Einmal noch violett bitte!

_D__6530

Das ist die Stärke der Herbstzeitlosen, Wiesen voller violett blühender Punkte zu gestalten. Und das zu einer Zeit, wenn die meisten anderen Pflanzen schon an Winterschlaf denken.
So schön die zu den Liliengewächsen zählenden Pflanzen sind, so giftig sind sie aber auch. Schon weniger als ein Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht würde sich für einen Menschen lebensgefährlich auswirken. Das Zellgift Colchicin verhindert die richtige Zellteilung und führt zu Zellen mit doppeltem Chromosomensatz. Unglaublich wie tödlich ein harmlos wirkendes Pflänzchen sein kann!

Wer mehr zur Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale) herausfinden möchte, wie sie sich etwa vom Herbstkrokus unterscheidet, welchen sagenhaften Ursprung ihr Name hat und woher die Samen so plötzlich im Frühjahr kommen, kann hier im NP Thayatal Blog nachlesen.

Tipp: Auf der Einsiedlerwiese stehen die Chancen gut, die violett blühenden Herbstboten zu bestaunen.

Wie war das mit dem Bärlauch noch mal?

Wer nicht gerade Kräuterkenner und mit allen Pflänzchen auf Du und Du ist, steht möglicherweise auch in diesem Frühjahr wieder einmal ratlos vor einem Grüppchen saftig grüner Blätter und fragt sich, ob sie denn wirklich dem Bärlauch zuzurechnen sind.
Der Nationalpark entlastet Euch insofern bei dieser Frage, als Bärlauch und Co. nur zum visuellen und nicht zum kulinarischen Genuss gedacht sind – Stichwort Sammelverbot. Nichtsdestotrotz wäre es schön zu wissen, woran man denn nun eigentlich ist :)

Sobald der Bärlauch zu blühen beginnt, verlieren seine Laubblätter an Saft und Aroma.

Sobald der Bärlauch zu blühen beginnt, verlieren seine Laubblätter an Saft und Aroma.

Hier die wichtigsten Hinweise zum Mitschreiben:

1.)  Die Blätte des Bärlauchs sind weich.

2.)  Die Blattunterseite ist matt und verfügt über eine kantige Mittelrippe.

3.)  Jedes Blatt kommt einzeln aus der Erde.

Wer es noch genauer wissen will und auf Nummer sicher gehen möchte, dass es sich doch nicht um die giftigen Kollegen Maiglöckchen oder Herbstzeitlose handelt, der findet alle Infos dazu in der NP Thayatal Wildpflanzenkunde.
Viel Spaß beim Schmökern!

Die “verdrehte” Pflanze

Sie ist ein fragiles Pflänzchen mit zartvioletten Blütenblättern, die zu einer Zeit erscheinen, wenn die meisten anderen Pflanzen schon längst auf Rückzug eingestellt sind. Im Herbst, von August bis Oktober, blühen die Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale) am liebsten auf etwas fetteren, sprich nährstoffreichen Wiesen wie etwa dem oberen Teil der Einsiedlerwiese.

Wenn die meisten anderen Pflanzen bereits auf Rückzug eingestellt sind, erscheint die Herbstzeitlose.

Wenn die meisten anderen Pflanzen bereits auf Rückzug eingestellt sind, erscheint die Herbstzeitlose. Sie blüht von August bis Oktober.

Wie man auf Nummer sicher geht, dass es sich auch wirklich um eine Herbstzeitlose handelt?
Einfach die Staubblätter zählen. Der Herbstkrokus, der nämlich ebenfalls im Herbst blüht, besitzt nur drei Staubblätter, die Herbstzeitlose dagegen sechs Stück. Alles klar also.

Die Herbstzeitlose wird zu den Liliengewächsen gerechnet und ist die wohl bekannteste der ca. 65 Arten der Gattung Colchicum.
Woher der Name kommt?
Der wissenschaftliche Name Colchicum leitet sich aller Wahrscheinlichkeit nach von der sagenumwobenen Landschaft Kolchis ab, die an der Ostküste des Schwarzen Meeres im heutigen Georgien liegt. Die aus der griechischen Mythologie bekannte Zauberin Medea soll einst neun Nächte lang Kräuter für einen Zaubertrank gesammelt haben, um damit ihren Schwiegervater zu verjüngen. Der Sage nach seien von diesem Zaubertrank einige Tropfen auf die Erde gefallen und et voilà, die Herbstzeitlose war geboren.

