Geburtsstation Burgruine Kaja

Ganze 22 Fledermausarten finden sich im Nationalpark Thayatal und seiner nahen Umgebung. „Bei den 28 in Österreich bekannten Arten ist das eine erstaunlich hohe Anzahl an Fledermausarten auf einem verhältnismäßig kleinen Gebiet“, erklärt Guido Reiter, Leiter der Koordinationsstelle für Fledermausschutz und –forschung in Österreich. Als Grund dafür, was die einzigen aktiv fliegenden Säugetiere so attraktiv am Nationalpark finden, nennt er drei Komponenten: „Der naturnahe Wald, das Wasser der Thaya und der Fugnitz und auch die Gebäude eingestreuter Siedlungen, in denen manche Arten Quartiere finden.“

Kleine Hufeisennase in der Burgruine Kaja.

Kleine Hufeisennase in der Burgruine Kaja.

In Kellern oder Stollen verbringen Fledermäuse die kalte Jahreszeit – wenn es an ihrer Nahrung, den Insekten, fehlt. Der Winterschlaf spart nämlich Energie. Aber auch im Sommer beziehen Fledermäuse gerne menschliche Quartiere. Von Mai bis August bringen die Weibchen ihren Nachwuchs in sogenannten Wochenstuben zur Welt. Beliebt dafür sind etwa Dachböden. Oder zum Beispiel die vielen verwinkelten Kammern und Ecken der Burgruine Kaja im NP Thayatal. Hier findet sich alljährlich eine Wochenstube der Kleinen Hufeisennase, die bei einer Kopf-Rumpf-Länge von vier bis sechs Zentimetern und einem Gewicht von maximal zehn Gramm zu den kleinsten Fledermausarten Europas zählt.
Und mit ziemlicher Sicherheit handelt es sich jedes Jahr um die gleichen Weibchen, die in den Winkeln der Burg Unterschlupf suchen. Die Bindung an ein einmal gewähltes Quartier kann nämlich so stark sein, dass die Tiere auch über Jahrzehnte hinweg stets an denselben Ort zurückkehren, um ihre Jungen aufzuziehen!

Burgruine Kaja - Eine beliebte Wochenstube für Kleine Hufeisennasen-Weibchen.

Burgruine Kaja – Eine beliebte Wochenstube für Kleine Hufeisennasen-Weibchen.