Kreative Nationalpark-Einblicke

 „Das entschleunigende Leben der Einheimischen in Verbindung mit dem Geruch von sommerlichem Laub, morschem Holz und hitzebedingtem Schweiß, zauberte uns ein dauerhaftes Lächeln ins Gesicht. Sowohl der Weg zum Einsiedlerfelsen als auch der Umlaufberg bezeichne ich als meine Lieblingsplätze im Nationalpark, von dort ich in aller Ruhe und gewollter Einsamkeit Schwarzstörche, Sumpfwiesel und diverse Spechtarten beobachten konnte. Ein durch und durch unbezahlbares Erlebnis, das nur ab und an von aggressiven Stechmücken gestört wurde.“

Das sind die Eindrücke von Lisa Lugerbauer von ihrer Zeit im Thayatal. Die 22-jährige Studentin der Zeitgeschichte und Medien sowie Florian Kitzmüller (32), ein selbstständiger Filmemacher aus Oberösterreich, waren Gewinner eines von Nationalparks Austria verliehenen Medienstipendiums. Im Zuge dieses Stipendiums hatten sie die Gelegenheit zwei Wochen lang intensiv in den Nationalpark Thayatal einzutauchen.

Die Vogelwelt hat es Lisa Lugerbauer besonders angetan. U. a. dokumentierte sie diese Goldammer im Zuge ihres Medienstipendiums.

Die Vogelwelt hat es Lisa Lugerbauer besonders angetan. U. a. dokumentierte sie diese Goldammer im Zuge ihres Medienstipendiums.

Seit dem dritten Jahr in Folge fördert Nationalparks Austria zwölf Nachwuchstalente aus den Bereichen Literatur, Fotografie und Film. Die Talente dürfen in den Sommermonaten in einem der sechs österreichischen Nationalparks ihr Können unter Beweis stellen und sich mit der unberührten Natur näher auseinanderzusetzen. „Mit unseren Medienstipendien möchten wir junge Kreative in Österreich unterstützen und ihnen unter dem Thema ‚Nichts berührt uns wie das Unberührte‘ einzigartige und inspirierende Nationalpark-Erfahrungen ermöglichen”, erklärt Carl Manzano, Projektleiter Öffentlichkeitsarbeit Nationalparks Austria.

Auch ein Eisvogel kam Lisa vor die Linse.

Auch ein Eisvogel kam Lisa vor die Linse.

Während sich Lisa auf Kurzreportagen über die Vogelwelt des Nationalparks Thayatal konzentrierte, erarbeitete Florian eine 12-minütige Kurzfilmdoku inklusive Interviews mit den Nationalpark-Mitarbeitern. Hier könnt ihr euch die spannenden Ergebenisse anschauen:

Kurzreportagen über die Vogelwelt von Lisa Lugerbauer.

Kurzfilmdoku von Florian Kitzmüller:

Die Ergebnisse aller Medienstipendiaten quer durch die heimischen Nationalparks findet ihr hier.
Lust bekommen selber eure Sicht auf die Nationalparks kreativ dem Lande mitzuteilen? Dann seid bereit für die Medienstipendien 2018!

 

 

Natur ohne Grenzen

Der Eiserne Vorhang, der Ost- von Westeuropa trennte, ist längst Geschichte. Anstelle von Trennung ist ein Miteinander getreten. Wie völkerverbindende Naturschutzarbeit im Grenzbereich aussieht, das könnt ihr euch in einem 8-minütigen Film ansehen! Entstanden ist er vor 3 Jahren, als sich der Fall des Eisernen Vorhangs zum 25. Mal jährte. – Wer euch durch den Film begleitet? Der ehemalige NP Thayatal Direktor Ludwig Schleritzko und der neu ernannte Nationalpark Direktor Christian Übl.
Die beiden erzählen über positive Entwicklungen in der Natur, Kooperationen mit den tschechischen Nachbarn und Pläne für die Zukunft. Darüber hinaus gibt der Film Einblicke in die faszinierende Natur des in Mitteleuropa einmaligen Thayatals.

25 Jahre Natur ohne Grenzen from Nationalpark Thayatal on Vimeo.

Kleiner Berg ganz groß

Wer das Thayatal kennt, der kennt ihn natürlich. Und auch Thayatal-Neulingen bleibt er nicht lange verborgen.
Die Rede ist vom Umlaufberg, dem 378 Meter hohen Wahrzeichen des Nationalparks, der von der Thaya – bis auf ein etwa 100 Meter breites Felsband – fast zur Gänze umflossen wird. Warum man ihm einen Besuch abstatten sollte? Das hat zumindest zwei gute Gründe: Zum einen bietet er einen fantastischen Blick auf die umliegenden Wälder und Wiesen und zum anderen wuselt er nur so vor Leben.

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Der Ausblick vom Umlaufberg ist zu jeder Tageszeit einen Abstecher wert!

