Über alle Grenzen

David Grossmann, Mitarbeiter des NP Podyjí, über die Zusammenarbeit mit den „Nachbarn“ aus Österreich 

Eine grenzüberschreitende Partnerschaft ist einer Ehe gleichzusetzen. Wenn die Partner nicht miteinander kommunizieren, wird die Ehe nicht lange halten. Mit den Kollegen aus dem Nationalpark Thayatal haben wir das Glück, dass unser Dialog lebendig ist. Unsere gemeinsame Zusammenarbeit besteht schon seit den 80er Jahren, als uns die österreichische Seite dabei geholfen hat, das Staudammprojekt „Býčí skála“ zu stoppen. Dies hätte das Thayatal grundlegend verändert. 20 Jahre später konnten wir im Gegenzug von der tschechischen Seite aus die Errichtung des Nationalparks Thayatal unterstützen.

Neben dem Schutz unserer schönen Landschaft haben wir ein weiteres ehrgeiziges Ziel. Unsere gemeinsame Botschaft möchten wir auch den Menschen vermitteln, die auf beiden Seiten der Grenze leben und arbeiten. Jedes Jahr organisieren wir eine Reihe von Veranstaltungen und freuen uns, dass diese Gefallen finden. Es ist uns wichtig, dass die Menschen nicht nur die Natur,  sondern auch sich gegenseitig kennen lernen. Wir sind davon überzeugt, dass wir unterstützend helfen können, den Eisernen Vorhang, der eigentlich vor 29 Jahren gefallen ist und noch bei vielen Menschen im Inneren verankert ist, zu durchbrechen.

Für die Tschechische Republik sind die Jahre, welche mit einer Acht enden von entscheidender Bedeutung. Vor 100 Jahren entstand die erste unabhängige Republik, vor 80 Jahren brach wurde dieses gewaltsam beendet. 2018 haben wir uns auch an das 70-jährige Jubiläum erinnert, wo wir nahezu von einer Totalität zur anderen übergegangen sind. Der Versuch, vor über 50 Jahren zur Demokratie zurückzukehren, wurde von sowjetischen Panzern zerstört.

Mit den Mitarbeitern aus dem Nationalpark Thayatal arbeiten wir daran, unsere Zusammenarbeit in den kommenden Jahren weiter zu vertiefen. Wenn eine Ihrer neuen tschechisch-österreichischen Freundschaften bei einer unserer gemeinsamen Veranstaltungen entstanden ist, freue ich mich sehr darüber.

gruppenfotoEiserner VorhangSchild_NP Thayatal_Ch.Sonvilla

Foto: NP Thayatal, Ch.Sonvilla

Was für ein toller Tag im Thayatal!

Eva Kulovic aus dem Burgenland berichtet über den Nationalparkwandertag.

Die traditionelle Wanderung am österreichischen Nationalfeiertag fand für mich dieses Jahr im schönen Nationalpark Thayatal statt. Ausgangspunkt der Rundwanderung war das Nationalparkhaus bei Hardegg. Nach einer feierlichen Ansprache auf der Terrasse starteten rund 100 Besucher, inklusive mehrerer vierbeiniger Begleiter, den Marsch. Geführt wurden die Touren von Nationalpark Rangern. Man konnte zwischen zwei unterschiedlich langen Routen wählen: Trotz Kind im Schlepptau, wählten wir die längere, die sehr abwechslungsreich aufgrund mehrerer Highlights war. Die rund fünf Kilometer lange Wanderung war für Jung und Alt geeignet. Die Ranger informierten über die vielfältige Flora und Fauna sowie über die Entstehungsgeschichte des Thayatals.

