Pirsch zum Hirsch

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Im Nationalpark Thayatal einem Rothirsch zu begegnen ist nicht unmöglich, aber dennoch schwierig. Warum? Nationalpark-Förster Wolfgang Riener erklärt uns den Grund: „Die Rothirsche ziehen bei uns herum, leben aber nicht dauerhaft auf dem Gebiet des Nationalparks, einfach weil es dafür zu klein ist.“
Wenn ihr herausfinden wollt, wie es kommt, dass die ehemaligen Bewohner von Steppenlandschaften nun im Wald leben, warum es zu Verbiss kommt, wann dieser erwünscht ist und wann nicht – aus unserer Perspektive freilich – und in welchen Wäldern sich Rothirsche besonders wohl fühlen, dann solltet ihr euch diesen Blogbeitrag zu Gemüte führen: Wo ist der Hirsch?

Meisterleistungen

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Wer hätte gedacht, dass ein Hektar Wald in etwa die Menge CO2 speichert, die vier Autos, die jährlich 25.000 Kilometer zurücklegen, ausstoßen?
Oder dass eine große Buche mit einer gesamten Blattoberfläche von 1.500 Quadratmetern etwa 1,7 Kilogramm Sauerstoff pro Tag produziert und so den Tagesbedarf von drei Menschen deckt?
Oder dass sämtliche ökologische Leistungen, die ein 50-jähriger Baum erbringt, in etwa einem Geldwert von 46.000 Euro entsprechen?

Wer mehr über die Fähigkeiten gesunder Wälder zu erfahren möchte, kann einfach hier, im Natur-Blog des NP Thayatal.

 

Der perfekte Tag im Thayatal

Neu im Thayatal und noch am Überlegen, wie ihr euch die Natur dort am besten erschließen könnt? Auf der Suche nach einem abenteuerlichen Tag mit allen Highlights des Thayatals? Oder einfach experimentierfreudig? Dann seid ihr hier in jedem Fall richtig, beim „best of“-Thayatal, dem perfekten Tag durch ein einzigartiges Tal. Bereit? – Dann kann’s losgehen!

Der perfekte Tag startet am besten bei der Kajabachmündung in die Thaya, früh am Morgen!

Der perfekte Tag startet am besten bei der Kajabachmündung in die Thaya, früh am Morgen!

Station 1:
Der beste Start in den perfekten Tag erfolgt früh am Morgen, noch vor Sonnenaufgang. Spaziert noch in den Dämmerstunden durchs Kajabachtal mit dem Ziel zum Mündungsbereich an der Thaya zu gelangen. Und dann einfach auf den Sonnenaufgang warten, der die umgebenden Wälder langsam ins warme Licht taucht. – Magisch! Mit etwas Glück gelingen auch Eisvogel-, Schwarzstorch- oder sogar Fischottersichtungen. Der frühe Vogel fängt eben den Wurm ;)
Am besten zu kombinieren mit einem Frühstücks-Picknick bei der Mündung. So lässt man sich den Morgen schmecken!

Mit etwas Glück erspäht ihr beim Umlaufberg eine der ansässigen Smaragdeidechsen.

Mit etwas Glück erspäht ihr beim Umlaufberg eine der ansässigen Smaragdeidechsen.

Station 2:
Im Anschluss wandert ihr weiter bis zum Umlaufberg, genießt dort den Ausblick vom Überstieg und haltet nach Smaragdeidechsen Ausschau. Hier gibt’s nur ein Motto: Innehalten und die Ruhe des Tales in sich aufsaugen. Das kann  sogar den Gang zum Hausarzt ersetzen!
Die Rückwanderung durchs Kajabachtal dauert etwas mehr als eine Stunde. Vergesst nicht darauf am Weg immer wieder einen Blick in die ruhigeren Wassertümpel zu werfen, denn hier könnte sich ein Edelkrebs verbergen.

Station 3:
Im Nationalparkhaus Café- Restaurant könnt ihr Energie tanken, Mittagspause & Waldviertler Snack stehen am Programm. Das haben wir uns jetzt verdient und es schmeckt herrlich!

Beim Hennerweg Ausblick erwartet Euch ein Wald voller stattlicher Rotbuchen.

