Sagenhafte Burg Kaja

Niemand kannte ihn, keiner wusste, woher er kam oder wohin er ging. Nur eines stand fest. Wann immer der „Schwarze Ritter“ auftauchte, wurde der Gerechtigkeit genüge getan.
So auch im Falle der Burg Kaja. Der alte Burgherr war auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen. Nur kurze Zeit darauf hatte die Burg einen neuen Herrn. Dieser, so munkelten die Leute, verfügte über dämonische Kräfte und hielt Roswitha, die Tochter des alten Burgherren, gefangen. Roswithas untreue Zofe war es zu „verdanken“, dass sich der unheimliche neue Burgherr Zugang zur Kaja verschaffen konnte. Dem Schwarzen Ritter aber gelang es, den Burgherren zu besiegen und Roswitha aus ihrem Bann zu lösen. Die Kammerzofe allerdings musste für ihren Verrat bezahlen.

Die sagenhafte Burg Kaja.

Ob der “Schwarze Ritter” die Kaja wirklich besucht hat? – Der Sage nach soll es so gewesen sein.

Womit? Die Antwort darauf weiß Helga Donnerbauer: „Sie wurde in eine Äskulapnatter verwandelt und lebt auch heute noch als Schlange auf der Burg. Wenn Besuch kommt, dann zieht sie sich um, mit anderen Worten: sie häutet sich. Eben vor zwei Wochen haben Kinder bei einer Führung auch tatsächlich kleine Schlangenhäute entdeckt.“

Helga Donnerbauer führt durch die Burg.

Die Merkersdorferin Helga Donnerbauer kennt die Burg wie ihre Westentasche. Bei einer Burgführung gibt sie ihr Wissen weiter.

In zwei Etappen erbaut
Heute ist die Burg Kaja, die östlich von Merkersdorf liegt, längst nicht mehr bewohnbar, aber im Rahmen von Führungen und auf eigene Faust lässt sich die gut erhaltene Ruine immer noch erkunden. Die Merkersdorferin Helga Donnerbauer hat viel Sagenumwobenes für die Besucher parat und auch die wichtigsten geschichtlichen Eckdaten. „Die Burg ist in zwei Etappen erbaut worden, begonnen hat man im 12. Jahrhundert. Nachdem die Hussiten die Burg und alles ringsherum, etwa auch Hardegg oder Retz zerstört hatten, sorgten Ulrich und Martin Eytzinger – mit monetärer Unterstützung von Herzog Albrecht – dafür, dass die Burg nach 1432 wieder hergerichtet wurde. In dieser Zeit entstand auch der vordere Teil der Burg“, erklärt Frau Donnerbauer.

Die vorburg ist nur über zwei Brücken erreichbar.

Die Vorburg mit dem 23 Meter hohen Bergfried ist nur über zwei Brücken erreichbar. Im Mittelalter wusste man sich abzusichern.

Die Vorburg aus dem 15. Jahrhundert, die nur über zwei Brücken erreichbar ist – im Mittelalter hat man sich eben gut abgesichert – beherbergt auch einen 23 Meter hohen Turm bzw. Bergfried. „Der Turm ist begehbar“, sagt Burgführerin Helga Donnerbauer, die auch Mitglied des Vereins zur Erhaltung der Feste Kaja ist. Ihm ist es zu verdanken, dass der Bergfried heute gefahrlos begehbar ist. Brücken-, Stiegen-, Geländersicherungen, sprich sämtliche Instandhaltungsarbeiten gehen auf das Konto des 1969 gegründeten Vereins. In den 1950er Jahren noch war die Ruine wegen Baufälligkeit gesperrt, heute kann sie von Mai bis Oktober an Samstagen, Sonn- und Feiertagen zwischen 10 und 17 Uhr besichtigt werden, ganz ohne Voranmeldungen. Nur für Führungen braucht es eine telefonische Vorab-Reservierung bei der Stadtgemeinde Hardegg.

