Erneuerbare Energien um jeden Preis?

Der Nationalpark Thayatal beschützt an der Grenze zu Tschechien im niederösterreichischen Waldviertel einen kleinen, aber sehr feinen Naturschatz. Mit der Stolz des Nationalparks sind die seltenen Schwarzstörche, die im Sommer durchs Tal ziehen, die prächtigen Seeadler, die an den eisfreien Wassern der Thaya im Winter Nahrung finden und viele andere Vogel- und vor allem auch Fledermausarten. Für diese Luftbewohner wie auch für alle anderen tierischen Bewohner des Thayatals endet ihr Lebensraum natürlich nicht an den imaginären Grenzen des Nationalparks. Die direkt angrenzenden Waldgebiete sind für sie genauso wichtig. Doch genau dort, in unmittelbarer Nähe des Nationalparks sollen sich ab 2015 gigantische Rotorblätter drehen. Bis zu 25 Windräder von jeweils knapp 200 Meter Höhe, die jeden Urwaldriesen um Längen überragen, sollen auf 2000 Hektar Waldfläche westlich an den Nationalpark angrenzend, zwischen Riegersburg und Weitersfeld, in Zukunft für saubere, erneuerbare Energie sorgen.

Verdunkeln bald Rotorblätter den Naturschutzgedanken in Österreich?

Aber wie erneuerbar ist der Nationalpark? Zwar wird die gesetzlich vorgeschriebene Mindestentfernung von zwei Kilometern zum Nationalpark eingehalten, aber was bedeuten diese Mindestkilometer etwa einem Seeadler, der für diese Distanz nur ein paar Flügelschläge benötigt?
Es geht allerdings nicht nur um den Seeadler, es geht in der Tat um den ganzen Nationalpark. Es geht um die vielfältige Natur des Waldviertels. Und es geht um unsere Energiezukunft.
Eine Studie von Forschern der Universität Harvard in Cambridge, Massachusetts fand heraus, dass ein Netzwerk aus 2,5 Megawatt-Windenergie-Anlagen, errichtet auf unbewaldeten, eisfreien und unbevölkerten Gebieten, den globalen Energieverbrauch gleich fünfmal decken könnte. Eine fulminante Erkenntnis! Aber wollen wir eine Welt die mit Kraftwerken, gleich welcher Art, vollgepflastert ist? Oder wollen wir eine Welt, in der auch Raum für intakte Natur bleibt? Sollte letzteres der Fall sein, dann wäre es höchst an der Zeit, dass wir statt weiter exzessiv Kraftwerksanlagen zu erbauen, uns Gedanken darüber machen, wie wir unseren Energiebedarf reduzieren können…

Wollen wir eine von Kraftwerksanlagen zugepflasterte Welt, in der kein Raum mehr für intakte Natur übrig bleibt?

Erneuerbare Energien müssen gefördert werden, aber nicht um jeden Preis. Es gilt abzuwägen, an welchem Ort und in welcher Form ein Projekt Sinn macht. Das betonte unlängst auch Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll auf Radio NÖ. Er äußerte sich zum geplanten massiven Windkraft-Ausbau in Niederösterreich folgendermaßen: Der Ausbau sei ökologisch notwendig und finanziell lukrativ für die Gemeinden. Allerdings stellte er auch fest, „wenn wir diesen Weg allzu intensiv gehen, leidet die Ästhetik darunter“. Und er fügte hinzu, dass Windräder in Zukunft nur noch „in exponierten Lagen“ gebaut werden sollten, wo auch der Wind stark genug sei.

Nicht nur die Ästhetik leidet, sondern auch der Naturschutz. Das 2000 Hektar große Windrad-Gebiet, direkt an den Pforten des 1330 Hektar großen Nationalparks Thayatal ist weder ein unbewaldetes Gebiet noch ein unbevölkertes und auch kein exponiertes … Es ist ein Gebiet, in dem Menschen leben und in dem sich eine einzigartige Natur befindet, die es zu bewahren gilt. Der Nationalpark Thayatal wird sich dafür einsetzen, damit auch zukünftige Generationen diese Natur erleben können. Nationalpark-Direktor Robert Brunner dazu: „Niederösterreich hat sich vor über 15 Jahren für die Nationalparks Donauauen und Thayatal entschieden. Ein wichtiges Signal und ein Bekenntnis für den Naturschutz. Diese hochwertigen Schutzgebiete sollten jetzt nicht durch überstürzte und rein wirtschaftlich begründete Entscheidungen gefährdet werden.“

