Fotopirsch im Thayatal

Wer spannende Naturerlebnisse beobachten und fotografieren möchte, sollte den Wecker zeitig läuten lassen. Heute geben wir Euch ein paar Tipps, wo es im Nationalpark Thayatal am Morgen besonders schön ist und wie ihr einmalige Naturmomente am besten mit der Kamera einfangen könnt.

Um Tiere, wie den Schwarzstorch abzulichten, braucht es möglichst viel Brennweite und kurze Verschlusszeiten.

Um Tiere, wie den Schwarzstorch abzulichten, braucht es möglichst viel Brennweite und kurze Verschlusszeiten.

Grundregel Nummer eins lautet: Man kann nie früh genug starten! Noch im Dunkeln, ausgerüstet mit Stirnlampe, geht es los. Der ideale Ort, um den Tag im Thayatal zu beginnen findet sich bei der Kajamündung in die Thaya. Startet dafür beim Kaja-Parkplatz. In rund 20 bis 25 Minuten erreicht ihr dann durchs Kajabach wandernd den Mündungsbereich. Dort angekommen beginnt es langsam zu dämmern und es stellt sich die alles entscheidende Frage: Stimmung oder Tiere?

Mit etwas Glück lässt sich im Mündungsbereich die Wasseramsel beobachten.

Mit etwas Glück lässt sich im Mündungsbereich die Wasseramsel beobachten, der einzige Singvogel, der tauchen kann.

Wer Tiere bei der Kajamündung beobachten und fotografieren möchte, verharrt am besten ganz ruhig und sichtgeschützt in der Vegetation. Mit etwas Glück erhascht man dann vielleicht einen Blick auf den Schwarzstorch (Ciconia nigra), der als Sommergast im Thayatal verweilt. Gut möglich, dass auch ein Graureiher (Ardea cinerea) vorbeifliegt, die Wasseramsel (Cinclus cinclus) in unmittelbarer Nähe auf Nahrungssuche ins Flusswasser abtaucht oder ein knallblauer Eisvogel (Alcedo atthis) fiepsend vorbeizischt. Damit abgesehen von der Beobachtung auch noch ein Foto gelingt, hier ein paar sachdienliche Tipps:

* Tiere sind immer relativ weit entfernt, deshalb unbedingt den Zoombereich der Kamera ausreizen, sprich eine möglichst große Brennweite wählen.

* Um ein scharfes Bild zu bekommen, braucht es zudem die kürzest mögliche Verschlusszeit. Wie man diese erreicht? Die größtmögliche Blende, sprich die Offenblende einstellen und die Lichtempfindlichkeit des Sensors, die ISO, erhöhen. Um Verwackelungen zu reduzieren, empfiehlt es sich außerdem vom Stativ zu fotografieren. Soweit die grundlegendsten technischen Einstellungen. Entscheidend bei der Tierfotografie ist darüber hinaus die Kenntnis über das Verhalten der Tiere. Wer dem Tier quasi einen Schritt voraus ist und bereits erahnt, wohin es sich als nächstes bewegt, ob der Schwarzstorch gleich abfliegt oder nur kurz die Position verändert, der drückt im richtigen Moment auf den Auslöser. Wer gut beobachtet, fotografiert eben besser!

Die umliegenden Wälder werden als erstes langsam in das erste Morgenlicht getaucht.

Die umliegenden Wälder werden als erstes langsam in das erste Morgenlicht getaucht.

