Informieren statt Polarisieren

Gegen den Wind ist ja nichts einzuwenden, aber gegen Windkraft direkt am Nationalpark schon. Warum?
Die 26 Windräder, die vor den Pforten des NP Thayatal geplant sind – aber momentan auf Eis liegen – ragen etwas höher als der Wiener Stephansdom in den Himmel und bestreichen mit ihren Rotorblättern eine Fläche, die in etwa der Größe von zwei Fußballfeldern entspricht. Luftraum, der für Greifvögel, Fledermäuse und Schwarzstörche zur Gefahrenzone wird.

Kleine, leichtgewichtige Flieger, wie Fledermäuse brauchen aber erst gar nicht direkt mit den Windrädern zu kollidieren: Der hohe Druck im Umkreis der Windräder allein reicht aus, um ihre Lungen zum Platzen zu bringen. Schwarzstörche oder Seeadler, die sich mit der Thermik hochschrauben, werden über den Sog ebenfalls in die Windrad-Falle gezogen. Aus Studien weiß man, dass solche „Lebensräume“ – wenn sie nicht bereits tödliche “Nebenwirkung” hatten – von den Tieren in weiterer Folge gemieden werden.

Eine ganze Reihe interessanter Fakten rund um die Windkraft lässt sich in der aktuellen Sommerausgabe der Nationalpark Zeitschrift „Thayatal Inform“ nachlesen.
Denn Informieren statt Polarisieren lautet das Credo der Zeit!

Hier blitzt kein Windrad durch den Thayatal Wald, sondern nur die Sonne.

Eine sanftere Brise

Ganz Österreich will bis 2020 34 Prozent des Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien gewinnen, Niederösterreich strebt sogar 50 Prozent an. Die Windkraft soll dabei eine tragende Rolle einnehmen. Bis Ende 2013 werden sich in Niederösterreich über 460 Windkraftanlagen drehen, rund 14 Prozent des Strombedarfs zur Verfügung stellen und etwa 440.000 Haushalte versorgen.

Aber den geplanten Windkraftanlagen, wie etwa dem Windpark Nord unweit des Nationalpark Thayatal (siehe dazu Blogbeitrag „Erneuerbare Energien um jeden Preis“), bläst zunehmender Gegenwind ins Gesicht. NÖ Landeshauptmann Erwin Pröll reagierte auf die Bedenken und äußerte sich in einer Presseaussendung vom 2. Mai folgendermaßen: „Windkraftanlagen soll es in Zukunft nur noch in eigens ausgewiesenen Standortzonen geben.” Dafür gilt es ein neues Raumordnungsprogramm zu entwickeln, damit Windräder in Zukunft nicht wahllos durch die Gegend rotieren.

Nationalparkdirektor Robert Brunner freut sich über diese Entwicklungen: „Damit kann eine Nachdenkpause einsetzen. Statt einzig auf die möglichen Einnahmen aus Windkraftanlagen zu schielen, kann jetzt sachlich und ohne Zeitdruck über die Auswirkungen auf die Ökologie diskutiert werden.“ Wichtig wäre es, dass Schutzgebiete wie der Nationalpark Thayatal in diese Raumordnungsambitionen einbezogen werden. Naturschutz darf nicht einfach übergangen werden. Dafür plädiert auch Österreichs Wappenvogel bzw. dessen Nachwuchs. Im Windkraft-Planungsgebiet zwischen Hardegg, Langau und Weitersfeld hat heuer ein Seeadler-Pärchen erfolgreich gebrütet. „Das schließt die Errichtung des Windparks Nord nach Meinung zahlreicher Experten ohnehin aus“, so Brunner.
Zu den Seeadlern demnächst mehr…

Der Blog hält Euch in jedem Fall auf dem Laufenden, wie es in Sachen Windkraft und Nationalpark weitergeht!

Im Moment wachsen noch die Bäume in den Himmel… werden sich in Zukunft Windräder darunter mischen?

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind …

Am 3. April fand der Infotag zum “Windpark Nord” in der Volksschule Pleissing statt. Dieser soll in unmittelbarer Nähe des Nationalparks Thayatal – gemeinsam mit einer Reihe weiterer Windparkprojekte im Waldviertel – entstehen.

