horst bleibt.

Bei ausgewachsenen Seeadlern lassen sich der massive gelbe Schnabel und die charakteristischen weißen Schwanzfedern gut erkennen.

Bei ausgewachsenen Seeadlern lassen sich der massive gelbe Schnabel und die charakteristischen weißen Schwanzfedern gut erkennen.

Im Winter sind alle, auch die jungen Seeadler, beim Beutefang auf sich allein angewiesen. Da lohnt es sich, in der Nähe von eisfreien Wasserflächen zu warten. Wenn ringsum alles zugefroren ist, versammeln sich hier nämlich Enten, Schwäne und andere Wasservögel. Mitunter eine leichte Beute für den Seeadler, vor allem wenn die Tiere krank oder verletzt sind. Für alle Naturliebhaber aber auch der ideale Tipp für spannende winterliche Vogelbeobachtungen!

Winterliche Herausforderung

Während sich Bären, Fledermäuse oder Igel im Winter auf die „faule Haut“ legen, geben sich Wildkatzen weiterhin umtriebig. Sie halten nämlich keinen Winterschlaf und sind deswegen auch im Winter auf ihr jägerisches Können angewiesen.

Problematisch wird dies vor allem in schneereichen Wintern. Ihre Grundnahrungsmittel, die Mäuse sind dann nämlich nur schwer unter dem Schnee erreichbar und die Katzen selber kommen nur mit Müh und Not voran, weil sie im tiefen Schnee durch ihren hohen Pfotendruck einsinken. Nur wenn ein Revier trotz dieser ungünstigen Bedingungen ausreichende Nahrungsmöglichkeiten bietet – unter Reisighaufen oder breiten Hecken münden viele Erdgänge von Kleinsäugern – kann der Winter überstanden werden. Vor allem für junge Wildkatzen wird der erste Winter oft zu einer Bewährungsprobe.

Momentan stehen die Bedingungen für die Wildkatzen vielerorts ganz gut. Der Schnee macht sich heuer rar und der erfolgreichen Mäusejagd dürfte so nichts im Wege stehen.
Wer weiß, vielleicht häufen sich die Wildkatzen-Sichtungen ja bald. Wir drücken unseren heimlichen Waldbewohnerinnen auf jeden Fall die Daumen, dass es weiterhin bergauf mit ihnen geht.

Die Wildkatzen im Gehege des Nationalparkhauses im NP Thayatal bekommen im Winter wie im Sommer genug zu fressen. Wer bei einer Wildkatzenfütterung dabei sein möchte, ab April finden die Schaufütterungen wieder regelmäßig statt (Samstag, Sonntag & Feiertag), von Juli bis August täglich. Wer jetzt schon dabei sein möchte, das geht auch, allerdings nur mit Voranmeldung und für Gruppen. Einfach ein paar Katzenfans zusammentrommeln :)

Das hat gemundet ;) Auf einen vollen Magen lässt sich der Winter gut überstehen.

Das hat gemundet! Auf einen vollen Magen lässt sich der Winter gut überstehen.

Belebter Winter-Wald

Wenn Marc & ich im Nationalpark Thayatal oder auch andernorts in der Natur unterwegs sind, fragen wir uns oft, wer uns wohl aller gerade aus dem “Hinterhalt” beäugt? Vielleicht sitzt über uns, verborgen im dicht beblätterten Geäst einer Eiche gerade eine Eule und linst zu uns herunter? Vielleicht verbirgt sich im Gestrüpp nur wenige Meter von uns entfernt ein Fuchs und harrt regungslos aus, bis “die Luft wieder rein ist”? Vielleicht haben uns Reh- und Hirschaugen längst erspäht?
Der Wald hat definitiv Augen ;) … Im Winter ist es zwar nicht unbedingt leichter, auf Wildschwein, Reh, Fuchs, Hirsch & Co. zu stoßen, aber zumindest ihre Spuren lassen erahnen, wer sich wo, wann und wie häufig tummelt. Im Winter wird offenbar, wie belebt der Wald tatsächlich ist!
Die Wald-Bewohner sind uns nur meistens einfach um einige Schritte voraus und längst wieder über alle Berge, wenn wir gerade mal ihre Spuren entdecken. Wer könnte denn auf folgendem Bild seine Abdrücke hinterlassen haben?

