Schwarzstorch gesucht!

Schwarzstörche sind richtig anspruchsvoll. Ihre Brutplätze legen sie im Inneren geschlossener Wälder an. Ein wenig aufgelichtet sollte die Stelle aber schon sein, damit die Vögel mit ihrer bis zu zwei Meter großen Flügelspannweite den Horst überhaupt anfliegen können. Außerdem muss sich der Horst aus flugtechnischen Gründen im oberen Bereich eines Hanges oder an den höchsten Ausläufern eines Tales befinden. Denn früh am Morgen fliegen die Störche im Gleitflug – ohne Flügelschlag – zu ihren Nahrungsgründen an der Thaya. Am Vormittag nutzen sie dann die Thermik für den „Wiederaufstieg“ und den kreisenden Segelflug, mit dem sie ihr Revier anzeigen.

Auf Futtersuche entlang der Thaya.

Auf Futtersuche entlang der Thaya.

Diese Ansprüche machen es nicht gerade leicht, wenn man sich auf Schwarzstorch-Suche begibt, wie momentan im Nationalpark Thayatal. Seit Ende März läuft eine Studie, die herausfinden will, wie viele Schwarzstörche sich auf Nationalpark-Gebiet aufhalten und für Nachwuchs sorgen. Gerade erst in der vergangenen Woche fand dazu eine gemeinsame Zählung des NP Thayatal und des NP Podyjí statt: „Leider war es der denkbar schlechteste Tag in der Saison, um Thermiksegler wie den Schwarzstorch ausfindig zum machen“, sagt Zoologe Jürgen Pollheimer, der die Studie leitet. Eine Beobachtung gab es dann doch, direkt in Hardegg.

Aber die Untersuchung hängt ja nicht an einem einzigen Tag. „Wir wissen bereits, dass es auf dem Gebiet der beiden grenzüberschreitenden Nationalparks mindestens 4, wahrscheinlich sogar 5 oder 6 Brutpaare gibt“, fährt der Zoologe fort. Der Bestand gilt als stabil. In den letzten Jahren konnten immer wieder einzelne besetzte Horste gefunden und konkrete Bruten nachgewiesen werden. 2014 fehlt ein eindeutiger Brutnachweis noch, aber viele Indizien weisen darauf hin.
Schon häufig konnten das Team von Jürgen Pollheimer sowie Ranger und Naturfreunde  die Schwarzstörche im NP Thayatal heuer sichten, und zwar paarweise. Die bekannten Horste sind 2014 aber erstaunlicherweise nicht besetzt.
Warum? – Jürgen Pollheimer: „Offenbar brüten sie in anderen Horsten. Das ist meiner Erfahrung nach relativ ungewöhnlich, weil Großvögel sehr konservativ sind, an Horsten oft über viele Jahre bauen und sie immer wieder aufsuchen. Trotzdem kann es sein, dass lokal neue Brutplätze angelegt werden bzw. dass die Vögel mehrere Plätze abwechselnd nutzen. Obwohl das Gebiet gut untersucht ist, gibt es immer noch Bereiche, die extrem schwer zugänglich sind. Aus diesem Grund könnten uns diese Brutplätze bislang verborgen geblieben sein.“

Ob erfolgreich gebrütet wurde, lässt sich aber auch in den nächsten Wochen noch feststellen. Bis zum Abflug in die afrikanischen Überwinterungsgebiete gegen Mitte / Ende August werden die Zoologen noch genau Ausschau halten. Nach jungen Schwarzstörchen, die mit ihren auffälligen Bettelflügen ins Auge stechen. Genauso wie mit ihrem Aussehen, das sich noch deutlich von dem ihrer Eltern unterscheidet. Die Erkennungsmerkmale: Ein schmutzig braunes statt intensiv schwarz gefärbtes Gefieder und ein braungrüner statt korallenroter Schnabel.

Wer mit etwas Glück selbst einen Schwarzstorch im Nationalpark Thaytal beobachten möchte, hat am kommenden Sonntag, dem 20. Juli dazu Gelegenheit. Früh morgens, um 7:00 kann man gemeinsam mit Nationalpark-Ranger Christoph Milek in Richtung Umlaufberg wandern, wo die Chancen gut stehen, auf fischende Schwarzstörche zu stoßen. Wer sich das nicht entgehen lassen und mehr über die Lebensweise dieses scheuen Schreitvogels erfahren möchte, kann sich noch bis Samstag für die Veranstaltung anmelden. Sämtliche Infos und Anmeldemodalitäten finden sich hier.

Wer Lust hat, sich selbst auf die Spuren des Schwarzstorches zu begeben, hat dazu am Sonntag, 20. Juli Gelegenheit!

Wer Lust hat, sich selbst auf die Spuren des Schwarzstorches zu begeben, hat dazu am Sonntag, dem 20. Juli Gelegenheit!