Es grünt so grün

Bevor die Laubbäume ihre Blätter ganz entfalten, macht eine Heerschar von kleinen Waldboden-Pflanzen dem Grau des Winters bereits den Garaus. Es wird wieder grün!

TT_MGraf_00034_c

Wer dafür verantwortlich schreibt? – Etwa die Leberblümchen. Nach ihrer frühen Blüte entstehen nun die brandneuen Leberblümchen-Laubblätter, die im Unterschied zu den matten, dunklen Vorjahres-Laubblättern strahlend frisch und saftig grün sind.
Das Scharbockskraut sorgt für Teppiche von kleinen nieren- bis herzförmigen Blättern. In Maßen genossen sehr schmackhaft, aber Achtung vor Verwechslungen mit der giftigen Haselwurz.
Wie ihr solche Verwechslungen ausschließen könnt und wer noch seine ersten frühen Laubblätter im Nationalpark Thayatal gegen den Winter aufmarschieren lässt, das könnt ihr hier nachlesen.

Wie war das mit dem Bärlauch noch mal?

Wer nicht gerade Kräuterkenner und mit allen Pflänzchen auf Du und Du ist, steht möglicherweise auch in diesem Frühjahr wieder einmal ratlos vor einem Grüppchen saftig grüner Blätter und fragt sich, ob sie denn wirklich dem Bärlauch zuzurechnen sind.
Der Nationalpark entlastet Euch insofern bei dieser Frage, als Bärlauch und Co. nur zum visuellen und nicht zum kulinarischen Genuss gedacht sind – Stichwort Sammelverbot. Nichtsdestotrotz wäre es schön zu wissen, woran man denn nun eigentlich ist :)

Sobald der Bärlauch zu blühen beginnt, verlieren seine Laubblätter an Saft und Aroma.

Sobald der Bärlauch zu blühen beginnt, verlieren seine Laubblätter an Saft und Aroma.

Hier die wichtigsten Hinweise zum Mitschreiben:

1.)  Die Blätte des Bärlauchs sind weich.

2.)  Die Blattunterseite ist matt und verfügt über eine kantige Mittelrippe.

3.)  Jedes Blatt kommt einzeln aus der Erde.

Wer es noch genauer wissen will und auf Nummer sicher gehen möchte, dass es sich doch nicht um die giftigen Kollegen Maiglöckchen oder Herbstzeitlose handelt, der findet alle Infos dazu in der NP Thayatal Wildpflanzenkunde.
Viel Spaß beim Schmökern!

Die Kleinen sind die Größten

Die Bäume sind kahl, die bunte Pracht ist dahin. Nicht ganz, sie liegt jetzt am Boden und harrt gewissermaßen ihrer “Weiterverarbeitung”. Im Herbst fallen geschätzte 25 Millionen Laubblätter in einem Buchenwald pro Hektar an. Das entspricht etwa einem Gesamtgewicht von vier Tonnen.

Das Laub ist ab. Jetzt bedeckt es den ganzen Waldboden, tonnenweise. Und wer "räumt" es weg und wohin? - Viele kleine Helfer!

Das Laub ist abgefallen. Jetzt bedeckt es den ganzen Waldboden, tonnenweise. Und wer “räumt” es weg und wohin? – Viele kleine Helfer!

Eine ganze Menge, die es da zu vertilgen und abzubauen gilt. Aber für die Armada an kleinen Waldlebewesen kein Problem. Sobald ein Blatt den Waldboden erreicht, wird seine Oberfläche von verschiedensten, mikroskopisch kleinen Bakterien, Pilzen und Algen besiedelt. Sie beginnen die Blätter “aufzuweichen” und dienen selber als Nahrung für andere kleine Bodenbwohner wie räuberische Milben, Fadenwürmer und Einzeller.

Gleich darauf bzw. parallel beginnen Springschwänze, Hornmilben und die Larven von beispielsweise Köcherfliegen, Schnaken oder Haarmücken ihre Arbeit. Sie fressen Löcher und kleine Fenster in die Blätter, wodurch Bakterien und Pilze in das Blattinnere vordringen können. Durch die größere Angriffsfläche wird der Zersetzungsprozess noch mal beschleunigt.

Manche Waldbewohner wie Asseln, Nacktschnecken, Tausendfüßer, Moosmilben oder Regenwürmer vertilgen überhaupt ganze Blätter oder einzelne Blattstücke. Ihre Hinterlassenschaften, angereichert durch das Blattmaterial, dienen dann wiederum als Nahrung für andere – winzige – Tiere. Die kleinsten sind zahlenmäßig sowieso überlegen. Um dies zu verdeutlichen: Eine Handvoll Waldboden (es reicht auch schon weniger …) enthält mehr Organismen als es Menschen auf der Erde gibt. – Aber gut, für ein paar Tonnen Laub braucht es halt eine starke Truppe.

