Gemeinsam stark!

Sie grenzen direkt aneinander. Der tschechische  Národní Park Podyjí besteht seit 1991, der österreichische Nationalpark Thayatal seit dem Jahr 2000. Die beiden Nationalparks haben zwei  eigenständige Verwaltungen, trotzdem kooperieren sie in vielerlei Belangen miteinander und kennen genauso wie die Natur, die sie schützen, keine Grenzen.

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Petr Lazarek (links), Mitarbeiter des Národní park Podyjí, und Christian Übl, Direktor des Nationalpark Thayatal freuen sich über die gute Zusammenarbeit zwischen den Österreichern und Tschechen.

Was lässt sich alles gemeinsam bewerkstelligen? Managementpläne, Kontrollgänge im Nationalpark, das Aktualisieren und Austauschen von Landkarten oder die Durchführung von EU-Förderprojekten. „Ein infrastrukturelles Highlight wäre die gemeinsame Planung und Umsetzung eines Österreich-Tschechien Rundwanderwegs“, sagt Nationalparkdirektor Christian Übl.
Der Rundwanderweg ist noch Zukunftsmusik, fix dagegen im Repertoire der beiden Nationalparks sind gemeinsame Veranstaltungen wie etwa die Radtour entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs. Mehr Infos dazu gibt es hier.

Und wer mehr über die gemeinsamen Pläne und Projekt der beiden NPs herausfinden möchte, klickt sich einfach hier rein.

Happy Birthday NP Podyjí!

Franz Kraus über den Beginn des Naturschutzes im Thayatal

Die Geschichte des Naturschutzes im Thayatal ist von Beginn an eine grenzüberschreitende Geschichte. Aufgrund des Grenzverlaufes in der Flussmitte wurden ehemals geplante Erschließungsmaßnahmen wie eine Bahnlinie oder ein Straßenprojekt niemals umgesetzt. Später, am Beginn der 1950er Jahre, senkte sich der Eiserne Vorhang über Europa. Das Thayatal wurde zur „toten“ Grenze. So schwierig diese Zeit für das Grenzland war, die Natur an der Thaya konnte sich vor allem im tschechischen Sperrgebiet nahezu ungestört entwickeln.

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Heute ist das Thayatal ein Naturschatz. Vor einigen Jahrzehnten aber war es bedroht durch ein geplantes Kraftwerk.

1984 wurde in Hardegg bekannt, dass die damalige CSSR Planungen zu einem Kraftwerksbau an der Thaya bei Byči Skala verfolgte. Rasch formierte sich in Österreich Widerstand in Form der „Bürgerinitiative zur Rettung des Thayatales“. Gemeinsam mit der Stadtgemeinde erreichten wir die Ausweisung eines Naturschutzgebietes an der Thaya. Auf tschechischer Seite gab es bereits ein Landschaftsschutzgebiet, das sogar mit eigener Verwaltung ausgestattet war. Noch vor dem Fall des Eisernen Vorhanges traf ich mich bereits mit Martin Skorpik von der tschechischen Verwaltung, um über ein grenzüberschreitendes Schutzgebiet zu sprechen.

Die Pläne zum Staudamm im Thayatal.

Der geplante Stausee im Thayatal.

Im österreichischen Blätterwald rauschte es ordentlich. Zum Glück konnte das Kraftwerksprojekt abgewendet werden.

Im österreichischen Blätterwald rauschte es ordentlich. Zum Glück konnte das Kraftwerksprojekt abgewendet werden.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhanges herrschte auf tschechischer Seite eine große Euphorie über die gewonnene Freiheit, ein Bürgerforum übernahm die politischen Agenden. Ehemalige Dissidenten wurden zu Staatspräsidenten und Außenministern (Vaclav Havel und Jiři Dienstbier) und auch beim Thema Naturschutz gab es große Ideen. Dort, wo früher der Eiserne Vorhang Europa trennte, sollte ein „Grünes Band“ von Schutzgebieten eingerichtet werden. Im Bereich des Národní park Podyjí nützte man die Gunst der Stunde und errichtete bereits 1991 den 6300 ha großen Nationalpark. Ebenso wurde damals der Národní Park Šumava (Böhmerwald) realisiert.

