Natur ohne Grenzen

Der Eiserne Vorhang, der Ost- von Westeuropa trennte, ist längst Geschichte. Anstelle von Trennung ist ein Miteinander getreten. Wie völkerverbindende Naturschutzarbeit im Grenzbereich aussieht, das könnt ihr euch in einem 8-minütigen Film ansehen! Entstanden ist er vor 3 Jahren, als sich der Fall des Eisernen Vorhangs zum 25. Mal jährte. – Wer euch durch den Film begleitet? Der ehemalige NP Thayatal Direktor Ludwig Schleritzko und der neu ernannte Nationalpark Direktor Christian Übl.
Die beiden erzählen über positive Entwicklungen in der Natur, Kooperationen mit den tschechischen Nachbarn und Pläne für die Zukunft. Darüber hinaus gibt der Film Einblicke in die faszinierende Natur des in Mitteleuropa einmaligen Thayatals.

25 Jahre Natur ohne Grenzen from Nationalpark Thayatal on Vimeo.

Bachforellen für die Thaya

Seit 2008 wird bereits nachgezüchtet. Jetzt ist es endlich soweit: Die ersten Bachforellen dürfen im Nationalpark Thayatal ins kalte Nass springen!

Fischzüchter Michael Gallowitsch und Nationalpark Direktor Ludwig Schleritzko beim Besetzen der Thaya mit nachgezüchteten Bachforellen.

Fischzüchter Michael Gallowitsch (hinten) und Nationalpark Direktor Ludwig Schleritzko beim Besetzen der Thaya mit nachgezüchteten Bachforellen.

Eigentlich war dieser Abschnitt der Thaya ursprünglich eine Barbenregion mit 35 verschiedenen Fischarten. Durch den Bau der tschechischen Wasserkraftwerke Frain/Vranov 1934 und Znaim/Znojmo 1966 wurden 40 Flusskilometer, die ab dem Jahr 2000 unter den Fittichen des Nationalparks standen, vom restlichen Fluss abgeschnitten. Da Fischaufstiegshilfen bis heute fehlen und der Kraftwerksbetrieb u. a. Wasserstand und -temperatur verändert sowie die Hochwasserdynamik unterbindet, hat sich die Artenzusammensetzung des Flusses stark geändert. Aktuell dürften noch neun Fischarten vorkommen, darunter auch die neue Leitfischart dieses Thaya-Abschnittes, die Bachforelle (Salmo trutta fario). Der zu den Salmoniden zählende Raubfisch ist übrigens auch für Laien leicht erkennbar: An den Flanken finden sich zahlreiche rote Flecken mit heller Umrandung.

Bachforellen

Bachforellen sind gut an ihren roten Flecken mit heller Umrandung erkennbar.

Um der Bachforelle Schützenhilfe zu geben, hat sich der Nationalpark zu einem Zuchtprojekt entschlossen. 2008 wurden dafür die ersten 37 Bachforellen aus dem Kleinen Kamp im Waldviertel gefischt. Sie waren der Startschuss für den Aufbau eines sogenannten Mutterfischstammes für den Nationalpark.
Aber nicht alle zwischen 2008 und 2011 gefangenen Fische kamen dafür infrage. Sie mussten schon die richtige genetische „Ausrüstung“ im Gepäck haben. Nur Bachforellen mit einem Donau-stämmigen Erbgut wurden ins Zuchtprogramm aufgenommen. Atlantik-stämmige Bachforellen, die immer wieder in unseren Flüssen auftauchen, schieden aus. Letztere sind freilich nicht selbst eingewandert, sondern gezielt besetzt worden. Auch in der Zeit vor der Gründung des NP Thayatals war es üblich, standortsfremde Besatzfische in die Thaya einzubringen.

