Fachtagung für die Katze

Nationalparkmitarbeiter David Freudl über die Wildkatzenfachtagung

Erneut wurde mir vor Augen geführt, wie schwer es ist eine Europäische Wildkatze von einer getigerten Hauskatze rein optisch zu unterscheiden. Bei der Wildkatzen-Fachtagung im Nationalparkhaus Mitte November, präsentierten mir Wildkatzenexperten ihre neuersten Forschungserkenntnisse. Dabei fiel mir auf, dass die von den Experten definierten optischen Merkmale einer Wildkatze mir nur bedingt dabei helfen, die Katzen auf unseren Fotofallenbildern im Nationalpark sicher zu bestimmen. Es heißt, dass Wildkatzen ein schwache Flankenzeichnung haben, doch dies trifft nur auf 90 % der Wildkatzen zu. Auch der Aalstrich auf dem Schwanz fehlt grundsätzlich bei einer Wildkatze, aber das auch nur in 97 % der Fälle.

Doch das kann auch bedeuten, dass ich möglicherweise einige Wildkatzen, die auf den Fotofallenbildern eher Hauskatzen ähnelten, verwechselt habe. Schlussendlich brauche ich genetische Nachweise, um wirklich sicher sein zu können. Diese versuchen wir im Nationalpark den Wildkatzen mit Lockstöcken zu entlocken. Mit der DNS aus den Haarproben kann nämlich beurteilt werden, ob es sich um eine Haus- oder Wildkatze oder vielleicht beides handelt. Denn Haus- und Wildkatzen können sich paaren und wenn dies zu oft passiert kann eine zu hohe Anzahl an solchen Hybriden eine ernste Gefahr für die Wildkatzenpopulation werden. Dieser Hybridisierungsgrad ist derzeit von Population zu Population in Europa recht unterschiedlich und muss weiterhin beobachtet und erforscht werden.

Auch die Lebensraumansprüche der Wildkatze können unterschiedlich ausfallen. Wie uns Kollegen aus der Schweiz berichteten, konnten einige Wildkatzen über längere Zeiträume auch im Agrarland beobachten werden, sofern genügend Deckung vorhanden ist. Diese mysteriöse Katzenart wirft immer noch viele Fragen auf und um sie bei ihrer Rückkehr nach Österreich zu unterstützen, müssen wir ihr weiterhin treu bleiben und aufmerksam beobachten, lernen und forschen.Frieda und Carlo, C. Ebner

Foto: NP Thayatal, C. Ebner

 

Wildkatzen auf Wanderschaft

Nationalparkdirektor Christian Übl berichtet über die aktuelle Wildkatzenforschung

Die Wildkatze wurde 2019 zum Tier des Jahres gekürt. Die scheue Waldbewohnerin steht daher besonders im Interesse von Naturschutz und Wissenschaft. Im Nationalpark Thayatal laufen derzeit mehrere Forschungsaktivitäten, um mehr über die Verbreitung und der Wildkatze zu erfahren. Eine Analyse der Waldkorridore soll zeigen, ob die Wildkatzen, die wir im Thayatal nachgewiesen haben, Anbindung an größere Waldgebiete oder bekannte Wildkatzenpopulationen in Bayern oder der Slowakei haben.

Hier hilft uns auch die Genetik. Mittels eines Vergleiches von genetischen Proben aus Deutschland und aus dem Waldviertel möchten wir herausfinden, ob es sich hier um eine gemeinsame Population handelt, oder ob unsere Wildkatzen eher der slowakischen Population zuzuordnen sind. Aus Tschechien gibt es leider keine Vergleichsproben, hier gilt die Wildkatze als ausgestorben, es gibt jedoch einzelne Fotofallennachweise.

