CSI Biber

Der Biber ist mittlerweile im Nationalpark Thayatal zu finden. Wie er sich dorthin vorgearbeitet hat, könnt ihr hier nachlesen.

Der Biber ist mittlerweile auch im Nationalpark Thayatal beheimatet. Wie er sich dorthin vorgearbeitet hat, lässt sich im NP Thayatal Blog nachlesen.

Die ersten Spuren im Nationalpark Thayatal ließen sich 2011 nachweisen. Wo? – Im Bereich des Umlaufbergs, bei der Kajabachmündung in die Thaya. Etwas später dann auch bei der Einsiedlerwiese. Der Biber (Castor fiber) hat sich vorgearbeitet!
Vor allem im Spätwinter 2013 deuten zahlreiche Nagespuren bei der Großen Umlaufweise auf seine Anwesenheit hin.
Der ultimative Beweis folgte noch im selben Jahr, genauer gesagt am 26. April. Barbara Hauser, die Wirtin des Gasthofs Hammerschmiede konnte via Handyfoto einen der großen Nager an der Fugnitz in Hardegg festhalten.
Die ganze Geschichte, wie es die Biber von Tschechien ins österreichische Thayatal geschafft haben,  könnt ihr hier nachlesen!

Großer Nager auf der Watchlist

Biber sind wahre Ökosystem-Ingenieure. Das haben wir schon oft gehört, doch was verbirgt sich hinter diesem sperrigen Begriff eigentlich? Ein Ökosystem-Ingenieur verändert seinen Lebensraum, das muss nicht immer zum Guten sein, im Fall des Bibers ist es das aber in der Tat.
Wie sich das äußert? Im Umkreis einer Biberburg halten sich bis zu achtzig Mal mehr Fische als im übrigen Bachverlauf auf. Dazu tragen u. a. die im Wasser liegenden umgenagten Baumstämme bei. Sie reichern durch Verwirbelungen das Wasser mit Sauerstoff an, dienen als Haftstruktur für den Fischlaich und werden von nahrhaften Algenrasen überwuchert. Auch an Land profitieren Kleinsäuger, seltene Vogelarten und Amphibien – wie Eisvogel oder Laubfrosch – sowie allerlei Insektenarten futter- wie unterschlupftechnisch von der Totholz-Oase.

Der Biber verändert seinen Lebensraum und schafft dadurch Futter und Unterschlupf für viele andere Tierarten.

Der Biber verändert seinen Lebensraum und schafft dadurch – über wie unter Wasser – Futter und Unterschlupf für viele andere Tierarten.

Klingt soweit gut, bloß stößt sich der Mensch – obwohl er selbst ein Ökosystem-Ingenieur ist – ein wenig an dieser Fähigkeit des Bibers. Vielleicht mit ein Grund, warum die Tiere zur Mitte des 19. Jahrhundert bei uns ausgerottet wurden? – Damals hatte man es aber eher auf sein Fleisch und das vermeintlich aphrodisierend wirkende Biberfett abgesehen.
In den späten 1970er Jahren haben sich die Menschen aber wieder für den Biber erwärmt und einige der großen Nager in den Donauauen vor Wien wiederangesiedelt. Mit Erfolg. Mittlerweile haben sie sich sogar wieder im Thayatal blicken lassen. Die ersten Nagespuren im Nationalpark Thayatal ließen sich 2011 nachweisen. Und im April 2013 folgte der ultimative Nachweis via Foto, ein Biber wurde auf frischer Tat ertappt, an der Fugnitz in Hardegg. Wer mehr über die Rückkehr des Bibers ins Thayatal erfahren möchte, kann sich einfach in den Blogbeitrag vom Jänner 2014 reinklicken.

Vor allem abends und nachts stehen die Chancen gut, die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere zu erspähen. Die strikten Vegetarier halten es in erster Linie damit, in Gewässernähe nach Nahrung Ausschau zu halten. Nur ungern entfernen sie sich mehr als 20 Meter vom Wasser, sie schwimmen einfach viel besser als sie an Land watscheln. Und bevor sie einen Baum umnagen – eine Pappel von 70 Zentimeter Stammdurchmesser schaffen sie in einer Nacht – knabbern sie pragmatischerweise lieber das Grünzeug ab, das ihnen vor die Zähne kommt. Von der Kelle, dem unbehaarten Schwanz, bis zur Nasenspitze erreichen sie bis zu 135 Zentimeter. Mit dieser Größe lässt sich viel frisches Grün erwischen.

Biber sind strikte Vegetarier.