Doch damit ist jetzt Schluss. „Wir wollen jene Population wieder in der Thaya heimisch machen, die hier genetisch verwurzelt ist“, sagt Nationalpark-Mitarbeiter Christian Übl. Und damit dies gelingt, wurden im Juni eine ganze Menge Jungfische in der Thaya besetzt. 10.000 bis 15.000 sogenannte 0+ Fische, also solche die noch keinen Sommer erlebt haben und heuer geschlüpft sind, wurden genauso freigelassen wie rund 1.500 bis 2.000 im Vorjahr geschlüpfte 1+ Fische. Die „heurigen Fische“ sind zum Zeitpunkt der Freilassung etwa sieben Zentimeter groß, die 1+ Generation erreicht schon um die 15 bis 17 Zentimeter. Je nach Nahrungsangebot können Bachforellen in der Regel zwischen 20 und 80 Zentimeter groß werden. In der Thaya wurden bereits Bachforellen mit einem Brittelmaß (Länge von der Kopf- zur Schwanzspitze) von 65 Zentimetern gefangen.

Freilich können sich die neu besetzten Donau-stämmigen Fische auch mit den Atlantik-stämmigen kreuzen. „Die Atlantik-stämmigen Bachforellen zeigen sich allerdings weniger fortpflanzungsfreudig. Es ist daher zu erwarten, dass sich die ortsangepassten erfolgreicher fortpflanzen und sich mit der Zeit der genetische Bestand von Atlantik- in Richtung Donau-stämmig verschiebt“, ergänzt Christian Übl.

25 Jahre Natur ohne Grenzen – NEUER FILM

Am 9. November 1989, vor mittlerweile 25 Jahren, fiel die Mauer. Ein denkwürdiges Datum. Und kurz nachdem in Berlin die ersten Steine bröckelten, kam es in der heutigen Tschechischen Republik zur Samtenen Revolution. Was am 17. November mit Studentendemonstrationen begann, führte am 10. Dezember zur Bildung einer neuen Regierung und zur Ernennung Václav Havels zum Staatspräsidenten. Innerhalb weniger Wochen gelang es, weitgehend gewaltfrei, aus einer Diktatur eine Demokratie auferstehen zu lassen.

Damit endete die Zeit des Eisernen Vorhangs zwischen Österreich und Tschechien. „Bereits am 5. Dezember 1989 begann der Abbau der Grenzsperre. Manch einer hütet heute noch zu Hause ein Stück Original-Stacheldraht zur Erinnerung an diese dunkle Zeit“, erzählt Nationalpark-Mitarbeiter Christian Übl.
Das Ende des Zauns war aber gleichzeitig der Beginn einer neuen Ära. Mittlerweile steht die Grenze der beiden EU-Länder offen, die Vegetation hat sich dort, wo einst der Stacheldrahtzaun verlief, ihren Platz zurückerobert, die Tiere wechseln von einem Ufer der Thaya zum anderen und der österreichische Nationalpark Thayatal arbeitet mit dem tschechischen Národní park Podyjí intensiv zusammen.

Passend zum 25-Jahres-Jubiläum gibt es den neuesten NP Thayatal Film „25 Jahre Natur ohne Grenzen“. Der knapp 8-minütige Film blickt sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft. Vor allem aber vermittelt er einen Eindruck von der völkerverbindenden Naturschutzarbeit an der Grenze. NP Thayatal Direktor Ludwig Schleritzko und NP-Mitarbeiter Christian Übl erzählen über positive Entwicklungen in der Natur, Kooperationen mit den tschechischen Nachbarn und Pläne für die Zukunft. Gleichzeit nimmt der kurze Film mit auf einen Streifzug durch die Natur dieses in Mitteleuropa einmaligen Durchbruchtales.

Hier könnt Ihr Euch den Film ansehen:

Sämtliche NP Thayatal Filme gibt es übrigens auch hier!

Filmarbeiten im Thayatal

25 Jahre ist es her, dass der Eiserne Vorhang gefallen ist. Seither hat sich viel getan, vor allem in puncto Naturschutz. Und das grenzübergreifend. 1991 wurde der  Národní Park Podyjí , im Jahr 2000 der Nationalpark Thayatal eröffnet. Die beiden Nationalparks grenzen direkt aneinander und vereinen die ehemals getrennten Länder. Die Tschechische Republik und Österreich haben sich in der Tat auf „natürliche“ Weise angenähert.

Es ist höchst an der Zeit, dieser spannenden Thematik, den Naturschutzgebieten an der Grenze einen eigenen kurzen Film zu widmen. Genau dafür sind die Naturreporter des NP Thayatals, Marc & Christine, wieder eifrig unterwegs.