Die Tatsache, dass der überschaubar große Umlaufberg ein vor Artenvielfalt nur so strotzendes Fleckchen Erde ist, mag viele erstaunen. Der Nationalpark hat es aber spätestens seit dem GEO Tag der Artenvielfalt im Mai 2010 Schwarz auf Weiß. 22 Wissenschaftler aus Österreich und Tschechien schwärmten quer über den Umlaufberg verteilt aus, um sein Artenspektrum genauer unter die Lupe zu nehmen.
Was dabei herauskam? Verblüffte Gesichter selbst bei den Experten. Denn diesen gelang es, auf einer Fläche von gerade einmal 75 Hektar – das entspricht rund 100 Fußballfeldern – sage und schreibe 1188 Tier- und Pflanzenarten nachzuweisen! Und das noch dazu an einem einzigen Tag.

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Am 29. Mai 2010 strömten 22 Wissenschaftler in 9 Untersuchungszonen quer über den ganzen Umlaufberg aus, um sein Arteninventar zu erheben.

Mit von der Partie der entdeckten Arten, waren auch einige Spezialitäten und veritable Überraschungen: Darunter etwa eine neue Flechtenart, die bis dahin nur aus einem anderen Gebiet in den niederösterreichisch-steirischen Kalkalpen bekannt war, ein 5 Millimeter kleiner Rüsselkäfer, dessen Vorkommen sich vor dem 29. Mai auf ein kleines Gebiet in Mähren und der Slowakei beschränkte oder ein anderer Winzling, nämlich eine 6 Millimeter große Reitgraszirpe, die ebenfalls ganz neu für Österreich nachgewiesen wurde.
Für die Besucher des GEO Tags der Artenvielfalt waren freilich jene Tiere, denen man mit freiem Auge leichter auf die Schliche kommt, noch einen Tick spannender. Vor allem die reiche Reptilienfauna tat es Groß und Klein an. Von den insgesamt 6 Arten des Umlaufberges ließen sich bis auf die Zauneidechse, die dem versierten Blick der Forscher entwischte, alle anderen blicken: Äskulapnatter, Ringelnatter, Würfelnatter, Smaragdeidechse und Blindschleiche. Tipp: Um den schillernd grün gefärbten Smaragdeidechsen zu begegnen, muss man nicht unbedingt der Zunft der Wissenschaft angehören, es reicht ein gutes Auge und ein wenig Geduld. Mit etwas Glück lassen sich die bunten Reptilien dann im Bereich des Umlaufberg-Ausblickes bzw. zu seinen Füßen am Schlangenfelsen erspähen.

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Smaragdeidechsen lassen sich gut am Umlaufberg-Ausblick und zu seinen Füßen am Schlangenfelsen beobachten.

Aber was macht den Umlaufberg eigentlich so besonders artenreich? – Die vielen verschiedenen Lebensräume! Wiesen, Wälder, Trockenrasen, Flussufer und Felswände treffen hier aufeinander und bilden gewissermaßen „Verkehrsknotenpunkte“ der Artenvielfalt. Was das heißt? An den Übergangszonen kommt es zum Gipfeltreffen von Tieren und Pflanzen aus den angrenzenden Lebensräumen, sodass die Grenzzone eine größere Artenvielfalt beherbergt als die einzelnen Lebensräume für sich genommen. Eben ein bisschen wie ein Verkehrsknotenpunkt, auf dem sich in Summe mehr Autos tummeln als allein auf den Zubringerstraßen.

Einige Lebensräume stechen aber dennoch hervor: „Neben der Umlaufwiese zählen die beiden Trockenrasen des Umlaufberges zu den artenreichsten Flächen“, sagt Nationalpark-Mitarbeiter Christian Übl. Und das Erstaunliche daran? – Die Trockenrasen sind von allen Umlaufberg-Lebensräumen die kleinsten Flächen. Zudem wirken sie auf den ersten Blick wenig einladend. Trockenrasen zeichnen sich nämlich durch steile Hänge, dünne Bodenschicht, rasch abrinnendes Wasser, hohe Temperaturen und Trockenheit aus. Ob das der Artenvielfalt zuträglich ist? – In der Tat. Gerade die Kargheit sorgt dafür, dass hier viele tierische und botanische Raritäten anzutreffen sind, darunter etwa die Gottensanbeterin, die Bunte Schwertlilie oder das Hohe Perlgras, welches in ganz Österreich nur hier im Thayatal vorkommt.

Trockenrasen sind gerade wegen ihrer Kargheit ein Quell verschiedener Arten, unter ihnen etwa die Bunte Schwertlilie.

Trockenrasen sind gerade wegen ihrer Kargheit ein Quell für verschiedene Arten, unter ihnen etwa die Bunte Schwertlilie.

Wetten, dass Ihr beim nächsten Besuch den Umlaufberg mit ganz anderen Augen betrachtet? :)