Ein Plädoyer für die Nutzung

Wer jetzt im Frühling durch die Landschaft im Osten Österreichs fährt, merkt deutlich die Veränderung. Das Braun des Winters weicht dem frischen Grün des Frühlings. Die Bäume treiben aus, innerhalb weniger Tage kleiden sich die kahlen Äste mit dem zarten Grün der jungen Blätter.

Österreich ist ein waldreiches Land. Der Wald ist ein landschaftsprägender Faktor. Fast die Hälfte (47,6 Prozent) der Fläche ist von Wald bedeckt (Quelle BFW). In den letzten 10 Jahren ist der Waldanteil durchschnittlich um 3.400 Hektar pro Jahr gewachsen. Unser Wald stellt eine wichtige Rohstoff- und Energiequelle dar, ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen, sichert biologische Grundlagen wie z. B. Trinkwasser, schützt uns vor Naturgefahren und ist für uns ein idealer Erholungsort.
Es wäre unvernünftig, diese Ressourcen nicht zu nutzen. Leider ist unsere Gesellschaft immer noch sehr stark vom Erdöl abhängig. Der Rohstoff Holz ist wesentlich klimafreundlicher und kann mehrfach und auch nachhaltig genutzt werden. Hier bedarf es der Schaffung besserer Rahmenbedingungen und des Umdenkens jedes Einzelnen, um die Holznutzung weiter auszubauen. Davon profitieren letztlich wir alle, denn die Wertschöpfung daraus bleibt hauptsächlich in Österreich.

Der Wald unterliegt derzeit einem starken Wandel. Hohe Temperaturen und geringe Niederschläge bringen die Fichte, die in vielen Bereichen vor Jahrzehnten gesetzt wurde, stark unter Druck. Im Nationalpark Thayatal haben wir bereits sehr frühzeitig mit der Umwandlung standortfremder Aufforstungen begonnen und ausschließlich auf Naturverjüngung gesetzt. Unsere Hainbuchen- und Eichenbestände leiden natürlich auch unter Trockenheit, sie sind aber dennoch bereits über Jahrhunderte an Extremereignisse angepasst. Generell gilt, dass die Natur im Nationalpark nicht genutzt wird, sondern sich frei entwickeln darf. Vor allem in den Zeiten starker klimatischer Veränderungen können Schutzgebiete mit ihrem großen Artenreichtum auch als wichtige Genreserve für künftige Wirtschaftswälder dienen. In dieser Form leisten wir gerne einen Beitrag für die nachhaltige Waldbewirtschaftung in Österreich.

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Bildrechte: NP Thayatal, D. Manhart

Alles sprießt!

Nationalpark Ranger Hans Fittl freut sich über die ersten Lebenszeichen im Frühlingswald

Schnee und Kälte sind am Rückzug und die wärmende Sonne zieht uns hinaus in die Natur. Im Nationalparkwald dominierten bisher noch die Farben Braun und Grau der abgefallenen Blätter am Boden und der Baumstämme. Aber dieser Tage tauchen die ersten bunten Farbtupfer in Form der sogenannten Frühlingsgeophyten auf. Sie haben unterirdische Speichergewebe und können dadurch zeitig im Frühjahr, noch vor dem Blattaustrieb der Bäume ihre Blütenpracht herzeigen.

Unterwegs im Nationalparkwald begrüßt mich der gelb blühende Dirndlstrauch – eine leuchtend gelbe Wolke in der Landschaft. Weiter am Weg entdecke ich den beeindruckend unauffälligen Seidelbast. Allerdings ist das gar nicht so leicht, denn die zartrosa Blüten stehen direkt am verholzten Stamm. Die Blätter verraten ihn kaum, denn die kommen erst später. Auch Leberblümchen tauchen in zartem Grün zwischen den dreilappigen, alten Blättern des Vorjahres auf. Ihre hellblauen Blüten dienen als wichtiger Pollenlieferant für die ersten Insekten. An dieser Pflanze haben ebenso Ameisen ihre Freude, denn die Samen bilden ein sogenanntes Elaiosom, ein energiereiches Anhängsel am Samen, das von diesen sozialen Insekten gerne mitsamt Samen ins Nest getragen wird. So wird auch das Leberblümchen weiterverbreitet.