Natur pur in der Burg
Die Aussicht auf das bewaldete Kajabachtal vom Bergfried aus, beeindruckt Frau Donnerbauer freilich auch. „Mein Lieblingseck ist aber die über hundert Jahre alte Linde im Burghof, dort ist es einfach am gemütlichsten“, sagt sie. Gemütlich findet die Burg aber noch jemand: „Sie sind im Rittersaal, am Turm, im Keller, einfach überall. Fledermäuse, d. h. vor allem Kleine Hufeisennasen, dürfen die Burg sowohl sommers wie winters nutzen“, sagt Helga Donnerbauer und fügt verdientermaßen stolz hinzu: „Der KFFÖ, die Koordinationsstelle für Fledermausschutz und –forschung in Österreich, hat uns sogar als fledermausfreundliches Gebäude ausgezeichnet.“

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Die vielen Winkel, Ecken und alten Gemäuer der Burgruine sind auch bei Fledermäusen beliebt. Und in der Kaja dürfen sie auch gerne hausen!

Wer Lust bekommen hat, sich die sagenhafte Burg Kaja einmal genauer anzuschauen, der hat dazu noch bis 27. Oktober Zeit. Danach macht die Burg Winterpause, die Äskulapnatter zieht sich zurück, die Linde legt eine Rast ein und die Fledermäuse freuen sich darüber, dass die Burg nun ihnen ganz alleine gehört.
Kontaktinfos finden sich hier.

“Aprilwetter” im Winter – Wie reagiert die Tierwelt?

Eifriges Vogelzwitschern im Jänner. Amseln, Meisen und Co. sind bereits in Balzlaune. Die Weidenkätzchen scharren schon in den Startlöchern. Die Natur ist auf Frühling eingestellt. Aber der nächste Schnee steht schon wieder vor der Haustüre. Eben noch Föhnwetter mit Spitzenwerten von +16 Grad Celsius, im nächsten Moment fällt das Thermometer wieder in die Zone rund um den Gefrierpunkt.
Fragt sich bloß, wie geht die Tierwelt mit diesem „Aprilwetter“ mitten im Winter um?

Die Antwort: In der Regel erstaunlich gut. Im Detail ist das mitunter aber ganz verschieden. Siebenschläfer, zum Beispiel, verkriechen sich für ihre gut sieben– bis neunmonatige „Auszeit“ oft in Baumhöhlen, alten Eichhörnchenkobeln oder sie graben sich eine Höhle im Boden. In ihren Winterrefugien bleibt die Temperatur, unabhängig davon wie stark sie draußen auch schwankt, relativ konstant. Ob +16 oder -10, das kümmert den Siebenschläfer kaum.

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Der Siebenschläfer lässt sich durch die schwankenden Außentemperaturen nicht so schnell aus der “Ruhe” bringen.

Für den Igel, der unter Laub- und Reisighaufen oder in Gartenhäuschen seinen Winterschlaf hält, sieht es da schon weniger rosig aus. Er ist den Außentemperaturen und ihren Schwankungen wesentlich stärker ausgeliefert.

Die winterlichen Wärmeperioden veranlassen die Winterschläfer aber für gewöhnlich nicht dazu, frühzeitig oder öfter als normalerweise zu erwachen. Eher das Umgekehrte kann der Fall sein. Bei Fledermäusen kennt man das sogenannte „Alarmaufwachen“. Die Tiere werden munter, falls die Umgebungstemperaturen über einen bestimmten Zeitraum zu tief fallen. Das bewahrt sie vor dem Kältetod und ermöglicht ihnen – so eine Alternative vorhanden ist – einen sichereren Ort zu suchen, um ihren Winterschlaf fortzusetzen.

Am einfachsten tun sich im Winter all jene, die Winterruhe (Eichhörnchen und Dachs) oder gar keine Form von Winterschlaf oder –ruhe halten (zum Beispiel der Fuchs). Wenn es kalt ist, drosseln sie ihre Aktivität, um weniger Energie zu verbrauchen und wenn es warm ist, setzen sie sich in Bewegung. Denn aufgrund der fehlenden Schneedecke lässt sich jetzt mehr Nahrung finden.

