Eine detektivische Spurensuche

Eigentlich sollte es ihn ja gar nicht mehr geben. 1869 wurde hierzulande der letzte Europäische Biber erlegt. Vor allem auf das Fleisch hatte man es ehemals abgesehen genauso wie auf das Bibergeil, ein fetthaltiges Sekret des Bibers, dem heilende und aphrodisierende Wirkung zugesprochen wurde.
Rund 100 Jahre danach, in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren feierte er mithilfe von Wiederansiedlungen in Österreich ein Comeback. Heute ist er auch im NP Thayatal auf dem Vormarsch. Indizien legen eine Spur von Tschechien nach Österreich. Aber der Reihe nach.

Hier lassen sich die Stationen der ersten Bibersichtungen von Tschechien ausgehend in Richtung Österreich nachverfolgen.

Hier lassen sich die Stationen der ersten Bibersichtungen von Tschechien ausgehend in Richtung Österreich nachverfolgen.

Erstmals ist ein Biber 1995 östlich von Znojmo (Znaim) gesichtet worden. Doch das Stadtgebiet und die Talsperre verhinderten das Einwandern in den grenzüberschreitenden Nationalpark. Durch den zwölf Meter hohen Damm wird hier das Wasser der Thaya zu einem Stausee aufgestaut und dient als Trinkwasserreservoir für die Stadt.
Schließlich gelang es dem Nager doch diese Hürde zu überwinden. Ein Stückchen weiter flussaufwärts, in der idyllischen Umgebung des Weinberges Šobes, der Teil des tschechischen Nachbar-Nationalparks Podyjí ist, hielt er sich ab 2008 längere Zeit auf. Von hier aus rückten die Biber immer weiter in den grenzübergreifenden Nationalpark vor. Ihre “Marschroute” war klar: In Richtung Westen!

Im Národní park Podyjí ging der Biber 2011 dann auch erstmals in die Falle, genauer gesagt in die Fotofalle.

Im Juni 2011 ging ein Biber im Národní park Podyjí, dem tschechischen Nachbar-Nationalpark, erstmals in die Fotofalle!

Im Juni 2011 wurde ein Biber im Národní park Podyjí, dem tschechischen Nachbar-Nationalpark, erstmals von einer Fotofalle ertappt!

2011 ließen sich die ersten Spuren schließlich auch im Nationalpark Thayatal nachweisen, im Bereich des Umlaufberges, bei der Kajabachmündung in die Thaya und etwas später bei der Einsiedlerwiese. Zahlreiche Nagespuren waren im Spätwinter 2013 im oberen Teil der Großen Umlaufwiese zu entdecken.

2013 ließen sich auch im Nationalpark Thayatal Biberspuren feststellen. Er hat sich "vorgenagt" ;)

2013 ließen sich zahlreiche Biberspuren auf der Großen Umlaufwiese feststellen. Er hat sich sozusagen “vorgenagt”.

Am 26. April 2013 folgte der ultimative Beweis an der Fugnitz in Hardegg. Ein Biber wurde erstmals auf frischer Tat ertappt und von Barbara Hauser, der Wirtin des Gasthofs Hammerschmiede, via Handyfoto festgehalten.

    Das Handy-Beweisfoto! Zugegebenermaßen ein wenig unscharf, aber eindeutig ein Biber, der hier an der Fugnitz in Hardegg unterwegs ist.

Das Handy-Beweisfoto! Zugegebenermaßen ein wenig unscharf, aber eindeutig ein Biber, der hier an der Fugnitz in Hardegg unterwegs ist.

