Das Thayatal von oben erleben

Das Beste kommt zum Schluss. Zum Jahresende gibt’s für alle Fans des Nationalparks Thayatal – und für alle, die es noch werden wollen :) – etwas zum Genießen, zum Träumen und Vorfreuen: den brandneuen Thayatal-Kurzfilm “Das Thayatal von oben erleben”.

Was euch darin erwartet? Topaktuelle Luftaufnahmen – via Drohne – erstellt im Sommer und Herbst 2017. Wir werfen einen Blick auf die sommerlichen Wälder des “Green Canyon” Österreichs und tauchen ein in die herbstlich verfärbte Baum-Pracht. Dazwischen schlängelt sich die Thaya dahin, schafft Umlaufberge und ein enges Miteinander zwischen Österreich und Tschechien.

Wir wünschen euch viel Freude mit dem Film und einen glücklichen, gesunden und erfolgreichen Start ins neue Jahr!

Mystisches Thayatal

Die Tage werden kürzer, die Nächte länger und das Waldviertel wieder einen Tick mystischer. Woran das liegt, vor allem an den „Wolken mit Bodenkontakt“.

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Wie entstehen diese? Der Boden kühlt im Herbst allmählich aus. Wenn tagsüber die Sonne scheint, erhitzt sich die Luft allerdings noch beträchtlich. Bei Sonnenuntergang rasseln die Luftemperaturen dann wieder in den Keller, der kalte Boden beschleunigt diesen Prozess. Und bei der Abkühlung passiert die Magie: Überschüssiges Wasser kondensiert, wird flüssig und für uns als schleierhafter Nebel sichtbar. Wer mehr darüber erfahren möchte, wird hier fündig: “Wolken mit Bodenkontakt”

Das Auf und Ab der Thaya

6,5 Kilometer Luftlinie von Hardegg entfernt, im angrenzenden Tschechien, liegt das Speicherkraftwerk Vranov (in Frain an der Thaya). Zwischen 1933 und 1934 errichtet – lange vor der Gründung des Nationalparks Thayatal – liefert es auch heute noch Strom. Nationalpark und ansässige Tierwelt müssen damit klarkommen.

Was sind die Herausforderungen mit einem Wasserkraftwerk vor der Haustüre?
Das Kraftwerk regelt den Wasserfluss der Thaya. Jeden Tag – zu Zeiten des Spitzenstromverbrauchs – steigt der Mindestdurchfluss von 2 bis 4 m³/Sekunde auf beträchtliche 30 bis 45 m³/Sekunde an!
Innerhalb kurzer Zeit steigen die Fließgeschwindigkeit und der Wasserpegel der Thaya deutlich. Überzeugt euch selbst davon in diesem Video:

Was bewirken diese Pegelschwankungen?

Schotterauswaschungen durch den Schwallbetrieb führen dazu, dass Bachforellen und andere Fische, die ihren Laich an schottrig, kiesigen Stellen ablegen, nicht mehr genügend Laichplätze finden. Leider wird auch kein Schotter nachgeliefert, das verhindert die Staumauer des Kraftwerks.
Auch die Wassertemperatur stellt viele Fische vor Probleme. In Frain wird 4 Grad Celsius kaltes Tiefenwasser abgelassen, im Schnitt ist das Wasser der Thaya im Sommer deshalb nur zwischen 10 und 15 Grad „warm“.
Und im Winter wirkt sich der Schwallbetrieb dahingehend aus, dass die Thaya – im Gegensatz zu umliegenden Gewässern – in der Regel nicht zufriert. Deshalb ist sie bei Enten, Schwänen, Graureihern, Kormoranen und mitunter auch dem Seeadler als Winterquartier sehr beliebt.

Wer klopft denn da?

Schwarzspecht

Er ist der größte, nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa. Die Rede ist vom Schwarzspecht. Ihm zu begegnen ist nicht ganz einfach, aber überall dort, wo es alte Bäume, dicke Stämme und reichlich Totholz gibt, kann es ein Zusammentreffen geben. Bei einem Waldspaziergang im Nationalpark Thayatal stehen die Chancen ihm über den Weg zu laufen, richtig gut.
Hier ein paar sachdienliche Erkennungsmerkmale: Kohlrabenschwarz, von der Größe her einer Krähe ähnlich, nur filigraner im Körperbau und mit dem unverkennbar roten Scheitel. Durchgehend rot bei Männchen bzw. bei Weibchen als roter Farbklecks am Hinterkopf ausgeprägt.
Welchen besonderen „Deal“ der Schwarzspecht und seine anderen „klopfenden Kollegen“ mit dem Wald eingangen sind, könnt ihr hier nachlesen.

