Vom Pollenkorn zur Frucht

Wer denkt schon beim Biss in einen Apfel, auf welch faszinierende Weise er entstanden ist? – Um den Apfel und all die anderen Blütenpflanzen zu würdigen, die ständig rings um uns herum wahre Wunder vollbringen, wollen wir heute ein klein wenig in ihre Welt abtauchen.

Dafür heften wir uns an die Fersen eines Pollenkorns, das seine Bestimmung erfüllen möchte. Und was ist seine Bestimmung? Die richtige Blüte finden! Bei der Menge an Pollen, die im Frühjahr durch die Luft transportiert wird – ob per Wind oder Insektenanhalter – ist es schon erstaunlich, dass viele von ihnen letztlich ankommen.

Doch was ist ihr „Geheimrezept“, wie finden sie den Weg zu ihrer Blüte? – Mit dem richtigen Äußeren! Pollenkörner haben feste Oberflächen, die ganz unterschiedlich gestaltet sind. Die einen sind übersät mit „Stacheln“, die anderen wirken wie eine Berg- und Tallandschaft, wieder andere könnten als Wollknäuel-Double durchgehen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die Vielfalt ist so enorm, dass doch tatsächlich jede Pflanze ihre eigenen, unverwechselbaren Pollenkörner besitzt.

Die kleinen Erbinformationsträger sind sogar so stabil, dass sie als Fossilien überdauern können und Forschern Einblicke in die Vegetation der Urzeit oder in die Essgewohnheiten früher Kulturen gewähren.

Aber zurück in die Gegenwart. Angenommen, ein männliches Pollenkorn landet auf der weiblichen Narbe. Was passiert danach?
Das erfahren wir gleich, denn zuerst müssen wir kurz unsere blütenbiologischen Kenntnisse auffrischen. Die männlichen Blütenanteile werden Staubblätter genannt, sie bestehen jeweils aus einem Staubfaden und einem Staubbeutel, in dem die Pollenkörner gebildet werden. Die weiblichen Blütenteile finden sich im sogenannten Fruchtblatt, das aus drei Teilen besteht: dem Fruchtknoten, dem als Faden ausgebildeten Griffel und zuoberst der Narbe, an deren klebriger Oberfläche das Pollenkorn haften bleibt.
Sobald die Narbe das Pollenkorn als Artgenossen erkennt, beginnt das Pollenkorn zu keimen. Es bildet einen sogenannten Pollenschlauch, der durch den weiblichen Griffel nach unten in Richtung Fruchtknoten wächst. Über den Pollenschlauch gelangen die Spermazellen in den Fruchtknoten und befruchten dort die Eizelle. Das ist der Startschuss, damit aus dem Fruchtknoten der Apfel wird.

Also beim nächsten Bissen ein bisschen mehr Ehrfurcht, immerhin hat sich die Blüte ordentlich ins Zeug gelegt, um diese saftige Frucht hervorzubringen.

Richtig, das ist keine Apfelblüte. Test bestanden ;-) Aber die Blüte des Türkenbundes lässt die männlichen und weiblichen Blütenorgane gut erkennen. Im Zentrum ist der Griffel mit der daraufsitzenden Narbe sichtbar (der Fruchtknoten ist hier nicht sichtbar).

Richtig, das ist keine Apfelblüte. Test bestanden ;-) Aber die Blüte des Türkenbundes lässt die männlichen und weiblichen Blütenorgane gut erkennen. Im Zentrum ist der Griffel mit der daraufsitzenden Narbe sichtbar (der Fruchtknoten lässt sich aus dieser Perspektive nicht ausmachen). Rund um das weibliche Fruchtblatt befinden sich die männlichen Staubblätter, jeweils bestehend aus dem dünnen Staubfaden und den daraufsitzenden Staubbeuteln. Alles klar?

Gut getrickst!

Zu den farbenprächtigsten Pflanzen der Thayatal Wiesen zählt mit Sicherheit der Wiesensalbei (Salvia pratensis). Besonders auffällig sind seine markant gebauten blau-violetten Blüten, die aus einer Ober- und einer Unterlippe bestehen.

Die Bauweise ist in der Tat nicht nur markant, sondern auch sehr gefinkelt. Neben dem eiweißreichen Pollen interessieren sich Blütenbesucher vor allem für den zuckerreichen Nektar. Der Wiesensalbei „versteckt“ die beliebte süße Speise tief am Blütengrund. Nur langrüsselige Insekten, wie Hummeln, haben eine Chance den begehrten Nektar zu erreichen.
Genau auf diese hat es der Wiesensalbei auch abgesehen. Sobald eine Hummel auf der Suche nach Nektar in die Blüte vordringt, löst sie einen kleinen Hebel (einen umgewandelten Teil des Staubbeutels) aus. Dieser bewirkt, dass die in der Oberlippe verborgenen Staubblätter nach unten klappen und ihre Pollenpakete direkt auf den Hinterleib der Hummel entladen. Der Pollen bleibt haften und wird beim Besuch der nächsten Wiesensalbei-Blüte an der Narbe des Stempels abgestreift. So schnell geht’s mit der Befruchtung. Die Hauptakteurin, die Hummel, bekommt von dem ihr aufgebrummten Wegzoll rein gar nichts mit, spielt sich doch alles hinter ihrem Rücken ab ;) Ein guter, aber auch fairer Trick!

Die Staubbeutel der Blüte befinden sich verborgen in der Oberlippe. Nur der weibliche Teil der Blüte, der Stempel mit der Narbe, ragt hervor. Landet eine Hummel auf der Unterlippe und sucht nach Nektar, klappen die Staubbeutel auf ihren Rücken. Beim nächsten Besuch streift sie den Pollen an der Narbe ab.

Die Staubbeutel der Blüte befinden sich verborgen in der Oberlippe. Nur der weibliche Teil der Blüte, der Stempel mit der zweiteiligen Narbe, ragt hervor. Landet eine Hummel auf der Unterlippe und sucht nach Nektar, klappen die Staubbeutel auf ihren Rücken. Beim Besuch der nächsten Blüte streift sie den Pollen an der Narbe ab.