Bild-Geschichten aus dem Thayatal

Seit dem 22. Mai gibt es sie bereits, die brandneue Fotoausstellung „Bild-Geschichten“. Wo? – Im neuen Kinosaal des Nationalparks Thayatal.
Und welcher herausragende Fotograf hat die Ausstellung bestückt? – Nicht einer, sondern 32! Und nicht alle von ihnen sind Fotografen; auch Besucher, Mitarbeiter, Anwohner, Freunde & Liebhaber des Thayatals haben Beiträge beigesteuert.
Sie haben ihre individuellen, ganz besonderen Thayatal-Momente mit der Kamera eingefangen – als ausgefeilte Foto-Komposition genauso wie als lustigen Schnappschuss – und sie haben vor allem eines, eine gute Geschichte zu erzählen.

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Seit 22. Mai kann die Fotoausstellung “Bild-Gechichten” im Kinosaal des Nationalparkzentrums besucht werden.

Die Geschichts-Palette bietet ein buntes Potpourri aus Kuriosem, Geschichtsträchtigem, Berührendem und Überraschendem.
Irgendwie von allem etwas ist die Fußwaschungs-Episode von Franz Kraus, der sich in der Bürgerinitiative zur Erhaltung des Thayatales lange Zeit vor dem Nationalpark einsetzte. Er hielt eine skurrile Szene mit Maria Rauch-Kallat fest, die am 30. Juli 1993 als frischgebackene Umweltministerin die Stadtgemeinde Hardegg besuchte, um sich ein Bild vom geplanten Nationalpark zu machen. Helmut Salek, ebenfalls Teil der Bürgerinitiative, legte sich besonders ins Zeug für das Tal an der Grenze. Sein „unmoralisches“ Angebot lautete: „Frau Minister, wenn sie sich für die rasche Umsetzung des Nationalparks Thayatal einsetzen, wasche ich ihnen auch noch die Füße!“

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Unvergessen die Fußwaschungs-Episode mit der ehemaligen Umweltministerin Maria Rauch-Kallat.

Unvergesslich sind für Horst Weitschacher, einem Nationalpark Besucher-Betreuer, die Weihnachtsferien 1989. Das war, als sich die „Bürger von drüben“ mit den Hardeggern trafen, erinnert er sich und bannte das, was niemand mehr zu hoffen gewagt hatte, auf Bild: Das Aufeinandertreffen der Bewohner noch vor der offiziellen Grenzöffnung. Wo? – Mitten auf der Thayabrücke. Von beiden Seiten strömten die Menschen zur Brücke und balancierten über die rostigen Eisentraversen hinüber zum Nachbarn.

Noch vor der offiziellen Grenzöffnung

Noch vor der offiziellen Grenzöffnung begegneten sich die Menschen auf der Thayabrücke.

Die Ausstellung hat aber auch viel Tierisches zu bieten, darunter etwa den regelmäßigen Siebenschläfer-Besuch auf der Veranda von Fritz Zahnts Fischerhütte. Seit über 40 Jahren beäugt er die Natur des Thayatals und umgekehrt. Die Siebenschläfer, obwohl eigentlich nachtaktiv, haben sich an Fritz Zahnts Rhythmus angeglichen und schauen zwischen Mai und September gern zum Mittagessen vorbei. Es könnten ja ein paar Brösel für sie abfallen…

Auf der Veranda von Fritz Zahnts Fischerhütte schauen die Siebenschläfer immer wieder gern vorbei.

Auf der Veranda von Fritz Zahnts Fischerhütte schauen die Siebenschläfer immer wieder gern vorbei.

Besuch von einem etwas größeren Zeitgenossen hatte Barbara Hauser, die Wirtin der Hammerschmiede in Hardegg. „Am 20. April 2013 habe ich ihn plötzlich am gegenüberliegenden Fugnitzufer erblickt!“, sagt die Wirtin über ihre erste Bibersichtung. In den kommenden Tagen bangte sie um ihre Bäume, aber der Biber ließ Gnade wallten und zog unverrichteter Dinge weiter.