Bei der Landschaftsfotografie können einem die Tiere zwar nicht weglaufen, dafür aber das Licht, zumindest nach einer gewissen Zeit. Deswegen gilt auch hierbei: Früh genug vor Ort sein! An der Kajamündung lassen sich tolle Morgenstimmungen einfangen: In die eine Richtung werden die umliegenden Berge langsam vom ersten Licht beschienen, in der anderen Richtung, blinzelt einem die aufgehende Sonne, die sich sukzessive ihren Weg durch die üppige Vegetation im Mündungsbereich bahnt, entgegen.
Mit Stativ, Weitwinkelobjektiv, also geringer Brennweite, ist man nun gut beraten. Entscheidend für ein tolles Landschaftsbild ist ein interessanter Vordergrund, das kann zum Beispiel eine schöne Spiegelung, ein markanter Stein oder eine Pflanzengruppe sein. Probiert es einfach aus, ihr werdet den Unterschied zwischen einem gezielt komponierten Bild und einem einfach nur „geknipsten“ Foto bemerken.
Während ihr beim Tiere fotografieren, eine offene Blende wählt, solltet ihr bei der Landschaftsfotografie die Blende etwas schließen (das entspricht einer größeren Blendenzahl). Dadurch erzielt ihr zweierlei: eine möglichst durchgängige Schärfe im Bild und die Sonne – sofern sie im Bildausschnitt durch die Vegetation lugt – geht zu einem mehrzackigen Stern auf. Je nach verwendetem Objektiv sieht der Stern übrigens unterschiedlich aus.

Wenn man die Blende etwas schließt, ab etwa Blende 10, geht die Sonne im Bild zu einem mehrzackigen Stern auf.

Wenn man die Blende etwas schließt, ab etwa Blende 10, geht die Sonne im Bild zu einem mehrzackigen Stern auf.

Genießt den Morgen im Thayatal, macht schöne Fotos und vergesst bei all der fotografischen Euphorie trotzdem nicht, dass im Nationalpark bestimmte Regeln gelten, wie etwa das Wegegebot. Aber auch von den Wegen aus lassen sich tolle Fotos schießen. In diesem Sinne: Gut Licht!

Sie sind wieder da!

Rund 150 Schwarzstoch-Paare brüten jedes Jahr in Österreich. Das Waldviertel und damit auch der NP Thayatal sind besonders beliebt bei den großen Stelzvögeln. Ungestörte Wälder mit alten, hohen Horstbäumen und ein üppiges Nahrungsangebot verlocken die Schwarzstörche jedes Jahr von neuem.

Auf Futtersuche entlang der Thaya.

Auf Futtersuche entlang der Thaya.

Rund 16.000 Kilometer Flugstrecke nehmen sie dafür auf sich und tauschen gegen Anfang April die ostafrikanischen Überwinterungsgebiete gegen das „Sommer-All-Inclusive“-Programm im Thayatal aus.

Wo sich die charismatischen Vögel am besten beobachten lassen?
Entlang der Thaya zwischen Hardegg und dem Überstieg, am besten früh am Morgen und vormittags, wenn sie dem Fischfang frönen. Bis Ende August habt ihr heuer Zeit nach ihnen Ausschau zu halten, dann beenden sie ihren Sommerurlaub und fliegen wieder flotte 16.000 Kilometer retour nach Afrika :)

Wer mehr über die abenteuerliche Flugroute der Schwarzstörche erfahren möchte, wird hier fündig.

In die Falle getappt!

Unauffällig sehen sie auf den ersten Blick aus. Dennoch erregen sie intensives Interesse. Woran das liegt? – Mit Sicherheit an der speziellen Duftnote!
20 hüfthohe Holzpflöcke finden sich verteilt über das Nationalpark-Gebiet. Besprüht mit Baldriantee und bestückt mit je einem Plastikröhrchen, das getrockneten Baldrian enthält, werden sie zu regelrechten „Duft-Leuchttürmen“.
Seit bald zehn Jahren stehen die Lockstöcke im Dienste der Wissenschaft. Ihre Mission: Europäische Wildkatzen anlocken. Betört vom Baldrian reiben sie sich am rauen Holz und hinterlassen im Idealfall einige ihrer Haare. Eine genetische Analyse gibt dann Aufschluss darüber, ob es sich tatsächlich um eine Wildkatze handelt. Bisher gelangen auf diese Weise bereits zwölf Nachweise von mindestens drei verschiedenen Wildkatzen.
Der Baldrian scheint aber nicht nur auf Katzen eine anziehende Wirkung auszuüben. Die Wildkameras vis-à-vis der Lockstöcke können davon ein Liedchen singen. Während es die Wildkatzen irgendwie schaffen, diese Fotofallen auszutricksen, geben sich andere Tierarten weit weniger kamerascheu. Ganz im Gegenteil, ein Hirsch war vom Baldrian so angetan, dass er gleich ordentlich zulangte! Hier geht’s zum Video:
Baldrian_Hirsch
Rothirsch

Im Prinzip hat schon das ganze „Who is Who des Thayatals“ den Lockstöcken einen Besuch abgestattet. Fuchs, Reh, Dachs, Marder, Biber, Eichhörnchen. Sie alle und noch viele andere haben schon mal geschnuppert, ihr Revier markiert oder den Stock zum Klettern genutzt.
Der Siebenschläfer hätte wohl auch gerne eine Kletterpartie mitgemacht. Aber dazu kam es nicht mehr. Ein Baummarder hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht und die Fotofalle hat den Beweis.

