Vergangene Wege, vergessene Mühlen

Nationalpark-Ranger Helga Donnerbauer berichtet von zauberhaften Geschichten am Kajabach

Einer meiner Lieblingswege in Nationalpark Thayatal, führt durch das romantische Kajabachtal, von der Ruine zum Fluss. Als Merkersdorferin liegt das natürlich auf der Hand, dass ich dort oft unterwegs bin, aber es ist nicht nur die örtliche Nähe die mich dorthin zieht, sondern es sind auch die mystische Stimmung, die Kühle im Sommer und die vielen Geschichten aus vergangenen Zeiten die mir am Weg in den Sinn kommen.

Wenn man mit wachsamen Augen durch diesen wilden, urtümlichen Eschen-Schluchtwald wandert und sich in die gute alte Zeit vor Handy und Traktoren versetzt, fallen einem vielleicht auch die fast verschwundenen Spuren menschlicher Siedlungsgeschichte auf. Alte Wege etwa, die an ganz anderer Stelle verlaufen als sie es die heutigen tun. Es gab einige Engstellen im Kajabachtal, die früher nicht passierbar waren und erst spät durchbrochen wurden. Es war sicherlich ein abenteuerlicher Ritt mit Pferd und Wagen hinunter zu den Thayawiesen und den Mühlen. Von diesen Mühlen sind heute, wenn überhaupt, nur mehr Fundamente zu finden oder es weisen nur mehr die Namen in den Karten wie „Obere und Untere Bärenmühle“ oder „Neun Mühlen“ auf diese Bauwerke hin. Damals gab es etwa Tuchmacher-Mühlen und Mühlen zur Pulverherstellung, die Mühlen an der Thaya waren Getreidemühlen. Abgesehen davon, dass den dortigen Müllern immer gern das „abstauben“ eines Teils des Mahlguts vorgeworfen wurde, hatten manche dieser Orte den Ruf, dass nicht immer alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Heute ist das natürlich anders und einer genußvollen Wanderung steht nichts im Wege. Dieser Tage bestaune ich gerne die letzten blühenden Türkenbundlilien und genieße das beruhigende Plätschern des Baches, der sich bei einem kräftigen Gewitter schnell auch in einen rauschenden Wildbach verwandeln kann. Nach einem solchen Gewitter wird man allerdings mit geheimnisvollen Nebelschwaden über dem Thayawasser und einer Begegnung mit schwarz-gelb gefleckten Gesellen, belohnt.

Foto: NP Thayatal, M.Graf

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Über alle Grenzen

Nationalparkmitarbeiter David Freudl berichtet vom Transparcnet Treffen in Retz

„Bridges over troubled water“ – unter diesem Motto wurde in der ersten Juni Woche ein internationales Treffen von Vertretern  grenzüberschreitender Schutzgebiete aus ganz Europa, das TransParcNet Meeting 2018, in den Nationalparks Thayatal/Podyjí abgehalten. Der Titel beschreibt den diesjährigen Schwerpunkt des Meetings sehr treffend, einerseits die Brücken, welche dabei helfen Grenzen zu überwinden, andererseits das aufgewühlte Wasser, welches oftmals aufgrund der gewässerökologischen Situation stark anthropologisch beeinflusst ist und sich zunehmend von einem naturgemäßen Zustand entfernt. Vielerorts ist es nicht mehr möglich die Veränderungen komplett rückgängig zu machen aber das ist kein Grund tatenlos zu sein, denn der Bedarf die Qualität unseres Lebensraumes und unseres Wassers zu erhalten und zu verbessern ist sehr hoch. Aus diesem Grund wurde der Fokus des diesjährigen Treffens auf die Gewässer Europas gelegt und sechzig Vertreter europäischer Schutzgebiete aus 14 Ländern sowie Experten  in Gewässerschutz haben ihre Unterstützung zum Ausdruck gebracht indem sie sich in den Nationalpark Thayatal/Podyjí versammelt haben um Erfahrung austauschen und ihre reiche Erfahrung zu teilen. Die Problematik ist europaweit sehr ähnlich und die Gewässersysteme sind oftmals über mehrere Staatsgrenzen miteinander vernetzt. Wodurch dieses Treffen und der Austausch von Kollegen im Schutzgebietsmanagement nicht nur ein nützliches Instrument darstellte sondern schlichtweg notwendig für einen effizienten Gewässerschutz ist. Die Nationalparks Thayatal und Podyjí arbeiten nun seit beinahe zwanzig Jahren zusammen um unter anderem auch den gewässerökologischen Zustand unseres Grenzflusses Thaya zu verbessern. Auch dieses Treffen wurde von beiden Nationalparks gemeinsam organisiert und beinhaltete neben Präsentationssessions, Workshops und Exkursionen auch ein kulturelles Programm um die grenzüberschreitenden Partnerschaften zu stärken, denn schlussendlich, sitzen wir alle in einem Boot.

