Hoffnungsschimmer für den Edelkrebs

Vor einigen Jahrzehnten noch in praktisch allen Bächen und Flüssen Österreichs beheimatet, kommt der Edelkrebs heute nur mehr gelegentlich in kleineren Fließgewässern vor. Aus den breiten Strömen wie Donau, Enns und Mur sind die größten heimischen Flusskrebse längst verschwunden. Die verbliebenen leben nun hauptsächlich in Seen.

Geschätzte 100 Edelkrebs-Populationen gibt es in Österreich noch.

Flusskrebs-Experte Reinhard Pekny schätzt, dass es noch ungefähr 100 Edelkrebs-Populationen in Österreich gibt, der Großteil davon im Bundesland Kärnten, das Niederösterreich als Verbreitungs-Hotspot abgelöst hat.
Biologin Claudia Waitzbauer ergänzt: „Der Nationalpark Thayatal ist einer der extrem wenigen Standorte in Niederösterreich bzw. in Österreich überhaupt, wo eine gesunde Edelkrebs-Population nach wie vor in Fließgewässern vorkommt.“ Die Biologin registriert jedes Jahr die Flusskrebssichtungen im Nationalpark. Um den Bestand im Kajabach zu sichern, hat der NP Thayatal auch extra die Teiche im Oberlauf des Baches angepachtet. „Heuer ist der Wasserstand aufgrund der geringen Niederschläge leider sehr niedrig. Das ist eine schwierige Situation für die Edelkrebse, die nun um jedes Versteck stark kämpfen müssen“, berichtet Claudia Waitzbauer.

Doch wie kam es überhaupt soweit, dass der Edelkrebs nur noch an wenigen Rückzugsorten wie dem Nationalpark Thayatal vorkommt? – Das liegt zum einen an Pestiziden und Düngemitteln, die durch die intensivierte Landwirtschaft verstärkt in die Flüsse gelangten, zum anderen auch vor allem an der sogenannten Krebspest.
Hinter diesem Namen verbirgt sich ein mikroskopisch kleines Lebewesen, vermutlich ein Algenpilz, der sich im 19. Jahrhundert von Italien aus über ganz Mitteleuropa ausgebreitet hat; aller Wahrscheinlichkeit nach als blinder Passagier im Ballastwasser von Schiffen. Das brachte die heimischen Krebsbestände zum Schrumpfen und verschlimmerte sich noch mehr als nordamerikanische Flusskrebse wie Kamber- und Signalkrebs zur vermeintlichen Bestandsstützung eingebürgert wurden. Die Amerikaner können nämlich zeitlebens – ohne selbst an der Krebspest zu erkranken – den Algenpilz in sich tragen. Für den Edelkrebs und andere heimische Krebsarten sind sie deshalb tickende Zeitbomben, die auch noch zur Verbreitung der Krankheit beitragen. Im Nationalpark Thayatal haben die Edelkrebse Glück, hier gibt es weder Signalkrebse noch die Krebspest.

Aber auch dort, wo die Krebspest momentan grassiert, besteht Grund zur Hoffnung, denn aktuelle Forschungsergebnisse lassen aufhorchen: „Das erste Mal seit 150 Jahren gibt es Edelkrebse, die gegen die Krebspest immun sind“, freut sich Reinhard Pekny und ergänzt: „Sie haben sich schneller angepasst als wir erwartet haben.“
Das sind außerordentlich gute Nachrichten. Aber fällt der Natur auch ein „Gegenmittel“ ein, um den Signalkrebs einzudämmen, der sich rascher auszubreiten und erfolgreicher zu vermehren vermag als der Edelkrebs? – Möglicherweise. Denn der Edelkrebs ist Träger des einzelligen Parasiten Psorospermium haeckeli, der ihm selbst nichts zuleide tut. Gerät der Parasit jedoch an einen Signalkrebs, der noch dazu den Krebspesterreger in sich trägt, bricht die Krankheit beim Signalkrebs plötzlich doch aus.
So schnell lässt sich der Edelkrebs also nicht unterkriegen!

Nationalpark Thayatal Biologin Claudia Waitzbauer beim Vermessen eines Edelkrebses.

Nationalpark Thayatal Biologin Claudia Waitzbauer beim Vermessen eines Edelkrebses.

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