Eine reichlich tückische Pflanze, denn so schön sie ist, so giftig ist sie auch. Alle Teile der Pflanze enthalten das Alkaloid Colchicin, das auch als das „pflanzliche Arsen“ bezeichnet wird.
Wie es wirkt?
Als Zellgift greift es in den Prozess der Zellteilung ein. Normalerweise, wenn sich Zellen vermehren, wird zunächst das Erbgut in der Zelle verdoppelt. Danach „wandert“ je ein Chromosomensatz zu den beiden Zellpolen, die Zelle teilt sich und es entstehen zwei neue Zellen mit korrekter Chromosomenanzahl. Colchicin verhindert dies, weshalb es zur Enstehung von Zellen mit doppeltem Erbgut kommt. Das geht selbstverständlich nicht lange gut. Schon weniger als ein Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht wirkt sich lebensgefährlich aus.

Also, besser nicht probieren. Die Blüten zu verkosten, auf diese Idee kommt vermutlich sowieso niemand, aber bei den im Frühjahr erscheinenden Laubblättern gibt es hin und wieder Verwechslungspotenzial mit dem schmackhaften Bärlauch. Der Blogbeitrag vom April 2014 verrät Euch, was die entscheidenden Unterschiede zwischen Bärlauch, Maiglöckchen und Herbstzeitloser sind.

Und was verbirgt sich, gut verhüllt, zwischen den Laubblättern?
Die Frucht der Herbstzeitlosen. Eine Kapselfrucht mit dunklen Samen, welche übrigens ebenfalls hochgiftig sind und in erster Linie von Ameisen verbreitet werden.
Und wie bitte konnten sich diese Samen entwickeln?
Sicher in der Erde. Während der Blüte im Herbst bestäuben Hummeln, Bienen und Käfer die Pflanze. Gelangt das Pollenkorn erfolgreich auf den weiblichen Griffel, muss es eine lange Reise antreten. Acht bis dreißig Zentimeter ist der Stängel, auf dem die zartvioletten Blüten sitzen, lang. Doch eigentlich ist es kein Stängel, sondern es handelt sich um eine von Blütenblättern geformte, verwachsene Röhre. Diese gilt es für das kleine Pollenkorn zu durchwandern, um an den verborgen in der Erde liegenden Fruchtknoten zu gelangen. Erst dort findet die eigentliche Befruchtung statt. Läuft alles glatt, erscheinen im nächsten Frühjahr die dunklen Samen, umhüllt von den ledrig grünen Laubblättern.

Kleine Wildpflanzenkunde

Feucht und schattig hat er es gern. In der Nähe eines Baches oder am Fuße eines Hanges, da fühlt er sich wohl, der Bärlauch.
Aber auch andere Pflanzen, die ihm auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich sehen, mögen solche Plätzchen. Wenn der Bärlauch um Mitte März seine saftigen, vitaminreichen Blätter aus dem Erdreich streckt, kann es leicht sein, dass er im Lauf des Aprils Gesellschaft bekommt. Herbstzeitlose und Maiglöckchen tummeln sich in seinem „Revier“ und selten, aber doch kommt es vor, dass alle drei an einem Fleck wachsen. Das Unangenehme: Letztere beiden sind nicht unbedeutend giftig und können im Frühlingssalat zu unpraktischen Nebenerscheinungen wie Kreislaufversagen oder Herzstillstand führen.

Aus diesem Grund schadet es nicht, ein paar Wildpflanzen-Basics zu beherrschen, auch wenn sie im Nationalpark selber nicht zur Anwendung kommen. Zur Erinnerung: Pflanzen – egal ob bunt oder g’schmackig – bleiben im Nationalpark natürlich stehen.

Zurück zum Bärlauch. Mittlerweile weiß jeder, dass der Knoblauchduft als Unterscheidungskriterium nicht ausreicht. Selbst wenn seine Knoblauchfahne unüberriechbar ist, ein Herbstzeitlosen- oder Maiglöckchenblatt kann sich leicht unter ein „Bärlauchfeld“ schummeln. Sobald der Knoblauchduft an den Fingern haftet und sich in den Nasengängen festgelegt hat, fällt es schwer die giftigen, geruchlosen Blätter herauszufiltern.

