Informieren statt Polarisieren

Gegen den Wind ist ja nichts einzuwenden, aber gegen Windkraft direkt am Nationalpark schon. Warum?
Die 26 Windräder, die vor den Pforten des NP Thayatal geplant sind – aber momentan auf Eis liegen – ragen etwas höher als der Wiener Stephansdom in den Himmel und bestreichen mit ihren Rotorblättern eine Fläche, die in etwa der Größe von zwei Fußballfeldern entspricht. Luftraum, der für Greifvögel, Fledermäuse und Schwarzstörche zur Gefahrenzone wird.

Kleine, leichtgewichtige Flieger, wie Fledermäuse brauchen aber erst gar nicht direkt mit den Windrädern zu kollidieren: Der hohe Druck im Umkreis der Windräder allein reicht aus, um ihre Lungen zum Platzen zu bringen. Schwarzstörche oder Seeadler, die sich mit der Thermik hochschrauben, werden über den Sog ebenfalls in die Windrad-Falle gezogen. Aus Studien weiß man, dass solche „Lebensräume“ – wenn sie nicht bereits tödliche “Nebenwirkung” hatten – von den Tieren in weiterer Folge gemieden werden.

Eine ganze Reihe interessanter Fakten rund um die Windkraft lässt sich in der aktuellen Sommerausgabe der Nationalpark Zeitschrift „Thayatal Inform“ nachlesen.
Denn Informieren statt Polarisieren lautet das Credo der Zeit!

Hier blitzt kein Windrad durch den Thayatal Wald, sondern nur die Sonne.

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind …

Am 3. April fand der Infotag zum “Windpark Nord” in der Volksschule Pleissing statt. Dieser soll in unmittelbarer Nähe des Nationalparks Thayatal – gemeinsam mit einer Reihe weiterer Windparkprojekte im Waldviertel – entstehen.

Bürgermeister, Gemeindevertreter, technische Planer, Windenergie-Experten, Vertreter der Österreichischen Bundesforste und der Geschäftsstelle für Energiewirtschaft des Landes Niederösterreich gaben Auskunft zum geplanten Windenergie-Ausbau.
Frei nach dem Motto: “Wer Informationen möchte, kann in der Zeit von…bis individuell nachfragen.” Einige Waldviertler haben das Angebot auch angenommen. Allerdings hätte es der Veranstaltung sicher gut getan, wenn eine allgemeine Präsentation zu einem fixen Zeitpunkt für alle Interessierten stattgefunden hätte, anstatt die Information häppchenweise “zu verkaufen”…

Als Hauptargument für die Windkraft wurde die Bedrohung durch mögliche weitere tschechische Atomenergieprojekte herangezogen. Wer gegen Windkraft ist, ist gewissermaßen für Atomenergie… frei übersetzt.
Ein wenig scheint hier suggeriert zu werden, dass wir keine Wahl haben. Entscheidet Euch für diese Energieform, die “gute”, weil erneuerbare und saubere (mal abgesehen davon, dass die Produktion der Windräder auch Energie verbraucht und diese nicht immer sauber ist…) oder wählt die “böse” Energieform, die Atomenergie. Tja, was soll man darauf sagen? Da bleibt uns wohl keine Wahl, oder?

Unsere Naturlandschaften im Ausverkauf?

Ein wenig hat es auch den Anschein, als würden solche Informationsveranstaltungen nur pro forma abgehalten werden, ein bisschen halbherzig. In der Richtung: “Die Bevölkerung informieren? Schon, aber nicht zu ausführlich, ein paar Happen sind genug, denn die Wahl wurde schon getroffen.”
Die Bevölkerung, sprich die Menschen, die in diesen Regionen leben, möchten aber informiert werden und sie haben bei den Entscheidungen, wie unser Land umgestaltet wird, ein kräftiges Wörtchen mitzureden. Sie bzw. wir haben die Wahl und diese beschränkt sich nicht nur auf Windkraft oder das Apokalypse-Szenario Atomenergie, sondern es geht auch um unsere Lebensvorstellungen, unseren Willen an einer gemeinsamen Zukunft zu arbeiten, in der sich der Mensch wieder als stärker in die Natur eingebettet versteht und entsprechend handelt. Denn trotz all unserer technischen Errungenschaften, Bauten und Künstlichkeiten, sind wir letztlich ein integraler Bestandteil der Natur. Und nur, wenn wir uns endlich wieder als solcher verstehen, wird es eine Zukunft mit Menschen geben.

Die Rückmeldungen auf den Blogbeitrag “Erneuerbare Energien um jeden Preis?” zeigen, dass den Menschen die Natur, der sie ja selbst angehören, wichtig ist und es sie zu schützen gilt. Ich kann den Kommentaren nur zustimmen, “der Mensch lebt nicht vom Strom allein”!

Ganz egal, wer wir sind, der Waldviertler, der immer schon gerne durch die heimische Natur gewandert ist, der Industrielle, der seine Windräder verkaufen möchte, der Windenergie-Experte, der seinen Standpunkt vertreten will etc. … letztlich sitzen wir alle im gleichen Boot. Da wäre es doch mal an der Zeit miteinander ins Gespräch zu kommen … so richtig … vielleicht als kleiner Anreiz für zukünftige Informationsveranstaltungen zum Thema Windkraft oder auch zu ganz anderen Themen.

Wie seht Ihr das? Findet Ihr, dass sich die Windkraft mit dem Waldviertel gut vereinbaren lässt? Was sagt Ihr zu den ausgewiesenen “Potenzialflächen für Windkraftanlagen” (zu finden auf dieser Seite, als Download “Anhang 6-6 – Potenzialflaechen”)?
Soll das Waldviertel in Zukunft zu einem rotierenden Fleckerlteppich werden? Oder könnt Ihr Euch eine andere Zukunftsvision vorstellen? … Die Frage lautet letztlich auch, worauf sind wir bereit zu verzichten, um den Energieausbau einzudämmen? Was kann jeder Einzelne beitragen?