Im Wald und in den Vorgärten Hardeggs erscheinen auch die Schneeglöckchen, oft flächendeckend, sodass man meint, der Winter ist wieder zurück. Ich gehe auch immer wieder gerne hinauf auf‘s Maxplateau, hoch über Hardegg. Dieses ist nach Süden ausgerichtet und damit blühen hier die Pflanzen schon früher als in den schattigen Nordhängen. Zu finden sind hier die schon sehr selten gewordene Kuhschelle, aber auch das Lungenkraut, vielleicht besser bekannt unter dem Namen Hänsel und Gretel, und Schlüsselblumen. Und wer ganz genau schaut, findet am Boden auf feuchten Ästen einen zinnoberrot leuchtenden Pilz, den Prachtbecherling.

Wer mich bei meiner botanischen Frühlingswanderung begleiten möchte, hat am Sonntag den 24. März um 14.00 Uhr, bei der Exkursion „Frühlingserwachen im Nationalparkwald, die Gelegenheit dazu.

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Mit scharfem Blick über dem Thayatal

Nationalpark Ranger Robert Müllner berichtet von den Seeadlern im Thayatal

Die Winterlandschaft im Nationalpark hat seinen speziellen Reiz. Bei Wanderungen in der Natur erhält man mancherorts Ausblicke, die zu einer anderen Jahreszeit nicht möglich wären. Durch den Laubfall im Herbst eröffnen sich von anderen Wegabschnitten als üblich seltene Blicke ins Thayatal, die einen immer wieder staunen lassen. Die Winterkulisse ist kahl und die Zeit ist ruhig. So ruhig, dass man jede Bewegung und jedes Geräusch wahrnimmt. Man kann die Wanderung völlig genießen.

In dieser besonderen Zeit trifft man auch den Seeadler immer häufiger an. Im Winter sehe ich den wunderbaren Greifer sehr oft, wenn ich entlang der Thaya wandere, oder hoch von einem Felsen ins Tal blicke. Wenn anderorts viele Teiche und Seen zugefroren sind, gleitet er über dem Fluss oder sitzt auf einen Baum entlang der Thaya und wartet geduldig auf seine nächste Mahlzeit. Da die Thaya durch den Betrieb des Kraftwerkes in Frain so gut wie nicht vereist, halten sich speziell im Winter sehr viele Entenvögel und Reiher am Fluss auf. Der Seeadler, einer der größten Greifvögel Mitteleuropas mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,5 Metern, ist bei seiner Nahrung nicht sehr wählerisch. Neben Enten und Gänsen, nimmt er auch Fische, die der Wasseroberfläche zu nahe kommen und vor allem im Winter auch Aas.
Im Jänner fand wieder die Synchronzählung der Seeadler statt, wo wir im Thayatal auch zwei Adler beobachtet haben. Bei unserer Besichtigungstour die fast den ganzen Tag dauerte, haben wir etwas später noch einen riesigen Horst hoch auf einer Lärche in der Näher der Adlersichtung entdeckt. Es wäre doch wundervoll, würde dieser Horst von den zwei Adlern besetzt werden.

Wir werden den Horst und die Seeadler jedenfalls im Ranger-Auge behalten.
Im Mai gibt es bei einer Führung im Nationalpark wieder Gelegenheit, die Vogelwelt des Thayatales gemeinsam mit Nationalpark Ranger Robert Müllner besser kennenzulernen.

Termin: Sonntag, 05. Mai. 2019, 07:30h
Dauer: ca. 4h
Treffpunkt: Parkplatz Ruine Kaja

Anmeldung: Nationalpark Thayatal
Telefon: 02949/7005
E-Mail: office@np-thayatal.

Seeadler

Seeadler

Was macht der Nationalpark eigentlich im Winter?