Wenn die beiden Naturreporter im Einsatz sind, lassen sie sich von der umgebenden Vegetation  kaum unterscheiden ;-)

Die beiden Naturreporter im Einsatz. Immer gut getarnt!

Dieser Tage haben wir etwa Nationalpark Direktor Ludwig Schleritzko und Christian Übl, der u. a. für das Naturraummangement im Thayatal zuständig ist, vor die Kamera gebeten. Entlang des Hennerwegs und des Einsiedlerwegs gaben die beiden Nationalpark-Repräsentanten Auskunft über die Zeit vor dem Fall des Vorhangs und über die gemeinsame Naturschutzarbeit, die darauf folgte. Außerdem erfuhren wir, an welchen Visionen noch gefeilt wird und warum der Schutz der Natur an dieser Grenze so wertvoll ist.

Nationalpark Direktor Ludwig Schleritzko beim Interview.

Nationalpark Direktor Ludwig Schleritzko beim Interview.

Einer der Gründe dafür ist die Tatsache, dass sich die Natur in der Sperrzone rings um den Eisernen Vorhang über viele Jahrzehnte hinweg völlig frei entwickeln konnte. Die Natur, die vor politischen Grenzen keinen Halt macht, gilt es heute zu schützen.

Seit mittlerweile 25 Jahren wird die Natur entlang der ehemaligen Sperrzone (hier ein Stück des heute noch sichtbaren Zaunes bei Čížov) geschützt. Und es gibt noch viele Pläne, um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu intensivieren.

Seit mittlerweile 25 Jahren wird die Natur entlang der ehemaligen Sperrzone (hier ein Stück des heute noch sichtbaren Zaunes bei Čížov) geschützt. Und es gibt noch viele Pläne, um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiter zu intensivieren.

Mehr zur Natur entlang der Grenze gibt es bald. Noch sind wir mitten drin in den Arbeiten an dem Film. Wir lassen Euch aber natürlich wissen, ab wann er wo zu sehen sein wird!

Wer selbst ein bisschen „Grenzluft“ schnuppern möchte, sollte sich den kommenden Sonntag, 14.09., vormerken. Unter dem Motto „Junges Leben am Eisernen Vorhang“ begibt sich diese 6-stündige Exkursion auf Spurensuche entlang des Eisernen Vorhangs. Und zwar im Osten des NP Podyjí, in einem Bereich der normalerweise für Besucher gesperrt ist. Wer Interesse hat, bitte rasch melden, die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Die jungen Wilden

Am 11. Juni war es wieder soweit. Drei junge Wildkatzen haben im NP Thayatal das Licht der Welt erblickt. Dieser Tage gehen sie bereits auf Entdeckungsreise durch das Freigehege des Nationalparks Thayatal.

Direktor Ludwig Schleritzko hat die kleinen bei ihren ersten Ausflügen beobachtet: „Sie tapsen zwar noch etwas unbeholfen herum, sind aber schon erstaunlich schnell und probieren eifrig ihre Kletterkünste aus.“ Die Freude über den Nachwuchs ist groß: “Wir haben gar nicht mit Nachwuchs gerechnet. Für uns war es eine echte Kinderüberraschung.”

Erste Gehversuche im Freigehege des Nationalparks.

Erste Gehversuche im Freigehege des Nationalparks.

Bei den täglichen Fütterungen zeigen sich die jungen Wilden besonders neugierig und versuchen sich sogar an dem einen oder anderen Fleischstückchen. Freilich im Moment noch erfolglos, denn ihre Zähne sind bislang kaum entwickelt und auf ihrem Speiseplan steht vorerst Milch von Mama Frieda.

Aber die Kleinen wachsen rasch heran: „In den nächsten Tagen werden die Katzen kontinuierlich an Größe und Gewicht zunehmen. Die Lust, das Gehege zu erkunden, wird mit jedem Ausflug größer und auch ihre Schnelligkeit und Gewandtheit beim Klettern steigert sich von Tag zu Tag!”, erklärt Wildkatzen-Projektleiter Christian Übl.

