“Aprilwetter” im Winter – Wie reagiert die Tierwelt?

Eifriges Vogelzwitschern im Jänner. Amseln, Meisen und Co. sind bereits in Balzlaune. Die Weidenkätzchen scharren schon in den Startlöchern. Die Natur ist auf Frühling eingestellt. Aber der nächste Schnee steht schon wieder vor der Haustüre. Eben noch Föhnwetter mit Spitzenwerten von +16 Grad Celsius, im nächsten Moment fällt das Thermometer wieder in die Zone rund um den Gefrierpunkt.
Fragt sich bloß, wie geht die Tierwelt mit diesem „Aprilwetter“ mitten im Winter um?

Die Antwort: In der Regel erstaunlich gut. Im Detail ist das mitunter aber ganz verschieden. Siebenschläfer, zum Beispiel, verkriechen sich für ihre gut sieben– bis neunmonatige „Auszeit“ oft in Baumhöhlen, alten Eichhörnchenkobeln oder sie graben sich eine Höhle im Boden. In ihren Winterrefugien bleibt die Temperatur, unabhängig davon wie stark sie draußen auch schwankt, relativ konstant. Ob +16 oder -10, das kümmert den Siebenschläfer kaum.

Siebenschläfer4

Der Siebenschläfer lässt sich durch die schwankenden Außentemperaturen nicht so schnell aus der “Ruhe” bringen.

Für den Igel, der unter Laub- und Reisighaufen oder in Gartenhäuschen seinen Winterschlaf hält, sieht es da schon weniger rosig aus. Er ist den Außentemperaturen und ihren Schwankungen wesentlich stärker ausgeliefert.

Die winterlichen Wärmeperioden veranlassen die Winterschläfer aber für gewöhnlich nicht dazu, frühzeitig oder öfter als normalerweise zu erwachen. Eher das Umgekehrte kann der Fall sein. Bei Fledermäusen kennt man das sogenannte „Alarmaufwachen“. Die Tiere werden munter, falls die Umgebungstemperaturen über einen bestimmten Zeitraum zu tief fallen. Das bewahrt sie vor dem Kältetod und ermöglicht ihnen – so eine Alternative vorhanden ist – einen sichereren Ort zu suchen, um ihren Winterschlaf fortzusetzen.

Am einfachsten tun sich im Winter all jene, die Winterruhe (Eichhörnchen und Dachs) oder gar keine Form von Winterschlaf oder –ruhe halten (zum Beispiel der Fuchs). Wenn es kalt ist, drosseln sie ihre Aktivität, um weniger Energie zu verbrauchen und wenn es warm ist, setzen sie sich in Bewegung. Denn aufgrund der fehlenden Schneedecke lässt sich jetzt mehr Nahrung finden.

Eichhörnchen

Das Eichhörnchen profitiert von winterlichen Warmperioden, dann lässt sich nämlich mehr Nahrung finden. Wird es wieder kalt, drosselt es seine Aktivität.

Was geschieht allerdings mit jenen Tieren, die ihre Körpertemperatur nicht steuern bzw. stabil halten können? Wechselwarme Tiere wie etwa Insekten passen ihre Körpertemperatur der Umgebungstemperatur an. Für manche von ihnen, viele Eulenfalter zum Beispiel, stellt der „Warm-Kalt-Warm-Kalt-Winter“ kein Problem dar. Ist es kalt, sitzen sie starr in der Gegend herum, in milden Nächten dagegen fliegen sie einfach los und suchen nach faulem Obst.

Andere Insektenarten, wie etwa die im NP Thayatal vorkommenden Rundaugen-Mohrenfalter (Erebia medusa), können mit diesem Stoffwechsel-Jo-Jo nicht mithalten. Die Larven dieses Falters machen während des Winters eine sogenannte Diapause, eine Entwicklungsunterbrechung. Während der Diapause zehren sie nur von ihren Fettreserven und können keine weitere Nahrung zu sich nehmen. Das Problem: Steigen die Außentemperaturen, beginnen sie Energie zu verbrennen, der Stoffwechsel wird angekurbelt. Die Larven verbrauchen ihre Fettreserven, ohne „nachlegen“ zu können.

Der Rundaugen-Mohrenfalter

So hübsch sieht der Rundaugen-Mohrenfalter im Sommer aus. Seine Larven müssen es aber erst mal über den Winter schaffen. Wird es zu oft zu warm, verbrennen sie Energie. Problematisch ist das deswegen, weil sie nur von ihren Fettreserven zehren.

Da kann man nur die Daumen drücken, dass der Winter wieder zurückkehrt und die milden Temperaturen sich noch ein wenig Zeit lassen, bis zum Frühjahr!

Die Jedi-Meister unter den Winterruhern

Um einiges aktiver als die schaumgebremsten Siebenschläfer (siehe Blogbeitrag “Schläfst du oder ruhst du?“) geben sich in der kalten Jahreszeit die Eichhörnchen. Sie halten nämlich keinen Winterschlaf, sondern Winterruhe. D. h. ihre Ruhe- und Schlafphasen sind längst nicht so ausgeprägt wie die der Winterschläfer. Dazwischen sind Eichhörnchen häufig wach und gehen auf Nahrungssuche. Allerdings läuft alles ein wenig geruhsamer ab als im Sommer, denn ihre Stoffwechselaktivität lodert im Winter auf Sparflamme. Ihre Körpertemperatur wird jedoch – im Gegensatz zu den Winterschläfern – kaum abgesenkt.

