Der perfekte Tag im Thayatal

Neu im Thayatal und noch am Überlegen, wie ihr euch die Natur dort am besten erschließen könnt? Auf der Suche nach einem abenteuerlichen Tag mit allen Highlights des Thayatals? Oder einfach experimentierfreudig? Dann seid ihr hier in jedem Fall richtig, beim „best of“-Thayatal, dem perfekten Tag durch ein einzigartiges Tal. Bereit? – Dann kann’s losgehen!

Der perfekte Tag startet am besten bei der Kajabachmündung in die Thaya, früh am Morgen!

Der perfekte Tag startet am besten bei der Kajabachmündung in die Thaya, früh am Morgen!

Station 1:
Der beste Start in den perfekten Tag erfolgt früh am Morgen, noch vor Sonnenaufgang. Spaziert noch in den Dämmerstunden durchs Kajabachtal mit dem Ziel zum Mündungsbereich an der Thaya zu gelangen. Und dann einfach auf den Sonnenaufgang warten, der die umgebenden Wälder langsam ins warme Licht taucht. – Magisch! Mit etwas Glück gelingen auch Eisvogel-, Schwarzstorch- oder sogar Fischottersichtungen. Der frühe Vogel fängt eben den Wurm ;)
Am besten zu kombinieren mit einem Frühstücks-Picknick bei der Mündung. So lässt man sich den Morgen schmecken!

Mit etwas Glück erspäht ihr beim Umlaufberg eine der ansässigen Smaragdeidechsen.

Mit etwas Glück erspäht ihr beim Umlaufberg eine der ansässigen Smaragdeidechsen.

Station 2:
Im Anschluss wandert ihr weiter bis zum Umlaufberg, genießt dort den Ausblick vom Überstieg und haltet nach Smaragdeidechsen Ausschau. Hier gibt’s nur ein Motto: Innehalten und die Ruhe des Tales in sich aufsaugen. Das kann  sogar den Gang zum Hausarzt ersetzen!
Die Rückwanderung durchs Kajabachtal dauert etwas mehr als eine Stunde. Vergesst nicht darauf am Weg immer wieder einen Blick in die ruhigeren Wassertümpel zu werfen, denn hier könnte sich ein Edelkrebs verbergen.

Station 3:
Im Nationalparkhaus Café- Restaurant könnt ihr Energie tanken, Mittagspause & Waldviertler Snack stehen am Programm. Das haben wir uns jetzt verdient und es schmeckt herrlich!

Beim Hennerweg Ausblick erwartet Euch ein Wald voller stattlicher Rotbuchen.

Beim Hennerweg Ausblick erwartet Euch ein Wald voller stattlicher Rotbuchen.

Station 4:
Am frühen Nachmittag bietet sich eine kurze Wanderung entlang des Hennerweges an. Dieser beginnt gleich gegenüber vom Nationalparkzentrum. Und der Lohn für den Ausflug? Ein toller Ausblick auf die Thaya, Hardegg und die Burg und ein wunderschöner Wald voller stattlicher Rotbuchen. Lasst die Waldluft intensiv durch eure Lungen strömen!

Station 5:
Die Uhrzeit könnt ihr an diesem Tag getrost vernachlässigen. Nur einmal macht es Sinn, einen Blick darauf zu werfen. Um 15:30 startet nämlich die Wildkatzenfütterung  im Nationalparkzentrum. Diese wollt ihr euch nicht entgehen lassen. Frieda und Carlo, die beiden Wildkatzenbotschafter des Nationalparks treten dann nämlich in Aktion und zeigen mit welcher Schnelligkeit sie ihr Futter erobern können. In den Sommermonaten Juli und August findet die Fütterung übrigens täglich statt.

Carlo in Aktion, wenn es um's Futter geht, kennen die Wildkatzen kein Pardon.

Carlo in Aktion, wenn es um’s Futter geht, kennen die Wildkatzen kein Pardon.

Station 6:
Zum Grande Finale, um das schmucke Hardegg umgeben von den dichten Thayatal Wäldern im spätnachmittäglichen Licht zu bestaunen, geht es nochmal hoch hinauf. Der Hardegger Rundwanderweg führt euch in knapp 20 Minuten zum Reginafelsen und wenn ihr noch ein paar Minuten drauflegt, dann könnt ihr von noch etwas höher, vom Maxplateau den Ausblick genießen. Ihr wandelt hier übrigens auf sagenhaften Pfaden – die Infoschilder entlang des Weges wissen mehr darüber zu verraten! Saugt die Stimmung noch mal so richtig auf und spürt schließlich vorausschauend in eure Bauchgegend. Hunger?