Baummarder mit Siebenschläfer-Beute ist ein seltener Anblick. Nur durch die Fotofalle sind solche Momentaufnahmen aus der Natur möglich.

Baummarder mit Siebenschläfer-Beute ist ein seltener Anblick. Nur durch die Fotofallen sind solche Momentaufnahmen aus der Natur möglich.

Wer hat schon jemals einen Baummarder zu Gesicht bekommen, geschweige denn mit einem Siebenschläfer als Beute? Genau aus diesem Grund sind Wildkameras ein wertvolles Naturschutzinstrument. Denn sie geben einen Einblick in das, was geschieht, wenn der Mensch abwesend ist und vielleicht gerade schlummert.

Wer spaziert schon um 3:54 durch den Wald? Wir nicht, aber der Fischotter. Am Baldrian dürfte der nachtaktive Marder, dessen Leibspeise natürlich Fisch ist, allerdings nicht interessiert sein.

Ein Spaziergang gefällig? Nachtaktive Räuber wie der Fischotter sagen dazu gerne Ja.

Ein Spaziergang gefällig? Nachtaktive Räuber wie der Fischotter sagen dazu gerne Ja.

Auch wenn ihre Wühlspuren im Thayatal häufig zu finden sind, blicken lassen sich Wildschweine nur selten. Von der Wildkamera, hingegen, fühlen sich die Frischlinge – die ihre typische Zeichnung etwa ein halbes Jahr behalten – nicht gestört. Sie darf den Kleinen beim Spielen zusehen.

Ein Trupp Frischlinge hat einen Lockstock zum Spielplatz auserkoren.

Ein Trupp Frischlinge hat einen Lockstock zum Spielplatz auserkoren.

Und auch einem Schwarzstorch kann nur die Fotofalle so nahe kommen. Im Hochsommer 2010 – während seines „Sommerurlaubs im Thayatal“, schien er, wie schon viele vor ihm,  Gefallen an dem Stück Holz mit dem intensiven Duft zu finden.

Lockstock Tête-à-tete mit Schwarzstorch.

Lockstock tête-à-tete mit Schwarzstorch.

Aber was ist nur mit der Wildkatze? Irgendwann muss doch auch sie einmal in die Fotofalle tappen. Ein paar höchst verdächtige Bilder aus dem Fugnitztal gibt es in der Tat, aber leider sind auf den Fotos nie alle wichtigen Merkmale auszumachen. Restlos sicher sind sich die Experten deswegen nicht. Aber seht selber.

Ob es sich bei diesem Fotofallen-Bild aus dem Fugnitztal eindeutig um eine Wildkatze handelt, das können die Experten nicht sagen.

Ob es sich bei diesem Fotofallen-Bild aus dem Fugnitztal eindeutig um eine Wildkatze handelt, das können die Experten nicht sagen.

Aber es sieht schon verdächtig nach Wildkatze aus…

Die Wildkameras liegen auf jeden Fall weiterhin auf der Lauer, um all das zu dokumentieren, was uns ansonsten entgehen würde.

Emsig durch den Winter

Zwischen 2. November und 21. März hat das Nationalparkhaus jedes Jahr geschlossen. Fragt sich nur, was tun die Nationalpark-Mitarbeiter eigentlich in dieser Zeit? Halten sie denn gar „Winterruhe“? Nein, sie sind besonders emsig! Denn in der Tat gibt’s während der kalten Zeit des Jahres eine ganze Menge zu tun.

