Belebter Winter-Wald

Wenn Marc & ich im Nationalpark Thayatal oder auch andernorts in der Natur unterwegs sind, fragen wir uns oft, wer uns wohl aller gerade aus dem “Hinterhalt” beäugt? Vielleicht sitzt über uns, verborgen im dicht beblätterten Geäst einer Eiche gerade eine Eule und linst zu uns herunter? Vielleicht verbirgt sich im Gestrüpp nur wenige Meter von uns entfernt ein Fuchs und harrt regungslos aus, bis “die Luft wieder rein ist”? Vielleicht haben uns Reh- und Hirschaugen längst erspäht?
Der Wald hat definitiv Augen ;) … Im Winter ist es zwar nicht unbedingt leichter, auf Wildschwein, Reh, Fuchs, Hirsch & Co. zu stoßen, aber zumindest ihre Spuren lassen erahnen, wer sich wo, wann und wie häufig tummelt. Im Winter wird offenbar, wie belebt der Wald tatsächlich ist!
Die Wald-Bewohner sind uns nur meistens einfach um einige Schritte voraus und längst wieder über alle Berge, wenn wir gerade mal ihre Spuren entdecken. Wer könnte denn auf folgendem Bild seine Abdrücke hinterlassen haben?

Den Schwarzkitteln auf der Spur

Ja, der Verdacht ist genau richtig (siehe Kommentar zum Blogeintrag “Verräterische Spuren”), vielen Dank! – Ein Wildschwein hat unseren Weg gekreuzt.
Und was sind die Indizien, die dafür sprechen? Nun, in erster Linie lässt sich der Schwarzkittel durch die beiden abgespreizten hinteren Zehen entlarven. Dabei handelt es sich um die sogenannten Afterklauen, die bei Wildschweinen immer einen deutlichen halbmondförmigen Abdruck im Schnee hinterlassen. Für potenzielle Verwirrung könnte aber der vordere Teil des Abdrucks sorgen, der wie eine einzige große Zehe anmutet. Bei einem idealen Abdruck sollte man die beiden vorderen Zehen (insgesamt haben Wildschweine 4 Zehen genauso wie Rehe und Hirsche) getrennt voneinander erkennen. Aber die Afterklauen lassen keinen Zweifel offen, dass es sich bei diesem Paarhufer um ein Wildschwein handeln muss!

Verräterische Spuren

Nachdem wir der möglichen Wildkatzenspur in der Schneelandschaft des NP Thayatal gefolgt sind (siehe Blogeintrag “Spuren im Schnee”), wollen wir uns nun nach weiteren “verräterischen Spuren” umsehen. Aber diesmal seid Ihr dran!
Wer könnte sich hinter der hier abgebildeten Spur verbergen und woran lässt sich das erkennen? Nur so als Tipp: Der rechte Abdruck ist nicht gesucht ;)
Wir sind gespannt, wer sich beim Fährtenlesen auskennt!
Auflösung folgt …

Welche Spur könnte das sein?

Spuren im Schnee …

… hinterlässt möglicherweise die in Österreich erstmals im NP Thayatal wiederaufgetauchte Europäische Wildkatze.
Allerdings zu viel Schnee behagt der zurückgezogen lebenden Waldbewohnerin gar nicht. Im Hochgebirge fühlt sich die Wildkatze deswegen alles andere als zu Hause. Denn im tiefen Schnee kommt sie mit ihren Pfoten nur mühsam voran, sinkt immer wieder ein und ihre bevorzugten Beutetiere, die Wühlmäuse, bleiben für sie weitgehend unerreichbar. Da Wildkatzen aber keinen Winterschlaf halten, gilt es für sie auch in der kalten Jahreszeit ihren Magen zu sättigen. Das Thayatal bietet ihnen dafür ideale Bedingungen, denn in der Regel sind die Winter schneearm und die mit Trockenrasen und Wiesen durchsetzten Hangwälder stellen nicht nur für Wildkatzen, sondern auch für Mäuse ein wahres Eldorado dar.

… Und was die Spuren angeht: Katzenspuren ließen sich dieser Tage im noch schneebedeckten Thayatal von den Nationalpark Mitarbeitern tatsächlich ausfindig machen, aber die Unterscheidung zwischen Wildkatze und einer durch den Wald streunenden Hauskatze ist rein von der Spur her so gut wie unmöglich. Leider.
Umso wichtiger ist es, die Augen offen zu halten, um weitere Hinweise über die wiedergekehrte Europäische Wildkatze zu sammeln. Habt Ihr sie vielleicht gesehen? Ist Euch ein Schnappschuss gelungen? Oder habt Ihr eine Vermutung? Die Wildkatzenmeldestelle baut auf unsere Mitarbeit!

PS: Damit haben sich die “Spuren-Nachrichten” aus dem NP Thayatal aber noch nicht erschöpft. Mehr dazu gibt es demnächst, also bleibt dran :)