Biber sind strikte Vegetarier und haben es besonders auf frische, grüne Triebe abgesehen. Bäume nagen sie nur dann um, wenn sich das Grün ansonsten rar macht bzw. um Vorrat für den Winter zu sammeln.

Dennoch scheinen sich die Menschen in ihrer eigenen Ökosystem-Ingenieurstätigkeit von den Bibern eingeschränkt zu fühlen. Ein häufiges Argument für Biber-Regulationen lautet, dass Biber unsere Sicherheit gefährden, sprich den Hochwasserschutz im wahrsten Sinne des Wortes untergraben.
Was es damit auf sich hat? – Nun, Biberfamilien bestehen in der Regel aus zwei bis vier Tieren und – je nach Nahrungsangebot – besiedeln sie zwischen 0,5 bis 5 Kilometer Uferlinie, manchmal auch bis zu 15 Kilometer. Die absoluten Biberzahlen entlang eines Gewässers halten sich damit also in Grenzen, aber es reicht mitunter die Emsigkeit einer einzigen Biberfamilie, um einen Hochwasserschutzdamm oder eine Uferböschung zu destabilisieren. Gleichzeitig sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Nager auch den gegenteiligen Effekt bewirken können. Durch das Abfressen von Weiden und Pappeln, die sich rasch verjüngen, tragen sie sogar zur Befestigung von Böschungen bei. Abhängig ist die Wirkung der Biber-Ingenieurstätigkeit stets von der jeweiligen Landschaftsstruktur, jedes Gewässer hat seine Spezifika, manche vertragen mehr Biber, andere weniger.

Mit ein Grund, warum das Land Niederösterreich 2015 eine Gesetzesänderung veranlasste. Biber – und übrigens auch Fischotter –, die bis dato im Jagdgesetz ganzjährig geschont waren, finden sich seit Neuestem im Naturschutzgesetz wieder. Der Unterschied? – Das Biber-Management lässt sich nun gezielter durchführen. Es geht nicht mehr darum, einzelne „Problembiber“ zu entnehmen – wie etwa bisher – sondern im Fall „problematischer Populationen“ – Lösungen für die ganze betroffene Region zu finden. Abschüsse sind – wie immer – das letzte Mittel der Wahl. Bevor es soweit kommt, bedienen sich die Biber-Verantwortlichen einer Reihe anderer Methoden, darunter bibersichere Gitter und Anstriche für Bäume, das Entfernen von Biberdämmen oder das Schließen von Biberröhren.

Sollte nichts helfen, sind Abschüsse nicht ausgeschlossen, allerdings machen sie aus verhaltensbiologischer Sicht wenig Sinn. Natürliche Feinde – à la Wolf, Luchs und Bär – haben nie einen entscheidenden Einfluss auf die Bestände der Biber genommen. Insofern muss der Mensch diese „Nische“ erst gar nicht einnehmen.
Und außerdem erobern Biber nur solange neuen Lebensraum, wie er verfügbar ist. Machen sich geeignete Uferabschnitte rar, regulieren sie ihren Bestand selber, und zwar mittels innerartlicher Revierkämpfe. Natürlicherweise sinkt in solchen Gebieten zudem die Fortpflanzungsrate.
Einige Experten sehen es überhaupt so: Würde man den Biber nach seinen Vorstellungen walten lassen, ließe sich viel Geld für Renaturierungen sparen.
Im Thayatal – soviel steht fest – ist er auf jeden Fall willkommen!
Die Causa Biber ist aber sicher noch lange nicht ad acta gelegt, Fortsetzung folgt bestimmt ;-)

Eine detektivische Spurensuche

Eigentlich sollte es ihn ja gar nicht mehr geben. 1869 wurde hierzulande der letzte Europäische Biber erlegt. Vor allem auf das Fleisch hatte man es ehemals abgesehen genauso wie auf das Bibergeil, ein fetthaltiges Sekret des Bibers, dem heilende und aphrodisierende Wirkung zugesprochen wurde.
Rund 100 Jahre danach, in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren feierte er mithilfe von Wiederansiedlungen in Österreich ein Comeback. Heute ist er auch im NP Thayatal auf dem Vormarsch. Indizien legen eine Spur von Tschechien nach Österreich. Aber der Reihe nach.

Hier lassen sich die Stationen der ersten Bibersichtungen von Tschechien ausgehend in Richtung Österreich nachverfolgen.

Hier lassen sich die Stationen der ersten Bibersichtungen von Tschechien ausgehend in Richtung Österreich nachverfolgen.