Allein schon wegen Frieda und Carlo, den beiden Wildkatzen, die im Nationalparkhaus ihr Zuhause haben. Die beiden wollen klarerweise jeden Tag gefüttert werden. Und im heurigen Winter steht noch dazu ein gewichtiges Bauprojekt an, was vielen Besuchern jetzt schon die Vorfreude auf ein Wiedersehen im Frühjahr vergrößern dürfte. Denn das Wildkatzengehege wird um einen 200 m² großen Zubau erweitert! Ein Stückchen Wald wird somit bald Teil des Lebensraums von Frieda und Carlo sein.

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Nicht mehr lange, dann wird das Wildkatzengehege um gute 200 m² anwachsen. Im Winter werken die NP-Mitarbeiter eifrig am Zubau.

Neben den Wildkatzen sind es vor allem auch die Besucher- und Schulprogramme für das kommende Jahr, die die Nationalpark-Mitarbeiter nun auf Trab halten. Christian Übl: „Momentan tüfteln wir gerade an den Programmschwerpunkten für das kommende Jahr“. So viel darf schon verraten werden: Die Wildkatzen werden auch im nächsten Jahr einen wichtigen Part einnehmen. Der Startschuss fürs Besucherprogramm 2015 fällt wieder um die Osterzeit.

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Wer wird es wohl 2015 aufs Titelbild schaffen? In den kommenden Wochen wird sich das entscheiden.

Speziell für Schulen gibt es neben dem Besucherprogramm immer auch eine extra Schulbroschüre. „Wir verschicken die 24-seitige Broschüre rund um die Semesterferien“, erklärt Claudia Waitzbauer. Im nächsten Jahr warten auf die Schulen viele neue Angebote wie etwa das Thema Bionik. Außerdem gibt es einige neue Packages für Mehrtages-Aufenthalte im Nationalpark. Im Wald-Wildniscamp bekommen Kinder und Jugendliche die Gelegenheit, die Natur unmittelbar zu erfahren: Sie übernachten im Wald! „Außerdem bemühen wir uns im nächsten Jahr um das Umweltzeichen für außerschulische Bildungseinrichtungen“, ergänzt Claudia Waitzbauer. Wir drücken die Daumen!

Parallel finden im Winter immer auch wissenschaftliche Erhebungen und Studien statt. Heuer liegt der Fokus auf Schwarzstorch- und Seeadler-Beobachtungen. Das Projekt dazu läuft bereits seit Ende März dieses Jahres und soll im kommenden Frühjahr abgeschlossen werden. Erste Teil-Ergebnisse zu den Schwarzstörchen könnt Ihr übrigens bereits im Blogbeitrag “Schwarzstorch gesucht” nachlesen). Wir halten Euch auf dem Laufenden.

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Der Schwarzstoch – momentan im wohlverdienten “Winterurlaub” – steht neben dem Seeadler im Visier wissenschaftlicher Untersuchungen.

Und trotz geschlossener Nationalpark-Türen stehen sogar ein paar Veranstaltungen im November an. Am 20. November findet das alljährliche Nationalparkforum statt. Nationalpark-Direktor Ludwig Schleritzko ist nun ein Jahr in seinem Amt. Anlässlich des Forums zieht er eine erste Bilanz, definiert Schwerpunkte für das kommende Jahr und erklärt, über welche Erfolge er sich besonders freut und welche Herausforderungen noch gemeistert werden müssen. Besucher sind herzlich dazu eingeladen!

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Nationalpark-Direktor Ludwig Schleritzko (Bildmitte) mit einigen Mitarbeitern des NP-Thayatal. Beim Nationlparkforum am 20. November zieht er seine erste Bilanz und blickt auch schon in die Zukunft.

Auch zum Adventmarkt am 29. und 30. November, jeweils von 13:00 bis 19:00 Uhr, wollen wir Euch einladen. Dort gibt’s einen kleinen Einblick in die weihnachtlichen Bräuche und Traditionen unserer tschechischen Nachbarn. Worauf kann man sich freuen? – Kulinarische Köstlichkeiten, Musik, Lesungen, Kunsthandwerk und ein spezielles Kinderprogramm. Lasst Euch das nicht entgehen!

