Mini-Sender machen’s möglich

„Mittlerweile haben sie sich schon zurückgezogen und sichere Plätze für den Winter aufgesucht. Meist geschieht dies bereits gegen Ende September, Anfang Oktober, je nach Witterung“, sagt Mojmír Vlašín vom Ecological Institute Veronica, der an Schlangen im Národní park Podyjí forscht.

Er spricht von den Äskulapnattern (siehe Blogbeitrag “Beschuppt und zart zugleich”), jenen ungiftigen Schlangen, die in Europa zu den längsten zählen. Bis zu zwei Meter können die oberseits dunkel und am Bauch hell gefärbten Schuppentiere lang werden. Im grenzüberschreitenden Nationalparkgebiet tummeln sie sich etwa am tschechischen Weinberg Šobes und in der Burgruine Nový Hrádek oder im Bereich  des österreichischen Umlaufberges und der Ruine Kaja.

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Äskulapnattern zählen zu den längsten Schlangen Europas, denn sie können bis zu zwei Meter lang werden.

Woher man das alles weiß? – Drei Jahre lang haben Mojmír Vlašín und Blanka Mikátová gemeinsam mit ihren Kollegen an einem grenzüberschreitenden Forschungsprojekt gearbeitet, das nicht nur herausfinden wollte, wo und wie die Schlangen genau leben, sondern auch wie sie sich bewegen. Dazu pflanzten die Wissenschaftler den Reptilien Mini-Sender ein. Ein kleiner Eingriff, der den Tieren keinen Schaden zufügt, aber spannende Erkenntnisse liefert. Denn bis vor kurzem war nur wenig über das Migrationsverhalten der Äskulapnattern bekannt. Außerdem wusste niemand, an welche Orte sich die Tiere für den Winter zurückziehen.

„Jetzt kennen wir zumindest zwei Überwinterungsplätze“, freut sich Mojmír Vlašín und ergänzt: „Die Äskulapnattern verbringen den Winter an überraschend hoch gelegenen Stellen, etwa 80, 90 Meter über dem Fluss. Auf diese Weise sind sie vor möglichen Frühjahrshochwässern geschützt.“ Die Kenntnis der Überwinterungsorte ist auch deswegen von großer Bedeutung, weil sich dadurch Störungen besser vermeiden lassen. D. h. Managementmaßnahmen, die jene Orte betreffen, an denen die Schlagen überwintern, werden entweder gar nicht durchgeführt oder finden zu einer anderen Zeit statt.

Schlange

Die beiden Forscher Blanka Mikátová und Mojmír Vlasín bei der Feldarbeit. Mit einer sogenannten Yagi-Antenne, einer Richtantenne, lassen sich die Signale der eingepflanzten Sender auffangen.

Und was haben die Forscher über die Wanderungen der Tiere herausgefunden? Mojmír Vlašín  hat auch dazu eine Antwort: „Basierend auf früheren Studien gingen wir davon aus, dass die Tiere ungefähr 4 Kilometer weite Wanderungen unternehmen. Aber es stellte sich heraus, dass von den besenderten Schlangen keine mehr als 1,2 Kilometer zurückgelegt hat.“
Allerdings konnten nur 14 Schlangen mit Mini-Sendern ausgestattet werden, weil es sich dabei um eine sehr kostspielige Methode handelt. Ein kleiner Wermutstropfen der Studie, dennoch lieferten die Anstrengungen der Forscher spannende Erkenntnisse, die in weiterer Folge für den Schutz der Äskulapnattern wichtig sind.

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