Der Weg führte vorbei an der Grenzbrücke nach Tschechien, entlang moosbewachsener Uferpfade, durch bunte Laubwälder hinauf zu einer Terrasse, die uns einen traumhaften Weitblick über das Thayatal bescherte. Vorbei an mächtigen Felsen beim Einsiedlerweg bot sich am mystisch wirkenden Flussufer eine traumhafte Kulisse für die Labstelle der freiwilligen Feuerwehr. Gestärkt durch ein Liptauerbrot verlief die Wanderung weiter entlang eines Naturlehrpfades, der ganz im Zeichen der europäischen Wildkatze steht und besonders für die Kinder ein Highlight war. Das Suchen der versteckten Katzensilhouetten machte den Kleinen besonders viel Spaß.

Nach rund drei Stunden kehrten die Wanderer im strahlenden Sonnenschein zum Nationalparkhaus zurück. Dieses Ausflugsziel kann ich Kindern und Naturliebhabern gleichermaßen bei jedem Wetter empfehlen. Im Haus gibt es tolle Workshops, Filmvorführungen und Wissenswertes über Tiere und Pflanzen im Thayatal zu erfahren.

Der Außenbereich gleicht einem Abenteuerspielplatz. Ich konnte auch das neu eröffnete Wildkatzen Camp für Schulklassen besichtigen und natürlich ließ ich mir die spektakuläre Schaufütterung von Frieda und Carlo nicht entgehen. Was für ein toller Tag im Thayatal!

HGDY2133

Foto: NP Thayatal

All colors are beautiful oder

Rosi Grieder-Bednarik über das Malen im Nationalpark Thayatal

Der Herbst ist, wie jedes Kind weiß, die bunteste aller Jahreszeiten. Dieses Jahr ließ die Farbenpracht ein wenig auf sich warten. Vermutlich bedingt durch den Klimawandel, ließ der so trockene Sommer das Laub vieler Bäume schon frühzeitig braun werden.

Der starke Kontrast zwischen grünen, orange und rot leuchtenden Blättern, welcher normalerweise zustande kommt, wenn das Chlorophyll langsam abgebaut wird, fehlte bisher. Gelbe Flecken leuchten heuer in den dunklen Wäldern, wo manche Bäume schon blattlos den Winter erwarten. Mittlerweile hat die Farbenpracht aber Einzug gehalten und der Wald präsentiert sich im bunten Farbenspiel.

Für MalerInnen hält die Natur das ganze Jahr über seine Farbenpracht bereit: Maigrünes, frisches Laub und zartfarbige Blüten im Frühling. Hingetupfte bunte Blumen auf leuchtenden Sommerwiesen. Glitzernde Lichtreflexe in den Wellen der Thaya unterhalb des Wehrs, Wasserspiegelungen in den Teichen. Kühle Farben am Vormittag, sanfte Pastelltöne, wenn noch der Dunst über der Landschaft liegt, grelle Kontraste um die Mittagszeit, warme Töne gegen Abend.

Am Himmel – sofern er nicht strahlend blau ist – das großartige Schauspiel der Wolken: zu Schaum geschlagene weißleuchtende Haufen, zarte Schleier oder, vor einem Gewitter, wild dahinziehende und sich auftürmende Formationen. Im Himmel – ein wichtiges Element, um im Bild (Luft)perspektive und Tiefe darzustellen – finden sich alle Farben, die von oben beleuchteten Wolken reflektieren an ihrer Schattenseite die Farbtöne der Erde. Aquarell – das ist Malerei mit Wasser – bedeutet vor allem, das Licht zu malen.

An besonders schönen Herbsttagen liegen die abgeernteten Felder wie gekämmt im goldenen Licht, mit langen Schatten in Violett und Indigo, darüber ein weiter Himmel. Dann weiß meine Malgruppe um das Glück, noch im Freien sitzen zu können, und dies in ihren Aquarellen einzufangen. Auch der Winter hätte seinen Reiz, doch dann ist es uns zu kalt um draußen zu malen.

