Mittelsmänner

„Nenn mir einen guten Grund, warum der Pilz nicht in der Pfanne landen sollte?“ – Mal ganz abgesehen davon, ob genießbar oder nicht, ist „der Pilz“ tatsächlich noch für was anderes gut als lediglich in unserem Schlund zu verschwinden.  

Eine bestimmte Gruppe von Pilzen hat sich gewissermaßen der Berufssparte „Mittelsmann“ verschrieben. Sie vermitteln zwischen dem Diesseits und dem Jensseits, wandeln sozusagen zwischen den Welten bzw. VERwandeln totes Material. Nicht gleich in Lebendiges, dafür aber in die Ausgangsstoffe, die nötig sind, um neues Leben entstehen zu lassen.

Weniger kryptisch formuliert, bedeutet das Folgendes: Die „Mittelsmänner“ oder sogenannten Saprophyten des Pilzreiches ernähren sich von totem organischen Material, sprich sie wachsen auf vermoderndem Holz, abgefallenen Rindenstücken, Laub oder auf anderen absterbenden Pflanzenteilen. Aus diesen gewinnen sie einerseits die für ihr eigenes Überleben notwendigen Nährstoffen, andererseits kommt all das, was sie zerlegen und selbst nicht verwerten anderen Kleinstlebewesen zugute und stellt nicht zuletzt die Lebensgrundlage, d. h. die molekularen Grundbausteine für neu heranwachsende Pflanzen dar.

Gemeinsam mit verschiedensten bodenlebenden Mikroorganismen sorgen die saprophytischen Pilze also dafür, dass aus „Müll“ wieder wertvolle Ressourcen und so neues Leben entstehen kann. Ein perfekter Stoffkreislauf. – Solange er nicht vorzeitig in der Bratpfanne endet!

Die Langstielige Holzkeule zählt zu den saprophytischen Pilzen, den Mittelsmännern. Sie mögen unscheinbar wirken, aber sie erfüllen wichtige ökologische Funktionen... und ganz nebenbei sind sie definitiv nichts für die Bratpfanne.

Die Langstielige Holzkeule zählt zu den saprophytischen Pilzen, den Mittelsmännern. Sie mögen unscheinbar wirken, aber sie erfüllen wichtige ökologische Funktionen… und ganz nebenbei sind diese Vertreter des Pilzreiches definitiv nichts für die Bratpfanne.

Pilzzeit

Der Regen der vergangenen Wochen hat einige von ihnen hervorgelockt. Und mitunter muss man im NP Thayatal gar nicht weit schweifen, um auf einen spannenden Vertreter ihrer Zunft zu stoßen. Der Wurzelnde Bitterröhrling (Boletus radicans), eine mykologische Seltenheit bei uns, gedeiht gerade in unmittelbarer Nähe zum Nationalparkhaus.

Dieser Pilz, der zwar nicht giftig, aber ungenießbar ist, gehört zur bekannten Gruppe der Dickröhrlinge, die das klassische Bild vom Pilz erfüllen: Auf einem dicken, bauchigen Stiel sitzt ein mitunter ausladender Pilzhut.
Der Hut des Wurzelnden Bitterröhrlings ist zwar nicht ganz so ausladend, aber sein schmackhafter Verwandter, der Sommer-Steinpilz kann schon mit einer imposanten „Behütung“ aufwarten. Eine Verwechslung ist so gut wie ausgeschlossen. Sollte sie doch geschehen, ist das nicht weiter schlimm, nur geschmacklich bitter. Der Name hält, was er verspricht ;)
Verwandt ist der Bitterröhrling allerdings auch mit dem giftigen Satans-Röhrling. Während der Stiel des Satans-Röhrlings jedoch stark rot überlaufen ist, weist der Stiel des Bitterröhrlings eine hellgelbe Farbe auf. Daran können die beiden Arten gut voneinander unterschieden werden.