Beim Hennerweg Ausblick erwartet Euch ein Wald voller stattlicher Rotbuchen.

Station 4:
Am frühen Nachmittag bietet sich eine kurze Wanderung entlang des Hennerweges an. Dieser beginnt gleich gegenüber vom Nationalparkzentrum. Und der Lohn für den Ausflug? Ein toller Ausblick auf die Thaya, Hardegg und die Burg und ein wunderschöner Wald voller stattlicher Rotbuchen. Lasst die Waldluft intensiv durch eure Lungen strömen!

Station 5:
Die Uhrzeit könnt ihr an diesem Tag getrost vernachlässigen. Nur einmal macht es Sinn, einen Blick darauf zu werfen. Um 15:30 startet nämlich die Wildkatzenfütterung  im Nationalparkzentrum. Diese wollt ihr euch nicht entgehen lassen. Frieda und Carlo, die beiden Wildkatzenbotschafter des Nationalparks treten dann nämlich in Aktion und zeigen mit welcher Schnelligkeit sie ihr Futter erobern können. In den Sommermonaten Juli und August findet die Fütterung übrigens täglich statt.

Carlo in Aktion, wenn es um's Futter geht, kennen die Wildkatzen kein Pardon.

Carlo in Aktion, wenn es um’s Futter geht, kennen die Wildkatzen kein Pardon.

Station 6:
Zum Grande Finale, um das schmucke Hardegg umgeben von den dichten Thayatal Wäldern im spätnachmittäglichen Licht zu bestaunen, geht es nochmal hoch hinauf. Der Hardegger Rundwanderweg führt euch in knapp 20 Minuten zum Reginafelsen und wenn ihr noch ein paar Minuten drauflegt, dann könnt ihr von noch etwas höher, vom Maxplateau den Ausblick genießen. Ihr wandelt hier übrigens auf sagenhaften Pfaden – die Infoschilder entlang des Weges wissen mehr darüber zu verraten! Saugt die Stimmung noch mal so richtig auf und spürt schließlich vorausschauend in eure Bauchgegend. Hunger?

Abends lässt sich via Reginafelsen - hier im Bild - oder Maxplateau noch ein toller Blick auf die Burg Hardegg und das Städtchen erhaschen.

Abends lässt sich via Reginafelsen – hier im Bild – oder Maxplateau noch ein toller Blick auf die Burg Hardegg und das Städtchen erhaschen.

Station 7:
Dann gibt’s nur noch eins: Abendessen! Am besten lässt man es sich im Gasthaus Hammerschmiede zu Fuße des Reginafelsens schmecken. Hier serviert die Wirtin den legendären Waldviertler Mohnkarpfen. Sehr empfehlenswert!

Wir sind gespannt auf Eure Berichte zum perfekten Tag! – Probiert es aus! Der Sommer ist in jedem Fall noch lang und selbst wenn ihr keine Ferien habt, die Wochenenden warten auf euren perfekten Tag :)

Was heißt hier “tot”?

„Bei Euch schaut’s aber schon unaufgeräumt aus!“- Wer sich das beim Wandern durch die Thayatal-Wälder denkt, dem sei gesagt: Willkommen in der Natur! Totholz gehört in den natürlichen Zyklus von Werden und Vergehen und ist darüber hinaus überlebenswichtig. Anstatt Totholz würde das Prädikat „Lebendholz“ eigentlich viel besser passen, denn obwohl abgestorbene Bäume selber nicht mehr wachsen, sind sie doch voller Leben. Voller sogar als zu ihren „aktiven Zeiten”!TT_MGraf_00333_c

Warum? – Weil Totholz ein Multifunktions-Kunstwerk ist. Es schafft kurzfristige Verstecke und dauerhafte Behausungen für Eidechsen, Mäuse, Reptilien oder Amphibien. Es fungiert als Buffet für Pflanzen, Pilze, wirbellose Tiere und Insekten, schafft Sitzwarten für Greifvögel und ist das Rohmaterial für neue Brutplätze. Zudem sorgt es als Wasserspeicher für ein angenehm feuchtes Kleinklima und stellt sicher, dass dem Wald die Nährstoffe nicht ausgehen. Keine schlechte Bilanz für etwas, das „einfach nur rumliegt“.