Nationalparkmitarbeiter Christoph Milek erklärt warum die Nationalparkmitarbeiter keinen Winterschlaf halten

Wer in den letzten Wochen einmal in der wunderschönen Winterlandschaft des Thayatals spazieren war hat es sicherlich gemerkt. Man ist hauptsächlich allein und hört – nichts! Ausser dem Knirschen des Schnees, dem Plätschern der Thaya und seltenen Spechtrufen gibt es jetzt im Winter kaum akustische Ablenkung. Man hat den Eindruck, dass alles schläft. Wirklich alles?
Hier im Nationalparkbüro bei Hardegg ist jedenfalls, abgesehen von einer kurzen Pause über den Jahreswechsel, so viel los wie in einem Waldameisenhaufen im April bei Sonnenschein. Jahresprogramme werden erstellt, alte Projekte werden abgeschlossen, neue Projekte werden vorbereitet, Führungen werden geplant, Folder werden gestaltet und versendet, Kooperationen mit unseren Partnern, seien es die Medien oder unsere tschechischen Kollegen, werden gepflegt und gefördert, das stabile Wetter wird für notwendige Waldarbeiten genutzt, im Nationalparkhaus werden Neuerungen umgesetzt, selbst eine neue Mitarbeiterin dürfen wir begrüßen und einschulen.

Jedenfalls sind wir Nationalparkmitarbeiter schon voller Vorfreude auf die großen Themen in diesem Jahr: Vor 30 Jahren wurde der Teilung Europas der Rücken gekehrt und der Eiserne Vorhang ward Geschichte. Viele Hardeggerinnen und Hardegger waren damals dabei. Diesem politischen und gesellschaftlichen Durchbruch wollen wir mit besonderen Exkursionen, Festen und auch einer Ausstellung feierlich Rechnung tragen.

Das Jahr 2019 ist auch offizielles Jahr der Wildkatze, was uns zusätzlich anspornt den Lebensraumschutz für diese geheimnisvolle Europäerin in den Vordergrund zu stellen. Neben einer speziellen Ausstellung und den allseits beliebten Fütterungen unserer Wildkatzen Frieda & Carlo, widmen wir uns der weiteren Erforschung der Wildkatzenpopulation im Thayatal und werden in Zusammenarbeit mit der Plattform Wildkatze im Herbst Spezialisten und Interessierte alle Länder einladen, um bei einem Symposium über die Förderung der Samtpfoten zu sprechen.

Und natürlich scharren auch schon die Ranger in den Startlöchern, die es kaum erwarten können, gemeinsam mit Naturinteressierten wieder auf Tour zu gehen und die wilden Schönheiten des Nationalparks Thayatal zu entdecken!

Nationalpark Thayatal im Winter

Nationalpark Thayatal im Winter

Als 1998 eine Wanderung bewilligt werden musste …

Christian Übl, Direktor im Nationalpark Thayatal, über den Beginn einer grenzüberschreitenden Wanderung, die zur Tradition wurde.

Man kann es fast als wegweisend bezeichnen: 1998 hatte der Konditor Felix Wiklicky die Idee, zu Silvester in Hardegg eine Wanderung hinüber nach Tschechien anzubieten. Die Veranstaltung fand großes Interesse, zahlreiche Besucher kamen ins Thayatal und marschierten über die Thayabrücke hinüber nach Tschechien.

Was heute selbstverständlich klingt, war damals eine echte Besonderheit. Im Winter war die Brücke geschlossen, eine Öffnung konnte nur über Sonderbewilligungen erreicht werden. Die Grenzbeamten kontrollierten jeden Reisepass, einige Teilnehmer können heute noch stolz ihren Stempel vom 31. Dezember 1998 vorzeigen.

Die Silvesterwanderung ist somit ein Jahr älter als der Nationalpark Thayatal selbst und auch die Nationalparkverwaltung nahm erst wenige Tage später, am 4. Jänner 1999, ihren Betrieb auf. Heute ist die Veranstaltung eine lieb gewordene Tradition. Viele kommen ins Thayatal, um sich mit etwas Bewegung und anschließender Verköstigung auf den Jahreswechsels einzustimmen. Alle vier Jahre sind wir auf der selben Route unterwegs, heuer werden wir auch heuer wieder hinüber zur Hardegger Warte in Tschechien marschieren.