Neben dem Thayatal gibt es in den letzten Jahren auch Nachweise mittels Fotofallen aus der Wachau. Hier interessiert uns besonders die Verbindung über das Kamptal hinunter zu den trocken-warmen Waldgebieten nördlich der Donau. Wildkatzen bevorzugen für ihre Wanderungen Waldkorridore, da sie sich nur sehr ungern aus der schützenden Deckung herauswagen. Im Rahmen der Korridoranalyse werden die Engstellen und Lücken ausfindig gemacht, die verhindern, dass hier waldgebundene Arten weiter wandern können. Im Jänner starten wir gemeinsam mit einigen freiwilligen Helfern entlang der Route Wachau-Thayatal weitere Lockstockerhebungen, um herauszufinden, ob diese Waldkorridore aktuell von Wildkatzen und anderen Tieren genutzt werden.

Bei unserer bisherigen Forschung ist uns aufgefallen, dass sich die Tiere des Waldes mit der Zeit an den Baldrianduft gewöhnen. Wir testen daher bei Zoo-Waldkatzen auch andere Duftstoffe wie zum Beispiel Bibergeil oder künstlichen Luchsurin. Die aktuellen Ergebnisse zeigen allerdings, dass Baldrian doch der Lockstoff Nummer 1 bei den Wildkatzen ist.

Neben dem Nationalpark Thayatal erforschen in Österreich auch andere Organisationen wie zum Beispiel der Naturschutzbund die aktuelle Situation der Wildkatze. Im Rahmen der Plattform Wildkatze gibt es eine enge Zusammenarbeit im Bereich Forschung und Öffentlichkeitsarbeit. Am 14. und 15. November findet im Nationalpark Thayatal anlässlich „10 Jahre Plattform Wildkatze“ die dritte österreichische Wildkatzentagung statt. Hier vernetzen sich die österreichischen Experten mit Wissenschaftlern aus anderen Ländern. Ziel ist es, weitere Aktivitäten für die Zukunft zu setzen, um die Wildkatze in Österreich mit einer gesicherten Population wieder heimisch zu machen.

Frieda und Carlo BR NP Thayatal Claudia Ebner (10)

Bild: NP Thayatal, C. Ebner

Roland Kahrer, Jung-Ranger im Nationalpark, berichtet über die Ausbildung zum Nationalpark Ranger

Nationalpark Ranger zu sein, ist ein harter Job! Im Thayatal wie im Yellowstone oder im Krüger Nationalpark. Klar, wir müssen uns nicht mit Wilderern Gefechte liefern. Auch mit Grizzlys und Löwen haben wir es nicht zu tun, aber bei uns gibt es ebenfalls eine Raubkatze, die durch den Wald schleicht, …und Beeren gibt es auch.

Die Herausforderung für einen hiesigen Ranger liegt in seinem sehr diversen und umfangreichen Tätigkeitsfeld. Er muss über die Geschichte des Thayatals und die Entstehung des Nationalparks Bescheid wissen, die wichtigsten Pflanzen und Tiere des Waldnationalparks kennen und dieses Wissen an die Besucher weitergeben können. Da vor allem in der Interaktion mit Kindern der Spaß im Vordergrund steht, muss er auch viele Methoden der spielerischen Wissensvermittlung erlernen. Auch der Wachedienst im Nationalpark, die Führung durch die Ausstellung im Nationalparkhaus sowie die Fütterung der beiden Wildkatzen Frieda & Carlo im Gehege gehören zu den Aufgaben eines Rangers im Nationalpark Thayatal.

Ich habe mit meiner Ausbildung im Jänner 2018 begonnen und werde im Mai 2020 abschließen. Wir sind eine ziemlich „bunt gemischte“ Gruppe aus Biologiestudenten und Boku-Absolventen, aber auch Menschen, die wie ich nur geringe naturwissenschaftliche Vorkenntnisse haben. In meinem Hauptberuf arbeite ich vorwiegend im Büro, sodass die Tätigkeit im Nationalpark für mich einen schönen Ausgleich darstellt. Wir sind zwar noch in Ausbildung, aber absolvieren bereits fleißig Praxistage und wagen uns auch schon vereinzelt an Besuchergruppen, um unser erlerntes Wissen in der Praxis einzusetzen. Nach einem Tag mit einer Schulklasse kann man genauso erledigt sein, wie nach einem anstrengenden Tag im Büro!