Wer genauer wissen möchte, wie das Totholz den Wald im Gleichgewicht hält und welche Tiere besonders stark darauf angewiesen sind, der sollte sich den Blogbeitrag „Tot, aber voller Leben“ nicht entgehen lassen!

Ein Tänzchen gefällig?

Die Anzahl der Blütenblätter varriert beim Leberblümchen. Es können pro Blüte sechs bis zehn sein!

Die Leberblümchen sind da!

Der Frühling startet durch, und ganz vorne mit dabei sind die Leberblümchen. Was die hübschen violett, rosa oder weiß gefärbten Blüten mit der Leber zu tun haben? Wenig, vielmehr sind es die Laubblätter, die dem Pflänzchen zu seinem Namen verholfen haben. Seine dreilappigen Laubblätter erinnern – zugegebenermaßen mit etwas Fantasie – an die Form der menschlichen Leber.
Das spiegelt sich übrigens auch im lateinischen Namen dieses Pflänzchens wider. In Hepatica nobilis steckt das Wort hepatos drinnen, was soviel bedeutet wie Leber. Die mittelalterliche Signaturenlehre ging davon aus, dass die Form einer Pflanze Auskunft darüber gibt, wogegen sie hilft. Entsprechend setzte man früher das Leberblümchen u. a. auch bei Lebererkrankungen ein, heute allerdings nur mehr im Bereich der Homöopathie.
Prinzipiell gilt von Selbstbehandlungen abzuraten, da das Pflänzchen leicht giftig ist! Am besten mit den Augen genießen und ihnen beim Tanzen zusehen :)

Wer mehr zu den Leberblümchen erfahren möchte, wird im Blogbeitrag “Früh, früher, Leberblümchen” fündig. Klickt euch rein!

Wer klopft denn da?

Schwarzspecht

Er ist der größte, nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa. Die Rede ist vom Schwarzspecht. Ihm zu begegnen ist nicht ganz einfach, aber überall dort, wo es alte Bäume, dicke Stämme und reichlich Totholz gibt, kann es ein Zusammentreffen geben. Bei einem Waldspaziergang im Nationalpark Thayatal stehen die Chancen ihm über den Weg zu laufen, richtig gut.
Hier ein paar sachdienliche Erkennungsmerkmale: Kohlrabenschwarz, von der Größe her einer Krähe ähnlich, nur filigraner im Körperbau und mit dem unverkennbar roten Scheitel. Durchgehend rot bei Männchen bzw. bei Weibchen als roter Farbklecks am Hinterkopf ausgeprägt.
Welchen besonderen „Deal“ der Schwarzspecht und seine anderen „klopfenden Kollegen“ mit dem Wald eingangen sind, könnt ihr hier nachlesen.

Die Inventur im Wald

In einem Nationalpark kann sich die Natur frei entwickeln. Was heißt das konkret für das Thayatal? – Es gibt immer mehr Laubbäume und das Totholz im Wald nimmt eifrig zu.

Soweit die Theorie, aber lässt sich das auch hieb- und stichfest beweisen?

Ja, und zwar mit einer „Waldinventur“. Wie das funktioniert? – Nun, man schaut sich zu einem bestimmten Zeitpunkt an, wie es um den Zustand des Waldes bestellt ist und zehn Jahre später – so der Usus – schaut man erneut hin und stellt fest, was sich über die Jahre alles getan hat.

Im Nationalpark Thayatal gab es 2002 die erste Inventur. Zu diesem Zweck wurden an 412 Punkten verteilt über das ganze Nationalparkgebiet alle Baumarten, inklusive Höhe und Durchmesser erfasst, das Totholz, die Kraut- und Strauchschicht erhoben und auch Daten zu Wildverbiss und Wildtierlosung aufgenommen. „2012, also zehn Jahre später, suchte das Inventur-Team diese Punkte erneut auf, um entsprechende Vergleichswerte zu erhalten“, erklärt Nationalpark-Förster Wolfgang Riener.