2019 feiern die beiden Nationalparks Thayatal und Podyjí „30 Jahre Grenzöffnung“. Für mich ist die Wanderung in den tschechischen Nationalpark ein idealer Auftakt für diesen Themenschwerpunkt. Aufgrund unserer guten grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit dem NP Podyjí in Tschechien erhalten wir deutlich mehr Aufmerksamkeit. Bei unseren gemeinsamen Veranstaltungen kommt es zu Begegnung von Besuchern beider Länder, unsere beiden Nationalparks tragen somit zum weiteren Abbau der Grenzen bei.

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Auf den Spuren des „Thayatal- Dundees“

Nationalpark Jung-Rangerin Carmen Bauer berichtet über das erste Ausbildungsjahr

Wenn ich erzähle, dass ich eine Ausbildung zur Nationalpark-Rangerin mache, ist oft die erste Frage, ob ich der „Crocodile Dundee“ des Nationalparks werde und mit der Machete durch den Wald robbe um Raubtiere zu jagen? Das ist zwar leicht daneben aber zumindest müssen wir alle lachen. Ein Messer haben wir meist schon dabei, aber eher für die Jause zur Stärkung nach den vielen fundierten und umfangreichen Informationen, die wir von unseren Ausbildnern und Experten erhalten. Unsere Ausbildung ist praxisnahe und findet daher großteils unter freiem Himmel statt, unabhängig von Jahreszeit und Wetter – genau dort, wo unser späterer „Arbeitsplatz“ sein wird. Wir Neo-Ranger lernen gewissermaßen das Natur- und Tierreich „lesen“ und verstehen.

Als zukünftige Botschafter des Nationalparks bekommen wir ebenso viel Methodenlehre und Exkursionsdidaktik vermittelt, um die Inhalte für die Besucher und Schüler mit Spannung, Spaß und trotzdem fundiert aufzubereiten und zu vermitteln. Mein vornehmstes Ziel als Jung-Rangerin ist es, die Besucher für – „UNSER“ Juwel – zu sensibilisieren und zu begeistern. Sie sollen den Zauber des Waldes spüren und Augen und Ohren öffnen können, um so, „berauscht“ von Farben, Gerüchen, Eindrücken und Information, Achtsamkeit und Verständnis für die Natur entwickeln zu können. Ich freue mich darauf – mein Feuer für den Nationalpark Thayatal den Besuchern weiterzugeben.

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Über alle Grenzen

David Grossmann, Mitarbeiter des NP Podyjí, über die Zusammenarbeit mit den „Nachbarn“ aus Österreich 

Eine grenzüberschreitende Partnerschaft ist einer Ehe gleichzusetzen. Wenn die Partner nicht miteinander kommunizieren, wird die Ehe nicht lange halten. Mit den Kollegen aus dem Nationalpark Thayatal haben wir das Glück, dass unser Dialog lebendig ist. Unsere gemeinsame Zusammenarbeit besteht schon seit den 80er Jahren, als uns die österreichische Seite dabei geholfen hat, das Staudammprojekt „Býčí skála“ zu stoppen. Dies hätte das Thayatal grundlegend verändert. 20 Jahre später konnten wir im Gegenzug von der tschechischen Seite aus die Errichtung des Nationalparks Thayatal unterstützen.

Neben dem Schutz unserer schönen Landschaft haben wir ein weiteres ehrgeiziges Ziel. Unsere gemeinsame Botschaft möchten wir auch den Menschen vermitteln, die auf beiden Seiten der Grenze leben und arbeiten. Jedes Jahr organisieren wir eine Reihe von Veranstaltungen und freuen uns, dass diese Gefallen finden. Es ist uns wichtig, dass die Menschen nicht nur die Natur,  sondern auch sich gegenseitig kennen lernen. Wir sind davon überzeugt, dass wir unterstützend helfen können, den Eisernen Vorhang, der eigentlich vor 29 Jahren gefallen ist und noch bei vielen Menschen im Inneren verankert ist, zu durchbrechen.