Verräterische Spuren

Nachdem wir der möglichen Wildkatzenspur in der Schneelandschaft des NP Thayatal gefolgt sind (siehe Blogeintrag “Spuren im Schnee”), wollen wir uns nun nach weiteren “verräterischen Spuren” umsehen. Aber diesmal seid Ihr dran!
Wer könnte sich hinter der hier abgebildeten Spur verbergen und woran lässt sich das erkennen? Nur so als Tipp: Der rechte Abdruck ist nicht gesucht ;)
Wir sind gespannt, wer sich beim Fährtenlesen auskennt!
Auflösung folgt …

Welche Spur könnte das sein?

Spuren im Schnee …

… hinterlässt möglicherweise die in Österreich erstmals im NP Thayatal wiederaufgetauchte Europäische Wildkatze.
Allerdings zu viel Schnee behagt der zurückgezogen lebenden Waldbewohnerin gar nicht. Im Hochgebirge fühlt sich die Wildkatze deswegen alles andere als zu Hause. Denn im tiefen Schnee kommt sie mit ihren Pfoten nur mühsam voran, sinkt immer wieder ein und ihre bevorzugten Beutetiere, die Wühlmäuse, bleiben für sie weitgehend unerreichbar. Da Wildkatzen aber keinen Winterschlaf halten, gilt es für sie auch in der kalten Jahreszeit ihren Magen zu sättigen. Das Thayatal bietet ihnen dafür ideale Bedingungen, denn in der Regel sind die Winter schneearm und die mit Trockenrasen und Wiesen durchsetzten Hangwälder stellen nicht nur für Wildkatzen, sondern auch für Mäuse ein wahres Eldorado dar.

… Und was die Spuren angeht: Katzenspuren ließen sich dieser Tage im noch schneebedeckten Thayatal von den Nationalpark Mitarbeitern tatsächlich ausfindig machen, aber die Unterscheidung zwischen Wildkatze und einer durch den Wald streunenden Hauskatze ist rein von der Spur her so gut wie unmöglich. Leider.
Umso wichtiger ist es, die Augen offen zu halten, um weitere Hinweise über die wiedergekehrte Europäische Wildkatze zu sammeln. Habt Ihr sie vielleicht gesehen? Ist Euch ein Schnappschuss gelungen? Oder habt Ihr eine Vermutung? Die Wildkatzenmeldestelle baut auf unsere Mitarbeit!

PS: Damit haben sich die “Spuren-Nachrichten” aus dem NP Thayatal aber noch nicht erschöpft. Mehr dazu gibt es demnächst, also bleibt dran :)

Den Teufel ausgetrickst

“Es gibt da eine Geschichte über einen interessanten Handel mit dem Teufel”, erzählt NP Thayatal Förster Wolfgang Riener. Bei diesem Handel hat jemand seine Seele – wie in solchen Fällen üblich – an den Teufel verkauft, allerdings unter folgender Bedingung: „Wenn die Buche ihr letztes Blatt verliert, kannst du meine Seele haben.”
Der Teufel hätte sich dabei aber lieber auf einen Deal mit Ahorn oder Esche einlassen sollen. Diese beiden verlieren nämlich bereits nach dem ersten Frost so gut wie alle ihre Blätter.
Bei den Buchen läuft das anders: Rotbuchen, Hainbuchen, aber auch Eichen behalten oftmals einige ihrer Blätter den ganzen Winter hindurch. Meist sind es die jüngeren Bäume, die sich nicht ganz trennen können ;-)
Den einfachen Grund dafür erklärt Wolfgang Riener: “Die Blätter dienen als zusätzlicher Schutz für die sensiblen Knospen, die im nächsten Frühjahr anstelle der welken Blätter austreiben werden.” Die frischen, grünen Blätter treiben aus, wenn die alten zum Teil noch immer am Baum haften. Damit hat der Teufel sicher nicht gerechnet!