In den letzten zehn Jahren ging der Anteil der Nadelbäume deutlich zurück. Der Thayatal-Wald entwicklet

In den letzten zehn Jahren ging der Anteil der Nadelbäume deutlich zurück.

Und wie hat sich der Wald in den letzten Jahren entwickelt?
Die erste Erkenntnis lautet – wenig überraschend: Die Nadelbäume haben deutlich abgenommen. 50 Prozent weniger Fichten, 45 Prozent weniger Kiefern und 13 Prozent weniger Lärchen. Wenig überraschend deswegen, weil der Nationalpark Thayatal gezielte Renaturierungsmaßnahmen durchführte, um ehemalige Wirtschaftswälder – vor allem Fichtenreinbestände -  in die für das Thayatal typische Waldvegetation überzuführen. Und diese ist vor allem durch Laubbäume bestimmt. Das bestätigte auch die Inventur, denn Fichte, Kiefer und Co. verjüngen sich kaum mehr. Lag der Anteil an aufkommenden Jungbäumen 2002 noch bei 1 Prozent, so sind es 2012 nur mehr 0,4 Prozent „Nadelbaum-Nachwuchs“.
„Das ist ein verschwindend kleiner Anteil. Die Entwicklung geht eindeutig in Richtung Laubbäume“, sagt Wolfgang Riener. Und diese können durchaus stattliche Maße annehmen. Die größte Rotbuche des Nationalparks etwa hat einen Brusthöhendurchmesser von 115 Zentimetern und streckt ihre Zweige bis in 40 Meter Höhe aus. Nicht schlecht.

"Die Inventur bestätgt", sagt Nationalpark-Förster Wolfgang Riener, "dass die Entwicklung des Thayatal-Waldes eindeutig in Richtung Laubbäume geht."

“Die Inventur bestätgt”, sagt Nationalpark-Förster Wolfgang Riener, “dass die Entwicklung des Thayatal-Waldes eindeutig in Richtung Laubbäume geht.”

Also, die erste „Theorie“ wäre damit bewiesen. Wie sieht es mit der zweiten aus, wie steht es um das Totholz? Außerordentlich gut, lautet auch hier die Antwort der Inventur. Die Totholzmenge, stehend wie liegend, hat sich über den Verlauf der zehn Jahre mehr als verdoppelt! Und auch die Flächen, auf denen Totholz zu finden ist, haben sich merklich ausgebreitet. „Was uns besonders freut, ist die Tatsache, dass der Anteil an großem, stärkeren Totholz zugenommen hat“, erklärt der Nationalpark-Förster. Während 2002 nur 10 Prozent der toten Bäume einen Stammdurchmesser von mehr als 30 Zentimeter aufwiesen, waren es 2012 bereits 30 Prozent. Warum die Größe zählt? „Spechte sind wichtige Höhlenbauer im Wald, nicht nur für sich selber, sondern auch für zahlreiche andere Tierarten wie Fledermäuse oder Wildbienen. Damit sie diese Funktion erfüllen können, muss das stehende Totholz auch eine gewisse Dicke haben“, sagt Wolfgang Riener.

Besonders erfreulich ist, dass vor allem der Anteil des stärkeren Totholzes zunimmt.

Besonders erfreulich ist, dass vor allem der Anteil des stärkeren Totholzes zunimmt.

Der Nationalpark ist also auf dem richtigen Weg. Das wussten wir natürlich schon längst, aber mit der Inventur haben wir es jetzt schwarz auf weiß!

Wunderwerk Wald

Im Nationalpark Thayatal ist der Wald das bestimmende Element. Höchst an der Zeit, ihn und seine „Fähigkeiten“ mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Der Wald bietet uns nämlich völlig gratis eine Fülle an Serviceleistungen, die wir oftmals gar nicht wahrnehmen, geschweige denn wertschätzen.