Schließlich – damit den Nationalpark-Mitarbeitern auch garantiert nicht langweilig wird ;) – arbeiten sie auch noch emsig daran, die Zusammenarbeit mit den anderen heimischen Nationalparks zu intensivieren. Ziel dieses Projektes: Mehr Aktivitäten gemeinsam anbieten.

Winterzeit ist eben Arbeitszeit! … Damit auch in der nächsten Saison wieder alles wie am Schnürchen läuft.

Schwarzstorch gesucht!

Schwarzstörche sind richtig anspruchsvoll. Ihre Brutplätze legen sie im Inneren geschlossener Wälder an. Ein wenig aufgelichtet sollte die Stelle aber schon sein, damit die Vögel mit ihrer bis zu zwei Meter großen Flügelspannweite den Horst überhaupt anfliegen können. Außerdem muss sich der Horst aus flugtechnischen Gründen im oberen Bereich eines Hanges oder an den höchsten Ausläufern eines Tales befinden. Denn früh am Morgen fliegen die Störche im Gleitflug – ohne Flügelschlag – zu ihren Nahrungsgründen an der Thaya. Am Vormittag nutzen sie dann die Thermik für den „Wiederaufstieg“ und den kreisenden Segelflug, mit dem sie ihr Revier anzeigen.

Auf Futtersuche entlang der Thaya.

Auf Futtersuche entlang der Thaya.

Diese Ansprüche machen es nicht gerade leicht, wenn man sich auf Schwarzstorch-Suche begibt, wie momentan im Nationalpark Thayatal. Seit Ende März läuft eine Studie, die herausfinden will, wie viele Schwarzstörche sich auf Nationalpark-Gebiet aufhalten und für Nachwuchs sorgen. Gerade erst in der vergangenen Woche fand dazu eine gemeinsame Zählung des NP Thayatal und des NP Podyjí statt: „Leider war es der denkbar schlechteste Tag in der Saison, um Thermiksegler wie den Schwarzstorch ausfindig zum machen“, sagt Zoologe Jürgen Pollheimer, der die Studie leitet. Eine Beobachtung gab es dann doch, direkt in Hardegg.

Aber die Untersuchung hängt ja nicht an einem einzigen Tag. „Wir wissen bereits, dass es auf dem Gebiet der beiden grenzüberschreitenden Nationalparks mindestens 4, wahrscheinlich sogar 5 oder 6 Brutpaare gibt“, fährt der Zoologe fort. Der Bestand gilt als stabil. In den letzten Jahren konnten immer wieder einzelne besetzte Horste gefunden und konkrete Bruten nachgewiesen werden. 2014 fehlt ein eindeutiger Brutnachweis noch, aber viele Indizien weisen darauf hin.
Schon häufig konnten das Team von Jürgen Pollheimer sowie Ranger und Naturfreunde  die Schwarzstörche im NP Thayatal heuer sichten, und zwar paarweise. Die bekannten Horste sind 2014 aber erstaunlicherweise nicht besetzt.
Warum? – Jürgen Pollheimer: „Offenbar brüten sie in anderen Horsten. Das ist meiner Erfahrung nach relativ ungewöhnlich, weil Großvögel sehr konservativ sind, an Horsten oft über viele Jahre bauen und sie immer wieder aufsuchen. Trotzdem kann es sein, dass lokal neue Brutplätze angelegt werden bzw. dass die Vögel mehrere Plätze abwechselnd nutzen. Obwohl das Gebiet gut untersucht ist, gibt es immer noch Bereiche, die extrem schwer zugänglich sind. Aus diesem Grund könnten uns diese Brutplätze bislang verborgen geblieben sein.“

Ob erfolgreich gebrütet wurde, lässt sich aber auch in den nächsten Wochen noch feststellen. Bis zum Abflug in die afrikanischen Überwinterungsgebiete gegen Mitte / Ende August werden die Zoologen noch genau Ausschau halten. Nach jungen Schwarzstörchen, die mit ihren auffälligen Bettelflügen ins Auge stechen. Genauso wie mit ihrem Aussehen, das sich noch deutlich von dem ihrer Eltern unterscheidet. Die Erkennungsmerkmale: Ein schmutzig braunes statt intensiv schwarz gefärbtes Gefieder und ein braungrüner statt korallenroter Schnabel.