Nun feiert der NP Podyjí sein 25-jähriges Bestehen. Wir gratulieren herzlich! Der Nationalpark Thayatal zeigt aus diesem Anlass ab 1. Oktober eine Ausstellung im Nationalparkhaus über die Geschichte unseres großen tschechischen Bruders.

25 Jahre Natur ohne Grenzen – NEUER FILM

Am 9. November 1989, vor mittlerweile 25 Jahren, fiel die Mauer. Ein denkwürdiges Datum. Und kurz nachdem in Berlin die ersten Steine bröckelten, kam es in der heutigen Tschechischen Republik zur Samtenen Revolution. Was am 17. November mit Studentendemonstrationen begann, führte am 10. Dezember zur Bildung einer neuen Regierung und zur Ernennung Václav Havels zum Staatspräsidenten. Innerhalb weniger Wochen gelang es, weitgehend gewaltfrei, aus einer Diktatur eine Demokratie auferstehen zu lassen.

Damit endete die Zeit des Eisernen Vorhangs zwischen Österreich und Tschechien. „Bereits am 5. Dezember 1989 begann der Abbau der Grenzsperre. Manch einer hütet heute noch zu Hause ein Stück Original-Stacheldraht zur Erinnerung an diese dunkle Zeit“, erzählt Nationalpark-Mitarbeiter Christian Übl.
Das Ende des Zauns war aber gleichzeitig der Beginn einer neuen Ära. Mittlerweile steht die Grenze der beiden EU-Länder offen, die Vegetation hat sich dort, wo einst der Stacheldrahtzaun verlief, ihren Platz zurückerobert, die Tiere wechseln von einem Ufer der Thaya zum anderen und der österreichische Nationalpark Thayatal arbeitet mit dem tschechischen Národní park Podyjí intensiv zusammen.

Passend zum 25-Jahres-Jubiläum gibt es den neuesten NP Thayatal Film „25 Jahre Natur ohne Grenzen“. Der knapp 8-minütige Film blickt sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft. Vor allem aber vermittelt er einen Eindruck von der völkerverbindenden Naturschutzarbeit an der Grenze. NP Thayatal Direktor Ludwig Schleritzko und NP-Mitarbeiter Christian Übl erzählen über positive Entwicklungen in der Natur, Kooperationen mit den tschechischen Nachbarn und Pläne für die Zukunft. Gleichzeit nimmt der kurze Film mit auf einen Streifzug durch die Natur dieses in Mitteleuropa einmaligen Durchbruchtales.

Hier könnt Ihr Euch den Film ansehen:

Sämtliche NP Thayatal Filme gibt es übrigens auch hier!

Im Wandel der Zeit

Wir werfen heute einen Blick zurück, in die unmittelbare, die länger zurückreichende und eine fast schon nicht mehr greifbare Vergangenheit. Von letzterer ist glücklicherweise nicht mehr viel zu sehen, von der Zeit des Eisernen Vorhangs. Sich zu erinnern macht aber dennoch Sinn, denn es hilft dabei die Vergangenheit nicht „versehentlich“ zu wiederholen.
Und am besten lässt sich das Erinnern mit der Hilfe von Bildern bewerkstelligen. Sie können besser als alle Worte ein Gefühl, eine Stimmung wiedergeben. Dazu vergleichen wir heute drei Standpunkte, die von der Zeit der Trennung geprägt wurden.

Eine Hängebrücke im Národní park Podyjí kann heute problemlos überquert werden, vor 1989 war das undenkbar. Ein Wachturm thronte „allsehend“über dem Fluss, Stacheldraht versperrte den Weg sowohl entlang der Brücke als auch im Fluss.