Zunächst wäre da die einfache Schlussfolgerung: „Wo Wald, da Wasser.“ Der Wald lässt den Regen nicht mit voller Wucht auf den Boden aufprallen, sondern langsam ins Erdreich einsickern. Dort wird das Wasser gespeichert, in gefilterter Form an das Grundwasser und Flüsse abgegeben und natürlich auch wieder über die Pflanzen aufgenommen.
Über Blätter und Nadeln verdunsten die Bäume das aus den Wurzeln aufgesogene Wasser. Ein großer Baum hat auch einen großen Durst, bis zu 360 Liter Wasser pro Tag kann auf diese Weise über die Blätter in die Atmosphäre entweichen. Dort angelangt, kondensiert der Wasserdampf, bildet Wolken, die einerseits die Sonnenstrahlen reflektieren, andererseits für erneuten Regen sorgen. Der Wald agiert also gewissermaßen als Klimaregulator: Er sorgt dafür, dass nicht die gesamte Sonnenwärme direkt auf den Boden gelangt und er sorgt immer wieder für eine nasse Abkühlung.

Die Verdunstung von Wasser im Wald forciert die Wolkenbildung. Auf diese Weise wird gelangt nicht die gesamte Sonnenergie auf den Boden.

Die Verdunstung von Wasser im Wald forciert die Wolkenbildung. Auf diese Weise gelangt nicht die gesamte Sonnenwärme auf den Boden.

Besonders stark ist die Verdunstung in tropischen Regenwäldern, aber auch ein mitteleuropäischer Buchenwald, wie er etwa im Nationalpark Thayatal zu finden ist, vermag im Sommer enorme Mengen Wasser, nämlich mehrere tausend Liter pro Hektar, zu verdunsten. Daher lässt sich die Eingangsformel folgendermaßen ergänzen: „Wo Wald, da Wasser, da Leben.“ Und da ist auch angenehme Kühle im Sommer. Durch die höhere Luftfeuchtigkeit im Wald ist’s unterm Blätterdach kühler als auf offenen Flächen.

Klimaregulierend wirkt der Wald auch in anderer Hinsicht, nämlich als Kohlendioxid-Speicher. Kein anderes Ökosystem – mal abgesehen vom Phytoplankton der Meere, dass es ebenfalls auf stattliche Mengen bringt – vermag so viel dieses Treibhausgases zu speichern wie ein intakter Wald. Zur Veranschaulichung: Ein Hektar Wald kann in etwa die Menge CO2 speichern, die vier Autos, die jährlich 25.000 Kilometer zurücklegen, ausstoßen.
Für das Thayatal kann Nationalparkförster Wolfgang Riener auf eine stolze Bilanz verweisen: „In den letzten 10 Jahren hat sich der Totholzanteil im Nationalpark Thayatal bereits verdoppelt. Da ist jede Menge CO2 gespeichert, außerdem freuen sich auch die zahlreichen Spechtarten über diese Entwicklung!“

Der Großteil des Nationalparks Thayatal besteht aus Wald. In ihm werden große Mengen Kohlendioxid gespeichert.

Der Großteil des Nationalparks Thayatal besteht aus Wald. In ihm werden beträchtliche Mengen Kohlendioxid gespeichert.

Der Wald speichert aber nicht nur Kohlendioxid, er kann damit sogar etwas anfangen. Er verwandelt das schweißtreibende Gas in ein lebensspendendes. Eine große Buche mit 600.000 Blättern und einer gesamten Blattoberfläche von 1.500 Quadratmetern produziert jeden Tag etwa 1,7 Kilogramm Sauerstoff. Das deckt den Tagesbedarf von drei Menschen.
Und damit wir auch richtig tief durchatmen können, filtert der Wald die Luft auch noch ganz nebenbei. Buchenwälder können laut Schätzungen pro Jahr mehrere Dutzend Tonnen Staub aus der Luft filtern.

Wenn man einem Baum, der all diese Leistungen für uns erbringt, ein Preisschild umhängen wollen würde, dann ergäbe das eine ordentlich Summe: Ein amerikanischer Forscher hat das für einen 50-jährigen Baum versuchsweise berechnet und ist auf einen Wert von 62.500 Dollar oder umgerechnet rund 46.000 Euro gekommen.
Also, denkt daran, wenn ihr das nächste Mal durch den sommerlich kühlen Thayatal-Wald wandert, ihr bewegt Euch in einer offenen Schatzkammer. Einfach unbezahlbar!
Und für die richtige Einstimmung haben wir natürlich auch gesorgt, mit dem brandneuen Waldtrailer, der Euch einen Einblick in die Wald-Wunderwelt des Nationalparks gibt. Lasst Euch verzaubern :)

Nachhaltig und ertragreich – geht das?