Eichhörnchen

Das Eichhörnchen profitiert von winterlichen Warmperioden, dann lässt sich nämlich mehr Nahrung finden. Wird es wieder kalt, drosselt es seine Aktivität.

Was geschieht allerdings mit jenen Tieren, die ihre Körpertemperatur nicht steuern bzw. stabil halten können? Wechselwarme Tiere wie etwa Insekten passen ihre Körpertemperatur der Umgebungstemperatur an. Für manche von ihnen, viele Eulenfalter zum Beispiel, stellt der „Warm-Kalt-Warm-Kalt-Winter“ kein Problem dar. Ist es kalt, sitzen sie starr in der Gegend herum, in milden Nächten dagegen fliegen sie einfach los und suchen nach faulem Obst.

Andere Insektenarten, wie etwa die im NP Thayatal vorkommenden Rundaugen-Mohrenfalter (Erebia medusa), können mit diesem Stoffwechsel-Jo-Jo nicht mithalten. Die Larven dieses Falters machen während des Winters eine sogenannte Diapause, eine Entwicklungsunterbrechung. Während der Diapause zehren sie nur von ihren Fettreserven und können keine weitere Nahrung zu sich nehmen. Das Problem: Steigen die Außentemperaturen, beginnen sie Energie zu verbrennen, der Stoffwechsel wird angekurbelt. Die Larven verbrauchen ihre Fettreserven, ohne „nachlegen“ zu können.

Der Rundaugen-Mohrenfalter

So hübsch sieht der Rundaugen-Mohrenfalter im Sommer aus. Seine Larven müssen es aber erst mal über den Winter schaffen. Wird es zu oft zu warm, verbrennen sie Energie. Problematisch ist das deswegen, weil sie nur von ihren Fettreserven zehren.

Da kann man nur die Daumen drücken, dass der Winter wieder zurückkehrt und die milden Temperaturen sich noch ein wenig Zeit lassen, bis zum Frühjahr!

Natur rund um die Burg

Ganze 800 Jahre ist sie bereits alt, die Burgruine Kaja, die östlich von Merkersdorf im Nationalpark Thayatal liegt. Und gewissermaßen ist sie selbst schon ein Stück Nationalpark, denn in ihr und um sie herum gibt es einiges an Natur zu entdecken.

Die Safari beginnt bereits im Burghof, wo eine mächtige viele Jahrhunderte alte Linde wächst. Im Frühsommer zur Blütezeit verströmt sie einen süßen Duft und über den ganzen Sommer – so er auch heuer noch mal vorbeischauen möge ;-) – spendet sie angenehm kühlenden Schatten.

Im Burghof der Burgruine Kaja steht die alte Linde. Ein ideales Plätzchen für eine kühle Rast im Sommer.

Im Burghof der Burgruine Kaja steht die alte Linde. Ein ideales Plätzchen für eine kühle Rast im Sommer.

Geologisch spannend wird es dann, sobald man den Hauptturm der Burg ein wenig genauer in Augenschein nimmt. Die Ecksteine des Turmes bestehen aus Sandstein, der allerdings das eine oder andere ehemalige Meereslebewesen beheimatet. Muschelschalen und andere Meerestiere sind auf diese Weise in der Kaja-Ruine verewigt und gewähren einen kleinen Einblick in eine längst vergangene Zeit.

    In den Ecksteinen des Hauptturms der Burgruine Kaja lassen sich bei genauerem Hinsehen fossile Meereslebewesen entdecken.

In den Ecksteinen des Hauptturms der Burgruine Kaja lassen sich bei genauerem Hinsehen fossile Meereslebewesen entdecken.

Aber es gibt auch viele noch lebendige Burgbewohner, im Sommer handelt es sich dabei vor allem um Kleine Hufeisennasen. Die Weibchen dieser Fledermausart nutzen die alten Gemäuer der Ruine mit Vorliebe zur Aufzucht ihres Nachwuches. In sogenannten Wochenstuben finden sich die Fledermaus-Mamas zusammen und versorgen hier zwischen Mai und August die nächste Fledermaus-Generation.