Wer mit etwas Glück selbst einen Schwarzstorch im Nationalpark Thaytal beobachten möchte, hat am kommenden Sonntag, dem 20. Juli dazu Gelegenheit. Früh morgens, um 7:00 kann man gemeinsam mit Nationalpark-Ranger Christoph Milek in Richtung Umlaufberg wandern, wo die Chancen gut stehen, auf fischende Schwarzstörche zu stoßen. Wer sich das nicht entgehen lassen und mehr über die Lebensweise dieses scheuen Schreitvogels erfahren möchte, kann sich noch bis Samstag für die Veranstaltung anmelden. Sämtliche Infos und Anmeldemodalitäten finden sich hier.

Wer Lust hat, sich selbst auf die Spuren des Schwarzstorches zu begeben, hat dazu am Sonntag, 20. Juli Gelegenheit!

Wer Lust hat, sich selbst auf die Spuren des Schwarzstorches zu begeben, hat dazu am Sonntag, dem 20. Juli Gelegenheit!

Hilfreiche Naturbeobachtungen

„Letztes Jahr war einer so keck, dass er glatt am Hosenbein eines Freundes von mir hochgekraxelt und weiter auf den Tisch gehüpft ist“, erzählt Fritz Zahnt, Hüttenbesitzer im Nationalpark Thayatal und großer Naturfreund von seinen beinahe Mitbewohnern. Drei oder vier Siebenschläfer, schätzt er, haben sich über den vergangenen Winter im Dachboden seiner Hütte einquartiert. Den Sommer davor statteten sie Fritz Zahnt immer wieder einen Besuch auf seiner Terrasse ab. „Einmal bin ich nur kurz in die Hütte gegangen, um Brot für den restlichen Eiaufstrich zu holen. Die Dose mit dem Aufstrich habe ich auf der Terrasse offen stehen gelassen und als ich zurückkomme, macht sich gerade eine Siebenschläfer daran, den Rest aufzuschlecken.“

Auf der Terrasse von Hüttenbesitzer Fritz Zahnt im Nationalpark Thayatal gab es letztes Jahr regen Besuch von Siebenschläfern.

Auf der Terrasse von Hüttenbesitzer Fritz Zahnt im Nationalpark Thayatal gab es letztes Jahr regen Besuch von Siebenschläfern. Möglicherweise schauen sie heuer wieder vorbei, wir halten Euch auf dem Laufenden.

Auch Oliver Überfellner, der ebenfalls entlang der Thaya eine Hütte besitzt, erlebt die eine oder andere Tierbegegnung. Heuer Anfang Juni etwa machte er eine kleine Gruppe von vier oder fünf Mufflons aus, die in der Nähe des Rabenfelsens behände wie Gämsen herumturnten.
Mufflons sind Wildschafe, die bei uns natürlicherweise nicht vorkommen, sondern in den letzten rund 200 Jahren in Europa als Jagdwild ausgesetzt wurden. Im Nationalpark verursachen sie vor allem bei der empfindlichen Felsvegetation starke Schäden und sind deswegen alles andere als gern gesehen.

Beobachtungen wie diese helfen deshalb den Nationalparkmitarbeitern, einen besseren Überblick über die Häufigkeit und Verteilung der Tierarten im Nationalpark zu erhalten. „Für uns ist es immer interessant von Naturbeobachtungen an der Thaya zu erfahren. Zum Teil fließen diese Sichtungen auch in unsere Monitoringprojekte ein. Momentan erheben wir gerade, wie viele Schwarzstörche sich im Nationalpark tummeln“, sagt dazu Christian Übl vom NP Thayatal.

Momentan läuft im Nationalpark gerade eine Erhebung zu den Schwarzstörchen. Wie viele gibt es? Habt ihr vielleicht welche gesehen?

Momentan läuft im Nationalpark gerade eine Erhebung zu den Schwarzstörchen. Wie viele gibt es? Der Nationalpark freut sich über Tipps und Hinweise!