Für die Tschechische Republik sind die Jahre, welche mit einer Acht enden von entscheidender Bedeutung. Vor 100 Jahren entstand die erste unabhängige Republik, vor 80 Jahren brach wurde dieses gewaltsam beendet. 2018 haben wir uns auch an das 70-jährige Jubiläum erinnert, wo wir nahezu von einer Totalität zur anderen übergegangen sind. Der Versuch, vor über 50 Jahren zur Demokratie zurückzukehren, wurde von sowjetischen Panzern zerstört.

Mit den Mitarbeitern aus dem Nationalpark Thayatal arbeiten wir daran, unsere Zusammenarbeit in den kommenden Jahren weiter zu vertiefen. Wenn eine Ihrer neuen tschechisch-österreichischen Freundschaften bei einer unserer gemeinsamen Veranstaltungen entstanden ist, freue ich mich sehr darüber.

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Foto: NP Thayatal, Ch.Sonvilla

Was für ein toller Tag im Thayatal!

Eva Kulovic aus dem Burgenland berichtet über den Nationalparkwandertag.

Die traditionelle Wanderung am österreichischen Nationalfeiertag fand für mich dieses Jahr im schönen Nationalpark Thayatal statt. Ausgangspunkt der Rundwanderung war das Nationalparkhaus bei Hardegg. Nach einer feierlichen Ansprache auf der Terrasse starteten rund 100 Besucher, inklusive mehrerer vierbeiniger Begleiter, den Marsch. Geführt wurden die Touren von Nationalpark Rangern. Man konnte zwischen zwei unterschiedlich langen Routen wählen: Trotz Kind im Schlepptau, wählten wir die längere, die sehr abwechslungsreich aufgrund mehrerer Highlights war. Die rund fünf Kilometer lange Wanderung war für Jung und Alt geeignet. Die Ranger informierten über die vielfältige Flora und Fauna sowie über die Entstehungsgeschichte des Thayatals.

Der Weg führte vorbei an der Grenzbrücke nach Tschechien, entlang moosbewachsener Uferpfade, durch bunte Laubwälder hinauf zu einer Terrasse, die uns einen traumhaften Weitblick über das Thayatal bescherte. Vorbei an mächtigen Felsen beim Einsiedlerweg bot sich am mystisch wirkenden Flussufer eine traumhafte Kulisse für die Labstelle der freiwilligen Feuerwehr. Gestärkt durch ein Liptauerbrot verlief die Wanderung weiter entlang eines Naturlehrpfades, der ganz im Zeichen der europäischen Wildkatze steht und besonders für die Kinder ein Highlight war. Das Suchen der versteckten Katzensilhouetten machte den Kleinen besonders viel Spaß.

Nach rund drei Stunden kehrten die Wanderer im strahlenden Sonnenschein zum Nationalparkhaus zurück. Dieses Ausflugsziel kann ich Kindern und Naturliebhabern gleichermaßen bei jedem Wetter empfehlen. Im Haus gibt es tolle Workshops, Filmvorführungen und Wissenswertes über Tiere und Pflanzen im Thayatal zu erfahren.

Der Außenbereich gleicht einem Abenteuerspielplatz. Ich konnte auch das neu eröffnete Wildkatzen Camp für Schulklassen besichtigen und natürlich ließ ich mir die spektakuläre Schaufütterung von Frieda und Carlo nicht entgehen. Was für ein toller Tag im Thayatal!

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Foto: NP Thayatal

All colors are beautiful oder

Rosi Grieder-Bednarik über das Malen im Nationalpark Thayatal

Der Herbst ist, wie jedes Kind weiß, die bunteste aller Jahreszeiten. Dieses Jahr ließ die Farbenpracht ein wenig auf sich warten. Vermutlich bedingt durch den Klimawandel, ließ der so trockene Sommer das Laub vieler Bäume schon frühzeitig braun werden.

Der starke Kontrast zwischen grünen, orange und rot leuchtenden Blättern, welcher normalerweise zustande kommt, wenn das Chlorophyll langsam abgebaut wird, fehlte bisher. Gelbe Flecken leuchten heuer in den dunklen Wäldern, wo manche Bäume schon blattlos den Winter erwarten. Mittlerweile hat die Farbenpracht aber Einzug gehalten und der Wald präsentiert sich im bunten Farbenspiel.