Die Tierbegegnungen beschränken sich nicht nur auf das Nationalparkgebiet, sondern schwappen auch immer wieder in die umliegenden Ortschaften über, weiß etwa Nationalpark Mitarbeiter Christian Übl: „Im März 2014 verursachten zwei Wildschwein-Frischlinge in Niederfladnitz ein kleines Verkehrschaos. Unerschrocken liefen sie mitten im Zentrum neben fahrenden Autos herum und querten mehrmals die Hauptstraße. Die Bache war nicht in Sicht. Einfangen wollten sich die beiden nicht lassen, statt dessen suchten sie das Weite.“

Zwei Wildschwein-Frischlinge mischten den Verkehr in Niederfladnitz auf.

Zwei Wildschwein-Frischlinge mischten den Verkehr in Niederfladnitz auf.

Und was gibt es Schöneres als eine Liebeserklärung ans Thayatal? – Martin Kainz ist nicht nur seit vielen Jahren im Forstdienst des Bundeslandes Wien tätig, sondern auch unheilbar vom Thayatal-Virus befallen. Das stellte er spätestens zu seinem 50. Geburtstag fest. Für diesen hatte er schon einiges auf der Wunschliste stehen: eine einsame Insel, eine Ballonfahrt oder doch die Cheops-Pyramide? Wo sollte er diesen speziellen Tag starten? – Schließlich war es ihm sonnenklar: „Irgendwo, wo man schon OFT im Leben war, – wiederholbar und trotzdem einzigartig! Und so kam es, dass ich am 19. Juni 2011 um 5 Uhr früh auf dem Überstieg im Nationalpark Thayatal saß…“

Martin Kainz überlegte lange, wo er den Morgen seines 50. Geburtstages verbringen sollte.

Martin Kainz überlegte lange, wo er den Morgen seines 50. Geburtstages verbringen sollte. Schließlich war es ihm sonnenklar: Am Umlaufberg!

Solche Geschichten und noch viele mehr – bis dato 35 – lassen sich im Thayatal-Nationalparkhaus nacherleben. Und das Beste: Die Ausstellung ist noch nicht vollständig, denn Deine Geschichte fehlt noch! Wir suchen weiterhin nach spannenden, berührenden, lustigen, skurrilen Geschichten rund ums Thayatal und freuen uns auf Zusendungen.

Kontakt:
Christian Übl
Email: Christian.Uebl@np-thayatal.at
Telefon: +43(0)2949/7005-40

In die Falle getappt!

Unauffällig sehen sie auf den ersten Blick aus. Dennoch erregen sie intensives Interesse. Woran das liegt? – Mit Sicherheit an der speziellen Duftnote!
20 hüfthohe Holzpflöcke finden sich verteilt über das Nationalpark-Gebiet. Besprüht mit Baldriantee und bestückt mit je einem Plastikröhrchen, das getrockneten Baldrian enthält, werden sie zu regelrechten „Duft-Leuchttürmen“.
Seit bald zehn Jahren stehen die Lockstöcke im Dienste der Wissenschaft. Ihre Mission: Europäische Wildkatzen anlocken. Betört vom Baldrian reiben sie sich am rauen Holz und hinterlassen im Idealfall einige ihrer Haare. Eine genetische Analyse gibt dann Aufschluss darüber, ob es sich tatsächlich um eine Wildkatze handelt. Bisher gelangen auf diese Weise bereits zwölf Nachweise von mindestens drei verschiedenen Wildkatzen.
Der Baldrian scheint aber nicht nur auf Katzen eine anziehende Wirkung auszuüben. Die Wildkameras vis-à-vis der Lockstöcke können davon ein Liedchen singen. Während es die Wildkatzen irgendwie schaffen, diese Fotofallen auszutricksen, geben sich andere Tierarten weit weniger kamerascheu. Ganz im Gegenteil, ein Hirsch war vom Baldrian so angetan, dass er gleich ordentlich zulangte! Hier geht’s zum Video:
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Rothirsch

Im Prinzip hat schon das ganze „Who is Who des Thayatals“ den Lockstöcken einen Besuch abgestattet. Fuchs, Reh, Dachs, Marder, Biber, Eichhörnchen. Sie alle und noch viele andere haben schon mal geschnuppert, ihr Revier markiert oder den Stock zum Klettern genutzt.
Der Siebenschläfer hätte wohl auch gerne eine Kletterpartie mitgemacht. Aber dazu kam es nicht mehr. Ein Baummarder hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht und die Fotofalle hat den Beweis.

Baummarder mit Siebenschläfer-Beute ist ein seltener Anblick. Nur durch die Fotofalle sind solche Momentaufnahmen aus der Natur möglich.