Die Burgruine selbst dient als Ausgangspunkt für Wanderungen durch das Thayatal.
Der Wanderweg Nr. 5, treffenderweise als Kajaweg bezeichnet, führt als kurzer Rundwanderweg entlang einer ein Kilometer langen Strecke. Rund 20 Minuten sollte man für den Weg zumindest einplanen, im Idealfall lieber etwas mehr Zeit nehmen. Denn nur wer aufmerksam beobachtet, stößt möglicherweise auf die prominenten Bewohner des Kajabaches. Eine der wenigen noch intakten Edelkrebs-Populationen unseres Landes hat hier nämlich seine Heimat. Also genau hinsehen!
Alle Infos zu diesem Weg und weiterführenden Wanderwegen von der Burgruine ausgehend, gibt es hier.

Alle Wanderwege des Nationalpark Thayatals sind gut ausgeschildert. Der Kajaweg, Nr. 5., ist ein kurzer Rundwanderweg. Dennoch gibt's viel zu entdecken, und das zu jeder Jahreszeit!

Alle Wanderwege des Nationalpark Thayatals sind gut ausgeschildert. Der Kajaweg, Nr. 5., ist ein kurzer Rundwanderweg. Dennoch gibt’s viel zu entdecken, und das zu jeder Jahreszeit!

Und natürlich lässt sich die Burgruine auch selbst besuchen und dabei vielleicht die eine oder andere Fledermaus sichten. Von 1. Mai bis 27. Oktober ist die Burg an Samstagen, Sonn- und Feiertagen von 10:00 bis 17:00 geöffnet. Führungen sind gegen telefonische Voranmeldung jederzeit möglich. Einfach bei der Stadtgemeinde Hardegg unter 02948/8450 nachfragen.
Also, auf zu Naturentdeckungen in der Burg und um die Burg!

Tot, aber voller Leben

„Bei Euch schaut’s aber schon unaufgeräumt aus, findet Ihr nicht?“ – Nein, finden wir nicht! Denn, was scheinbar „unordentlich“ aussieht, ist einfach das freie Walten der Natur. Und der Zerfall ist ein ganz natürlicher Teil davon, ja er ist sogar überlebenswichtig!

Absterbende Bäume werden unter dem Begriff Totholz zusammengefasst. Dabei müsste es viel eher „Lebendholz“ heißen, denn obwohl diese Bäume nicht mehr wachsen und gedeihen, sind sie nach wie vor voller Leben. In der Tat, tut sich in und auf ihnen sogar mehr als zu ihren „aktiven Zeiten“.

Unordentlich? - Nein. Vielfältig!

Unordentlich? – Nein. Vielfältig!

Kreuz und quer liegende Baumstrünke, Ästewirrwarr, tote stehende Baumgerippe. – Wozu sind sie gut?
Sie schaffen Ecken und Nischen, in denen sich Tiere kurzfristig verstecken können oder dauerhafte Behausungen einrichten. Eidechsen, Mäuse, Reptilien und Amphibien ziehen sich gerne in liegendes Totholz zurück. Ein besonderer Langzeitgast ist der Hirschkäfer. Seine Larve braucht bis zu sieben Jahre, um sich im toten Eichenholz zum fertigen Käfer zu entwickeln.

Bis ein stattlicher Hirschkäfer entsteht, ist es ein langer Weg. Totes Eichenholz ist die Grundvoraussetzung.

Bis ein stattlicher Hirschkäfer entsteht, ist es ein langer Weg. Totes Eichenholz ist die Grundvoraussetzung dafür.

