Nimmersatte Spanner

„Sie sind zur Zeit sehr auffällig im Thayatal. Viele Besucher, die ins Nationalparkhaus kommen, tragen einige von ihnen schon mit sich herum.“ Nationalparkmitarbeiter Christian Übl spricht von den Frostspannern, kleinen, aber rasch wachsenden grünen Raupen, die sich gerade überall im Wald „abseilen“.
Wenn sich nämlich besonders viele Raupen in den Baumkronen von Eichen, Buchen, Ahornen und Obstbäumen tummeln, schrumpft das Nahrungsangebot. Als Konsequenz spinnen die Raupen Fäden, an denen sie herabbaumeln und sich vom Wind ein Stück weit forttragen lassen. In der Hoffnung, ein futterreiches Plätzchen ausfindig zu machen.

Alle paar Jahre kommt es zu einem solch massenhaften Auftreten der Spannerraupen, deren Name übrigens von ihrer markanten Fortbewegungsweise herrührt. Sie setzen die am Körperende befindlichen Bauchfüßchen dicht an die vorderen Beinpaare. Das ergibt – je nach Betrachtungsweise – eine Brücke oder einen Katzenbuckel.

Unverkennbar, die Fortbewegung der Spannerraupen.

Unverkennbar, die Fortbewegung der Spannerraupen mit dem “Katzenbuckel”.

Auch wenn die Spanner in Heerscharen über den Wald hereinbrechen, die Natur ist darauf vorbereitet und kennt keine Panik. Vermehren sich die Spanner rasant, vermehren sich auch ihre Gegenspieler, Schlupfwesen und Raupenfliegen, verstärkt. Es dauert nicht lange und die Spannerpopulationen sind wieder unter Kontrolle. Im Jahr darauf finden sich dann überhaupt nur wenige Raupen auf den Bäumen.

Selbst wenn nichts als ein paar Blattrippen und Stiele übrig bleiben, verkraften die meisten Bäume die „Fressattacken“ erstaunlich gut. Denn der „All you can eat“-Spaß der Raupen endet spätestens nach vier Wochen, wenn sie in Richtung Boden wandern, um sich dort zu verpuppen. Danach treiben viele Bäume einfach neue Blätter aus und schon im Juni oder Juli ist der überwiegende Teil der abgefressenen Blätter durch neue ersetzt.

Im Herbst, oft erst nach dem ersten Frost, schlüpfen schließlich die Falter aus den Puppen. Die Männchen schwärmen in der Dämmerung und nachts aus, um sich auf die Suche nach den Weibchen zu begeben, die rein optisch gar nichts mit einem Schmetterling gemeinsam haben. Ihre Flügel sind verkümmert, deshalb krabbeln sie anstatt zu fliegen. Vom Boden klettern sie die Baumstämme nach oben, wo die Paarung stattfindet. In Rindenritzen werden die Eier, in denen die nächste Raupengeneration heranreift, dann abgelegt. Startklar für das nächste Frühjahr.

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