Mit Bienenaugen die Welt sehen

190 Bienenarten, und mit hoher Wahrscheinlichkeit noch einige mehr, tummeln sich im Nationalpark Thayatal. Das hat eine Untersuchung aus den Jahren 2007 und 2008 ergeben.
Bei so viel Gesumme ist es höchst an der Zeit, mit den Augen der Bienen in die Welt hineinzusehen. Denn, was vielen nicht bewusst ist, unsere Wahrnehmung der Welt ist nur eine der vielen möglichen.

Bienen etwa sehen die Welt ganz anders als wir. Wenn wir rot sehen, sehen sie schwarz, wenn wir eine einheitliche Farbe ausmachen, bemerken sie oft Muster. Es gibt kaum einen Farbeindruck, den Menschen und Bienen gleich wahrnehmen. Wie kommt das?

Das für Menschen sichtbare Lichtspektrum liegt im Wellenlängenbereich von 380 Nanometer (violettes Licht) bis ungefähr 780 Nanometer (rotes Licht). Unterhalb von violettem Licht, rangiert Ultraviolett und über dem roten Licht beginnt das Infrarotlicht, beides ist für Menschen nicht mehr ausmachbar. Aber Bienen haben dafür Augen. Im Vergleich zum Menschen ist der für Bienen sichtbare Bereich des Lichtes um rund 150 Nanometer in Richtung kurzwelliges UV-Licht verschoben.
Bienen sehen also UV-Licht, dafür sind ihre Komplexaugen für Rot nicht mehr empfänglich.
Doch damit nicht genug, die unterschiedlichen Farbeindrücke ergeben sich vor allem auch aus der unterschiedlichen Empfindlichkeit für Farben. Während Menschen im Bereich von blauen, grünen und gelben Wellenlängen am rezeptivsten sind, haben Bienen die größte Rezeptivität bei UV-Licht, blau und grün.

Der Farbeindruck weiß, zum Beispiel, entsteht aus der Summe aller wahrnehmbarer Farben, deswegen ist „Bienenweiß“ nicht gleich „Menschenweiß“. Was uns weiß erscheint, sehen Bienen als blau-grün. Das gilt auch für andere Farben: Bienenpurpur erscheint für Menschen eben nicht purpur, sondern gelblich. Was für uns rot ist, ist für Bienen schwarz, weil Sie keine Rezeptivität für Rot mehr haben. Nur das Bienenblau entspricht ungefähr dem, was wir Menschen als Blau wahrnehmen.

Völlig verborgen bleibt uns dagegen die UV-Licht-Sphäre. Viele Blüten tragen auffällige ultraviolette Muster, die nur für Bienen – dazu zählen übrigens auch die Hummeln – sichtbar sind. Die Muster dienen aber nicht nur der Zierde, sondern führen die Nektar- und Pollensucher zielsicher an die Futterquelle. Blüten, die auf uns unscheinbar wirken, sind für Bienen – durch die „UV-Brille“ gesehen – wahre Wegweiser!

Wer herausfinden möchte, wie die eigene Lieblingspflanze mit Bienenaugen wahrgenommen wird, der kann dazu mittlerweile eine Datenbank, die von britischen Wissenschaftlern zusammengestellt wurde, durchstöbern. Die Floral Reflectance Database, kurz Fred genannt, zeigt, wie Blumen von Bienen gesehen werden.

Zielsicher steuert diese Hummel auf eine Blüte des Gelben Fingerhutes zu. Ob Sie mehr sieht als wir, vielleicht ein UV-Muster, das ihr den Weg weist? Sehr wahrscheinlich!

Zielsicher steuert diese Hummel Blüten des Gelben Fingerhutes an. Ob Sie mehr sieht als wir, vielleicht ein UV-Muster, das ihr den Weg weist? Sehr wahrscheinlich!

Gut getrickst!

Zu den farbenprächtigsten Pflanzen der Thayatal Wiesen zählt mit Sicherheit der Wiesensalbei (Salvia pratensis). Besonders auffällig sind seine markant gebauten blau-violetten Blüten, die aus einer Ober- und einer Unterlippe bestehen.

Die Bauweise ist in der Tat nicht nur markant, sondern auch sehr gefinkelt. Neben dem eiweißreichen Pollen interessieren sich Blütenbesucher vor allem für den zuckerreichen Nektar. Der Wiesensalbei „versteckt“ die beliebte süße Speise tief am Blütengrund. Nur langrüsselige Insekten, wie Hummeln, haben eine Chance den begehrten Nektar zu erreichen.
Genau auf diese hat es der Wiesensalbei auch abgesehen. Sobald eine Hummel auf der Suche nach Nektar in die Blüte vordringt, löst sie einen kleinen Hebel (einen umgewandelten Teil des Staubbeutels) aus. Dieser bewirkt, dass die in der Oberlippe verborgenen Staubblätter nach unten klappen und ihre Pollenpakete direkt auf den Hinterleib der Hummel entladen. Der Pollen bleibt haften und wird beim Besuch der nächsten Wiesensalbei-Blüte an der Narbe des Stempels abgestreift. So schnell geht’s mit der Befruchtung. Die Hauptakteurin, die Hummel, bekommt von dem ihr aufgebrummten Wegzoll rein gar nichts mit, spielt sich doch alles hinter ihrem Rücken ab ;) Ein guter, aber auch fairer Trick!

Die Staubbeutel der Blüte befinden sich verborgen in der Oberlippe. Nur der weibliche Teil der Blüte, der Stempel mit der Narbe, ragt hervor. Landet eine Hummel auf der Unterlippe und sucht nach Nektar, klappen die Staubbeutel auf ihren Rücken. Beim nächsten Besuch streift sie den Pollen an der Narbe ab.

Die Staubbeutel der Blüte befinden sich verborgen in der Oberlippe. Nur der weibliche Teil der Blüte, der Stempel mit der zweiteiligen Narbe, ragt hervor. Landet eine Hummel auf der Unterlippe und sucht nach Nektar, klappen die Staubbeutel auf ihren Rücken. Beim Besuch der nächsten Blüte streift sie den Pollen an der Narbe ab.