Abends lässt sich via Reginafelsen - hier im Bild - oder Maxplateau noch ein toller Blick auf die Burg Hardegg und das Städtchen erhaschen.

Abends lässt sich via Reginafelsen – hier im Bild – oder Maxplateau noch ein toller Blick auf die Burg Hardegg und das Städtchen erhaschen.

Station 7:
Dann gibt’s nur noch eins: Abendessen! Am besten lässt man es sich im Gasthaus Hammerschmiede zu Fuße des Reginafelsens schmecken. Hier serviert die Wirtin den legendären Waldviertler Mohnkarpfen. Sehr empfehlenswert!

Wir sind gespannt auf Eure Berichte zum perfekten Tag! – Probiert es aus! Der Sommer ist in jedem Fall noch lang und selbst wenn ihr keine Ferien habt, die Wochenenden warten auf euren perfekten Tag :)

Hoffnungsschimmer für den Edelkrebs

Vor einigen Jahrzehnten noch in praktisch allen Bächen und Flüssen Österreichs beheimatet, kommt der Edelkrebs heute nur mehr gelegentlich in kleineren Fließgewässern vor. Aus den breiten Strömen wie Donau, Enns und Mur sind die größten heimischen Flusskrebse längst verschwunden. Die verbliebenen leben nun hauptsächlich in Seen.

Geschätzte 100 Edelkrebs-Populationen gibt es in Österreich noch.

Flusskrebs-Experte Reinhard Pekny schätzt, dass es noch ungefähr 100 Edelkrebs-Populationen in Österreich gibt, der Großteil davon im Bundesland Kärnten, das Niederösterreich als Verbreitungs-Hotspot abgelöst hat.
Biologin Claudia Waitzbauer ergänzt: „Der Nationalpark Thayatal ist einer der extrem wenigen Standorte in Niederösterreich bzw. in Österreich überhaupt, wo eine gesunde Edelkrebs-Population nach wie vor in Fließgewässern vorkommt.“ Die Biologin registriert jedes Jahr die Flusskrebssichtungen im Nationalpark. Um den Bestand im Kajabach zu sichern, hat der NP Thayatal auch extra die Teiche im Oberlauf des Baches angepachtet. „Heuer ist der Wasserstand aufgrund der geringen Niederschläge leider sehr niedrig. Das ist eine schwierige Situation für die Edelkrebse, die nun um jedes Versteck stark kämpfen müssen“, berichtet Claudia Waitzbauer.

Doch wie kam es überhaupt soweit, dass der Edelkrebs nur noch an wenigen Rückzugsorten wie dem Nationalpark Thayatal vorkommt? – Das liegt zum einen an Pestiziden und Düngemitteln, die durch die intensivierte Landwirtschaft verstärkt in die Flüsse gelangten, zum anderen auch vor allem an der sogenannten Krebspest.
Hinter diesem Namen verbirgt sich ein mikroskopisch kleines Lebewesen, vermutlich ein Algenpilz, der sich im 19. Jahrhundert von Italien aus über ganz Mitteleuropa ausgebreitet hat; aller Wahrscheinlichkeit nach als blinder Passagier im Ballastwasser von Schiffen. Das brachte die heimischen Krebsbestände zum Schrumpfen und verschlimmerte sich noch mehr als nordamerikanische Flusskrebse wie Kamber- und Signalkrebs zur vermeintlichen Bestandsstützung eingebürgert wurden. Die Amerikaner können nämlich zeitlebens – ohne selbst an der Krebspest zu erkranken – den Algenpilz in sich tragen. Für den Edelkrebs und andere heimische Krebsarten sind sie deshalb tickende Zeitbomben, die auch noch zur Verbreitung der Krankheit beitragen. Im Nationalpark Thayatal haben die Edelkrebse Glück, hier gibt es weder Signalkrebse noch die Krebspest.

Aber auch dort, wo die Krebspest momentan grassiert, besteht Grund zur Hoffnung, denn aktuelle Forschungsergebnisse lassen aufhorchen: „Das erste Mal seit 150 Jahren gibt es Edelkrebse, die gegen die Krebspest immun sind“, freut sich Reinhard Pekny und ergänzt: „Sie haben sich schneller angepasst als wir erwartet haben.“
Das sind außerordentlich gute Nachrichten. Aber fällt der Natur auch ein „Gegenmittel“ ein, um den Signalkrebs einzudämmen, der sich rascher auszubreiten und erfolgreicher zu vermehren vermag als der Edelkrebs? – Möglicherweise. Denn der Edelkrebs ist Träger des einzelligen Parasiten Psorospermium haeckeli, der ihm selbst nichts zuleide tut. Gerät der Parasit jedoch an einen Signalkrebs, der noch dazu den Krebspesterreger in sich trägt, bricht die Krankheit beim Signalkrebs plötzlich doch aus.
So schnell lässt sich der Edelkrebs also nicht unterkriegen!