Der Schwarzstorch fischt gerne in der Thaya im Bereich der großen Umlaufwiese und der Bildeiche. Oliver Überfellner konnte bei seinen heurigen Aufenthalten im Thayatal fast täglich die Schwarzstörche beobachten. „Wir haben Anfang Juni sogar zwei Vögel in unmittelbarer Nähe zueinander gesichtet. Vielleicht könnte es sich dabei um ein Pärchen handeln?“, so seine Überlegung. Vor allem der frühe Morgen, wenn die Schwarzstörche mit der Futtersuche beschäftigt sind und der Nachmittag, wenn sie häufig die Thaya entlang fliegen, eignen sich besonders gut für Storch-Sichtungen. Überhaupt tut sich gerade viel an der Thaya: „Ich habe das Gefühl, dass mehr Fische im Fluss sind als in den letzten Jahren“, meint Hüttenbesitzer Überfellner. Denn nicht nur die Schwarzstörche, sondern auch die Fischotter lassen sich momentan wieder öfter blicken.
Das kann auch Fritz Zahnt bestätigen: „Ich sehe laufend einen Fischotter bei meiner Hütte jagen. Er fischt auch gerne im Bereich des Granitzsteiges und gegenüber an der tschechischen Grenze vermute ich seinen Bau.“

Im Bereich des Granitzsteiges tummelt sich momentan gerne ein Fischotter.

Im Bereich des Granitzsteiges jagt momentan gerne ein Fischotter.

Und wo habt Ihr zuletzt Fischotter, Schwarzstorch und Co. gesehen? Lasst es uns wissen, wenn ihr spannende Entdeckungen im Nationalpark macht.

Der Nationalpark freut sich

Für den  Nationalpark sind Naturbeobachtungen, wie sie etwa Hüttenbesitzer, Naturfreunde oder Wanderer machen, immer von Interesse. Also, lasst uns wissen, was und wer Euch aller im Nationalpark begegnet!

Einmal Pauschalurlaub, bitte!

Ob Wiederbesiedlung oder neue Landnahme, das ist nicht eindeutig geklärt. Feststeht aber, dass sich der Schwarzstorch seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Osteuropa aus immer weiter nach Westen vorarbeitet. Und mittlerweile brüten jedes Jahr um die 150 Schwarzstorch-Paare in Österreich.

Rund 300 Schwarzstörche dürften sich jeden Sommer in Österreich aufhalten.

Rund 300 Schwarzstörche dürften sich jeden Sommer in Österreich aufhalten.

Ein Hotspot für die österreichischen Schwarzstörche ist das Waldviertel. Dort findet sich auch der NP Thayatal, der den großen Stelzvögeln geradezu ideale Lebensbedingungen bietet. Ungestörte Wälder mit alten, hohen Bäumen zum Horstbau und ein reichhaltiges Nahrungsangebot aus der Thaya – mit Forellen und Koppen – sorgen dafür, dass die „Pauschalurlauber“ jedes Jahr wiederkommen.
Ende März, spätestens Anfang April lockt sie dieses „All Inclusive“-Programm ins Thayatal. Vor allem entlang der Thaya zwischen Hardegg und dem Überstieg können die etwa einen Meter großen und bis zu vier Kilogramm schweren Störche beim Fischen beobachtet werden. Am besten früh am Morgen und vormittags. Längstens aber bis Ende August, dann endet ihr Sommerurlaub wieder.