In den Wäldern des Nationalparks Thayatal ist eine Pilzvergiftung aber in jedem Fall ausgeschlossen, denn es gilt kategorisches Sammelverbot. Pilze erfüllen wichtige ökologische Funktionen und die können eben nur dann erhalten bleiben, wenn sie nicht in der Bratpfanne landen. Doch dazu mehr im nächsten Monat …
Und, welche Pilze habt ihr bei eurem letzten Besuch im Thayatal ausfindig gemacht?

Zerschneidet man den Wurzelnden Bitterröhrling beginnt sich das Pilzfleisch an den Schnittflächen blau zu verfärben.

Zerschneidet man den Wurzelnden Bitterröhrling beginnt sich das Pilzfleisch an den Schnittflächen blau zu verfärben.

Eine knallrote Rarität

Obwohl er so intensiv rot leuchtet, ist er nicht immer leicht zu entdecken. Der Zinnoberrote Kelchbecherling, Sarcoscypha austriaca, wächst am Boden auf langsam vermodernden, teils bemoosten Zweigen und Stämmen von Laubbäumen.
Der Nationalpark Thayatal ist deswegen ein idealer Ort für den kleinen, knallroten Pilz. Oft blitzt nur ein kleines Stückchen von ihm hervor, schiebt man jedoch ein wenig das Moos zur Seite, kommen mitunter sogar mehrere Kelchbecherlinge zum Vorschein.

Von seinem wissenschaftlichen Namen her könnte man fast meinen, er käme ausschließlich in heimischen Gefilden vor. Der auch als Österreichische Prachtbecherling bezeichnete Pilz  wurde in der Tat von einem Österreicher erstmals beschrieben. Der Botaniker Günther Beck von Mannagetta und Lerchenau (1856-1931) verpasste ihm 1884 den Artbeinamen „austriaca“. Zu finden ist er allerdings auch andernorts in Mitteleuropa und sogar in Teilen Nordamerikas – sofern es der Lebensraum zulässt.

Wegen schwindender Laubholzbestände hat es der Kelchbecherling oder Prachtbecherling allerdings nicht immer leicht. Er steht deswegen auf der Roten Liste und stellt in Österreich eine wahre Pilz-Rarität dar. Der NP Thayatal ist nämlich einer der wenigen Fundorte für diesen „roten Becher“ in ganz Österreich. Ab dem Frühjahr, gleich nach der Schneeschmelze bis in den Monat Mai lassen sich die Pilze im Nationalpark bestaunen. Auch jetzt sind sie noch zu sehen.

Tipp: Entlang des Kajawegs etwas genauer ins Moos spähen, dann könntet ihr fündig werden. Betrachten und Fotografieren erlaubt, Mitnehmen natürlich nicht!

Nicht Fisch, nicht Fleisch, sondern Pilze!

In welches “Kastl” sollen wir sie eigentlich stecken? Sie sitzen rum wie Pflanzen, aber sie fressen wie Tiere. Also was sind sie? Pilze! Und sie bilden ihre ganze eigene “Kategorie”. Was sie den Tieren ähnlich macht, ist die Tatsache, dass sie wie diese nicht zur Photosynthese fähig sind und sich somit nicht ihr eigenes Essen, also ihre eigenen Kohlenhydrate, herstellen können. Dafür haben sie von den Pflanzen ihre Unbeweglichkeit. Trotzdem wäre eine Welt ohne sie unvorstellbar. Sie sind nämlich das Schmierfett zwischen Tieren und Pflanzen.
Pilze zersetzen das anfallende Totholz im Wald, zerlegen es wieder in seine molekularen Bestandteile, die über die Wurzeln der Pflanzen erneut aufgenommen werden, die wiederum im Schlund eines Tieres landen … Pilze stellen sicher, dass der “Biomüll” ordentlich entsorgt, sprich in den Lebenskreislauf rückgeführt wird.