Erstmals ist ein Biber 1995 östlich von Znojmo (Znaim) gesichtet worden. Doch das Stadtgebiet und die Talsperre verhinderten das Einwandern in den grenzüberschreitenden Nationalpark. Durch den zwölf Meter hohen Damm wird hier das Wasser der Thaya zu einem Stausee aufgestaut und dient als Trinkwasserreservoir für die Stadt.
Schließlich gelang es dem Nager doch diese Hürde zu überwinden. Ein Stückchen weiter flussaufwärts, in der idyllischen Umgebung des Weinberges Šobes, der Teil des tschechischen Nachbar-Nationalparks Podyjí ist, hielt er sich ab 2008 längere Zeit auf. Von hier aus rückten die Biber immer weiter in den grenzübergreifenden Nationalpark vor. Ihre “Marschroute” war klar: In Richtung Westen!

Im Národní park Podyjí ging der Biber 2011 dann auch erstmals in die Falle, genauer gesagt in die Fotofalle.

Im Juni 2011 ging ein Biber im Národní park Podyjí, dem tschechischen Nachbar-Nationalpark, erstmals in die Fotofalle!

Im Juni 2011 wurde ein Biber im Národní park Podyjí, dem tschechischen Nachbar-Nationalpark, erstmals von einer Fotofalle ertappt!

2011 ließen sich die ersten Spuren schließlich auch im Nationalpark Thayatal nachweisen, im Bereich des Umlaufberges, bei der Kajabachmündung in die Thaya und etwas später bei der Einsiedlerwiese. Zahlreiche Nagespuren waren im Spätwinter 2013 im oberen Teil der Großen Umlaufwiese zu entdecken.

2013 ließen sich auch im Nationalpark Thayatal Biberspuren feststellen. Er hat sich "vorgenagt" ;)

2013 ließen sich zahlreiche Biberspuren auf der Großen Umlaufwiese feststellen. Er hat sich sozusagen “vorgenagt”.

Am 26. April 2013 folgte der ultimative Beweis an der Fugnitz in Hardegg. Ein Biber wurde erstmals auf frischer Tat ertappt und von Barbara Hauser, der Wirtin des Gasthofs Hammerschmiede, via Handyfoto festgehalten.

    Das Handy-Beweisfoto! Zugegebenermaßen ein wenig unscharf, aber eindeutig ein Biber, der hier an der Fugnitz in Hardegg unterwegs ist.

Das Handy-Beweisfoto! Zugegebenermaßen ein wenig unscharf, aber eindeutig ein Biber, der hier an der Fugnitz in Hardegg unterwegs ist.

„Es kann gut sein, dass sich der Biber an der strukturreichen Fugnitz weiter ausbreitet. Überhaupt findet er im Nationalpark Thayatal einen idealen Lebensraum vor“, meint dazu NP Thayatal Mitarbeiter Christian Übl und fügt hinzu: „Wir werden die Entwicklung des Biber-Bestandes im Nationalpark in jedem Fall weiter aufmerksam verfolgen.“

Wer selbst eine Folge „Biber CSI“ drehen möchte, kann sich jederzeit entlang der Nationalparkwege auf die Fährte der großen Nager begeben. Sowohl die Ufer der Thaya als auch die Mündung des Kajabaches eignen sich bestens dafür, um nach den charakteristischen Fraßspuren und Trittsiegeln Ausschau zu halten.
Die Indizien? – Spitze mit Krallen bestückte Zehen. Auf weichem Untergrund lassen sich auch die Schwimmhäute gut ausmachen. Vorderpfoten (bis zu 7 cm lang und etwa 4,5 cm breit) und Hinterpfoten (bis zu 17 cm lang und etwa 10 cm breit) unterscheiden sich deutlich in der Größe.
Und apropos Fraßspuren: Die charakteristisch angenagten Bäume treten erst mit Beginn der Winterszeit häufiger auf. In erster Linie fressen Biber nämlich gern frisches Grün, saftige Triebe und Blätter. Solange es genug krautige Pflanzen in ihrer Reichweite gibt, besteht also kein Bedarf Bäume umzunagen, um an die hochgelegenen Knospen und Blätter zu gelangen. Erst in der kalten Jahreszeit legt der Biber mehr Bäume um und schwenkt – mangels frischen Grüns – auf Rinde um, die nun seine Hauptnahrungsquelle bildet.

    Erst in der kalten Jahreszeit, wenn es an frischem Grün mangelt, nagt der Biber mehr Bäume um. Die Rinde von vor allem Pappeln oder Weiden bildet dann seine Hauptnahrungsquelle.

Erst in der kalten Jahreszeit, wenn es an frischem Grün mangelt, nagt der Biber mehr Bäume um. Die Rinde der Bäume bildet dann seine Hauptnahrungsquelle.