„Es kann gut sein, dass sich der Biber an der strukturreichen Fugnitz weiter ausbreitet. Überhaupt findet er im Nationalpark Thayatal einen idealen Lebensraum vor“, meint dazu NP Thayatal Mitarbeiter Christian Übl und fügt hinzu: „Wir werden die Entwicklung des Biber-Bestandes im Nationalpark in jedem Fall weiter aufmerksam verfolgen.“

Wer selbst eine Folge „Biber CSI“ drehen möchte, kann sich jederzeit entlang der Nationalparkwege auf die Fährte der großen Nager begeben. Sowohl die Ufer der Thaya als auch die Mündung des Kajabaches eignen sich bestens dafür, um nach den charakteristischen Fraßspuren und Trittsiegeln Ausschau zu halten.
Die Indizien? – Spitze mit Krallen bestückte Zehen. Auf weichem Untergrund lassen sich auch die Schwimmhäute gut ausmachen. Vorderpfoten (bis zu 7 cm lang und etwa 4,5 cm breit) und Hinterpfoten (bis zu 17 cm lang und etwa 10 cm breit) unterscheiden sich deutlich in der Größe.
Und apropos Fraßspuren: Die charakteristisch angenagten Bäume treten erst mit Beginn der Winterszeit häufiger auf. In erster Linie fressen Biber nämlich gern frisches Grün, saftige Triebe und Blätter. Solange es genug krautige Pflanzen in ihrer Reichweite gibt, besteht also kein Bedarf Bäume umzunagen, um an die hochgelegenen Knospen und Blätter zu gelangen. Erst in der kalten Jahreszeit legt der Biber mehr Bäume um und schwenkt – mangels frischen Grüns – auf Rinde um, die nun seine Hauptnahrungsquelle bildet.

    Erst in der kalten Jahreszeit, wenn es an frischem Grün mangelt, nagt der Biber mehr Bäume um. Die Rinde von vor allem Pappeln oder Weiden bildet dann seine Hauptnahrungsquelle.

Erst in der kalten Jahreszeit, wenn es an frischem Grün mangelt, nagt der Biber mehr Bäume um. Die Rinde der Bäume bildet dann seine Hauptnahrungsquelle.

4 Gedanken zu “Eine detektivische Spurensuche

  1. Danke für die guten Informationen! Mich interessiert dann noch die Fortpflanzung. Ob Biber Männchen auch weitere Gebiete herumstreunen auf der Suche nach Weibchen so wie zb. bei den Wildkatzen.
    Am Samstag fand im Nationalpark Thayatal die Wanderung “Auf den Spuren von Biber, Fischotter & Co” statt. Die Besucher waren am meisten von den Biberspuren beeindruckt.

    • Freut mich, dass die Infos weiterhelfen!
      In Sachen Fortpflanzung wäre mir nicht bekannt, dass Biber Männchen größere Streifzüge unternehmen, um Weibchen zu treffen. Feststeht, dass sie mit dem einmal gewählten Parnter ein Leben lang zusammenbleiben. Die Jungbiber müssen sich ein neues Territorium erobern, das mitunter einige Kilometer entfernt von dem Ort sein kann, wo sie aufgewachsen sind. In diesem Radius – maximal – wird sich auch die Suche nach einem Partner abspielen. Übrigens, die Biber können sich nur solange ausbreiten wie auch geeigneter Lebensraum zur Verfügung steht. Wird dieser knapp, dann breiten sich die Biber nicht ungebremst weiter aus, sondern regulieren ihren Bestand selbst durch innerartliche Konkurrenz. Ich hoffe, das hilft dir weiter!
      Habt ihr denn viele Biberspuren entdeckt am Samstag? Gibt’s vielleicht einen Tipp für die Nationalparkbesucher, wo sie am besten fündig werden könnten, wenn sie selbst auf Spurensuche gehen wollen?

  2. Liebe Christine!!
    Ein Tipp für alle, die auf der Suche nach Biber-Spuren sind. Am oberen Ende der großen Umlaufwiese liegt die umgestürzte Weide, die auf dem Foto im Beitrag zu sehen ist. Daneben sind ein paar jüngere Weiden aufgewachsen. Hier war der Biber auch heuer wieder fleißig, er hat schwächere Bäume gefällt und die dünneren Zweige gefressen. Auch bei der Kajabachmündung sind Fraßspuren zu finden. Auf tschechischer Seite gibt´s nach wie vor Fraßspuren im Bereich des Sobes bzw. etwas flußabwärts. Spuren oberhalb des Nationalparks gibt´s auch bei Heufurth. Es scheint so, als wäre der Biber hier bereits früher aufgetreten und im Oberlauf zugewandert.

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