Baummarder mit Siebenschläfer-Beute ist ein seltener Anblick. Nur durch die Fotofallen sind solche Momentaufnahmen aus der Natur möglich.

Wer hat schon jemals einen Baummarder zu Gesicht bekommen, geschweige denn mit einem Siebenschläfer als Beute? Genau aus diesem Grund sind Wildkameras ein wertvolles Naturschutzinstrument. Denn sie geben einen Einblick in das, was geschieht, wenn der Mensch abwesend ist und vielleicht gerade schlummert.

Wer spaziert schon um 3:54 durch den Wald? Wir nicht, aber der Fischotter. Am Baldrian dürfte der nachtaktive Marder, dessen Leibspeise natürlich Fisch ist, allerdings nicht interessiert sein.

Ein Spaziergang gefällig? Nachtaktive Räuber wie der Fischotter sagen dazu gerne Ja.

Ein Spaziergang gefällig? Nachtaktive Räuber wie der Fischotter sagen dazu gerne Ja.

Auch wenn ihre Wühlspuren im Thayatal häufig zu finden sind, blicken lassen sich Wildschweine nur selten. Von der Wildkamera, hingegen, fühlen sich die Frischlinge – die ihre typische Zeichnung etwa ein halbes Jahr behalten – nicht gestört. Sie darf den Kleinen beim Spielen zusehen.

Ein Trupp Frischlinge hat einen Lockstock zum Spielplatz auserkoren.

Ein Trupp Frischlinge hat einen Lockstock zum Spielplatz auserkoren.

Und auch einem Schwarzstorch kann nur die Fotofalle so nahe kommen. Im Hochsommer 2010 – während seines „Sommerurlaubs im Thayatal“, schien er, wie schon viele vor ihm,  Gefallen an dem Stück Holz mit dem intensiven Duft zu finden.

Lockstock Tête-à-tete mit Schwarzstorch.

Lockstock tête-à-tete mit Schwarzstorch.

Aber was ist nur mit der Wildkatze? Irgendwann muss doch auch sie einmal in die Fotofalle tappen. Ein paar höchst verdächtige Bilder aus dem Fugnitztal gibt es in der Tat, aber leider sind auf den Fotos nie alle wichtigen Merkmale auszumachen. Restlos sicher sind sich die Experten deswegen nicht. Aber seht selber.

Ob es sich bei diesem Fotofallen-Bild aus dem Fugnitztal eindeutig um eine Wildkatze handelt, das können die Experten nicht sagen.

Ob es sich bei diesem Fotofallen-Bild aus dem Fugnitztal eindeutig um eine Wildkatze handelt, das können die Experten nicht sagen.

Aber es sieht schon verdächtig nach Wildkatze aus…

Die Wildkameras liegen auf jeden Fall weiterhin auf der Lauer, um all das zu dokumentieren, was uns ansonsten entgehen würde.

“Aprilwetter” im Winter – Wie reagiert die Tierwelt?

Eifriges Vogelzwitschern im Jänner. Amseln, Meisen und Co. sind bereits in Balzlaune. Die Weidenkätzchen scharren schon in den Startlöchern. Die Natur ist auf Frühling eingestellt. Aber der nächste Schnee steht schon wieder vor der Haustüre. Eben noch Föhnwetter mit Spitzenwerten von +16 Grad Celsius, im nächsten Moment fällt das Thermometer wieder in die Zone rund um den Gefrierpunkt.
Fragt sich bloß, wie geht die Tierwelt mit diesem „Aprilwetter“ mitten im Winter um?

Die Antwort: In der Regel erstaunlich gut. Im Detail ist das mitunter aber ganz verschieden. Siebenschläfer, zum Beispiel, verkriechen sich für ihre gut sieben– bis neunmonatige „Auszeit“ oft in Baumhöhlen, alten Eichhörnchenkobeln oder sie graben sich eine Höhle im Boden. In ihren Winterrefugien bleibt die Temperatur, unabhängig davon wie stark sie draußen auch schwankt, relativ konstant. Ob +16 oder -10, das kümmert den Siebenschläfer kaum.

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Der Siebenschläfer lässt sich durch die schwankenden Außentemperaturen nicht so schnell aus der “Ruhe” bringen.

Für den Igel, der unter Laub- und Reisighaufen oder in Gartenhäuschen seinen Winterschlaf hält, sieht es da schon weniger rosig aus. Er ist den Außentemperaturen und ihren Schwankungen wesentlich stärker ausgeliefert.