Deutlich in Erinnerung ist mir noch unser erstes Ausbildungswochenende geblieben. Dieses fiel an einen der kältesten Wintertage des Jahres. Die Wanderung bei minus 15 Grad hat mir einiges abverlangt. Wir stapften den ganzen Tag durch den Schnee und lernten den Nationalpark Thayatal auch abseits der markierten Wege kennen. Auch die letzte Ausbildungseinheit zum Thema Naturraummanagement hat bei allen Junior Rangern Eindruck hinterlassen: wir haben einen invasiven Neophyt – das Drüsige
Springkraut – durch händisches Ausreißen bekämpft. Durch diese praktische Vermittlung
des Lehrstoffes bleibt das Erlernte natürlich besonders gut im Gedächtnis verankert ;-)

Es gibt für mich sehr viel Neues zu erlernen – in der tollen Gemeinschaft mit den Lehrgangskollegen macht dies viel Spaß, auch wenn es manchmal anstrengend ist! Klar ist mir aber auch, dass die richtige Herausforderung erst nach unserer Abschlussprüfung beginnt…

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Foto: Nationalpark Thayatal, Rangerausbildung

Wiesenpflege leicht gemacht

Robert Stejskal, Entomologe im Nationalpark Podyjí, über den hohen Naturschutzwert und die Schönheit der Offenlandschaften

Sobald die Rede vom Nationalpark Thayatal-Podyjí ist, denken die meisten Besucher an den tief unten im Tal gelegenen Fluss Thaya, der von einem bewaldeten Tal umgeben ist. Aber nur wenige wissen, dass die Landschaft auch mit vielen Wiesen, Steppen, Weiden und anderen grasbewachsenen Lebensräumen geschmückt ist. Obwohl Wiesen nur einen kleinen Teil der Gesamtfläche des Nationalparks ausmachen, erhöhen sie die Artenvielfalt des Gebiets erheblich und verdienen daher gebührend Aufmerksamkeit.
Die Perlen unter den grasbewachsenen Lebensräumen sind die Talwiesen entlang der Thaya. Dies sind alte Wiesen, die im Mittelalter anstelle der ursprünglichen Auenwälder entstanden sind bzw als solche erhalten wurden. Diese Wiesen sind insofern einzigartig, als wir beispielsweise noch den sonst verschwundenen Schwarzen Apollo (Parnassius mnemosyne) antreffen können. Eine fortlaufende Untersuchung der Insekten ergab auch, dass über 600 Käferarten auf den Wiesen leben.
Die meisten Wiesen von Podyjí werden aufgrund des erstklassigen, duftenden Heus gepflegt. Trockene Steppenbestände eignen sich jedoch besser zur Beweidung. Die Heide von Havraníky ist eines der wichtigsten Beispiele für Weideflächen in der Region Podyjí. Ihre Geschichte ist noch älter als die der Talwiesen. Nachdem die ursprünglichen Eichenwälder ausgedünnt worden waren, wurden die trockenen Wiesen und Heiden Jahrhundertelang von Nutztieren beweidet, wodurch eine spezifische Kulturlandschaft entstanden ist. Heute helfen Schafherden, aber auch die erste Gruppe von Exmoor-Ponys, sie zu erhalten. Die Ponys finden dort optimale Lebensbedingungen und wir haben weniger Arbeit. Ich besuche diese Heide regelmäßig und bin immer wieder erstaut, wie sie sich bei jedem Besuch von einer ganz anderen Seite zeigt. Im Frühling etwa, ist sie mit Kuhschellen überflutet, im Sommer ist die Heide das vielfältige Königreich der Insekten und im Winter lässt der Raureif die kahlen Büsche und alten Grashorste wie verzaubert in der Lanschaft ruhen.