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Links sieht man die Hängebrücke zu Zeiten des Eisernen Vorhangs, eine unüberwindliche Barriere. Rechts eine Aufnahme, die heuer bei einer Exkursion im NP Podyjí entstand. Die Barrieren sind verschwunden und die Vegetation ist zurückgekehrt.

Während sich heute das Gebiet üppig bewachsen zeigt, sieht man auf einer Aufnahme, die knapp nach dem Fall des Vorhangs im Jahr 1991 entstanden ist noch deutlich die vegetationslose Schneise, durch die sich der Stacheldraht zog.

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Kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erinnert nicht mehr viel an die Jahre der Trennung, aber der vegetationslose Streifen am Gegenufer ist noch gut zu erkennen.

Ebenso klar zeigt sich der Verlauf des ehemaligen Todesstreifens an einer anderen Stelle im NP Podyjí. Jahre später sind die alten Narben kaum mehr wiederzuerkennen.

Auf dem linken Bild - kurz nach dem Fall des Vorhangs - sind die Narben in der Landschaft noch deutlich erkennbar. Auf dem Bild rechts, dagegen, lässt die Vegetation kaum noch darauf schließen, was sich hier vor einigen Jahrezhenten abgespielt hat.

Auf dem linken Bild – kurz nach dem Fall des Vorhangs – sind die Narben in der Landschaft noch deutlich erkennbar. Auf dem Bild rechts dagegen lässt die Vegetation kaum noch darauf schließen, was sich hier vor einigen Jahrzehnten abgespielt hat.

Die Landschaft kann sich mit genügend Zeit wieder rehabilitieren. Bauten, die niedergerissen wurden, können dagegen nicht mehr so leicht aufstehen. „Die Neun Mühlen waren früher eine Besonderheit. Auch aus der Retzer Gegend, wo es im Sommer zu wenig Wasser gab, um Mühlen zu betreiben, sind die Bauern nach Südmähren gefahren, um ihr Getreide zu mahlen“, erzählt Nationalpark-Mitarbeiter Christian Übl.
Im Rahmen von Exkursionen können die Mühlen heute noch besucht werden bzw. der Ort, wo sie einst standen. Sämtliche Mühlen bis auf die Gruber-Mühle, die in den 1950er Jahren von der Grenzwache genutzt wurde, sind heute verschwunden. Die Gebäude wurden komplett abgerissen. Und auch von der Gruber-Mühle ist nur mehr verfallendes Mauerwerk übrig geblieben.

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Links ein historisches Bild der “Neun Mühlen”, die unterste der Mühlen ist die Gruber-Mühle. Rechts der heutige Zustand der Gruber-Mühle, übrig ist nur mehr zerfallendes Mauerwerk.

Rücksichtslos gezogene Grenzen schaffen nur Leid. Das ist es wohl, was es aus diesem dunklen Kapitel der Menschheitsgeschichte zu lernen gilt. Wir erinnern uns, um die Fehler der Vergangenheit in der Zukunft nicht zu wiederholen und freuen uns darüber, dass heute die Natur wieder die Überhand gewonnen hat und die Menschen an der Grenze aufeinander zugehen.

News von den Nachbarn

Wir linsen heute „über die Thaya“ drüber, zu unseren Nachbarn in den Národní park Podyjí. Dort gibt es nämlich ein neues Highlight, das wir Euch keinesfalls vorenthalten wollen. Außerdem hat der Národní Park auch was Spannendes in petto für technikaffine Naturfreunde. Aber der Reihe nach.

Von Hnánice aus, knapp nach dem Grenzübergang bei Mitterretzbach, erreicht man seit einigen Wochen einen neuen Aussichtspunkt namens Neun Mühlen (Devět Mlýnů). Die Mühlen selber bestehen zwar längst nicht mehr, aber der neue Blick auf die Mäander der Thaya und den markanten Weinberg Šobes machen den Aussichtspunkt zu einem Muss für alle Thayatal-Liebhaber. Der tschechische Bundesumweltminister Richard Brabec ließ es sich nicht nehmen, bei der Eröffnung am 9. September selber dabei zu sein.