Fotos: privat

1-20140921_1933554-RGAquarell

Wildnis kehrt zurück

Wo hat sich die Wildnis die letzten Jahre oder Jahrzehnte versteckt, und wie breitet sich Wildnis wieder aus? Nationalparkförster Wolfgang Riener

Der Begriff Wildnis ist in aller Munde doch wie definiert man Wildnis exakt? Meiner Auffassung nach ist Wildnis dort, wo der Mensch auf sämtliche Nutzung verzichtet und der Natur freien Lauf lässt. Somit kann Wildnis auch im urbanen Raum entstehen, wenn zum Beispiel alte Fabrik- oder Industrieanlagen nicht mehr genutzt werden. Auf solchen Flächen nimmt schnell die Natur Oberhand und bietet vielen Tier- und Pflanzartenarten einen neuen wilden Lebensraum. In einem Nationalpark sieht Wildnis dann doch etwas anders aus als ein Stück verwildertes Land. In manchen Bereichen des Nationalparks Thayatal hat der Mensch seit über 20 Jahren nichts mehr getan. Bäume dürfen alt werden, wenn sie absterben bleiben sie stehen und werden nicht gefällt. Irgendwann fallen sie um und bleiben am Boden liegen, sogenanntes Totholz. Man muss sich schon an den Anblick eines wilden Waldes gewöhnen, da er nicht dem Ideal eines Wirtschaftswaldes entspricht. Dort stehen Bäume in Reih und Glied, sind gleich alt und es gibt nur wenig Vegetation am Waldboden, weil das dichte Kronendach kaum Sonnenlicht durchlässt. Gerade dieser sogenannte Fichten Altersklassen Wald leidet derzeit massiv unter der Klimaveränderung. Der Borkenkäfer hat nun leichtes Spiel und hat sich in manchen Waldgebieten Österreichs explosionsartig vermehrt, auch weil in einem Wirtschaftswald die Antagonisten fehlen. Schlupfwespen und Ameisenbuntkäfer sind die natürlichen Feinde, ich bezeichne sie auch gerne als Gegenspieler, die einen sehr wertvollen Beitrag zur Eindämmung der Borkenkäferbestände beitragen können. In Wildnisgebieten und Nationalparks reguliert sich die Natur ganz von selbst.

Wenn wir Wildnis auch in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft wieder zulassen, leisten wir einen wertvollen Beitrag für einen gesunden Naturhaushalt und die damit verbundene Artenvielfalt.

Totholz an der Thaya BR_NPTT_D. Manhart

Foto: NP Thayatal, D.Manhart

Viele Hände, schnelles Ende

Bilge Su Sarikaya aus Ankara hat alles gegeben und viel erlebt

Wenn Du nach einem Ort suchst, an dem die Natur und der Himmel verschmelzen, dann ist das hier der richtige Platz für dich. Der Nationalpark Thayatal bietet eindrucksvollste Naturerlebnisse und Einblicke in die Wildnis, mitten in Europa. Ich verbrachte eine Woche im Wildkatzen Camp als Freiwillige, um den Nationalpark bei seinen vielfältigen Aufgaben zu unterstützen. Die Woche war unglaublich intensiv für mich, als naturliebende Person war dieses persönliche Experiment aber ein totaler Erfolg und unglaublich faszinierend. Eine Woche lang in Mitten der Natur zu verbringen war natürlich atemberaubend, aber ich möchte auch von der Freiwilligenarbeit selbst berichten.

Ich empfand die Arbeit für diese Art von Organisation als ein Privileg. Wir waren 11 junge Menschen aus aller Welt, sechs sehr unterschiedliche Nationen waren vertreten. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen kamen aus Polen, Spanien, Serbien, Russland, der Türkei oder sogar Mexiko. Wir alle waren aus den verschiedensten Gründen hier, aber einer davon war offensichtlich und für uns alle sehr ähnlich: Wir legen großen Wert auf Naturschutz und hatten hier die Chance einerseits einen wichtigen Beitrag zum Naturraummanagement zu leisten und gleichzeitig viel über Schutzgebiete im allgemeinen und das Thayatal im speziellen zu lernen. Bei der Trockenrasenpflege, dem Entfernen von Springkraut oder beim Ringeln von Robinien bekamen wir einen guten Einblick in die Arbeiten des Nationalparks. Und es war auch genug Raum um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und neue Freunde zu finden.