Die winterlichen Wärmeperioden veranlassen die Winterschläfer aber für gewöhnlich nicht dazu, frühzeitig oder öfter als normalerweise zu erwachen. Eher das Umgekehrte kann der Fall sein. Bei Fledermäusen kennt man das sogenannte „Alarmaufwachen“. Die Tiere werden munter, falls die Umgebungstemperaturen über einen bestimmten Zeitraum zu tief fallen. Das bewahrt sie vor dem Kältetod und ermöglicht ihnen – so eine Alternative vorhanden ist – einen sichereren Ort zu suchen, um ihren Winterschlaf fortzusetzen.

Am einfachsten tun sich im Winter all jene, die Winterruhe (Eichhörnchen und Dachs) oder gar keine Form von Winterschlaf oder –ruhe halten (zum Beispiel der Fuchs). Wenn es kalt ist, drosseln sie ihre Aktivität, um weniger Energie zu verbrauchen und wenn es warm ist, setzen sie sich in Bewegung. Denn aufgrund der fehlenden Schneedecke lässt sich jetzt mehr Nahrung finden.

Eichhörnchen

Das Eichhörnchen profitiert von winterlichen Warmperioden, dann lässt sich nämlich mehr Nahrung finden. Wird es wieder kalt, drosselt es seine Aktivität.

Was geschieht allerdings mit jenen Tieren, die ihre Körpertemperatur nicht steuern bzw. stabil halten können? Wechselwarme Tiere wie etwa Insekten passen ihre Körpertemperatur der Umgebungstemperatur an. Für manche von ihnen, viele Eulenfalter zum Beispiel, stellt der „Warm-Kalt-Warm-Kalt-Winter“ kein Problem dar. Ist es kalt, sitzen sie starr in der Gegend herum, in milden Nächten dagegen fliegen sie einfach los und suchen nach faulem Obst.

Andere Insektenarten, wie etwa die im NP Thayatal vorkommenden Rundaugen-Mohrenfalter (Erebia medusa), können mit diesem Stoffwechsel-Jo-Jo nicht mithalten. Die Larven dieses Falters machen während des Winters eine sogenannte Diapause, eine Entwicklungsunterbrechung. Während der Diapause zehren sie nur von ihren Fettreserven und können keine weitere Nahrung zu sich nehmen. Das Problem: Steigen die Außentemperaturen, beginnen sie Energie zu verbrennen, der Stoffwechsel wird angekurbelt. Die Larven verbrauchen ihre Fettreserven, ohne „nachlegen“ zu können.

Der Rundaugen-Mohrenfalter

So hübsch sieht der Rundaugen-Mohrenfalter im Sommer aus. Seine Larven müssen es aber erst mal über den Winter schaffen. Wird es zu oft zu warm, verbrennen sie Energie. Problematisch ist das deswegen, weil sie nur von ihren Fettreserven zehren.

Da kann man nur die Daumen drücken, dass der Winter wieder zurückkehrt und die milden Temperaturen sich noch ein wenig Zeit lassen, bis zum Frühjahr!

Hilfreiche Naturbeobachtungen

„Letztes Jahr war einer so keck, dass er glatt am Hosenbein eines Freundes von mir hochgekraxelt und weiter auf den Tisch gehüpft ist“, erzählt Fritz Zahnt, Hüttenbesitzer im Nationalpark Thayatal und großer Naturfreund von seinen beinahe Mitbewohnern. Drei oder vier Siebenschläfer, schätzt er, haben sich über den vergangenen Winter im Dachboden seiner Hütte einquartiert. Den Sommer davor statteten sie Fritz Zahnt immer wieder einen Besuch auf seiner Terrasse ab. „Einmal bin ich nur kurz in die Hütte gegangen, um Brot für den restlichen Eiaufstrich zu holen. Die Dose mit dem Aufstrich habe ich auf der Terrasse offen stehen gelassen und als ich zurückkomme, macht sich gerade eine Siebenschläfer daran, den Rest aufzuschlecken.“

Auf der Terrasse von Hüttenbesitzer Fritz Zahnt im Nationalpark Thayatal gab es letztes Jahr regen Besuch von Siebenschläfern.

Auf der Terrasse von Hüttenbesitzer Fritz Zahnt im Nationalpark Thayatal gab es letztes Jahr regen Besuch von Siebenschläfern. Möglicherweise schauen sie heuer wieder vorbei, wir halten Euch auf dem Laufenden.