Für MalerInnen hält die Natur das ganze Jahr über seine Farbenpracht bereit: Maigrünes, frisches Laub und zartfarbige Blüten im Frühling. Hingetupfte bunte Blumen auf leuchtenden Sommerwiesen. Glitzernde Lichtreflexe in den Wellen der Thaya unterhalb des Wehrs, Wasserspiegelungen in den Teichen. Kühle Farben am Vormittag, sanfte Pastelltöne, wenn noch der Dunst über der Landschaft liegt, grelle Kontraste um die Mittagszeit, warme Töne gegen Abend.

Am Himmel – sofern er nicht strahlend blau ist – das großartige Schauspiel der Wolken: zu Schaum geschlagene weißleuchtende Haufen, zarte Schleier oder, vor einem Gewitter, wild dahinziehende und sich auftürmende Formationen. Im Himmel – ein wichtiges Element, um im Bild (Luft)perspektive und Tiefe darzustellen – finden sich alle Farben, die von oben beleuchteten Wolken reflektieren an ihrer Schattenseite die Farbtöne der Erde. Aquarell – das ist Malerei mit Wasser – bedeutet vor allem, das Licht zu malen.

An besonders schönen Herbsttagen liegen die abgeernteten Felder wie gekämmt im goldenen Licht, mit langen Schatten in Violett und Indigo, darüber ein weiter Himmel. Dann weiß meine Malgruppe um das Glück, noch im Freien sitzen zu können, und dies in ihren Aquarellen einzufangen. Auch der Winter hätte seinen Reiz, doch dann ist es uns zu kalt um draußen zu malen.

Fotos: privat

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Wildnis kehrt zurück

Wo hat sich die Wildnis die letzten Jahre oder Jahrzehnte versteckt, und wie breitet sich Wildnis wieder aus? Nationalparkförster Wolfgang Riener

Der Begriff Wildnis ist in aller Munde doch wie definiert man Wildnis exakt? Meiner Auffassung nach ist Wildnis dort, wo der Mensch auf sämtliche Nutzung verzichtet und der Natur freien Lauf lässt. Somit kann Wildnis auch im urbanen Raum entstehen, wenn zum Beispiel alte Fabrik- oder Industrieanlagen nicht mehr genutzt werden. Auf solchen Flächen nimmt schnell die Natur Oberhand und bietet vielen Tier- und Pflanzartenarten einen neuen wilden Lebensraum. In einem Nationalpark sieht Wildnis dann doch etwas anders aus als ein Stück verwildertes Land. In manchen Bereichen des Nationalparks Thayatal hat der Mensch seit über 20 Jahren nichts mehr getan. Bäume dürfen alt werden, wenn sie absterben bleiben sie stehen und werden nicht gefällt. Irgendwann fallen sie um und bleiben am Boden liegen, sogenanntes Totholz. Man muss sich schon an den Anblick eines wilden Waldes gewöhnen, da er nicht dem Ideal eines Wirtschaftswaldes entspricht. Dort stehen Bäume in Reih und Glied, sind gleich alt und es gibt nur wenig Vegetation am Waldboden, weil das dichte Kronendach kaum Sonnenlicht durchlässt. Gerade dieser sogenannte Fichten Altersklassen Wald leidet derzeit massiv unter der Klimaveränderung. Der Borkenkäfer hat nun leichtes Spiel und hat sich in manchen Waldgebieten Österreichs explosionsartig vermehrt, auch weil in einem Wirtschaftswald die Antagonisten fehlen. Schlupfwespen und Ameisenbuntkäfer sind die natürlichen Feinde, ich bezeichne sie auch gerne als Gegenspieler, die einen sehr wertvollen Beitrag zur Eindämmung der Borkenkäferbestände beitragen können. In Wildnisgebieten und Nationalparks reguliert sich die Natur ganz von selbst.

Wenn wir Wildnis auch in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft wieder zulassen, leisten wir einen wertvollen Beitrag für einen gesunden Naturhaushalt und die damit verbundene Artenvielfalt.

Totholz an der Thaya BR_NPTT_D. Manhart

Foto: NP Thayatal, D.Manhart