Ich habe hier so viele Dinge gelernt und erlebt, die ich ohne dieses Freiwilligencamp nicht erlebt und gelernt hätte. Ich möchte allen danken, die dies für uns Junge möglich gemacht haben und weiterhin möglich machen.

Big Five Volunteers 2018_NP Thayatal (4)

Schwarzstorch öfter gesichtet

NP Ranger Robert Müllner über Sichtungen des Schwarzstrochs

Im Nationalpark Thayatal sind heuer wieder verstärkt Sichtungen des Schwarzstorchs wahrzunehmen. Am frühen Morgen fliegt er regelmäßig von seinem Brutrevier aus zu den Fischgründen an der Thaya, wo er beim Überflug in der Nähe des Nationalparkzentrums oft zu beobachten ist.

Entlang der Thaya sucht er geduldig Nahrung für sich und seinen Nachwuchs. Beim Umlaufberg, wo er tagsüber immer wieder anzutreffen ist, steigt er bei Gefahr hoch und erkundet noch einmal vom Rabenfelsen aus die Lage auf der Suche nach einem ruhigen Platz.

Auch von den Rangerkollegen des Nationalparks Podyjí werden heuer mehr Störche beobachtet als in den vergangenen Jahren. Vielleicht hängt es von der warmen Witterung im Frühjahr ab. Möglicherweise ist aber auch der niedrige Wasserstand der Thaya, bedingt durch die wenigen Niederschläge der letzten Monate, dafür verantwortlich. Da der elegante Schreitvogel für seine Nahrungssuche niedrige Gewässer bevorzugt, dürfte er sich heuer an der Thaya besonders wohl fühlen.

Ausreichend Nahrung ist für den Bruterfolg sehr wichtig, darum hoffen wir, dass der Schwarzstorch erfolgreich bei der Aufzucht seiner Jungen ist, damit er uns auch in den kommenden Jahren mit seiner Eleganz und Schönheit beeindruckt.

9. Motiv, Schwarzstorch_BR_NP Thayatal, D.  Manhart

Foto: NP Thayatal, D.Manhart

Auf der nächtlichen Pirsch

Nationalpark Ranger und Wildkatzenprojektmitarbeiter Thomas Einsiedl lässt sich begleiten

Es ist jetzt bereits 11 Jahre her, seit wir die bis dahin in Österreich als ausgestorben geltende Wildkatze  im Nationalpark Thayatal wieder entdeckten. Es gab damals vage Hinweise, dass sich Wildkatzen in der Umgebung des NP aufhalten könnten, und so stapfte ich im Auftrag unseres heutigen Direktors Christian Übl, “bewaffnet” mit Baldriantee als Lockmittel  und einigen Holzstaffeln, die als Lockstock dienen sollten, durch den Nationalpark. In der Theorie sollten sich etwaige Wildkatzen an den rauhen und für sie unwiderstehlich duftenden Lockstöcken reiben.  Haare, die dann am Stock hängen bleiben, kann man mittels DNA-Analyse untersuchen und so feststellen, ob es sich um Felis silvestris silvestris, also die Europäische Wildkatze, handelt.

Wir staunten nicht schlecht und die Freude war riesengroß als wir das Ergebnis der von uns ins Labor geschickten Haarproben erfuhren. Wir hatten zum ersten Mal seit über 40 Jahren  die Wildkatze in Österreich nachweisen können. Und das im Nationalpark Thayatal.  Seit damals hat sich viel getan. Die Wildkatze avancierte sozusagen binnen kürzester Zeit zu unserem  Aushängeschild. Es folgten TV- Sendungen, Zeitungsberichte, es wurde die Plattform Wildkatze gegründet und beim Nationalparkhaus die größte Wildkatzenanlage Österreichs errichtet.