Sie schaffen aber auch einen reich gedeckten Tisch, der an der Basis aus Pflanzen, Pilzen, wirbellosen Tieren und einer Vielzahl an Insekten besteht. Dieses breite Nahrungsangebot lockt weitere Tiere in das „All-Inclusive“ Hotel Totholz.
Sie schaffen Sitzwarten, von denen Greifvögel gerne den Waldboden nach Beutetieren überblicken.
Und sie schaffen auch neue Brutplätze. Während sich Amseln, Zaunkönig oder Nachtigall im herumliegenden Totholz tummeln, sind viele Vögel auf Bruthöhlen in stehenden Alt- und Totholzbäumen angewiesen. Interessanterweise können aber nur die wenigsten selber eine Höhle anlegen, obwohl es sich bei gut einem Drittel der Vögel im Wald um Höhlenbrüter handelt. Was also tun? – Abhilfe kommt in Form der Spechte, wahre Totholzspezialisten.
Aus dem Totholz beziehen sie einerseits ihre Nahrung, saftige Insekten und deren Larven wie Ameisen oder Käferlarven, andererseits zimmern sie sich daraus ihre Bruthöhlen. Nicht mehr genutzte Spechthöhlen finden in der Folge reißenden Absatz bei Eulen wie dem Raufußkauz oder dem Waldkauz, bei Meisen, aber auch bei Säugetieren wie Fledermäusen und Siebenschläfern oder Insekten wie Wildbienen oder Wespen. Die Liste der Specht-Profiteure ist lang.
Aber alle hängen sie von einem gemeinsamen Nenner ab, dem Totholz.

Auch sie profitieren vom Totholz. Aufgelassene Spechthöhlen dienen ihnen als Rückzugsort.

Auch sie profitieren vom Totholz. Aufgelassene Spechthöhlen dienen den Siebenschläfern als Rückzugsort.

Abseits der sichtbaren tierischen Vielfalt, erfüllt das Totholz darüber hinaus wichtige Aufgaben für das Ökosystem Wald.
Es sorgt für ein angenehm feuchtes Kleinklima, indem es beträchtliche Mengen Wasser speichert und langsam wieder an die Umgebung abgibt. Und es sorgt für ständigen Nährstoffnachschub. Saprophytische Pilze ernähren sich vom Totholz und zersetzen es sukzessive in seine Bestandteile, bis nur noch Kohlenstoff, Stickstoff und mineralische Elemente übrigbleiben. Sie warten im Waldboden darauf, von einer neuen Pflanze über die Wurzeln aufgenommen zu werden und wachsen vielleicht wieder zu einem stattlichen Baum heran. Irgendwann wird auch dieser wieder zerfallen. Keine Tragik, sondern vielmehr Grund zur Freude. Vorausgesetzt, das Totholz darf liegenbleiben!

Totholz sorgt nicht nur für Artenvielfalt, sondern speichert auch Wasser und dient als Nährstoffspeicher.

Totholz sorgt nicht nur für Artenvielfalt, sondern speichert auch Wasser und dient als Nährstoffreservoir.

„Winterblues“ bei den Fledermäusen

Höhlen, Stollen, Bäume, Holzstapel oder auch Gebäude. Sie alle können als Winterquartiere für Fledermäuse dienen. „Im Gebiet des Nationalparks Thayatal sind es vor allem Felshöhlen, Stollen und Keller, die von den Fledermäusen als Überwinterungsort genutzt werden. Interessant ist zudem, dass es auch wandernde Fledermausarten gibt. Die Wasserfledermaus zum Beispiel, die während des Sommers das üppige Insektenbuffet über der Thaya bejagt, sucht – sobald es kalt wird – weit entfernte Winterquartiere auf. Im Schnitt legt sie dabei Distanzen um die 150 Kilometer zurück!”, erklärt die Nationalpark-Biologin Claudia Waitzbauer.

Aber wozu halten Fledermäuse überhaupt Winterschlaf? – Nun, sämtliche heimische Fledermausarten (es gibt 28 in Österreich, davon 20 im NP Thayatal) ernähren sich von Insekten. Die Insektenjagd lohnt sich aber nur bei Temperaturen über zehn Grad Celsius. Darunter nimmt die Insektendichte in der Luft rasant ab. Bei sechs Grad Celsius kommt im Schnitt nur mehr ein Insekt auf einen Kubikmeter Luft! Keine Insekten, kein voller Magen. Die Alternative – zumindest in unseren Breiten – lautet Winterschlaf.