Nationalpark Thayatal Biologin Claudia Waitzbauer beim Vermessen eines Edelkrebses.

Nationalpark Thayatal Biologin Claudia Waitzbauer beim Vermessen eines Edelkrebses.

Wo ist er hin?

Um die 17, manchmal sogar bis zu 20 Zentimeter können die Männchen unter ihnen groß werden. Damit hat sich der Edelkrebs den Titel „größte heimische Flusskrebsart“ gesichert. Groß sind auch die vordersten der 5 Paar Schreitbeine. Die kräftigen Scheren – unterseits auffällig orange-rot gefärbt – eignen sich hervorragend, um vorbeikommende Beute wie abgestorbene Pflanzenteile, Algen, Insektenlarven oder auch tote Weichtiere und Fische zu packen. Beobachtbar etwa im Nationalpark Thayatal entlang des Kajabaches, allerdings braucht es dafür ein wenig Geduld und Glück. Beim schnellen Hinsehen können die wirbellosen Flussbewohner komplett übersehen oder gar mit einem Stein verwechselt werden. Oberseits eher unauffällig bräunlich, grau gefärbt, verharren die Krebse oft lange Zeit regungslos im Wasser.

Aber wenn sich ein Edelkrebs mal in Bewegung setzt, können schon ein paar Sekunden Unaufmerksamkeit seitens des Beobachters reichen und weg ist der Krebs; verkrochen unter einem Stein, zurückgezogen in die überhängende Ufervegetation. Besonders schnell geht’s übrigens, wenn sich der Krebs in Gefahr wähnt. Ruckartig kann sich der fächerförmige Schwanz nach unten zur Bauchseite klappen, und so den „Turbo-Rückwärtsantrieb“ einschalten. Und weg ist er.

Kleines Entdeckerhandbuch

  1. Man wandere entlang des Kajabaches…
  2. … verharre an manchen Stellen regungslos…
  3. … lasse den Blick übers Wasser gleiten…
  4. … lasse den Blick nochmal übers Wasser gleiten…
  5. … und nochmal…
  6. … die Krebse sind – obwohl nachtaktiv – auch tagsüber zu sehen, wirklich!
  7. Und noch mal hinsehen…
  8. … genau, der vermeintliche Stein ist lebendig, voilà ein Edelkrebs ;)

 

Gut Ding braucht Weile

Der Spruch ist alt, aber es ist einfach was Wahres an ihm dran.
Marc und ich spazierten dieser Tage entlang des Kajabachs.
Erstmals, nach vielen schwülheißen Tagen, stehen die Chancen gut, um Amphibien zu Gesicht zu bekommen. Und es dauert auch tatsächlich nicht lange, bis sich die Blätter vor uns zu bewegen beginnen. Würden Springfrösche, Erdkröten und Co. sich nicht mit ihren Sprungbeinen in Szene setzen, es wäre unmöglich sie inmitten der erdigen Töne des Waldbodens ausfindig zu machen.

Während nun Marc sich einem Springfrosch widmet, der für ihn neben einem Baumstamm posiert, suche ich am Ufer der Kaja weiter nach anderen Wasserliebhabern. Da sticht mir plötzlich ein dicker oranger Frosch mit dunklen Flecken ins Auge (vermutlich ein Grasfrosch). Er hockt regungslos in der vom Wasser umspülten Ufervegetation. Begeistert teile ich mit Marc meine Entdeckung, der sich von seinem “Springfrosch-Fotomodell” nur umzudrehen braucht, um einen Blick auf den Grasfrosch zu erhaschen.

Ein bisschen nur irritiert mich Marcs Verhalten, er blickt nämlich gut einen halben Meter am Frosch vorbei und ist vollends hingerissen, dass ich den Edelkrebs entdeckt habe! Ich seh nur den Frosch, wo soll da ein Krebs sein?! Unbeweglich hockt dieser einen Meter von mir entfernt als braune, längliche Erhebung im Wasser. Seine großen Scheren kann ich aus dieser Position nicht erkennen, dafür sieht sie Marc umso besser.

Beim flotten Vorbeiwandern hätten wir gar keines dieser drei Tiere wahrgenommen. Bei näherer Inspektion tauchte der Springfrosch auf, nach noch längerer Zeit ließ sich der zweite, bunte Frosch blicken und schließlich öffnete sich unser Blick für den König des Flusses, den in Österreich seltenen Edelkrebs.
Alles, was es dazu braucht, sind Zeit, Geduld und Muße  …. Viel Freude beim Entdecken!