Das Auf und Ab der Thaya

6,5 Kilometer Luftlinie von Hardegg entfernt, im angrenzenden Tschechien, liegt das Speicherkraftwerk Vranov (in Frain an der Thaya). Zwischen 1933 und 1934 errichtet – lange vor der Gründung des Nationalparks Thayatal – liefert es auch heute noch Strom. Nationalpark und ansässige Tierwelt müssen damit klarkommen.

Was sind die Herausforderungen mit einem Wasserkraftwerk vor der Haustüre?
Das Kraftwerk regelt den Wasserfluss der Thaya. Jeden Tag – zu Zeiten des Spitzenstromverbrauchs – steigt der Mindestdurchfluss von 2 bis 4 m³/Sekunde auf beträchtliche 30 bis 45 m³/Sekunde an!
Innerhalb kurzer Zeit steigen die Fließgeschwindigkeit und der Wasserpegel der Thaya deutlich. Überzeugt euch selbst davon in diesem Video:

Was bewirken diese Pegelschwankungen?

Schotterauswaschungen durch den Schwallbetrieb führen dazu, dass Bachforellen und andere Fische, die ihren Laich an schottrig, kiesigen Stellen ablegen, nicht mehr genügend Laichplätze finden. Leider wird auch kein Schotter nachgeliefert, das verhindert die Staumauer des Kraftwerks.
Auch die Wassertemperatur stellt viele Fische vor Probleme. In Frain wird 4 Grad Celsius kaltes Tiefenwasser abgelassen, im Schnitt ist das Wasser der Thaya im Sommer deshalb nur zwischen 10 und 15 Grad „warm“.
Und im Winter wirkt sich der Schwallbetrieb dahingehend aus, dass die Thaya – im Gegensatz zu umliegenden Gewässern – in der Regel nicht zufriert. Deshalb ist sie bei Enten, Schwänen, Graureihern, Kormoranen und mitunter auch dem Seeadler als Winterquartier sehr beliebt.

Per Drahtesel durchs Thayatal

Wie sich der Nationalpark am besten erkunden lässt? – Per pedes natürlich. Aber es gibt auch eine andere Möglichkeit, wie sich die einmaligen Landschaften und Sehenswürdigkeiten des Thayatales erschließen lassen; nämlich mit dem Fahrrad.

Schon einmal daran gedacht mit dem Drahtesel das Thayatal zu erkunden? - Auf drei unterschiedlichen Routen lässt sich das prima umsetzen!

Schon einmal daran gedacht mit dem Drahtesel das Thayatal zu erkunden? – Auf drei unterschiedlichen Routen lässt sich das prima umsetzen!

Drei unterschiedlich lange Touren – zwischen 40, 32 und 13 Kilometer lang – dirigieren die radelnden Besucher durchs Tal an der Grenze.
Wie und wo man am besten startet? – Idealer Ausgangspunkt ist das Nationalparkhaus in der Nähe von Hardegg. Hier lassen sich nicht nur die aktuellen Infos zur angepeilten Radstrecke erfragen, sondern im Café-Restaurant auch noch mal die eigenen Energie-Reserven füllen und bei Bedarf ein Fahrrad ausborgen. Für all jene, die Zweifel haben, ob ihre Kondition ausreicht bzw. die mit noch mehr Leichtigkeit durch die Landschaft sausen wollen, stehen zudem E-Bikes zur Verfügung.

Entlang der Radstrecken verlocken Aussichtspunkte wie die Hardegger Warte zum Verweilen.

Entlang der Radstrecken verlocken Aussichtspunkte wie die Hardegger Warte zum Verweilen.

So gewappnet kann’s losgehen! Die Schilder mit der weißen Blume auf grünem Grund lotsen einen zielsicher von einer Station zur nächsten, quer durch das österreichisch-tschechische Grenzgebiet.
Was es entlang der Strecke alles zu sehen gibt? – Etwa eine ganze Reihe kultureller Sehenswürdigkeiten, darunter der Heiligen Stein in Mitterretzbach, der eine uralte Kultstätte mit einem der schönsten Schalensteine Österreichs darstellt. Besuchermagneten für die Radler sind weiters das tschechische Schloss Vranov, Österreichs einzige Perlmutt Drechslerei in Felling sowie Österreichs kleinste Stadt und gleichzeitig die einzige Ortschaft im Nationalpark Thayatal, Hardegg.
Die Radtour ermöglicht außerdem Blicke in die Vergangenheit – unweit des Infozentrums im tschechischen Čižov, lässt sich ein Stück des ehemaligen Eisernen Vorhangs besuchen – und sie bietet auch fantastische (Aus)Blicke in die Gegenwart: Wer einen kleinen Abstecher von der Hauptradstrecke zur Ruine Neuhäusl (Nový Hrádek) unternimmt, kann von dort gleich drei verschiedene Abschnitte der Thaya bewundern. Von der Hardegger Warte aus erhascht man den besten Blick auf das gleichnamige 80-Einwohner-Städtchen und von Devet Mlýnu, zu Deutsch Neunmühlen, lässt es sich ideal auf den tschechischen Weinberg Šobes linsen.

Im österreichisch-tschechischen Grenzgebiet gibt es viel zu entdecken, wie etwa den Blick beim Aussichtspunkt Neunmühlen. Vis-à-vis liegt der Weinberg Šobes, eine der ältesten und besten Lage Europas.

Im österreichisch-tschechischen Grenzgebiet gibt es viel zu entdecken, wie etwa den Blick beim Aussichtspunkt Neunmühlen. Vis-à-vis liegt der Weinberg Šobes, eine der ältesten und besten Weinlagen Europas.