Der neue Aussichtspunkt bietet einen fantastischen Blick auf die Mäander der Thaya und den Weinberg Šobes.

Der neue Aussichtspunkt bietet einen fantastischen Blick auf die Mäander der Thaya und den Weinberg Šobes.

Der Weg dorthin – ausgehend vom Hotel Vinice in Hnánice – ist zwar in tschechischer Sprache angeschrieben, aber wer den Hinweisschildern Richtung „Devět Mlýnů – Vyhlídka“ folgt, wird fündig.

Hier geht's lang:

Hier geht’s lang!

Eigentlich kann’s ja nicht schaden, wenn Smartphone und Co. beim Wanderausflug mal Pause haben, andererseits haben die kleinen Geräte – sinnvoll eingesetzt – auch ihre Vorteile. So zum Beispiel im Fall des neuen elektronischen Wanderführers des NP Podyjí. Wem große Auffalt-Wanderkarten zu sperrig sind und wer obendrein eine Fülle an Informationen auf kleinem Raum mit dabei haben möchte, für den ist dieser Wanderführer wie geschaffen.

Was bietet er alles? – Neben der Möglichkeit eine Offline Karte downzuloaden, können Online-Karten mit verschiedenen Karten-Layern direkt vom Server der Nationalparkverwaltung Podyjí verwendet werden. Mehr als 150 Attraktionen und Sehenswürdigkeiten wie Pflanzen, Tiere oder historische Denkmäler sind im Wanderführer verzeichnet. U. a. lassen sich Suchfilter auf die Sehenswürdigkeiten anwenden oder Karten-Layer von anderen Servern nutzen. Außerdem werden die Inhalte laufend aktualisiert und stehen – für einen grenzüberschreitenden Nationalpark nur logisch – in drei Sprachversionen zur Verfügung.

Neugierig geworden? – Hier geht’s zum kostenlosen Download, geeigent für Smartphones und Tablets mit Android Betriebssystem.

Der neue elektronische Wanderführer des NP Podyjí lässt sich auf Smartphones und Tablets mit Android Betriebssystem verwenden.

Der neue elektronische Wanderführer des NP Podyjí lässt sich auf Smartphones und Tablets mit Android Betriebssystem verwenden.

Wer diese und weitere News aus unserem Nachbar-Nationalpark erfahren möchte, sollte am besten den Newsletter des NP Podyjí abonnieren. Keine Bange vor der Sprachbarriere, der Newsletter ist zwar in tschechischer Sprache, aber mithilfe von Übersetzertools (Tipp: Google Chrome) lassen sich die Infos – wenn auch nicht immer grammatikalisch einwandfrei – gut herausfiltern.

„Der Newsletter des Národní park Podyjí ist auch für uns eine tolle Möglichkeit, Neuigkeiten aus unserem Nachbar-Nationalpark zu erfahren. Wir treffen uns zwar regelmäßig und tauschen uns aus, aber manchmal bleiben Themen unerwähnt. So erhalten wir einen regelmäßigen Überblick über aktuelle Infos auf tschechischer Seite“, erklärt Nationalparkmitarbeiter Christian Übl, der den Newsletter in seiner täglichen Arbeit nützt.

Wie ihr Euch für den Newsletter anmelden könnt? – Hier eine kleine step by step Anleitung:
* Auf die Webseite des NP Podyjí gehen: http://www.nppodyji.cz/
* Rechts oben die Spracheinstellung auf „Deutsch“ ändern.
* Ans untere Ende der Seite scrollen und auf „Abonnieren“ klicken. (Unter „Archiv“ finden sich vergangene Newsletter)
* Ein neues Fenster, in Tschechisch, geht auf: Die Email Adresse eingeben, unter „Jméno“ den Vornamen, unter „Příjmení“ den Nachnamen und bei „Oslovení“ kann noch ein möglicher Titel eingetragen werden.
* Und nun einfach den untersten Button bestätigen.
Ihr bekommt dann eine Benachrichtigung an eure Adresse geschickt. Nun müsst Ihr noch einen Link bestätigen, damit sichergestellt werden kann, dass Ihr den Newsletter nicht irrtümlich erhaltet. So liest sich diese Aufforderung übrigens auf Tschechisch:
„Klikněte zde pro potvrzení Vašeho přihlášení do naší databáze.“

Und weil wir gerade dabei sind, hier geht’s zum Newsletter des NP Thayatal.