„Am Anfang sind wir belächelt worden“, erinnert sich Nationalpark Förster Wolfgang Riener, „aber mittlerweile kommen Studenten und Forstleute zu uns.“
Wie etwa der Maschinenring Manhartsberg und weitere Wald- und Naturinteressierte, die sich zum Waldinfotag des NP Thayatal am 18. Oktober beim Nationalparkzentrum eingefunden haben.

Forstleute wollen mehr über die Waldverjüngung im Nationalpark Thayatal wissen

Forstleute wollen mehr über die Waldverjüngung im Nationalpark Thayatal wissen

Vor 15 Jahren haben die Mitarbeiter des Nationalparks Thayatal damit begonnen jene Gebiete des Nationalparks, die ehemals als Wirtschaftsflächen genutzt wurden, wieder in den Wald rückzuführen, der hier natürlicherweise vorkommt.
Fichten und Douglasien, Arten, von denen man sich ehemals gute Erträge versprach, die aber an das relativ trockene Klima hier nicht angepasst sind, wurden sukzessive über die Jahre entfernt. Und Stück für Stück arbeitete sich an diesen Stellen, ganz von selbst wieder jener Laubmischwald zurück, der hier sein angestammtes Plätzchen hat: Verschiedene Buchen und Eichen, gemischt mit Rotföhren, Tannen, Eiben und Wacholder.

In so manchen Waldabschnitten, die mittlerweile renaturiert wurden, kommt niemand mehr darauf, dass hier vor gar nicht mal so langer Zeit Fichten dominierten.

Zahlreiche Interessierte waren mit dabei beim Waldinfotag des NP Thayatal am 18. Oktober.

Zahlreiche Interessierte waren mit dabei beim Waldinfotag des NP Thayatal am 18. Oktober.

Statt versauertem Boden und fehlendem Unterwuchs, findet sich im Laubmischwald nun wieder eine Kraut- und Strauchschicht. Mehr Sträucher bedeuten auch, dass sich Wildschäden weniger stark auswirken, weil der Wald mehr Nahrung anzubieten hat. Auch gegenüber klimatischen Extremen und damit einhergehendem Befall durch Borkenkäfer etwa ist der natürlich gewachsene Wald dem aufgeforsteten überlegen.

Lange Zeit war die Forstwirtschaft auf der Suche nach einem „Wunderholz“.
„Aber“, so Wolfgang Riener, „mit einer standortgerechten Hainbuche könnte derselbe Erfolg und Nutzen erwirtschaftet werden wie mit einer Robinie.“ Und die Hainbuche wird im Gegensatz zur nordamerikanischen Robinie bei uns auch nicht zur Plage.

Nachhaltige Waldbewirtschaftung made by NP Thayatal :) Wir finden, dass sollte Verbreitung finden, was meint ihr?

Der Nationalpark Thayatal Wald.

Der Nationalpark Thayatal Wald.

Virunga oder doch Thayatal?

Auf den ersten Blick könnte man ins Rätseln kommen. Virunga oder doch Thayatal?! ;)
Der NP Thayatal Wald zeigt sich momentan nämlich von seiner besonders üppigen, satt grünen Seite. Die Farben der Frühjahrsblüher sind natürlich längst verschwunden, die Türkenbundlilie ist schon mehr im Rückzug begriffen. Im frühommerlichen Wald regieren nun die eher kleinblütigeren, unscheinbareren Pflänzchen, umso großzügiger gehen sie jedoch mit ihrem Grün um: Frische, saftige Laubblätter wuchern einem aus allen Ecken entgegen und die Wurzeln, Borken und Steine überziehenden Moose gehen schier über vor lauter Feuchtigkeit.
Der  frühsommerliche Thayatal Wald – speziell dort, wo er sich schluchtig und kühl präsentiert – ist etwas ganz Besonderes: Ein zauberhaftes “Auenland” für Entdecker!