Das Interesse an der Wildkatze ist groß, das beweisen auch immer unsere sehr gut besuchten Spezialführungen zum Thema. Fragt man heute jemanden nach der Wildkatze, so erhält man erstaunlich stimmige Antworten über ein Tier, das die wenigsten vor rund 10 Jahren überhaupt gekannt haben. Dies alles gibt uns die Hoffnung, dass sich der scheue kleine Beutegreifer wieder in seiner angestammten Heimat etablieren kann. Es zeigt auch, ob wir Menschen die Verantwortung übernehmen, Lebensraum mit der Wildkatze und somit auch vielen anderen Arten teilen zu können. Frei nach dem Motto: Geht es der Wildkatze gut, geht es der Natur gut – geht es der Natur gut, geht es uns allen gut…

Lockstock_Einsiedl_Wildkatze_BR Marc Graf

Foto: NP Thayatal, MGraf

Vergangene Wege, vergessene Mühlen

Nationalpark-Ranger Helga Donnerbauer berichtet von zauberhaften Geschichten am Kajabach

Einer meiner Lieblingswege in Nationalpark Thayatal, führt durch das romantische Kajabachtal, von der Ruine zum Fluss. Als Merkersdorferin liegt das natürlich auf der Hand, dass ich dort oft unterwegs bin, aber es ist nicht nur die örtliche Nähe die mich dorthin zieht, sondern es sind auch die mystische Stimmung, die Kühle im Sommer und die vielen Geschichten aus vergangenen Zeiten die mir am Weg in den Sinn kommen.

Wenn man mit wachsamen Augen durch diesen wilden, urtümlichen Eschen-Schluchtwald wandert und sich in die gute alte Zeit vor Handy und Traktoren versetzt, fallen einem vielleicht auch die fast verschwundenen Spuren menschlicher Siedlungsgeschichte auf. Alte Wege etwa, die an ganz anderer Stelle verlaufen als sie es die heutigen tun. Es gab einige Engstellen im Kajabachtal, die früher nicht passierbar waren und erst spät durchbrochen wurden. Es war sicherlich ein abenteuerlicher Ritt mit Pferd und Wagen hinunter zu den Thayawiesen und den Mühlen. Von diesen Mühlen sind heute, wenn überhaupt, nur mehr Fundamente zu finden oder es weisen nur mehr die Namen in den Karten wie „Obere und Untere Bärenmühle“ oder „Neun Mühlen“ auf diese Bauwerke hin. Damals gab es etwa Tuchmacher-Mühlen und Mühlen zur Pulverherstellung, die Mühlen an der Thaya waren Getreidemühlen. Abgesehen davon, dass den dortigen Müllern immer gern das „abstauben“ eines Teils des Mahlguts vorgeworfen wurde, hatten manche dieser Orte den Ruf, dass nicht immer alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Heute ist das natürlich anders und einer genußvollen Wanderung steht nichts im Wege. Dieser Tage bestaune ich gerne die letzten blühenden Türkenbundlilien und genieße das beruhigende Plätschern des Baches, der sich bei einem kräftigen Gewitter schnell auch in einen rauschenden Wildbach verwandeln kann. Nach einem solchen Gewitter wird man allerdings mit geheimnisvollen Nebelschwaden über dem Thayawasser und einer Begegnung mit schwarz-gelb gefleckten Gesellen, belohnt.

Foto: NP Thayatal, M.Graf

Kajabach_BR_NP Thayatal_M.Graf

 

