Wer hat den Schwarzen Peter?

Schön ist er. Und was für ein Glücksgefühl, wenn die Suche endlich geklappt hat und seine Scheren unter der Wasseroberfläche aufblitzen.

Aber wie war das noch mal mit den Guten und den Bösen? Der Edelkrebs der Gute, der Signalkrebs der Böse? Letzterer steht quasi als Synonym für die Krebspest, die – wie der Name schon vermuten lässt – in kurzer Zeit ganze Krebsbestände auszulöschen vermag. Der nordamerikanische Signalkrebs breitet sich bei uns rasant aus und “verdrängt” den Edelkrebs. Also hat er den Schwarzen Peter?

Nicht so wirklich, denn ihn hat ja niemand gefragt, ob er Europäer werden möchte… und dass ihm der heimtückische Fadenpilz, der die Krebspest auslöst, nichts anhaben kann, ist – zumindet für ihn – eine prima Sache.
Um die in Europa durch die Krebspest verloren gegangenen Edelkrebsbestände zu ersetzen, wurden die Signalkrebse nämlich kurzerhand bei uns eingeführt. (Der Krebs wäre wohl kaum von selbst auf die Idee gekommen, von der Pazifikküste der USA  nach Europa aufzubrechen… dieser aggressive Ausbreitungsfanatiker).
Wie sooft bei der bewussten Einführung gebietsfremder Arten kam die Erkenntnis erst im Nachhinein. Die „Nordamerikaner“ sind nämlich nicht nur resistent gegen die Krebspest, sondern tragen auch zeitlebens den Erreger, den unscheinbaren Fadenpilz, in sich. Damit werden sie bei uns zu tickenden Zeitbomben, die der Krebspest zusätzlich Zündstoff liefern. Aber schuld an der Misere sind sie deswegen keineswegs.  

Ob er vor seinen nordamerikanischen Kollegen flüchtet? ;-)

Fazit: Ein völkerverbindendes Gipfeltreffen zwischen Signal- und Edelkrebs ist leider keine gute Idee. Aber „gut“ oder „böse“ sind sie beide nicht. – Im Thayatal residiert auf jeden Fall nach wie vor der Edelkrebs und erfreut sich bester Gesundheit!

Wo ist er hin?

Um die 17, manchmal sogar bis zu 20 Zentimeter können die Männchen unter ihnen groß werden. Damit hat sich der Edelkrebs den Titel „größte heimische Flusskrebsart“ gesichert. Groß sind auch die vordersten der 5 Paar Schreitbeine. Die kräftigen Scheren – unterseits auffällig orange-rot gefärbt – eignen sich hervorragend, um vorbeikommende Beute wie abgestorbene Pflanzenteile, Algen, Insektenlarven oder auch tote Weichtiere und Fische zu packen. Beobachtbar etwa im Nationalpark Thayatal entlang des Kajabaches, allerdings braucht es dafür ein wenig Geduld und Glück. Beim schnellen Hinsehen können die wirbellosen Flussbewohner komplett übersehen oder gar mit einem Stein verwechselt werden. Oberseits eher unauffällig bräunlich, grau gefärbt, verharren die Krebse oft lange Zeit regungslos im Wasser.

Aber wenn sich ein Edelkrebs mal in Bewegung setzt, können schon ein paar Sekunden Unaufmerksamkeit seitens des Beobachters reichen und weg ist der Krebs; verkrochen unter einem Stein, zurückgezogen in die überhängende Ufervegetation. Besonders schnell geht’s übrigens, wenn sich der Krebs in Gefahr wähnt. Ruckartig kann sich der fächerförmige Schwanz nach unten zur Bauchseite klappen, und so den „Turbo-Rückwärtsantrieb“ einschalten. Und weg ist er.

Kleines Entdeckerhandbuch

  1. Man wandere entlang des Kajabaches…
  2. … verharre an manchen Stellen regungslos…
  3. … lasse den Blick übers Wasser gleiten…
  4. … lasse den Blick nochmal übers Wasser gleiten…
  5. … und nochmal…
  6. … die Krebse sind – obwohl nachtaktiv – auch tagsüber zu sehen, wirklich!
  7. Und noch mal hinsehen…
  8. … genau, der vermeintliche Stein ist lebendig, voilà ein Edelkrebs ;)