Auch Oliver Überfellner, der ebenfalls entlang der Thaya eine Hütte besitzt, erlebt die eine oder andere Tierbegegnung. Heuer Anfang Juni etwa machte er eine kleine Gruppe von vier oder fünf Mufflons aus, die in der Nähe des Rabenfelsens behände wie Gämsen herumturnten.
Mufflons sind Wildschafe, die bei uns natürlicherweise nicht vorkommen, sondern in den letzten rund 200 Jahren in Europa als Jagdwild ausgesetzt wurden. Im Nationalpark verursachen sie vor allem bei der empfindlichen Felsvegetation starke Schäden und sind deswegen alles andere als gern gesehen.

Beobachtungen wie diese helfen deshalb den Nationalparkmitarbeitern, einen besseren Überblick über die Häufigkeit und Verteilung der Tierarten im Nationalpark zu erhalten. „Für uns ist es immer interessant von Naturbeobachtungen an der Thaya zu erfahren. Zum Teil fließen diese Sichtungen auch in unsere Monitoringprojekte ein. Momentan erheben wir gerade, wie viele Schwarzstörche sich im Nationalpark tummeln“, sagt dazu Christian Übl vom NP Thayatal.

Momentan läuft im Nationalpark gerade eine Erhebung zu den Schwarzstörchen. Wie viele gibt es? Habt ihr vielleicht welche gesehen?

Momentan läuft im Nationalpark gerade eine Erhebung zu den Schwarzstörchen. Wie viele gibt es? Der Nationalpark freut sich über Tipps und Hinweise!

Der Schwarzstorch fischt gerne in der Thaya im Bereich der großen Umlaufwiese und der Bildeiche. Oliver Überfellner konnte bei seinen heurigen Aufenthalten im Thayatal fast täglich die Schwarzstörche beobachten. „Wir haben Anfang Juni sogar zwei Vögel in unmittelbarer Nähe zueinander gesichtet. Vielleicht könnte es sich dabei um ein Pärchen handeln?“, so seine Überlegung. Vor allem der frühe Morgen, wenn die Schwarzstörche mit der Futtersuche beschäftigt sind und der Nachmittag, wenn sie häufig die Thaya entlang fliegen, eignen sich besonders gut für Storch-Sichtungen. Überhaupt tut sich gerade viel an der Thaya: „Ich habe das Gefühl, dass mehr Fische im Fluss sind als in den letzten Jahren“, meint Hüttenbesitzer Überfellner. Denn nicht nur die Schwarzstörche, sondern auch die Fischotter lassen sich momentan wieder öfter blicken.
Das kann auch Fritz Zahnt bestätigen: „Ich sehe laufend einen Fischotter bei meiner Hütte jagen. Er fischt auch gerne im Bereich des Granitzsteiges und gegenüber an der tschechischen Grenze vermute ich seinen Bau.“

Im Bereich des Granitzsteiges tummelt sich momentan gerne ein Fischotter.

Im Bereich des Granitzsteiges jagt momentan gerne ein Fischotter.

Und wo habt Ihr zuletzt Fischotter, Schwarzstorch und Co. gesehen? Lasst es uns wissen, wenn ihr spannende Entdeckungen im Nationalpark macht.

Der Nationalpark freut sich

Für den  Nationalpark sind Naturbeobachtungen, wie sie etwa Hüttenbesitzer, Naturfreunde oder Wanderer machen, immer von Interesse. Also, lasst uns wissen, was und wer Euch aller im Nationalpark begegnet!

Tot, aber voller Leben

„Bei Euch schaut’s aber schon unaufgeräumt aus, findet Ihr nicht?“ – Nein, finden wir nicht! Denn, was scheinbar „unordentlich“ aussieht, ist einfach das freie Walten der Natur. Und der Zerfall ist ein ganz natürlicher Teil davon, ja er ist sogar überlebenswichtig!

Absterbende Bäume werden unter dem Begriff Totholz zusammengefasst. Dabei müsste es viel eher „Lebendholz“ heißen, denn obwohl diese Bäume nicht mehr wachsen und gedeihen, sind sie nach wie vor voller Leben. In der Tat, tut sich in und auf ihnen sogar mehr als zu ihren „aktiven Zeiten“.

Unordentlich? - Nein. Vielfältig!

Unordentlich? – Nein. Vielfältig!