In der Laubschicht des Waldbodens, der sogenannten Laubstreu, verbergen sich Myriaden an Kleinstlebewesen.

In der Laubschicht des Waldbodens, der sogenannten Laubstreu, verbergen sich Myriaden an Kleinstlebewesen.

Am Ende der Zersetzungsreihe bleiben von Ahorn- Buchenblatt und Co. nur mehr ihre Ausgangssubstanzen über, darunter Kohlenstoff und verschiedenste Mineralien. Diese werden in die Humusschicht des Waldbodens eingelagert und stehen wieder für eine neue Runde im Kreislauf des Lebens bereit.

Die Kleinen sind eben die Größten :)

Windkraft beim Nationalpark? – „Nein danke!“

Momentan liegen die Windpark-Pläne vor den Pforten des Nationalpark Thayatal auf Eis, aber vom Tisch sind sie noch nicht. Abwarten und Teetrinken ist jedoch des Waldviertlers Art nicht, deswegen hat sich mittlerweile eine Bürgerinitiative formiert, die ihre Meinung zum geplanten Windpark nun interaktiv kundtut: www.windpark-neindanke.at

Totholz ist ein bedeutender Wasserspeicher im Wald . Wird es jedoch entfernt, weil stattdessen Betonfundamente und Forstwege angelegt bzw. Kabel im Boden verlegt werden, geht diese wichtige Funktion verloren.

Die Bevölkerung wurde erst im Frühjahr 2013 von den Plänen zum Windpark-Nord in Kenntnis gesetzt, geplant wird daran offenbar schon wesentlich länger – seit 2008. Abgesehen von der Bedrohung für den Nationalpark sollen dem Waldviertel, in dem sich gegenwärtig gerade mal eine Handvoll Windräder drehen, insgesamt zwischen 500 und 1.000 Windräder blühen. Wie bereits berichtet, gibt NÖ Landeshauptmann Erwin Pröll vorerst Entwarnung (siehe Blogbeitrag „Eine sanftere Brise“). Ein Raumordnungsprogramm soll her, ehe die ersten Betonsockel das Waldviertel „bereichern“.
Ob sich 200-Meter hohe Windrad-Giganten so einfach in den Wald „einfügen“ lassen? Dort würden sie nicht stören, so die Argumente der Betreiber. Aber vielleicht fühlt sich ja der Wald gestört?

Ein intakter Waldboden speichert sechsmal so viel Wasser wie eine vergleichbare Freifläche.

Wolfgang Riener, Förster im Nationalpark Thayatal dazu: „Der Wald ist die naturnaheste Kulturlandschaft, die wir noch haben. Gleichzeitig erfüllt er eine Menge wertvoller Funktionen. Gesunder, intakter Waldboden, Moose und Totholz können wie ein Schwamm Unmengen von Wasser speichern und langsam wieder abgeben. Ein Wald nimmt sechsmal so viel Wasser auf wie es eine Freifläche tut.“
Der Bau von Windrädern zerstört dieses wichtige Wassergefüge im Wald: Allein für das Fundament werden Tausende Tonnen von Beton verarbeitet, der Boden um das Fundament muss weiträumig verdichtet, Schneisen für Forststraßen in den Wald geschlagen und Kabel verlegt werden, alles im Dienste der „grünen“ Energie.
„Grün“ sieht wohl anders aus, meint auch Wolfgang Riener: „Das kann nicht spurlos am Wald und seinen boden- wie baumbewohnenden Lebewesen vorübergehen. Ich bin nicht gegen die Windenergie, aber gegen die Verbauung unseres Waldes. Wie wichtig dieses Ökosystem ist, wird auch mit Blick auf die Auwälder klar. Allein in den letzten 60 Jahren gingen durch Flussbegradigungen und Trockenlegungen in Österreich Auwälder und potenzielle Überschwemmungsflächen in der Größe des Burgenlandes verloren.“
Schließlich bedeutet die Öffnung des Waldes für Windräder auch eine Öffnung für weitere Baumaßnahmen und so letztlich einen Ausverkauf des Waldes – auf unsere eigenen Kosten, auf Kosten der Natur.

Wasserspeichernde Moospolster oder Betonkolosse?

Deswegen bezieht die Bürgerinitiative www.windpark-neindanke.at klar Stellung: Windkraft ja, aber nicht, wenn daraus mehr Schaden erwächst als Nutzen!