Bürgermeister, Gemeindevertreter, technische Planer, Windenergie-Experten, Vertreter der Österreichischen Bundesforste und der Geschäftsstelle für Energiewirtschaft des Landes Niederösterreich gaben Auskunft zum geplanten Windenergie-Ausbau.
Frei nach dem Motto: “Wer Informationen möchte, kann in der Zeit von…bis individuell nachfragen.” Einige Waldviertler haben das Angebot auch angenommen. Allerdings hätte es der Veranstaltung sicher gut getan, wenn eine allgemeine Präsentation zu einem fixen Zeitpunkt für alle Interessierten stattgefunden hätte, anstatt die Information häppchenweise “zu verkaufen”…

Als Hauptargument für die Windkraft wurde die Bedrohung durch mögliche weitere tschechische Atomenergieprojekte herangezogen. Wer gegen Windkraft ist, ist gewissermaßen für Atomenergie… frei übersetzt.
Ein wenig scheint hier suggeriert zu werden, dass wir keine Wahl haben. Entscheidet Euch für diese Energieform, die “gute”, weil erneuerbare und saubere (mal abgesehen davon, dass die Produktion der Windräder auch Energie verbraucht und diese nicht immer sauber ist…) oder wählt die “böse” Energieform, die Atomenergie. Tja, was soll man darauf sagen? Da bleibt uns wohl keine Wahl, oder?

Unsere Naturlandschaften im Ausverkauf?

Ein wenig hat es auch den Anschein, als würden solche Informationsveranstaltungen nur pro forma abgehalten werden, ein bisschen halbherzig. In der Richtung: “Die Bevölkerung informieren? Schon, aber nicht zu ausführlich, ein paar Happen sind genug, denn die Wahl wurde schon getroffen.”
Die Bevölkerung, sprich die Menschen, die in diesen Regionen leben, möchten aber informiert werden und sie haben bei den Entscheidungen, wie unser Land umgestaltet wird, ein kräftiges Wörtchen mitzureden. Sie bzw. wir haben die Wahl und diese beschränkt sich nicht nur auf Windkraft oder das Apokalypse-Szenario Atomenergie, sondern es geht auch um unsere Lebensvorstellungen, unseren Willen an einer gemeinsamen Zukunft zu arbeiten, in der sich der Mensch wieder als stärker in die Natur eingebettet versteht und entsprechend handelt. Denn trotz all unserer technischen Errungenschaften, Bauten und Künstlichkeiten, sind wir letztlich ein integraler Bestandteil der Natur. Und nur, wenn wir uns endlich wieder als solcher verstehen, wird es eine Zukunft mit Menschen geben.

Die Rückmeldungen auf den Blogbeitrag “Erneuerbare Energien um jeden Preis?” zeigen, dass den Menschen die Natur, der sie ja selbst angehören, wichtig ist und es sie zu schützen gilt. Ich kann den Kommentaren nur zustimmen, “der Mensch lebt nicht vom Strom allein”!

Ganz egal, wer wir sind, der Waldviertler, der immer schon gerne durch die heimische Natur gewandert ist, der Industrielle, der seine Windräder verkaufen möchte, der Windenergie-Experte, der seinen Standpunkt vertreten will etc. … letztlich sitzen wir alle im gleichen Boot. Da wäre es doch mal an der Zeit miteinander ins Gespräch zu kommen … so richtig … vielleicht als kleiner Anreiz für zukünftige Informationsveranstaltungen zum Thema Windkraft oder auch zu ganz anderen Themen.

Wie seht Ihr das? Findet Ihr, dass sich die Windkraft mit dem Waldviertel gut vereinbaren lässt? Was sagt Ihr zu den ausgewiesenen “Potenzialflächen für Windkraftanlagen” (zu finden auf dieser Seite, als Download “Anhang 6-6 – Potenzialflaechen”)?
Soll das Waldviertel in Zukunft zu einem rotierenden Fleckerlteppich werden? Oder könnt Ihr Euch eine andere Zukunftsvision vorstellen? … Die Frage lautet letztlich auch, worauf sind wir bereit zu verzichten, um den Energieausbau einzudämmen? Was kann jeder Einzelne beitragen?

Erneuerbare Energien um jeden Preis?

Der Nationalpark Thayatal beschützt an der Grenze zu Tschechien im niederösterreichischen Waldviertel einen kleinen, aber sehr feinen Naturschatz. Mit der Stolz des Nationalparks sind die seltenen Schwarzstörche, die im Sommer durchs Tal ziehen, die prächtigen Seeadler, die an den eisfreien Wassern der Thaya im Winter Nahrung finden und viele andere Vogel- und vor allem auch Fledermausarten. Für diese Luftbewohner wie auch für alle anderen tierischen Bewohner des Thayatals endet ihr Lebensraum natürlich nicht an den imaginären Grenzen des Nationalparks. Die direkt angrenzenden Waldgebiete sind für sie genauso wichtig. Doch genau dort, in unmittelbarer Nähe des Nationalparks sollen sich ab 2015 gigantische Rotorblätter drehen. Bis zu 25 Windräder von jeweils knapp 200 Meter Höhe, die jeden Urwaldriesen um Längen überragen, sollen auf 2000 Hektar Waldfläche westlich an den Nationalpark angrenzend, zwischen Riegersburg und Weitersfeld, in Zukunft für saubere, erneuerbare Energie sorgen.

Verdunkeln bald Rotorblätter den Naturschutzgedanken in Österreich?