So seid Ihr immer bestens informiert, und zwar grenzüberschreitend!

An der Grenze

Aufgeweichter Waldboden, glitschige Blätter, rutschige Äste. Der viele Regen hat dafür gesorgt, dass wir uns besonders aufmerksam fortbewegen müssen.
Wir wandern durch einen urwüchsigen Wald. Ein Wald, der sich über die letzten Jahrzehnte selbst entfalten durfte, im Osten des Nationalpark Podyjí. Unter dem Motto „Junges Leben am Eisernen Vorhang“ begaben sich Österreicher und Tschechen letzten Sonntag gemeinsam auf Spurensuche entlang des ehemaligen Verlaufs des Eisernen Vorhangs.
Wir erkundeten dabei Wege, die normalerweise für Besucher gesperrt sind und die sich eigentlich gar nicht mehr als richtige Wege qualifizieren. Aber genau das ist auch gut so. Die Natur arbeitet sich hier, wo der Eiserne Vorhang einst verlief, sukzessive wieder zurück.

Gruppenfoto an einer Stelle, wo einst der Eiserne Vorhang verlief.

Gruppenfoto an einer Stelle, wo einst der Eiserne Vorhang verlief.

Mehr als 7.000 Kilometer war er lang, eine gigantische Trennlinie, die sich von Skandinavien bis zum Schwarzen Meer erstreckte und Europa teilte. Für die Menschen, die nahe der Grenze lebten, war es als endete hier die Welt.
Christian Übl, Mitarbeiter des Nationalpark Thayatal erinnert sich: „Früher hab‘ ich oft gehört ‚In Hardegg ist die Welt aus‘.“ In der Tat war fast 40 Jahre lang an der tschechischen Grenze Endstation. „Wir fürchteten uns vor den bewaffneten Soldaten, die auf der tschechischen Seite patrouillierten. Das wirkte alles sehr bedrohlich auf uns“, denkt Christian Übl zurück und ergänzt: „Umso mehr freute es uns, als wir nach dem Fall des Vorhangs endlich unsere unmittelbaren Nachbarn kennenlernen konnten“.

Petr Lazarek (links), Mitarbeiter des Národní park Podyjí, und Christian Übl vom Nationalpark Thayatal freuen sich über die gute Zusammenarbeit zwischen den Österreichern und Tschechen.

Petr Lazarek (links), Mitarbeiter des Národní park Podyjí, und Christian Übl vom Nationalpark Thayatal freuen sich über die gute Zusammenarbeit zwischen den Österreichern und Tschechen.

Heute verbinden die Tschechen und Österreicher nicht nur viele Freundschaften, sondern auch der grenzüberschreitende Naturschutz. Und von der „alten Welt“ sind nur noch Reste zu finden, die wir bei der Exkursion auch aufstöberten. „Diesen Abschnitt des Zaunes haben wir erst vor wenigen Jahren entdeckt“, erklärt Petr Lazarek, ein Mitarbeiter des NP Podyjí. Wir überqueren einen Blockhaldenhang, um an das Stückchen Vergangenheit zu gelangen. Hier ist der Zaun – wenn auch schon recht verwittert – stehen geblieben. An anderen, leichter zugänglichen Stellen, wurde der Zaun bereits gänzlich abgebaut. Dort erinnert nur noch eine schmale unbewachsene Stelle an den einstigen Verlauf, rings herum, sprießen schon jugendliche Laubbäume. Irgendwann werden auch die letzten Spuren verschwunden sein. Sind wir in Tschechien oder in Österreich? Wir sind im grenzüberschreitenden Nationalpark!