Über alle Grenzen

Nationalparkmitarbeiter David Freudl berichtet vom Transparcnet Treffen in Retz

„Bridges over troubled water“ – unter diesem Motto wurde in der ersten Juni Woche ein internationales Treffen von Vertretern  grenzüberschreitender Schutzgebiete aus ganz Europa, das TransParcNet Meeting 2018, in den Nationalparks Thayatal/Podyjí abgehalten. Der Titel beschreibt den diesjährigen Schwerpunkt des Meetings sehr treffend, einerseits die Brücken, welche dabei helfen Grenzen zu überwinden, andererseits das aufgewühlte Wasser, welches oftmals aufgrund der gewässerökologischen Situation stark anthropologisch beeinflusst ist und sich zunehmend von einem naturgemäßen Zustand entfernt. Vielerorts ist es nicht mehr möglich die Veränderungen komplett rückgängig zu machen aber das ist kein Grund tatenlos zu sein, denn der Bedarf die Qualität unseres Lebensraumes und unseres Wassers zu erhalten und zu verbessern ist sehr hoch. Aus diesem Grund wurde der Fokus des diesjährigen Treffens auf die Gewässer Europas gelegt und sechzig Vertreter europäischer Schutzgebiete aus 14 Ländern sowie Experten  in Gewässerschutz haben ihre Unterstützung zum Ausdruck gebracht indem sie sich in den Nationalpark Thayatal/Podyjí versammelt haben um Erfahrung austauschen und ihre reiche Erfahrung zu teilen. Die Problematik ist europaweit sehr ähnlich und die Gewässersysteme sind oftmals über mehrere Staatsgrenzen miteinander vernetzt. Wodurch dieses Treffen und der Austausch von Kollegen im Schutzgebietsmanagement nicht nur ein nützliches Instrument darstellte sondern schlichtweg notwendig für einen effizienten Gewässerschutz ist. Die Nationalparks Thayatal und Podyjí arbeiten nun seit beinahe zwanzig Jahren zusammen um unter anderem auch den gewässerökologischen Zustand unseres Grenzflusses Thaya zu verbessern. Auch dieses Treffen wurde von beiden Nationalparks gemeinsam organisiert und beinhaltete neben Präsentationssessions, Workshops und Exkursionen auch ein kulturelles Programm um die grenzüberschreitenden Partnerschaften zu stärken, denn schlussendlich, sitzen wir alle in einem Boot.

Gruppenfoto am Fluss 1

Die erste Nacht im Wildkatzen Camp

Bernadette Lehner über den “Testlauf” mit der Partnerschule

Am Donnerstag, den 24. Mai 2018 war es endlich soweit! Die Volksschulkinder aus Pleissing weihten das Wildkatzen Camp ein! Als Partnerschule waren sie die Ersten, die eine Nacht im Camp verbringen durften. Groß waren Aufregung und Vorfreude! „Am liebsten würde ich immer da schlafen!“ verrät mir eine Schülerin. Ganz klar: Hier kann sie endlich im Stockbett mal oben liegen!

Auch für mich war es ein besonderer Abend. Viele Monate teilweise anstrengender Projektarbeit liegen hinter mir. Viele Dinge waren von uns – gemeinsam mit Architekten und Baufirmen – abzustimmen, festzulegen, zu entscheiden und zu koordinieren gewesen. Seit dem Spatenstich Ende September wurde das Gebäude errichtet, eingerichtet und künstlerisch gestaltet und das Außengelände des Grundstückes modelliert.

Der Tag der ersten Übernachtung kam überraschend. Nicht der Termin überraschte mich, sondern das Gefühl, plötzlich fertig zu sein. Nur Kleinigkeiten fehlen, auf der ehemaligen Baustelle ist nur noch der Gärtner tätig. Irgendwie werde ich den Trubel vermissen. Den „Trubel“ – oder besser: die Arbeitsamkeit – die für das schöne Ergebnis verantwortlich ist. Das Wildkatzen Camp ist für den Betrieb bereit! Ein schönes Gefühl für mich, eine große Veränderung für den Nationalpark. Kinder- und Jugendgruppen werden nun das Haus bevölkern und wilde Abenteuer mit unvergesslichen Eindrücken erleben.

Nach einer aufregenden Nachtwanderung mit Claudia Waitzbauer Nationalparkmitarbeiterin und Ranger) ließen die Kinder der Partnerschule zum Abschluss des Abends „echte“ Raketen steigen und fielen anschließend müde und zufrieden ins Bett. Auch ich hatte eine ruhige, bequeme Nacht im Wildkatzen Camp.

DSC_1073_zuschnitt_klein