Kreuz und quer liegende Baumstrünke, Ästewirrwarr, tote stehende Baumgerippe. – Wozu sind sie gut?
Sie schaffen Ecken und Nischen, in denen sich Tiere kurzfristig verstecken können oder dauerhafte Behausungen einrichten. Eidechsen, Mäuse, Reptilien und Amphibien ziehen sich gerne in liegendes Totholz zurück. Ein besonderer Langzeitgast ist der Hirschkäfer. Seine Larve braucht bis zu sieben Jahre, um sich im toten Eichenholz zum fertigen Käfer zu entwickeln.

Bis ein stattlicher Hirschkäfer entsteht, ist es ein langer Weg. Totes Eichenholz ist die Grundvoraussetzung.

Bis ein stattlicher Hirschkäfer entsteht, ist es ein langer Weg. Totes Eichenholz ist die Grundvoraussetzung dafür.

Sie schaffen aber auch einen reich gedeckten Tisch, der an der Basis aus Pflanzen, Pilzen, wirbellosen Tieren und einer Vielzahl an Insekten besteht. Dieses breite Nahrungsangebot lockt weitere Tiere in das „All-Inclusive“ Hotel Totholz.
Sie schaffen Sitzwarten, von denen Greifvögel gerne den Waldboden nach Beutetieren überblicken.
Und sie schaffen auch neue Brutplätze. Während sich Amseln, Zaunkönig oder Nachtigall im herumliegenden Totholz tummeln, sind viele Vögel auf Bruthöhlen in stehenden Alt- und Totholzbäumen angewiesen. Interessanterweise können aber nur die wenigsten selber eine Höhle anlegen, obwohl es sich bei gut einem Drittel der Vögel im Wald um Höhlenbrüter handelt. Was also tun? – Abhilfe kommt in Form der Spechte, wahre Totholzspezialisten.
Aus dem Totholz beziehen sie einerseits ihre Nahrung, saftige Insekten und deren Larven wie Ameisen oder Käferlarven, andererseits zimmern sie sich daraus ihre Bruthöhlen. Nicht mehr genutzte Spechthöhlen finden in der Folge reißenden Absatz bei Eulen wie dem Raufußkauz oder dem Waldkauz, bei Meisen, aber auch bei Säugetieren wie Fledermäusen und Siebenschläfern oder Insekten wie Wildbienen oder Wespen. Die Liste der Specht-Profiteure ist lang.
Aber alle hängen sie von einem gemeinsamen Nenner ab, dem Totholz.

Auch sie profitieren vom Totholz. Aufgelassene Spechthöhlen dienen ihnen als Rückzugsort.

Auch sie profitieren vom Totholz. Aufgelassene Spechthöhlen dienen den Siebenschläfern als Rückzugsort.

Abseits der sichtbaren tierischen Vielfalt, erfüllt das Totholz darüber hinaus wichtige Aufgaben für das Ökosystem Wald.
Es sorgt für ein angenehm feuchtes Kleinklima, indem es beträchtliche Mengen Wasser speichert und langsam wieder an die Umgebung abgibt. Und es sorgt für ständigen Nährstoffnachschub. Saprophytische Pilze ernähren sich vom Totholz und zersetzen es sukzessive in seine Bestandteile, bis nur noch Kohlenstoff, Stickstoff und mineralische Elemente übrigbleiben. Sie warten im Waldboden darauf, von einer neuen Pflanze über die Wurzeln aufgenommen zu werden und wachsen vielleicht wieder zu einem stattlichen Baum heran. Irgendwann wird auch dieser wieder zerfallen. Keine Tragik, sondern vielmehr Grund zur Freude. Vorausgesetzt, das Totholz darf liegenbleiben!

Totholz sorgt nicht nur für Artenvielfalt, sondern speichert auch Wasser und dient als Nährstoffspeicher.

Totholz sorgt nicht nur für Artenvielfalt, sondern speichert auch Wasser und dient als Nährstoffreservoir.

Schläfst du oder ruhst du?

Wenn die Witterung harscher wird und das Futter knapp, legen sich manche Tiere auf die „faule Haut“. Sie halten Winterschlaf. Wobei Schlaf nicht gleich Schlaf ist. Konkret lässt sich deshalb der Winterschlaf von der Winterruhe unterscheiden.
In der Regel gilt: Winterschläfer reduzieren ihre Körpertemperatur und sämtliche Körperfunktionen wesentlich drastischer als Winterruher. Komplett den Winter verschlafen, das tun sie aber beide nicht. Allerdings erwachen die Winterruher relativ häufig, wohingegen die Winterschläfer oft tage- bis wochenlang entschlummern.