Sukzessive wird der liegen gebliebene alte Zaun auf dem Blockhaldenhang wieder überwuchert. Die Natur arbeitet sich zurück.

Sukzessive wird der liegen gebliebene alte Zaun auf dem Blockhaldenhang wieder überwuchert. Die Natur arbeitet sich zurück.

Gemeinsam mehr erreichen

Ende November 1989 kam es an der österreichisch-tschechischen Grenze zu einem denkwürdigen Ereignis. Der Eiserne Vorhang, der seit Beginn der Fünfziger Jahre Österreich und Tschechien getrennt hatte, war plötzlich Vergangenheit. Und mit dem Fall des Eisernen Vorhangs schlug die Geburtsstunde des grenzübergreifenden Schutzgebietes.

Der  Národní Park Podyjí besteht seit 1991, im Jahr 2000 folgte die offizielle Eröffnung des österreichischen Nationalparks Thayatal. Zwei Nationalparks mit zwei eigenständigen Verwaltungen – in Österreich ist der Nationalpark eine GesmbH von Bund und Land, in Tschechien eine Dienststelle des Bundesministeriums. Getrennte Einrichtungen, die gemeinsame Ziele verfolgen. Das zeigt sich an den vielen Kooperationen der beiden Schutzgebiete.

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Petr Lazarek vom Nationalpark Podyjí im Gespräch mit Christian Übl, Direktor vom Nationalpark Thayatal.

So werden etwa Managementpläne miteinander abgestimmt, Kontrollgänge im Nationalpark von tschechischen und österreichischen Rangern gemeinsam erledigt oder Landkarten aktualisiert und ausgetauscht. Letzteres ist zum Beispiel dann wichtig, wenn Wege nicht mehr aktiv betreut oder andere neu erschlossen werden.

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Zwei Ranger, aus dem NP Thayatal (links) und dem NP Podyjí (rechts), gehen gemeinsam auf Kontrollgang durch das Schutzgebiet.

Auch gemeinsame EU-Förderprojekte stehen am Programm. So hat man sich in der Vergangenheit u. a. einem Projekt gewidmet, um das Naturraummanagement besser abzustimmen. Experten beider Länder führten dafür umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen in den zwei Schutzgebieten durch. Sie spürten der Kleinsäugerfauna nach, bauten ihre Erkenntnisse über das Vorkommen der Wildkatze aus, widmeten sich Laufkäfern, Vögeln, Reptilien und Fledermäusen.

In vielen Belangen funktioniert die Zusammenarbeit einwandfrei. Aber natürlich kann man nicht immer einer Meinung sein. Ein kritisches Thema ist die Fischerei. Während in Österreich der Nationalpark selber die Vergabe der Fischereilizenzen überhat, ist dafür in Tschechien der Mährische Fischereiverband zuständig. Über die Frage „Wie viel Fischerei ist verträglich?“ wird wohl noch einiges diskutiert werden.

Wie sehen denn die Pläne für die Zusammenarbeit in der Zukunft aus? „Ein infrastrukturelles Highlight wäre die gemeinsame Planung und Umsetzung eines Österreich-Tschechien Rundwanderwegs“, so Christian Übl, Direktor des Nationalpark Thayatal. Spannend wären auch vergleichende Forschungsprojekte: „In puncto Waldrenaturierung unterscheidet sich das Naturraummanagement. Wir lassen die natürliche Vegetation von selbst langsam zurückkommen, im Nationalpark Podyjí wird dagegen gezielt bepflanzt, um den natürlichen Zustand möglichst rasch zu erreichen. Interessant wäre herauszufinden, wie sich diese beiden Ansätze auswirken“, sagt der Nationalparkdirektor, der sich über die guten Kontakte und die freundschaftliche Arbeitsbasis mit den tschechischen Kollegen sehr freut.