Bereits ab Mitte September suchen die Tiere Orte auf, die sich als Winterquartiere eignen könnten. Der eigentliche Beginn des Winterschlafs hängt jedoch von der Außentemperatur ab. Die längsten Schlafperioden treten in der Regel zwischen Mitte November und Ende Februar auf, wenn die Außentemperaturen nachts unter sechs Grad fallen. Länger als 20 Tage am Stück wird aber selten geschlafen.
Überhaupt ist es kein echter Schlaf (siehe auch Blogbeitrag zu den Siebenschläfern “Schläfst du oder ruhst du”), sondern vielmehr eine Art „Winterlethargie“, der sich die Fledermäuse gewissermaßen ergeben. Ihr Stoffwechsel, ihre Atem- und Herzschlagfrequenz reduzieren sich markant, die Körpertemperatur sinkt solange, bis sie nur mehr ein bis zwei Grad über der Umgebungstemperatur liegt und ihre Blutgefäße verengen sich.

Obwohl auf Sparflamme köchelnd, wird in der “Winterlethargie” trotzdem Energie verbraucht. Deswegen müssen sich Fledermäuse im Herbst entsprechende Fettreserven zulegen. Ungefähr ein Viertel ihres Körpergewichts stocken sie auf. Aber in erster Linie nicht – wie man meinen könnte – am Bauch, sondern zwischen den Schulterblättern. Damit der „Proviant“ über den Winter reicht, braucht es aber auch ein klimatisch geeignetes Winterquartier, das weder zu kalt noch zu warm ist und über eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit verfügt, um die Tiere vor dem Austrocknen zu bewahren. Ideal sind Orte, die eine Temperatur zwischen sieben und zehn Grad Celsius aufweisen und deren Luftfeuchtigkeit nahe 100 Prozent liegt.

Diese beiden Kleinen Hufeisennasen "hängen" in der Burgruine Kaia ab. Die Fotos sind allerdings nicht im Winter entstanden - wo wir die Tiere nicht stören wollen - sondern im vergangenen August. Untertags halten sich die Fledermäuse in Quartieren auf, nachts fliegen sie aus.

Diese beiden Kleinen Hufeisennasen “hängen” in der Burgruine Kaja “ab”. Die Fotos sind allerdings nicht während des Winterschlafs entstanden – wo wir die Tiere nicht stören wollen – sondern im vergangenen August. Im Sommer halten sich die Fledermäuse untertags ebenfalls in Quartieren auf, nachts fliegen sie dann aus.

Die meiste Energie verpufft jedoch, wenn Fledermäuse während des Winterschlafs gestört werden und dabei erwachen. Während des Winters verbraucht eine Fledermaus innerhalb einer Stunde im Wachzustand ungefähr gleich viel Energie wie in einer ganzen Woche Winterschlaf! Deswegen sollte jede Störung in dieser Zeit unbedingt vermieden werden. Mitte März, Anfang April, wenn die Temperaturen wieder steigen und die Insekten wieder fliegen, endet die „Lethargie“ der Fledermäuse ganz von selber. Dann ist es nämlich Zeit für sie zu erwachen.

Geburtsstation Burgruine Kaja

Ganze 22 Fledermausarten finden sich im Nationalpark Thayatal und seiner nahen Umgebung. „Bei den 28 in Österreich bekannten Arten ist das eine erstaunlich hohe Anzahl an Fledermausarten auf einem verhältnismäßig kleinen Gebiet“, erklärt Guido Reiter, Leiter der Koordinationsstelle für Fledermausschutz und –forschung in Österreich. Als Grund dafür, was die einzigen aktiv fliegenden Säugetiere so attraktiv am Nationalpark finden, nennt er drei Komponenten: „Der naturnahe Wald, das Wasser der Thaya und der Fugnitz und auch die Gebäude eingestreuter Siedlungen, in denen manche Arten Quartiere finden.“

Kleine Hufeisennase in der Burgruine Kaja.