Aber wie erneuerbar ist der Nationalpark? Zwar wird die gesetzlich vorgeschriebene Mindestentfernung von zwei Kilometern zum Nationalpark eingehalten, aber was bedeuten diese Mindestkilometer etwa einem Seeadler, der für diese Distanz nur ein paar Flügelschläge benötigt?
Es geht allerdings nicht nur um den Seeadler, es geht in der Tat um den ganzen Nationalpark. Es geht um die vielfältige Natur des Waldviertels. Und es geht um unsere Energiezukunft.
Eine Studie von Forschern der Universität Harvard in Cambridge, Massachusetts fand heraus, dass ein Netzwerk aus 2,5 Megawatt-Windenergie-Anlagen, errichtet auf unbewaldeten, eisfreien und unbevölkerten Gebieten, den globalen Energieverbrauch gleich fünfmal decken könnte. Eine fulminante Erkenntnis! Aber wollen wir eine Welt die mit Kraftwerken, gleich welcher Art, vollgepflastert ist? Oder wollen wir eine Welt, in der auch Raum für intakte Natur bleibt? Sollte letzteres der Fall sein, dann wäre es höchst an der Zeit, dass wir statt weiter exzessiv Kraftwerksanlagen zu erbauen, uns Gedanken darüber machen, wie wir unseren Energiebedarf reduzieren können…

Wollen wir eine von Kraftwerksanlagen zugepflasterte Welt, in der kein Raum mehr für intakte Natur übrig bleibt?

Erneuerbare Energien müssen gefördert werden, aber nicht um jeden Preis. Es gilt abzuwägen, an welchem Ort und in welcher Form ein Projekt Sinn macht. Das betonte unlängst auch Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll auf Radio NÖ. Er äußerte sich zum geplanten massiven Windkraft-Ausbau in Niederösterreich folgendermaßen: Der Ausbau sei ökologisch notwendig und finanziell lukrativ für die Gemeinden. Allerdings stellte er auch fest, „wenn wir diesen Weg allzu intensiv gehen, leidet die Ästhetik darunter“. Und er fügte hinzu, dass Windräder in Zukunft nur noch „in exponierten Lagen“ gebaut werden sollten, wo auch der Wind stark genug sei.

Nicht nur die Ästhetik leidet, sondern auch der Naturschutz. Das 2000 Hektar große Windrad-Gebiet, direkt an den Pforten des 1330 Hektar großen Nationalparks Thayatal ist weder ein unbewaldetes Gebiet noch ein unbevölkertes und auch kein exponiertes … Es ist ein Gebiet, in dem Menschen leben und in dem sich eine einzigartige Natur befindet, die es zu bewahren gilt. Der Nationalpark Thayatal wird sich dafür einsetzen, damit auch zukünftige Generationen diese Natur erleben können. Nationalpark-Direktor Robert Brunner dazu: „Niederösterreich hat sich vor über 15 Jahren für die Nationalparks Donauauen und Thayatal entschieden. Ein wichtiges Signal und ein Bekenntnis für den Naturschutz. Diese hochwertigen Schutzgebiete sollten jetzt nicht durch überstürzte und rein wirtschaftlich begründete Entscheidungen gefährdet werden.“

Die Europäische Wildkatze galt bei uns lange Zeit als ausgestorben. 2007 konnte sie erstmals wieder in Österreich nachgewiesen werden. In den Wäldern des Nationalparks Thayatal. Naturschutz zeigt Wirkung…

Der oberösterreichische Nationalpark Kalkalpen hat dieser Tage bereits ein entscheidendes Zeichen für den Naturschutz gesetzt. Das Kuratorium des Nationalparks, dem Jägerschaft, Almbauern, alpine Vereine und Naturschutzorganisationen wie der WWF angehören, hat einstimmig beschlossen, dass in keiner der 17 Mitgliedsgemeinden der Nationalparkregion Windräder aufgestellt werden dürfen. Denn Naturschutz endet nicht an den Pforten des Nationalparks.

Sind wir für erneuerbare Energien? Natürlich! Aber nicht um jeden Preis…


Tipp:

Am Mittwoch, 3. April findet zwischen 15 und 19 Uhr eine Informationsveranstaltung der Bundesforste, die den Windpark nahe am Nationalpark betreiben möchten, statt.
Der voraussichtliche Ort für die Veranstaltung ist die Volksschule Pleißing (kann noch geändert werden und wird hier, sollte dies der Fall sein, noch bekannt gegeben).
Interessierte Bürger können sich dort in persönlichen Gesprächen zum geplanten Ausbau der Windkraft im Waldviertel informieren.

Wer seine Bedenken zu den Windrädern an den Pforten des Nationalparks Thayatal äußern möchte, kann sich an den niederösterreichischen Landesrat Stephan Pernkopf wenden.
Brief an: Landesrat Dr. Stephan Pernkopf, Landhausplatz1, 3109 St. Pölten
Email: lr.pernkopf@noel.gv.at

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