Wer nach so viel Kultur- und Naturabenteuern eine kleine Erfrischung nötig hat, findet auch diese, und zwar im Hardegger Bad, im Badeteich bei Čižov oder in den Frainer Stauseen.

Um das Thayatal radelnd zu erleben, braucht es lediglich ein Mountain- oder Trekkingbike, je nach Route mindestens zwei bis sechs Stunden Zeit und den Reisepass mit im Gepäck. Also, lasst uns in die Pedale treten!

Hier gibt es alle Radtouren im Überblick:

Radtour entlang des ehemaligen Eisernen Vorhanges – „Thayatal-Radweg“
Länge: 40 km
Fahrzeit: ca. 6 Stunden
Die abwechslungsreiche Tour bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten entlang der Route: Heiliger Stein in Mitterretzbach, Hängebrücke und Weinberg Šobes bei Neunmühlen, tolle Ausblicke von der Ruine Neuhäusl, ein erfrischendes Bad im Teich vor Čížov sowie der Eiserne Vorhang und das Besucherzentrum, Ausblick von der Hardegger Warte und das bezaubernde Flair von Hardegg, der kleinsten Stadt Österreichs. Start und Ziel der Tour ist idealerweise das Nationalparkzentrum.

„Besucherzentrum-Tour“
Länge: 13 km
Fahrzeit: ca. 2 Stunde
Die „Besucherzentrum-Tour“ verläuft vom Nationalparkhaus nach Hardegg, über die Thayabrücke in den tschechischen Nationalpark bis nach Čižov, wo Reste des Eisernen Vorhangs besichtigt werden können. Vor Ort gibt es außerdem ein Besucherzentrum und ein Gasthaus. Bei der Rückkehr unbedingt einen Abstecher zur Hardegger Warte einplanen, um den Blick auf Hardegg zu genießen.

„Frainer Stausee-Tour“
Länge: 32 km
Fahrzeit: ca. 5 Stunden
Die „Frainer Stausee-Tour“ verläuft zunächst gleich wie die „Besucherzentrum-Tour“. Von Čižov führt die Route über Lesna vorbei am Stausee Vranov sowie dem Schloss Vranov und über Podmyče geht es wieder zurück nach Österreich.

Tipp:
Der Nationalpark Thayatal bietet die 40 km lange Tour entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs auch als geführte Radtour an.

Es werde Eis

Manchmal schneller, manchmal langsamer. Vor allem fließende Gewässer haben es mit dem Zufrieren gar nicht so eilig. Sie gefrieren wesentlich langsamer und tauen auch wieder früher als stehende Gewässer. Woran liegt das? – Dafür müssen wir zu Jahresende noch mal ein wenig unsere grauen Zellen bemühen und in die Domäne der Physik eintauchen. Sie hat die Antworten auf unsere Fragen.

Fließgewässer wie die Thaya frieren langsamer zu als stehende Gewässer. Die Fließgeschwindigkeit ist dafür ausschlaggebend.

Fließgewässer wie die Thaya frieren langsamer zu als stehende Gewässer. Die Geschwindigkeit, mit der sich das Wasser bewegt, ist dafür ausschlaggebend.

Zunächst hängt dies mit dem Faktum des Fließens als solchem zusammen. Je mehr ein Fluss oder Bach gurgelt und sprudelt, desto mehr bewegte Energie steckt in ihm. Und je mehr Energie vorhanden ist, umso niedriger müssen die Temperaturen fallen, um das stark bewegte Wasser zum Frieren zu bringen. Das hängt wiederum mit den Wassermolekülen zusammen. Diese stehen miteinander über Wasserstoffbrücken in Wechselwirkung und suchen immer Kontakt zu benachbarten Wassermolekülen. In einem still daliegenden See gelingt ihnen das „Kuscheln“ viel besser als in einem aufgewühlten Gewässer. Dort werden sie ständig auseinandergewirbelt und können oft nicht lange genug aneinander haften, um feste Kristallgitter – wie sie im Eis vorkommen – auszubilden. Deshalb sind mitunter beträchtliche Minusgrade – um die zehn Grad Celsius – notwendig, um einen schnell fließenden Gebirgsbach zu Eis erstarren zu lassen. Ein See gibt dagegen bereits ab Null Grad Celsius w.o.

Die Thaya ist zwar kein reißender Fluss, aber auch sie friert im Winter nur in den allerseltensten Fällen zu. Einerseits liegt das natürlich an ihrer Fließgeschwindigkeit, andererseits aber auch am Schwallbetrieb des Kraftwerks Vranov, das in Tschechien, flussaufwärts von Hardegg liegt. Es sorgt dafür, dass die Wassertemperatur der Thaya relativ konstant um die 4 Grad Celsius liegt.
Ein Kraftwerk vor der Haustür ist sicherlich nicht der Traum eines Nationalparks – das Kraftwerk war eben zuerst da – aber etwas Positives kann dem Umstand trotzdem abgerungen werden. Da die Thaya nicht zufriert, ist sie im Winter – wenn viele andere Gewässer rings herum längst von Eis überdeckt sind – beliebt bei Enten, Schwänen, Graureihern oder Haubentauchen. Und manchmal schaut sogar der Seeadler vorbei.

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Selten, aber doch kommt es vor, dass die Thaya größtenteils zufriert.

Also vergesst nicht, auch im Winter auf Entdeckungstour durch den Nationalpark zu gehen!