Kleine Hufeisennase in der Burgruine Kaja.

In Kellern oder Stollen verbringen Fledermäuse die kalte Jahreszeit – wenn es an ihrer Nahrung, den Insekten, fehlt. Der Winterschlaf spart nämlich Energie. Aber auch im Sommer beziehen Fledermäuse gerne menschliche Quartiere. Von Mai bis August bringen die Weibchen ihren Nachwuchs in sogenannten Wochenstuben zur Welt. Beliebt dafür sind etwa Dachböden. Oder zum Beispiel die vielen verwinkelten Kammern und Ecken der Burgruine Kaja im NP Thayatal. Hier findet sich alljährlich eine Wochenstube der Kleinen Hufeisennase, die bei einer Kopf-Rumpf-Länge von vier bis sechs Zentimetern und einem Gewicht von maximal zehn Gramm zu den kleinsten Fledermausarten Europas zählt.
Und mit ziemlicher Sicherheit handelt es sich jedes Jahr um die gleichen Weibchen, die in den Winkeln der Burg Unterschlupf suchen. Die Bindung an ein einmal gewähltes Quartier kann nämlich so stark sein, dass die Tiere auch über Jahrzehnte hinweg stets an denselben Ort zurückkehren, um ihre Jungen aufzuziehen!

Burgruine Kaja - Eine beliebte Wochenstube für Kleine Hufeisennasen-Weibchen.

Burgruine Kaja – Eine beliebte Wochenstube für Kleine Hufeisennasen-Weibchen.

Naturabenteuer rund ums Jahr

Die Klickgeräusche verdichten sich, jetzt muss sie zugeschnappt haben. Und schon sieht man sie auch vorbeiflitzen. Knapp über der Wasseroberfläche der Thaya, kurz erhellt vom Lichtkegel einer Taschenlampe, macht eine Wasserfledermaus Jagd auf nachtaktive Insekten. – Gesehen beim „Fledermausabend in Hardegg“. Ausgerüstet mit Ultraschalldetektoren machten sich große wie kleine Naturforscher – insgesamt 70 Besucher hat der Abend angelockt – auf die Suche nach Fledermäusen. Fledermaus-Experte Guido Reiter führte durch die Nacht und hat auf alle Fragen eine Antwort. Wie alt Fledermäuse denn beispielsweise werden, wollen wir wissen. – Die älteste freilebende Fledermaus brachte es bei einem „Kampfgewicht“ von gerade mal sechs Gramm auf ganze 42 Lebensjahre!

Fledermausabend in Hardegg, August 2013

Fledermausabend in Hardegg, August 2013

Naturinteressierte kommen im NP Thayatal rund ums Jahr auf ihre Kosten. Im Frühling geht’s los mit der Amphibienwanderung. „Hier können die Erdkröten bei der Wanderung zu ihren Laichgewässern beobachtet und den Rufen der Unken und Laubfrösche gelauscht werden“, erzählt die Zoologin des Nationalparks Claudia Wurth-Waitzbauer.
Weiter geht’s im Mai mit einer Führung zum Überstieg, wo die männlichen Smaragdeidechsen im prachtvollen Paarungskleid um die Gunst der Weibchen buhlen. „Wir bieten auch Schlangenführungen an. Mit etwas Glück lassen sich am Schlangenfelsen dann bis zu drei Natternarten beobachten. Wir begeben uns außerdem auf die Suche nach Flusskrebsen im Kajabach. Anfang Juli findet die alljährliche Glühwürmchenwanderung statt. Im Sommer folgen die Fledermäuse, im Herbst die Hirschbrunft und im Winter geht’s auf Fährtensuche im Schnee.“ – Da ist wirklich für jeden was dabei. Das aktuelle Programm gibt’s hier: Besucherprogramm

Als nächstes Tier-Natur-Highlight steht übrigens die Hirschbrunft-Führung am kommenden Samstag an. – Einziger Wermutstropfen: Die Veranstaltung ist schon ausgebucht, aber wer Glück hat, kann noch von der Warteliste nachrücken!