Um erfolgreich den Winter zu überstehen, müssen Eichhörnchen erstens im Herbst ordentlich an Speck zulegen und zweitens genügend Nahrungsverstecke mit Bucheckern, Haselnüssen und anderen haltbaren Nüssen anlegen. Das Wiederfinden der Nahrungsdepots ist weniger eine Gedächtnisleistung – wie oft angenommen – als vielmehr eine Sache des Geruchs. Ihrer guten Nase verdanken sie es, dass sie im Winter keinen Hunger leiden müssen.

Und damit sie nicht frieren, wächst ihnen ein dichteres Winterfell, das meist etwas dunkler oder sogar graugefärbt ausfällt. Charakteristisch für das Winterfell sind zudem die mehrere Zentimeter langen Ohrpinsel, die im Sommerfell entweder nur klein ausgeprägt sind oder ganz fehlen. Manche Eichhörnchen erinnern mit dieser hippen “Ohrtracht” an den einen oder anderen Filmstar. Meister Yoda hätte seine Freude mit ihnen ;)

Eichhörnchen halten Winterruhe und erwachen während des Winters relativ häufig.

Eichhörnchen halten Winterruhe. Die langen Ohrpinsel sind typisch für das Winterfell, während sie im Sommerfell nur klein ausgeprägt sind oder ganz fehlen. Meister Yoda lässt grüßen!

Schläfst du oder ruhst du?

Wenn die Witterung harscher wird und das Futter knapp, legen sich manche Tiere auf die „faule Haut“. Sie halten Winterschlaf. Wobei Schlaf nicht gleich Schlaf ist. Konkret lässt sich deshalb der Winterschlaf von der Winterruhe unterscheiden.
In der Regel gilt: Winterschläfer reduzieren ihre Körpertemperatur und sämtliche Körperfunktionen wesentlich drastischer als Winterruher. Komplett den Winter verschlafen, das tun sie aber beide nicht. Allerdings erwachen die Winterruher relativ häufig, wohingegen die Winterschläfer oft tage- bis wochenlang entschlummern.

Einer der würdigsten Vertreter bzw. Repräsentanten des Winterschlafes ist wohl der Siebenschläfer. Etwa von Anfang Oktober bis Anfang Mai verkriecht er sich Baumhöhlen, um im Durchschnitt sogar acht Monate lang zu schlafen!
Wobei Schlaf vielleicht die falsche Bezeichnung ist, denn sie schlafen nicht in der Weise wie wir es allnächtlich tun, sondern verfallen in einen sogenannten Torpor. Dieser Schlafzustand geht einher mit einer stark abgesenkten, an die Umgebungstemperatur angepassten Körpertemperatur und einer deutlich verringerten Stoffwechselaktivität. Dabei kann die Körpertemperatur der Siebenschläfer nur knapp über Null Grad betragen und die Atmung reduziert sich auf ein bis zwei Atemzüge pro Minute. Zwischendurch kann es sogar zu Atempausen von mehreren Minuten kommen.

Ein richtiger "Schläfer" ist der Siebenschläfer, der auch im NP Thayatal häufig vorkommt.

Der im NP Thayatal häufig vorkommende Siebenschläfer wird seinem Namen vollends gerecht. Er ist ein richtiger Winterschläfer.

Alle paar Wochen werden die Torporphasen für mehrere Stunden durch kurze Aufwachphasen unterbrochen, in denen der Stoffwechsel wieder angekurbelt wird und die Tiere zu einer normalen Körpertemperatur zurückgelangen. Dabei erwachen die Siebenschläfer aber nicht wirklich.
Wozu sind solche Aufwachphasen dann gut? Forscher gehen davon aus, dass diese periodischen Wiedererwärmungen dazu dienen, den Körper vor Schäden zu schützen. Die geringe Körpertemperatur und die verlangsamte Stoffwechselaktivität schwächen nämlich das Immunsystem der Tiere.

Gleichzeitig bedeuten solche Aufwachphasen auch einen großen Energieaufwand für die Tiere, da Fettreserven zur Ankurbelung des Stoffwechsels verbrannt werden müssen.
Deshalb tun sich jene Siebenschläfer leichter, die sich vor dem Winterschlaf noch üppige Fettreserven angefressen haben. Im Gegensatz zu dünneren Tieren können sie ihre extra Reserven dazu nutzen, um ihren Stoffwechsel häufiger anzukurben und mehr Zeit bei normaler Körpertemperatur zu verbringen.
Mit mehr Fett auf den Rippen lässt es sich also genau genommen nicht besser schlafen, sondern besser und vor allem öfter “erwachen”! Und das ist wichtig, um die für den Körper herausfordernde Zeit des Winterschlafes gut und gesund zu überstehen.

Das haben übrigens u. a. Wissenschaftler der Vetmeduni Vienna herausgefunden, nähere Infos dazu gibt es hier.

Jene Siebenschläfer, die mehr Fettreserven für den Winterschlaf mitbringen, haben es leichter!

Jene Siebenschläfer, die mehr Fettreserven für den Winterschlaf mitbringen, schlafen nicht notwendigerweise besser, aber sie überleben die für den Körper strapaziöse Zeit besser!