Es grünt so grün

Bevor die Laubbäume ihre Blätter ganz entfalten, macht eine Heerschar von kleinen Waldboden-Pflanzen dem Grau des Winters bereits den Garaus. Es wird wieder grün!

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Wer dafür verantwortlich schreibt? – Etwa die Leberblümchen. Nach ihrer frühen Blüte entstehen nun die brandneuen Leberblümchen-Laubblätter, die im Unterschied zu den matten, dunklen Vorjahres-Laubblättern strahlend frisch und saftig grün sind.
Das Scharbockskraut sorgt für Teppiche von kleinen nieren- bis herzförmigen Blättern. In Maßen genossen sehr schmackhaft, aber Achtung vor Verwechslungen mit der giftigen Haselwurz.
Wie ihr solche Verwechslungen ausschließen könnt und wer noch seine ersten frühen Laubblätter im Nationalpark Thayatal gegen den Winter aufmarschieren lässt, das könnt ihr hier nachlesen.

Warum der Wald grün ist

Schon einmal über die Frage nachgegrübelt, wieso die Blätter der Pflanzen eigentlich grün erscheinen? Und wer dafür verantwortlich ist?
Der Schlüssel zur Beantwortung dieser Frage liegt im Chlorophyll, besser bekannt als das Blattgrün. Dabei handelt es sich um ein Farbpigment-Molekül, das in großen Mengen in allen grünen Pflanzenteilen enthalten ist.
Scheint als wäre dies bereits die Lösung. Aber das Chlorophyll ist nicht von sich aus grün, sondern es wird sozusagen erst grün.

Entscheidend dafür, dass wir „grün“ sehen, ist die Photosynthese, jener Prozess in Pflanzen, der es vermag aus Sonnenenergie organische Substanzen wie etwa Traubenzucker herzustellen. Damit die Photosynthese stattfinden kann, braucht es das Chlorophyll. Seine Aufgabe ist es, das Licht von der Sonne „aufzufangen“. Dabei agiert das Blattgrün allerdings selektiv. Nicht das ganze Licht, also nicht alle Wellenlängen des sichtbaren Lichts kommen dafür in Frage, sondern nur bestimmte Bereiche. Das Chlorophyll hat es vor allem auf die roten und blauen Wellenlängen abgesehen. Diese absorbiert das Farbmolekül besonders stark. Grüne Strahlen lässt das Chlorophyll dagegen gewissermaßen links liegen. Sie werden kaum oder gar nicht absorbiert.
Aber was passiert nun mit der grünen Farbe? Sie wird reflektiert und landet geradewegs auf unserem Sehnerv! Wir sehen also grün, weil das jener Wellenlängenbereich des sichtbaren Lichts ist, der übrig bleibt, nachdem die anderen Farben absorbiert wurden.

Das in den Laubblättern enthaltene Chlorophyll absorbiert rotes und blautes Licht. Wir sehen grün, weil dieser Anteil des sichtbaren Lichts reflektiert wird!

Das in den Laubblättern enthaltene Chlorophyll absorbiert rotes und blaues Licht. Wir sehen grün, weil dieser Anteil des sichtbaren Lichts reflektiert wird!

Und wie erklärt sich der Farbumschwung im Herbst? Von grüner Farbe keine Spur mehr. Stellt das Chlorophyll im Herbst seine Funktion ein, absorbiert es plötzlich andere Farbbereiche? – Weder noch, es wird in Sicherheit gebracht, d. h. aus den Blättern in Stamm und Wurzeln verfrachtet. So gehen die wertvollen chemischen Bausteine nicht verloren – wenn die Blätter abfallen – und stehen für den Laubaustrieb im nächsten Frühjahr wieder bereit. Orange, gelbe und rote Farbstoffe, die Carotine haben nun das Sagen. Und sie tun es dem Chlorophyll gleich: Auch sie absorbieren Licht und lassen uns das sehen, was für sie „uninteressant“ ist.