Der NP Thayatal bietet rund ums Jahr Naturführungen an. So kommt man der vielfältigen Natur im Thayatal am leichtesten auf die Spur!

Der NP Thayatal bietet rund ums Jahr Naturführungen an. So kommt man der vielfältigen Natur im Thayatal am leichtesten auf die Spur!

Wieder Zeit für Wünsche!

Liegestühle, Bänke, Klappsessel und Co. tummeln sich dieser Tage unter dem nächtlichen Himmel. Denn es ist wieder Zeit, die an Sternschnuppen reichen Augustnächte sind angebrochen!
Der Höhepunkt des Sternschnuppen-Regens ist zwar für gestern (12. August) prognostiziert gewesen, aber auch in den kommenden Nächten regnet es noch eifrig Wünsche. Woher der Kometenstaub, der so bezaubernd in der Erdatmosphäre verglüht, kommt, könnt ihr übrigens im Blogpost vom vergangenen August nachlesen.

Der Sternenhimmel über dem Nationalpark Thayatal. Durch die längere Belichtung kann die Bahn der Sterne sichtbar gemacht werden.

Wichtig: Damit ihr eure gesamte Wünsche-Liste abarbeiten könnt, ist zunächst mal ein freier Himmel vonnöten. Heute Nacht sieht es damit allerdings noch nicht so gut aus – endlich gibt’s ein wenig erfrischenden Regen! – aber in den kommenden Tagen geben die Wolken wieder den Blick auf den Himmel frei.
Und die zweite Grundvoraussetzung: Eine möglichst dunkle Nacht ohne störende Lichtquellen. Im NP Thayatal sind die Bedingungen dafür hervorragend. Und auch der Mond spielt momentan mit. Er nimmt zwar gerade zu, ist aber noch über eine Woche von seiner vollen Üppigkeit entfernt und geht gerade schon gegen 23:00 wieder unter.

Einer hellwachen Sternschnuppen-Nacht steht somit nichts mehr im Wege!

PS: Nächtlich geht’s auch gleich weiter im NP Thayatal. Kommenden Samstag tauchen wir ein in die spannende Welt der Fledermäuse. Ab 20:00! Alle Infos dazu gibt’s auf unserer Webseite.

Informieren statt Polarisieren

Gegen den Wind ist ja nichts einzuwenden, aber gegen Windkraft direkt am Nationalpark schon. Warum?
Die 26 Windräder, die vor den Pforten des NP Thayatal geplant sind – aber momentan auf Eis liegen – ragen etwas höher als der Wiener Stephansdom in den Himmel und bestreichen mit ihren Rotorblättern eine Fläche, die in etwa der Größe von zwei Fußballfeldern entspricht. Luftraum, der für Greifvögel, Fledermäuse und Schwarzstörche zur Gefahrenzone wird.

Kleine, leichtgewichtige Flieger, wie Fledermäuse brauchen aber erst gar nicht direkt mit den Windrädern zu kollidieren: Der hohe Druck im Umkreis der Windräder allein reicht aus, um ihre Lungen zum Platzen zu bringen. Schwarzstörche oder Seeadler, die sich mit der Thermik hochschrauben, werden über den Sog ebenfalls in die Windrad-Falle gezogen. Aus Studien weiß man, dass solche „Lebensräume“ – wenn sie nicht bereits tödliche “Nebenwirkung” hatten – von den Tieren in weiterer Folge gemieden werden.

Eine ganze Reihe interessanter Fakten rund um die Windkraft lässt sich in der aktuellen Sommerausgabe der Nationalpark Zeitschrift „Thayatal Inform“ nachlesen.
Denn Informieren statt Polarisieren lautet das Credo der Zeit!

Hier blitzt kein Windrad durch den Thayatal Wald, sondern nur die Sonne.