Im Winter liegt Liebe in der Luft

Es ist wieder soweit. Die Kuder, die männlichen Wildkatzen buhlen um die Gunst der Weibchen. Von Jänner bis März streifen sie umher, auf der Suche nach dem verheißungsvollen, paarungsbereiten Duft einer Wildkatzendame. Auch bei unseren Gehege-Wildkatzen, Frieda und Carlo, regen sich die winterlichen Frühlingsgefühle. Einen kleinen Blick auf die beiden gewährt ein kurzes Video.

Wer mehr über die Ranzzeit bei den Wildkatzen erfahren möchte, wie Wissenschaftler sich diese zunutze machen und wer bei der Wildkatzen-Jungenaufzucht das Sagen hat, wird hier fündig.

Eiszeit

Die Waldgebiete des Nationalparks Thayatal sind momentan gesperrt. Im Waldviertel sind dutzende Schulen geschlossen, Teile Niederösterreichs und des Burgenlands sind kaum noch erreichbar, tausende Haushalte ohne Strom.

Ständig brechen Äste, entwurzeln sogar ganze Bäume.

In den letzten Tagen brachen ständig Äste und sogar ganze Bäume wurden entwurzelt.

Was wie ein Endzeit-Szenario klingt, ist in der Tat eine „kleine Eiszeit“. Raureif und vor allem Eisregen haben einige Gebiete Österreichs in einen Eispalast verwandelt. Zentimeterdicke Eisschichten machen aus Straßen einen einzigen Schlittschuhplatz, hüllen die Vegetation, Häuser, Ortschilder, ja schlichtweg alles in einen eisigen Panzer. Unter der Last brechen vor allem Äste und ganze Bäume zusammen. In einigen Gemeinden wurde deswegen sogar Katastrophenalarm ausgelöst.

Die Bäume rings um den Nationalpark-Teich verneigen sich nicht, sondern brechen unter der Eislast zusammen.

Die Bäume rings um den Nationalpark-Teich scheinen sich zu verneigen. Tatsächlich aber brechen sie unter der Eislast zusammen.

Verantwortlich für den Eisüberzug sind unterkühlte Regentropfen. Wenn Regen durch sehr kalte Luftschichten fällt, sich weit unter den Gefrierpunkt abkühlt und auf keine Kristallisationskeime in der Luft stößt, die ihn vorzeitig gefrieren lassen, dann kommt es zu diesem Eisphänomen. Denn sobald die unterkühlten Regentropfen einen Ast, ein Straßenschild oder ein anderes solides Hindernis berühren, gefrieren die Tropfen augenblicklich.

Sobald unterkühlter Regen auf ein solides Hindernis stößt, gefriert er augenblicklich. Dabei entstehen mitunter auch bizarr schöne Formen, wie etwa hier: Die Dachvegetation des Nationalparkhauses

Sobald unterkühlter Regen auf ein solides Hindernis stößt, gefriert er augenblicklich. Dabei entstehen mitunter auch bizarr schöne Formen, wie etwa hier am Dach des Nationalparkhauses.

Besonders angespannt ist die Situation momentan in der Nationalparkgemeinde Hardegg. Wegen des gefrierenden Nebels und Nieselregens musste die Feuerwehr ausrücken, um die Energie- und Trinkwasserversorgung zu gewährleisten. Ein Sprengtrupp war sogar nötig, um umgestürzte Baumgruppen zu entfernen.

Zum Glück hat sich die Lage heute Vormittag erstmals etwas verbessert. Die wärmeren Temperaturen haben dafür gesorgt, dass die schwerste Eislast mittlerweile abgetaut ist. Auch in den kommenden Tagen soll es zu einer weiteren Entspannung der Wettersituation kommen. Die Eiszeit ist dann hoffentlich bald zu Ende.

Hoffentlich taut das Eis rasch, damit nicht noch mehr Äste und Bäume umknicken.

Hoffentlich taut das Eis rasch, damit nicht noch mehr Äste und Bäume umknicken.

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind …

Am 3. April fand der Infotag zum “Windpark Nord” in der Volksschule Pleissing statt. Dieser soll in unmittelbarer Nähe des Nationalparks Thayatal – gemeinsam mit einer Reihe weiterer Windparkprojekte im Waldviertel – entstehen.