Die Europäische Wildkatze galt bei uns lange Zeit als ausgestorben. 2007 konnte sie erstmals wieder in Österreich nachgewiesen werden. In den Wäldern des Nationalparks Thayatal. Naturschutz zeigt Wirkung…

Der oberösterreichische Nationalpark Kalkalpen hat dieser Tage bereits ein entscheidendes Zeichen für den Naturschutz gesetzt. Das Kuratorium des Nationalparks, dem Jägerschaft, Almbauern, alpine Vereine und Naturschutzorganisationen wie der WWF angehören, hat einstimmig beschlossen, dass in keiner der 17 Mitgliedsgemeinden der Nationalparkregion Windräder aufgestellt werden dürfen. Denn Naturschutz endet nicht an den Pforten des Nationalparks.

Sind wir für erneuerbare Energien? Natürlich! Aber nicht um jeden Preis…


Tipp:

Am Mittwoch, 3. April findet zwischen 15 und 19 Uhr eine Informationsveranstaltung der Bundesforste, die den Windpark nahe am Nationalpark betreiben möchten, statt.
Der voraussichtliche Ort für die Veranstaltung ist die Volksschule Pleißing (kann noch geändert werden und wird hier, sollte dies der Fall sein, noch bekannt gegeben).
Interessierte Bürger können sich dort in persönlichen Gesprächen zum geplanten Ausbau der Windkraft im Waldviertel informieren.

Wer seine Bedenken zu den Windrädern an den Pforten des Nationalparks Thayatal äußern möchte, kann sich an den niederösterreichischen Landesrat Stephan Pernkopf wenden.
Brief an: Landesrat Dr. Stephan Pernkopf, Landhausplatz1, 3109 St. Pölten
Email: lr.pernkopf@noel.gv.at

Euer Beitrag zählt!

5 Gedanken zu “Erneuerbare Energien um jeden Preis?

  1. Jetzt ist der Windenergie-Lobby und den leeren Gemeindekassen nicht einmal mehr ein Nationalpark heilig! Und das im Nahbereich des Hollabrunner Bezirkes.
    …die UVP wird von den Betreibern bezahlt und da ist es klar, was rauskommen wird: alle Kriterien halt von “mittel” auf “gering” herabgestuft, das kennen wir von einigen WP-Bewilligungen. Seeadler, Schwarzstorch, Wildkatze etc. werden vom Tisch gewischt.
    „Der Mensch lebt nicht vom Strom allein, sondern auch aus der Harmonie seiner Heimatlandschaften, die es auch im Rahmen der Energiewende zu sichern gelte. Die Energiewende darf kein Vorwand für Landschaftsraubbau sein“

  2. Die wenigen im Weinviertel existierenden Wälder – darunter der Nationalpark Thayatal samt angrenzender Waldgebiete wie auch der Hollabrunner Wald, der ebenso von der Windkraftlobby bedroht ist – MÜSSEN eine absolute Tabuzone für Windindustrie bleiben!

  3. Sehr geehrte Frau Sonvilla!
    Vielen Dank für ihren konstruktiven Beitrag.
    Ich und meine Familie schätzen das Angebot un das Ambiente des Nationalparks sehr.
    Ich habe daraufhin an LR Dr. Pernkopf eine persönliches Schreiben verfasst.

    Liebe Grüße, Alfred Schmudermayer

  4. Ihr plädiert genau wie die Meisten, die Ihren Wald und damit Lanschaft schützen wollen. Nur nicht bei uns, hier ist alles so schön. Bei uns aber auch, und überall woanders auch. Diese Energiewende ist so wie sie gehandhabt wird unsinnig. Erst am 3 Dezember 2013 lag der Stromertrag aus Wind bei gerade einmal 0,95 GW. Und das bei über 23 000 Windrädern mit einer installierten Leistung von 31 GW. Ohne Speicher, und die sind auf lange Zeit mit den erforderlichen Kapazitäten nicht vorhanden, bedeutet das, wir benötigen 1,3 Millionen Windräder in Deutschland um eine gesicherte Energieversorgung möglich zu machen. Denn im Verhältnis zu den Ertragen am 3.12. liefern 1,3 Millionen WIAs dann 58 GW. Das sind 70% des stündlichen Bedarfs in der BRD. Das ist unmöglich. Solche unsinnigen Windräderbenötigen nur die, die daran verdienen und wir zahlen und lassen unsere Landschaften zerstören, überall.

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