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Bildrechte: www.ceska-krajina.cz

Von Gewächsen, Gewürzen und Geschenken

Kräuterpfarrer Benedikt freut sich auf das Kräuterfest im Nationalpark Thayatal 2019

Am 15. August ist es wieder so weit! – Zu Mariä Himmelfahrt lassen wir die Natur hochleben! Die Schöpfung ist ein ganz wertvolles Geschenk. Das sehen wir vor allem an den vielen Kräutern und Blumen, die gerade zu diesem Hochfest als Erntegabe des Sommers bereitstehen. Doch darf man sich beim Interesse rund um Heilpflanzen nicht bloß auf die kleinen Gewächse beschränken. Kräuter sind mehr als Gewürz oder heilsame Beigabe. Bei meiner Kräuterwanderung sollen daher die Bäume besondere Beachtung finden. Je mehr unsere Nutzwälder durch die Trockenheit und den Borkenkäfer bedroht werden, desto dankbarer dürfen wir für die großen Gewächse sein, die uns auch unter veränderten klimatischen Bedingungen gerade in Zukunft helfen werden, dass wir mit all dem, was uns zugemutet wird, zurechtkommen. Zudem haben auch Bäume sehr viel an gesundheitsfördernden Substanzen. Also, Grund genug, um am 15. August zum Nationalparkhaus nach Hardegg zu kommen, dem Herrgott, den Menschen und der Natur zuliebe!

Donnerstag, 15. August, 10.00 bis 17.00 Uhr
Treffpunkt: Nationalparkzentrum Thayatal
Leitung: Helga Donnerbauer, „Kräuterhexe“ und Nationalpark Ranger
Kosten: Erwachsene € 5,-
Keine Anmeldung notwendig!

Lavendel

Lavendel

Nächtlicher Lauschangriff im Wald

Fledermaus-Experte Guido Reiter ist mit seinem „Bat-Detektor“ den Fledermäusen im Nationalpark Thayatal auf der Spur.

In den Wäldern des NP Thayatal ist es jetzt in der Nacht weder still noch dunkel. Aus den Bäumen sind die Rufe des Waldkauz’ zu hören und Glühwürmchen sorgen für eine einzigartige Lichtershow. In der Luft vorbeihuschende Schatten lassen erahnen, dass noch weitere Tiere ihre nächtlichen Bahnen durch den Wald ziehen. Diese sind aber kaum zu erfassen und erst als ich meinen Ultraschall-Detektor aktiviere, hört man ein nahezu durchgehendes „Prasseln“ aus diesem Hightech-Gerät. Die für uns sonst nicht wahrnehmbaren Rufe der Fledermäuse werden nun hörbar und lassen eine erstaunliche Aktivität und Artenvielfalt im nächtlichen Wald erkennen.

Mittlerweile konnten 20 Fledermausarten im Nationalpark entdeckt werden. Dies sind nahezu drei Viertel aller in Österreich derzeit bekannten Fledermausarten. Dabei zeichnet sich der Nationalpark vor allem durch das Vorkommen von Fledermausarten mit hohen Ansprüchen an einen naturnahen bzw. natürlichen Wald aus.