Robert Stejskal vom NP Podyjí und Theresia Markut (Wissenschaftlerin und Ranger NP Thayatal)

Robert Stejskal vom NP Podyjí und Theresia Markut, Wissenschaftlerin und Rangerin im NP Thayatal, beim Datenaustausch.

Das gute Verhältnis der beiden Nationalparks zeigt sich auch anhand gemeinsam organisierter Veranstaltungen, mit dem Ziel die Natur des Thayatals unter die Leute zu bringen: „Tu Gutes und rede darüber. Je mehr Leute von unseren Naturschätzen wissen, umso besser können wir die Natur auch schützen“, so die Maxime von Christian Übl.

Eine detektivische Spurensuche

Eigentlich sollte es ihn ja gar nicht mehr geben. 1869 wurde hierzulande der letzte Europäische Biber erlegt. Vor allem auf das Fleisch hatte man es ehemals abgesehen genauso wie auf das Bibergeil, ein fetthaltiges Sekret des Bibers, dem heilende und aphrodisierende Wirkung zugesprochen wurde.
Rund 100 Jahre danach, in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren feierte er mithilfe von Wiederansiedlungen in Österreich ein Comeback. Heute ist er auch im NP Thayatal auf dem Vormarsch. Indizien legen eine Spur von Tschechien nach Österreich. Aber der Reihe nach.

Hier lassen sich die Stationen der ersten Bibersichtungen von Tschechien ausgehend in Richtung Österreich nachverfolgen.

Hier lassen sich die Stationen der ersten Bibersichtungen von Tschechien ausgehend in Richtung Österreich nachverfolgen.

Erstmals ist ein Biber 1995 östlich von Znojmo (Znaim) gesichtet worden. Doch das Stadtgebiet und die Talsperre verhinderten das Einwandern in den grenzüberschreitenden Nationalpark. Durch den zwölf Meter hohen Damm wird hier das Wasser der Thaya zu einem Stausee aufgestaut und dient als Trinkwasserreservoir für die Stadt.
Schließlich gelang es dem Nager doch diese Hürde zu überwinden. Ein Stückchen weiter flussaufwärts, in der idyllischen Umgebung des Weinberges Šobes, der Teil des tschechischen Nachbar-Nationalparks Podyjí ist, hielt er sich ab 2008 längere Zeit auf. Von hier aus rückten die Biber immer weiter in den grenzübergreifenden Nationalpark vor. Ihre “Marschroute” war klar: In Richtung Westen!

Im Národní park Podyjí ging der Biber 2011 dann auch erstmals in die Falle, genauer gesagt in die Fotofalle.

Im Juni 2011 ging ein Biber im Národní park Podyjí, dem tschechischen Nachbar-Nationalpark, erstmals in die Fotofalle!

Im Juni 2011 wurde ein Biber im Národní park Podyjí, dem tschechischen Nachbar-Nationalpark, erstmals von einer Fotofalle ertappt!

2011 ließen sich die ersten Spuren schließlich auch im Nationalpark Thayatal nachweisen, im Bereich des Umlaufberges, bei der Kajabachmündung in die Thaya und etwas später bei der Einsiedlerwiese. Zahlreiche Nagespuren waren im Spätwinter 2013 im oberen Teil der Großen Umlaufwiese zu entdecken.

2013 ließen sich auch im Nationalpark Thayatal Biberspuren feststellen. Er hat sich "vorgenagt" ;)

2013 ließen sich zahlreiche Biberspuren auf der Großen Umlaufwiese feststellen. Er hat sich sozusagen “vorgenagt”.

Am 26. April 2013 folgte der ultimative Beweis an der Fugnitz in Hardegg. Ein Biber wurde erstmals auf frischer Tat ertappt und von Barbara Hauser, der Wirtin des Gasthofs Hammerschmiede, via Handyfoto festgehalten.