Wer das Heranwachsen der Wildkätzchen miterleben möchte, hat dazu zwischen 9:00 und 18:00 im Nationalparkhaus Gelegenheit. Die tägliche Fütterung mit einer kurzen Filmvorführung findet um 15:30 statt. Die Teilnahme an der Fütterung kostet für Erwachsene € 2, für Kinder € 1, der Besuch bei den Katzen selber ist kostenlos!

Und wer noch mehr zu den Wildkatzen erfahren möchte, sollte sich schon mal Freitag, den 8. August vormerken. Am Internationalen Tag der Katze könnt Ihr mit dem NP Thayatal ins „Reich der Wildkatze“ eintauchen. Dabei bekommt Ihr interessante Einblicke in das Leben der heimischen Wildkatze, erlebt die Fütterung und geht mit Wildkatzenforscher Thomas Einsiedl auf Kontrollgang durch den Nationalpark. Er erzählt Euch auch, mit welchen kriminaltechnischen Methoden die Wildkatze im Nationalpark Thayatal aufgespürt werden konnte. Eine Schlüsselrolle nimmt dabei der Baldrian-Tee ein, den Ihr bei dieser Tour gleich selbst verkosten könnt!
Hier gibt es alle Infos zur Veranstaltung und den Anmeldelink

Kuscheln mit Mama ist im Moment eine der Lieblingsbeschäftigungen unserer jungen Wilden.

Kuscheln mit Mama ist im Moment eine der Lieblingsbeschäftigungen unserer jungen Wilden.

15 Jahre für den Nationalpark

Im Juni 1998 wurde DI Robert Brunner zum Direktor des im Entstehen begriffenen Nationalparks Thayatal bestellt. In diesen Tagen endet Robert Brunners 15-jährige Amtszeit. Der in Horn geborene BOKU-Absolvent und Agrarökonom Ludwig Schleritzko übernimmt Anfang 2014 seine Tätigkeit. Alles Gute dafür!

Doch bevor wir in die Zukunft blicken, wollen wir noch einmal zurückblicken auf die Marksteine von Robert Brunners Arbeit im NP Thayatal.

*** Ein Jahr nach seiner Berufung zum Direktor, 1999, beschließen der österreichische und der tschechische Nationalpark an gemeinsamen Zielen zu arbeiten.
*** Im Jahr 2001 wird der Nationalpark Thayatal nach den internationalen Kriterien der IUCN anerkannt.
*** 2003 wird das Nationalparkhaus fertig gestellt und der NP Thayatal bekommt im September dafür den Niederösterreichischen Holzbaupreis 2003 für kommunale Bauten verliehen.
*** 2007 verleiht die Niederösterreichische Landesregierung Direktor Robert Brunner das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Niederösterreich.
*** Im gleichen Jahr gibt es erstmals erfolgreiche Nachweise über im Nationalpark Thayatal vorkommende Europäische Wildkatzen. Bis dahin galten sie in Österreich als ausgestorben.
*** 2009 stand mit vielen Veranstaltungen im Zeichen eines Jubiläums: 10 Jahre Nationalpark Thayatal. Den Höhepunkt des Jahres bildete die feierliche Eröffnung der Naturerlebniswelt, einer der schönsten Abenteuerspielplätze in Niederösterreich.
*** Und im Jahr 2011, im Jahr der Wälder, konnte der Nationalpark erstmals erweitert werden. Mit Unterstützung der EU ließen sich 30 zusätzliche Hektar Wald erwerben.

Das sind nur die markantesten Wegpunkte, die Robert Brunner über die letzten Jahre erlebt, mitgestaltet und eingeleitet hat. Für diese und die vielen weiteren Impulse und Akzente, die er im Rahmen seiner Amtszeit gesetzt hat: Ein herzliches Dankeschön!
Er selbst sagt dazu: “Es war eine schöne Zeit, und es war eine herrliche Aufgabe, ein Schutzgebiet auf den Weg zu bringen.”

Nationalpark Direktor Robert Brunner.

2013 endet die 15-jährige Amtszeit von Nationalparkdirektor Robert Brunner. Herzlichen Dank an ihn und alles Gute für seine Zukunft!