Der Knoblauchduft als Unterscheidungskriterium ist nicht ausreichend.

Auch wenn alles nach Bärlauch ausschaut, es könnte sich eine Herbstzeitlose oder ein Maiglöckchen dazwischen schummeln. Deswegen reicht der Knoblauchduft allein nicht als Unterscheidungskriterium aus.

Um die Pflanzen eindeutig auseinanderzuhalten, gilt es deshalb die Laubblätter genau zu inspizieren. Sie sind auch das Einzige, das die Pflanzen in der frühen Jahreszeit von sich offenbaren. Herbstzeitlose blühen – wie der Name schon sagt – im Herbst, von September bis Oktober, Maiglöckchen und Bärlauch in der Regel im Mai. Solange zuzuwarten, bis die charakteristischen Blüten erscheinen, ist allerdings keine Option. Blüht der Bärlauch erst einmal, sind seine Blätter nicht mehr schmackhaft. Sie werden fester und verlieren an Aroma und Saft.

Sobald der Bärlauch zu blühen beginnt, verlieren seine Laubblätter an Saft und Aroma.

Sobald der Bärlauch zu blühen beginnt, verlieren seine Laubblätter an Saft und Aroma.

Doch die Laubblätter reichen aus, um den Bärlauch und seine giftigen Kollegen eindeutig zu bestimmen. Zunächst wäre da die Blattunterseite, sie ist beim Bärlauch matt, während sie beim Maiglöckchen glänzt. Und sie verfügt beim Bärlauch – im Gegensatz zu den anderen beiden Pflanzen – über eine kantige Mittelrippe. Diese knackt leise beim Umknicken des Blattes. Bei ganz jungen Blättern funktioniert der „Knacktest“ allerdings nicht so gut, weil die Blätter noch sehr weich sind, aber die Rippe ist trotzdem bereits deutlich sichtbar.

Die Weichheit der Blätter ist ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal. Sowohl Maiglöckchen als auch Herbstzeitlose verfügen über wesentlich festere Blätter. Besonders die Laubblätter der Herbstzeitlosen fühlen sich regelrecht ledrig an, kein Vergleich zu den weichen Bärlauchblättern.

Die Blätter der Herbstzeitlose fühlen sich im Vergleich zum weichen Bärlauch ledrig und grob an.

Die Blätter der Herbstzeitlosen fühlen sich im Vergleich zum weichen Bärlauch ledrig und grob an.

Und schließlich gilt es genau darauf zu achten, wie viele Blätter sich an einem Stängel befinden. Die Maiglöckchenblätter sitzen zu zweit oder zu dritt an einem Stängel, bei der Herbstzeitlosen kommen stets mehrere Blätter gemeinsam – an einer grundständigen Rosette sitzend – aus dem Boden. Beim Bärlauch dagegen sprießt jedes Blatt einzeln aus der Erde.

Beim Maiglöckchen sitzen die Blätter zu zweit an einem Stängel, während sie beim Bärlauch einzeln aus dem Boden kommen.

Beim Maiglöckchen sitzen die Blätter zu zweit oder zu dritt an einem Stängel. Beim Bärlauch sprießen sie dagegen einzeln aus dem Boden.

In der schattig, feuchten Schlucht entlang des Kajabaches könnt Ihr beim Bärlauch zwar nicht kräftig zulangen, aber genau nachschauen, ob es sich auch wirklich um den Bärlauch handelt.
Außerdem weiß Nationalpark-Mitarbeiter Christian Übl, der gleichzeitig um Verständnis für das Sammelverbot im Nationalpark bittet, wo es besonders viel Bärlauch gibt: „Große Bärlauchbestände finden sich vor allem im nördlichen Teil des Umlaufberges. Mitunter ist der Bärlauchduft dort so dominant, dass man ihn bereits riecht, bevor er noch zu sehen ist. Und da viele Pflanzen direkt am Wegesrand wachsen, kann man hier gut beobachten, wie die Erkennungsmerkmale ausgeprägt sind.“

Also, schaut vorbei und schaut genau hin!