Fragt sich nur: Wo kommen sie her und wo gehen sie hin?
Die Schwarzstörche überwintern in Afrika und pendeln dafür zweimal im Jahr. Bis zu 300 Kilometer legen sie dann pro Tag zwischen Ostafrika und Europa zurück. In Summe eine gewaltige Distanz von rund 16.000 Kilometern, die sie je nach Witterung in ein bis zwei Monaten bewältigen.
Und wozu die ganze Tortur? – Des Futters willen. Zugvögel halten sich immer dort auf, wo das Buffet am üppigsten gedeckt ist. Während bei uns Winter herrscht und das Futter knapp wird, füllen sich die kleineren und größeren Flüsse in der afrikanischen Sahelzone, gehen zum Teil über die Ufer und spülen den Störchen die Fische regelrecht in den Rachen.
So gestärkt geht’s im Frühjahr zurück in die Brutgebiete. Aber über welche Flugroute? Quer übers Mittelmeer, über Sizilien und Italien? – Das tun die wenigsten mitteleuropäischen Schwarzstörche. Als Gleitflieger brauchen sie Aufwinde, um große Distanzen mit kleinst möglichem Energieverbrauch zurückzulegen. Über dem Meer gibt es solche Luftströmungen aber nicht, deswegen fliegen die Vögel bevorzugt rings ums Mittelmeer herum, im Westen über Gibraltar, im Osten über den Bosporus. Die Schwarzstörche aus dem Nationalpark Thayatal und vermutlich auch alle anderen in Österreich brütenden Schwarzstörche wählen die „Ost-Route“. Das weiß man u. a. auch deswegen so genau, weil beringte Vögel aus dem Thayatal bei einem Zwischenstopp im Jordantal gesichtet wurden.
Heuer haben sie diesen Stopover bereits hinter sich gelassen, schon längst. Sie haben nämlich schon im Thayatal „eingecheckt“, der Pauschalurlaub 2017 kann also starten!

Eine aktuelle Untersuchung im NP Thayatal will herausfinden, wie viele Schwarzstörche jedes Jahr zum Brüten in den Nationalpark kommen.

Der Trailer

Jetzt ist er da. Der nigelnagelneue Nationalpark Thayatal Trailer!

Er packt die ganze Pracht des Thayatals in knappe zweieinhalb Minuten. Einmalige Landschaften, fantastische Ausblicke und bezaubernde Lichtstimmungen kommen ebenso vor wie die tierischen und pflanzlichen Stars des Nationalparks. Spannende Zeitraffer-Aufnahmen inklusive.
Wir sind der Meinung, dass sich kein Naturliebhaber diesen Trailer entgehen lassen sollte! So viel Natur auf so kleinem Raum, das ist schon was ganz Besonderes.
Deswegen bitten wir Euch, die Kunde vom neuen Trailer eifrig weiterzuverbreiten, auf Social Media Foren zu teilen, liken etc. Spread the word :)

Vielen Dank an Marc Graf Photography für die tolle Umsetzung.

“Special Guest” im Thayatal

Er ist der unbestrittene VIP des NP Thayatals. Doch schon Ende August reist er wieder ab. Flugrichtung Afrika.
Der Schwarzstorch kommt nämlich nur in den Sommermonaten zum Fischen an die Thaya und den Kajabach im Nationalpark. Europaweit gilt dieser scheue Waldbewohner als besonders selten.

Umso gespannter waren Marc und ich, ob wir ihn wohl ausfindig machen könnten. Mit Tarnzelt und Tarnnetz gewappnet, legten wir uns um 5:00 früh im Bereich der Kajabachmündung auf die Lauer. Und dann hieß es erstmal abwarten… und warten … und warten … und warten.
Zwischendurch hüpften ein paar Bachstelzen vor uns auf und ab. Wasseramseln tauchten zur Futtersuche in die Thaya-Fluten ab. Und der Eisvogel schoss mit seinem blitzblauen Gefieder einige Male pfeilschnell vorbei. Aber kein Schwarzstorch. Tarnzelt-Sessions können von Erfolg gekrönt sein, müssen es aber nicht. So die simple Moral von der Geschichte.

Also versuchten wir unser Glück, ungetarnt, weiter flussaufwärts. Und siehe da, etwa 100 Meter von der imposanten Bildeiche entfernt, staksen ein Paar knallorange Beine im seichten Thaya-Wasser. Marc legt – außerhalb der Sichtweite des Schwarzstorches – einen Spurt ein, um weiter vorne auf ihn zu warten, natürlich mit der Kamera. Doch eine kleine Bewegung alarmiert den Schwarzstorch und statt an Marc vorbeizuflanieren, hebt er ab. Netterweise aber in Marcs Richtung und der drückt im richtigen Moment den Auslöser. Das Ergebnis seht ihr hier.

Wer selbst den Schwarzstorch erspähen möchte, sollte sich rasch auf die Socken machen. Wie gesagt, Ende August zieht es ihn retour nach Afrika. Die nächste Chance ihn im Nationalpark Thayatal zu sehen, gibt es dann wieder ab Anfang April im kommenden Jahr.