Zurzeit bin ich auf der Suche nach einer besonders seltenen und anspruchsvollen Art, der Nymphenfledermaus. Diese kann aufgrund ihrer speziellen Ansprüche als die „Urwald-Fledermaus“ Europas bezeichnet werden. Sie ist zudem eine der kleinsten heimischen Fledermausarten. Mit nur 4 bis 5 Gramm ist sie ein wahres Leichtgewicht und wiegt in etwa soviel wie ein 20 Cent-Stück.
Die Nymphenfledermaus ist nicht nur selten, auch ihre Tagesquartiere befinden sich unzugänglich in Baumhöhlen im Kronenbereich der Wälder, und ihre Rufe sind nicht ganz einfach von jenen anderer Fledermausarten zu unterscheiden. Für eine sichere Bestimmung ist nicht nur der Einsatz von verschiedensten Methoden notwendig, sondern auch Ausdauer und viel Erfahrung.
„Verdächtige“ Fledermausrufe werden aufgezeichnet, und erst die nachfolgende Analyse am Computer zeigt, ob neben Zwergfledermäusen, Mausohren und Mopsfledermäusen auch eine Nymphenfledermaus registriert werden konnte.
Bei unserer „Bat Night“ im Nationalpark Thayatal bietet sich eine einzigartige Gelegenheit, in die Welt der Fledermäuse einzutauchen.

Bat Night – Kinder Spezial
Termin: Samstag, 24. August. 2019, 20:30h Dauer ca. 2,5h
Treffpunkt: Uhrturm Hardegg
Kosten: Erwachsene € 10,-, Kinder @ 4,-, Familien € 20,-
Anmeldung: 02949/7005 oder office@np-thayatal.at

Bildrechte: NP Thayatal, M. Graf
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Von heimlichen Beobachtern und ländlichen Landstreichern

David Freudl über das heimliche Tun im Wald.

Die lauen Nächte und heißen Tage, die der Sommerbeginn mit sich bringt, verleiten mich dazu den Nationalparkwald in den frühen Morgenstunden aufzusuchen. Mit einer natürlichen Leichtigkeit sind alle meine Sinne damit beschäftigt die verschiedensten Eindrücke wahrzunehmen und zuzuordnen. Alles scheint perfekt zu harmonieren, die Lichtspiele zwischen der aufsteigenden Sonne und dem Morgentau, der Geruch des humusreichen Bodens unterstützt von der kühlen Luftbrise aus dem Flusstal, das Gefühl sich in den eingegangenen Wanderschuhen leichtfüßig durch den Wald zu bewegen und ständig vom Rauschen der Thaya begleitet zu werden.

Doch plötzlich wird die Idylle durch ein lautes Rascheln im Laub zerrissen. Das Flitzen eines Schattens lässt mich erahnen, dass ich mich nicht unbemerkt im Wald aufhalte. Wie viele Wildtiere mich wohl schon beobachtet haben? Eine in der Nähe installierte Fotofalle gibt mir Aufschluss darüber, welche Tiere in den letzten Stunden am selben Standort waren; ein Fuchs, zwei Dachse, einige Rehe und viele Wildschweine. Sogar ein Fischotter und eine Waldschnepfe haben sich unerwarteter Weise ablichten lassen, wobei ich ein Foto besonders interessant finde. Bei genauerem Hinsehen fällt mir ein stumpfer Schwanz und ocker-farbenes Fell einer getigerten Katze auf, die jedoch kilometerweit von der nächsten Siedlung entfernt in diese Fotofalle getappt ist. Könnte es nicht auch sein, dass ich genau an der selben Stelle stehe, wo nur wenige Stunden zuvor eine Wildkatze war? Rein optisch lässt sich dies nicht beurteilen, aber ein paar Haarproben könnten mir darüber Auskunft geben. Eine richtige Chance sie im Wald anzutreffen, hätte ich wahrscheinlich keine gehabt, aber dennoch weiß ich, wo ich sie sehen kann. Bei regelmäßigen Fütterungen im Nationalparkhaus und den Wildkatzen-Nachtwanderungen mit Nachtfütterung können die beiden Gehege-Wildkatzen Frieda und Carlo hautnah beobachtet werden. Ob die Katze auf der Fotofalle auch eine Wildkatze war, dass wird sich noch zeigen. Wir bleiben der Wildkatze jedenfalls auf der Spur! Rosenthal2_2019_9.neu_29.04 (5)