Bürgermeister, Gemeindevertreter, technische Planer, Windenergie-Experten, Vertreter der Österreichischen Bundesforste und der Geschäftsstelle für Energiewirtschaft des Landes Niederösterreich gaben Auskunft zum geplanten Windenergie-Ausbau.
Frei nach dem Motto: “Wer Informationen möchte, kann in der Zeit von…bis individuell nachfragen.” Einige Waldviertler haben das Angebot auch angenommen. Allerdings hätte es der Veranstaltung sicher gut getan, wenn eine allgemeine Präsentation zu einem fixen Zeitpunkt für alle Interessierten stattgefunden hätte, anstatt die Information häppchenweise “zu verkaufen”…

Als Hauptargument für die Windkraft wurde die Bedrohung durch mögliche weitere tschechische Atomenergieprojekte herangezogen. Wer gegen Windkraft ist, ist gewissermaßen für Atomenergie… frei übersetzt.
Ein wenig scheint hier suggeriert zu werden, dass wir keine Wahl haben. Entscheidet Euch für diese Energieform, die “gute”, weil erneuerbare und saubere (mal abgesehen davon, dass die Produktion der Windräder auch Energie verbraucht und diese nicht immer sauber ist…) oder wählt die “böse” Energieform, die Atomenergie. Tja, was soll man darauf sagen? Da bleibt uns wohl keine Wahl, oder?

Unsere Naturlandschaften im Ausverkauf?

Ein wenig hat es auch den Anschein, als würden solche Informationsveranstaltungen nur pro forma abgehalten werden, ein bisschen halbherzig. In der Richtung: “Die Bevölkerung informieren? Schon, aber nicht zu ausführlich, ein paar Happen sind genug, denn die Wahl wurde schon getroffen.”
Die Bevölkerung, sprich die Menschen, die in diesen Regionen leben, möchten aber informiert werden und sie haben bei den Entscheidungen, wie unser Land umgestaltet wird, ein kräftiges Wörtchen mitzureden. Sie bzw. wir haben die Wahl und diese beschränkt sich nicht nur auf Windkraft oder das Apokalypse-Szenario Atomenergie, sondern es geht auch um unsere Lebensvorstellungen, unseren Willen an einer gemeinsamen Zukunft zu arbeiten, in der sich der Mensch wieder als stärker in die Natur eingebettet versteht und entsprechend handelt. Denn trotz all unserer technischen Errungenschaften, Bauten und Künstlichkeiten, sind wir letztlich ein integraler Bestandteil der Natur. Und nur, wenn wir uns endlich wieder als solcher verstehen, wird es eine Zukunft mit Menschen geben.

Die Rückmeldungen auf den Blogbeitrag “Erneuerbare Energien um jeden Preis?” zeigen, dass den Menschen die Natur, der sie ja selbst angehören, wichtig ist und es sie zu schützen gilt. Ich kann den Kommentaren nur zustimmen, “der Mensch lebt nicht vom Strom allein”!

Ganz egal, wer wir sind, der Waldviertler, der immer schon gerne durch die heimische Natur gewandert ist, der Industrielle, der seine Windräder verkaufen möchte, der Windenergie-Experte, der seinen Standpunkt vertreten will etc. … letztlich sitzen wir alle im gleichen Boot. Da wäre es doch mal an der Zeit miteinander ins Gespräch zu kommen … so richtig … vielleicht als kleiner Anreiz für zukünftige Informationsveranstaltungen zum Thema Windkraft oder auch zu ganz anderen Themen.

Wie seht Ihr das? Findet Ihr, dass sich die Windkraft mit dem Waldviertel gut vereinbaren lässt? Was sagt Ihr zu den ausgewiesenen “Potenzialflächen für Windkraftanlagen” (zu finden auf dieser Seite, als Download “Anhang 6-6 – Potenzialflaechen”)?
Soll das Waldviertel in Zukunft zu einem rotierenden Fleckerlteppich werden? Oder könnt Ihr Euch eine andere Zukunftsvision vorstellen? … Die Frage lautet letztlich auch, worauf sind wir bereit zu verzichten, um den Energieausbau einzudämmen? Was kann jeder Einzelne beitragen?

Mystisches Thayatal

Der Nebel im Waldviertel, das ist wahrlich ein eigenes Kapitel. Für all jene, die damit nicht so vertraut sind, hier eine kleine Nachhilfestunde.
Wenn’s im Waldviertel Bodennebel gibt, dann kann der sich mitunter lange halten. Nationalparkförster Wolfgang Riener (siehe auch sein Kommentar zum Totholz “Warum schaut’s bei Euch unaufgeräumt aus”) hat uns den Waldviertler Nebelrekord verraten: 109 Tage in Folge ohne einen Sonnenblinzler, dafür aber fehlte es nicht an Feuchtigkeit ;)
Wahre Naturliebhaber schreckt das aber keineswegs ab, denn so ein Nebeltag im Herbst sorgt für eine ganz spezielle, mystische Stimmung.
Direkt oberhalb der Thaya, übrigens, hält sich im Herbst / Winter meist kein Nebel, weil das Wasser der Thaya wärmer als die Umgebungsluft ist. Erst weiter oben umgibt einen der milchig, weiße Schleier.