    Das Handy-Beweisfoto! Zugegebenermaßen ein wenig unscharf, aber eindeutig ein Biber, der hier an der Fugnitz in Hardegg unterwegs ist.

Das Handy-Beweisfoto! Zugegebenermaßen ein wenig unscharf, aber eindeutig ein Biber, der hier an der Fugnitz in Hardegg unterwegs ist.

„Es kann gut sein, dass sich der Biber an der strukturreichen Fugnitz weiter ausbreitet. Überhaupt findet er im Nationalpark Thayatal einen idealen Lebensraum vor“, meint dazu NP Thayatal Mitarbeiter Christian Übl und fügt hinzu: „Wir werden die Entwicklung des Biber-Bestandes im Nationalpark in jedem Fall weiter aufmerksam verfolgen.“

Wer selbst eine Folge „Biber CSI“ drehen möchte, kann sich jederzeit entlang der Nationalparkwege auf die Fährte der großen Nager begeben. Sowohl die Ufer der Thaya als auch die Mündung des Kajabaches eignen sich bestens dafür, um nach den charakteristischen Fraßspuren und Trittsiegeln Ausschau zu halten.
Die Indizien? – Spitze mit Krallen bestückte Zehen. Auf weichem Untergrund lassen sich auch die Schwimmhäute gut ausmachen. Vorderpfoten (bis zu 7 cm lang und etwa 4,5 cm breit) und Hinterpfoten (bis zu 17 cm lang und etwa 10 cm breit) unterscheiden sich deutlich in der Größe.
Und apropos Fraßspuren: Die charakteristisch angenagten Bäume treten erst mit Beginn der Winterszeit häufiger auf. In erster Linie fressen Biber nämlich gern frisches Grün, saftige Triebe und Blätter. Solange es genug krautige Pflanzen in ihrer Reichweite gibt, besteht also kein Bedarf Bäume umzunagen, um an die hochgelegenen Knospen und Blätter zu gelangen. Erst in der kalten Jahreszeit legt der Biber mehr Bäume um und schwenkt – mangels frischen Grüns – auf Rinde um, die nun seine Hauptnahrungsquelle bildet.

    Erst in der kalten Jahreszeit, wenn es an frischem Grün mangelt, nagt der Biber mehr Bäume um. Die Rinde von vor allem Pappeln oder Weiden bildet dann seine Hauptnahrungsquelle.

Erst in der kalten Jahreszeit, wenn es an frischem Grün mangelt, nagt der Biber mehr Bäume um. Die Rinde der Bäume bildet dann seine Hauptnahrungsquelle.

Gemeinsam wandern

Es ist wieder soweit. Die mittlerweile schon traditionelle Herbstwanderung des Nationalpark Thayatal steht vor der Tür!
Am Nationalfeiertag, dem 26. Oktober, gilt es wieder die Wanderschuhe zu schnüren und in die hochherbstliche Landschaft des Thayatals einzutauchen.

Dieses Jahr führt die etwa dreistündige Wanderung in den tschechischen Teil des Schutzgebietes, in den angrenzenden Národní park Podyjí. Und das Besondere in diesem Jahr: Auf halber Strecke trifft die österreichische Wandertruppe auf die tschechische Wandergruppe des Nationalpark Podyjí. Gemeinsam geht’s dann weiter zur Thayabrücke in Hardegg, wo eine Mischung aus tschechisch-österreichischer Volksmusik und Kulinarik die Wanderer erwartet.

Sämtliche Infos und Anmeldedetails findet ihr hier:
Veranstaltungen Nationalpark Thayatal

Die Teilnahme am Wandertag ist übrigens gebührenfrei! – Einen schönen Nationalfeiertag wünschen wir Euch :)

So bunt zeigt sich der Nationalpark Thayatal im Herbst. Diesen "Indian Summer" solltet ihr euch nicht entgehen lassen!

So bunt zeigt sich der Nationalpark Thayatal im Herbst. Diesen “Indian Summer” solltet ihr euch nicht entgehen lassen!