Gaukelnde Sonnenkinder im Regen

Die Hardeggerin Silvia Gutkas erzählt von ihren wilden Begegnungen

Nächtens hat es geregnet. Meine Fußsohlen durchstreifen das feuchte Gras und kugelige Regentropfen strahlen mir in allen Farbvariationen entgegen.
Auf der Suche nach frischen Gierschbüten streift meine Hand unbedacht durch die Pflanzen. Doch plötzlich wunder ich mich über eigenartige „Anhängsel“: Grüngelbe Flecken, ein ganz zart schimmerndes Orange… Regenschwer klammern sich zwei männliche Aurorafalter (Anthocharis cardamines) an die Blüten und wecken Erinnerungen an meine Kindheit auf den Sommerwiesen… Sinnend durchziehen Tierbegegnungen meinen Kopf: Dicke Ölkäfer im Frühling, der Grauspecht auf der Suche nach Ameisen, die Traubenhyazinthen die wir in die vorbereiteten Löcher gepflanzt haben.

Wenn die Wimpernfledermäuse im Salettl ihr Sommerquartier beziehen, wird es wärmer. Zu dieser Zeit haben auch die Mehlschwalben nach langer Reise schon ihre Nester bezogen. Bei einem Weg zum Komposthaufen kann einen auch schon einmal der Marder anfauchen. Ich erinnere mich auch an den Tag, an dem wir mysteriöse Fußspuren in der Werkstatt entdeckten, die Fotofallenkamera entlarvte dann Siebenschläfer als neugierige Besucher. Die Wühlmäuse haben es dagegen schwer – die Würfelnattern halten sie in Schach. Unsere Nachbarin erzählt gerne von nächtlichen Dachsbesuchen und „schrecklichen“ Begegnungen mit einer Äskulapnatter am Apfelbaum. Die jungen Wasseramseln – noch Nestlinge – zu beobachten, ist besonders schön. Im morgendlichen Thayanebel kann ich den wippenden, ja tänzerischen Bewegungen ihrer rundlichen, aber pfeilschnellen Mutter, welche sogar Libellen und tauchend kleine Fische erbeutet, zusehen.

In Hardegg zu leben bedeutet ein echtes Privileg, man ist inmitten der Natur. Viele dieser Tiere sind andernorts ausgestorben, bzw. so selten, dass sie streng geschützt sind. Hier sind sie alltägliche Begleiter – Kinderträume. Allzu selten denken wir daran, wie wertvoll ein wilder Garten sein kann. Es sind wichtige Refugien, hier, bei uns, in unseren Gärten.
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Aurorafalter: Bildrechte Silvia Gutkas

Ein Plädoyer für die Nutzung

Wer jetzt im Frühling durch die Landschaft im Osten Österreichs fährt, merkt deutlich die Veränderung. Das Braun des Winters weicht dem frischen Grün des Frühlings. Die Bäume treiben aus, innerhalb weniger Tage kleiden sich die kahlen Äste mit dem zarten Grün der jungen Blätter.

Österreich ist ein waldreiches Land. Der Wald ist ein landschaftsprägender Faktor. Fast die Hälfte (47,6 Prozent) der Fläche ist von Wald bedeckt (Quelle BFW). In den letzten 10 Jahren ist der Waldanteil durchschnittlich um 3.400 Hektar pro Jahr gewachsen. Unser Wald stellt eine wichtige Rohstoff- und Energiequelle dar, ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen, sichert biologische Grundlagen wie z. B. Trinkwasser, schützt uns vor Naturgefahren und ist für uns ein idealer Erholungsort.
Es wäre unvernünftig, diese Ressourcen nicht zu nutzen. Leider ist unsere Gesellschaft immer noch sehr stark vom Erdöl abhängig. Der Rohstoff Holz ist wesentlich klimafreundlicher und kann mehrfach und auch nachhaltig genutzt werden. Hier bedarf es der Schaffung besserer Rahmenbedingungen und des Umdenkens jedes Einzelnen, um die Holznutzung weiter auszubauen. Davon profitieren letztlich wir alle, denn die Wertschöpfung daraus bleibt hauptsächlich in Österreich.