Einer der würdigsten Vertreter bzw. Repräsentanten des Winterschlafes ist wohl der Siebenschläfer. Etwa von Anfang Oktober bis Anfang Mai verkriecht er sich Baumhöhlen, um im Durchschnitt sogar acht Monate lang zu schlafen!
Wobei Schlaf vielleicht die falsche Bezeichnung ist, denn sie schlafen nicht in der Weise wie wir es allnächtlich tun, sondern verfallen in einen sogenannten Torpor. Dieser Schlafzustand geht einher mit einer stark abgesenkten, an die Umgebungstemperatur angepassten Körpertemperatur und einer deutlich verringerten Stoffwechselaktivität. Dabei kann die Körpertemperatur der Siebenschläfer nur knapp über Null Grad betragen und die Atmung reduziert sich auf ein bis zwei Atemzüge pro Minute. Zwischendurch kann es sogar zu Atempausen von mehreren Minuten kommen.

Ein richtiger "Schläfer" ist der Siebenschläfer, der auch im NP Thayatal häufig vorkommt.

Der im NP Thayatal häufig vorkommende Siebenschläfer wird seinem Namen vollends gerecht. Er ist ein richtiger Winterschläfer.

Alle paar Wochen werden die Torporphasen für mehrere Stunden durch kurze Aufwachphasen unterbrochen, in denen der Stoffwechsel wieder angekurbelt wird und die Tiere zu einer normalen Körpertemperatur zurückgelangen. Dabei erwachen die Siebenschläfer aber nicht wirklich.
Wozu sind solche Aufwachphasen dann gut? Forscher gehen davon aus, dass diese periodischen Wiedererwärmungen dazu dienen, den Körper vor Schäden zu schützen. Die geringe Körpertemperatur und die verlangsamte Stoffwechselaktivität schwächen nämlich das Immunsystem der Tiere.

Gleichzeitig bedeuten solche Aufwachphasen auch einen großen Energieaufwand für die Tiere, da Fettreserven zur Ankurbelung des Stoffwechsels verbrannt werden müssen.
Deshalb tun sich jene Siebenschläfer leichter, die sich vor dem Winterschlaf noch üppige Fettreserven angefressen haben. Im Gegensatz zu dünneren Tieren können sie ihre extra Reserven dazu nutzen, um ihren Stoffwechsel häufiger anzukurben und mehr Zeit bei normaler Körpertemperatur zu verbringen.
Mit mehr Fett auf den Rippen lässt es sich also genau genommen nicht besser schlafen, sondern besser und vor allem öfter “erwachen”! Und das ist wichtig, um die für den Körper herausfordernde Zeit des Winterschlafes gut und gesund zu überstehen.

Das haben übrigens u. a. Wissenschaftler der Vetmeduni Vienna herausgefunden, nähere Infos dazu gibt es hier.

Jene Siebenschläfer, die mehr Fettreserven für den Winterschlaf mitbringen, haben es leichter!

Jene Siebenschläfer, die mehr Fettreserven für den Winterschlaf mitbringen, schlafen nicht notwendigerweise besser, aber sie überleben die für den Körper strapaziöse Zeit besser!

Gut versteckt

Gehört hat man meist schon mal von ihnen, aber gesehen? – Da wird’s schon kniffliger.
Siebenschläfer beginnen mit ihrer emsigen Futtersuche nach Früchten, Nüssen und Insekten nämlich erst dann, wenn die Sonne untergeht. Und nur in den Monaten Mai bis maximal September. Die restliche, kühlere bis kalte Zeit des Jahres verschlafen die kleinen Nager.
Während der Sommermonate haben sie also Hochsaison und huschen im Nationalpark Thayatal mit Vorliebe, Schnelligkeit und großer Präzision vor allem durchs Geäst alter Eichenbäume. Hier finden sich auch genügend kleine Baumhöhlen, in die sich die nachtaktiven Säugetiere tagsüber zurückziehen.

Übrigens: Einem offengelassenen Mülleimer mit Bananenschalen und anderen “Leckereien” können Siebenschläfer nur schwer widerstehen. Doch einmal geschlossen, wird der Mülleimer zur Falle. Deswegen Bananenschale rein und Deckel gleich wieder zu!