Der Wald unterliegt derzeit einem starken Wandel. Hohe Temperaturen und geringe Niederschläge bringen die Fichte, die in vielen Bereichen vor Jahrzehnten gesetzt wurde, stark unter Druck. Im Nationalpark Thayatal haben wir bereits sehr frühzeitig mit der Umwandlung standortfremder Aufforstungen begonnen und ausschließlich auf Naturverjüngung gesetzt. Unsere Hainbuchen- und Eichenbestände leiden natürlich auch unter Trockenheit, sie sind aber dennoch bereits über Jahrhunderte an Extremereignisse angepasst. Generell gilt, dass die Natur im Nationalpark nicht genutzt wird, sondern sich frei entwickeln darf. Vor allem in den Zeiten starker klimatischer Veränderungen können Schutzgebiete mit ihrem großen Artenreichtum auch als wichtige Genreserve für künftige Wirtschaftswälder dienen. In dieser Form leisten wir gerne einen Beitrag für die nachhaltige Waldbewirtschaftung in Österreich.

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Bildrechte: NP Thayatal, D. Manhart

Alles sprießt!

Nationalpark Ranger Hans Fittl freut sich über die ersten Lebenszeichen im Frühlingswald

Schnee und Kälte sind am Rückzug und die wärmende Sonne zieht uns hinaus in die Natur. Im Nationalparkwald dominierten bisher noch die Farben Braun und Grau der abgefallenen Blätter am Boden und der Baumstämme. Aber dieser Tage tauchen die ersten bunten Farbtupfer in Form der sogenannten Frühlingsgeophyten auf. Sie haben unterirdische Speichergewebe und können dadurch zeitig im Frühjahr, noch vor dem Blattaustrieb der Bäume ihre Blütenpracht herzeigen.

Unterwegs im Nationalparkwald begrüßt mich der gelb blühende Dirndlstrauch – eine leuchtend gelbe Wolke in der Landschaft. Weiter am Weg entdecke ich den beeindruckend unauffälligen Seidelbast. Allerdings ist das gar nicht so leicht, denn die zartrosa Blüten stehen direkt am verholzten Stamm. Die Blätter verraten ihn kaum, denn die kommen erst später. Auch Leberblümchen tauchen in zartem Grün zwischen den dreilappigen, alten Blättern des Vorjahres auf. Ihre hellblauen Blüten dienen als wichtiger Pollenlieferant für die ersten Insekten. An dieser Pflanze haben ebenso Ameisen ihre Freude, denn die Samen bilden ein sogenanntes Elaiosom, ein energiereiches Anhängsel am Samen, das von diesen sozialen Insekten gerne mitsamt Samen ins Nest getragen wird. So wird auch das Leberblümchen weiterverbreitet.

Im Wald und in den Vorgärten Hardeggs erscheinen auch die Schneeglöckchen, oft flächendeckend, sodass man meint, der Winter ist wieder zurück. Ich gehe auch immer wieder gerne hinauf auf‘s Maxplateau, hoch über Hardegg. Dieses ist nach Süden ausgerichtet und damit blühen hier die Pflanzen schon früher als in den schattigen Nordhängen. Zu finden sind hier die schon sehr selten gewordene Kuhschelle, aber auch das Lungenkraut, vielleicht besser bekannt unter dem Namen Hänsel und Gretel, und Schlüsselblumen. Und wer ganz genau schaut, findet am Boden auf feuchten Ästen einen zinnoberrot leuchtenden Pilz, den Prachtbecherling.

Wer mich bei meiner botanischen Frühlingswanderung begleiten möchte, hat am Sonntag den 24. März um 14.00 Uhr, bei der Exkursion „Frühlingserwachen im Nationalparkwald, die Gelegenheit dazu.

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