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Die erste Nacht im Wildkatzen Camp

Bernadette Lehner über den “Testlauf” mit der Partnerschule

Am Donnerstag, den 24. Mai 2018 war es endlich soweit! Die Volksschulkinder aus Pleissing weihten das Wildkatzen Camp ein! Als Partnerschule waren sie die Ersten, die eine Nacht im Camp verbringen durften. Groß waren Aufregung und Vorfreude! „Am liebsten würde ich immer da schlafen!“ verrät mir eine Schülerin. Ganz klar: Hier kann sie endlich im Stockbett mal oben liegen!

Auch für mich war es ein besonderer Abend. Viele Monate teilweise anstrengender Projektarbeit liegen hinter mir. Viele Dinge waren von uns – gemeinsam mit Architekten und Baufirmen – abzustimmen, festzulegen, zu entscheiden und zu koordinieren gewesen. Seit dem Spatenstich Ende September wurde das Gebäude errichtet, eingerichtet und künstlerisch gestaltet und das Außengelände des Grundstückes modelliert.

Der Tag der ersten Übernachtung kam überraschend. Nicht der Termin überraschte mich, sondern das Gefühl, plötzlich fertig zu sein. Nur Kleinigkeiten fehlen, auf der ehemaligen Baustelle ist nur noch der Gärtner tätig. Irgendwie werde ich den Trubel vermissen. Den „Trubel“ – oder besser: die Arbeitsamkeit – die für das schöne Ergebnis verantwortlich ist. Das Wildkatzen Camp ist für den Betrieb bereit! Ein schönes Gefühl für mich, eine große Veränderung für den Nationalpark. Kinder- und Jugendgruppen werden nun das Haus bevölkern und wilde Abenteuer mit unvergesslichen Eindrücken erleben.

Nach einer aufregenden Nachtwanderung mit Claudia Waitzbauer Nationalparkmitarbeiterin und Ranger) ließen die Kinder der Partnerschule zum Abschluss des Abends „echte“ Raketen steigen und fielen anschließend müde und zufrieden ins Bett. Auch ich hatte eine ruhige, bequeme Nacht im Wildkatzen Camp.

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Wilde Vielfalt in der kleinsten Stadt

Die Hardeggerin Sigrid Enzenhofer erzählt von tierischen Begegnungen

Hardegg, ein Städtchen, in dem sich Fuchs und Hase „gute Nacht“ sagen? Mitnichten. Doch kam es schon vor, dass in der Nacht Füchse durch meinen Garten streiften, um vielleicht auf dem Kompost Fressbares zu finden.

Als ich einmal zeitig in der Früh meine Gartentüre zur Fugnitz öffnete, flog plötzlich etwas Großes vor mir auf. Es war ein Schwarzstorch, der sich wohl im Bach sein Frühstück holte. Er war in diesem Moment ebenso erschrocken, wie ich. Aber es freute mich, diesen beeindruckenden, seltenen Vogel so nahe gesehen zu haben.

Das Leben in der Natur- und Tierwelt erfüllt mich immer wieder mit Demut. In der Früh glänzen im Sonnenlicht Tautropfen wie Perlen in Spinnennetzen. Jeden Frühling freut es mich, wenn ich den ersten Zitronenfalter sehe. Ebenso ergeht es mir, wenn im Sommer Glühwürmchen in der Dunkelheit wie Smaragdsplitter leuchten, um Weibchen anzulocken. Allerdings beim Anblick der Gottesanbeterin und Spinnen bedauere ich die Männchen….

Oft stehe ich staunend vor den prächtigen Königskerzen, die von alleine aufgehen, noch dazu im steinigsten Winkel meines Gartens, wo sonst nichts gedeiht.

Nicht nur Vögel, bunte Schmetterlinge und Libellen  gehören in den Garten, sondern auch Kröten, Maulwürfe und Schlangen. Man muß sich halt, wie immer im Leben, arrangieren. Maulwurfshügel werden vor dem Mähen abgegraben, dafür gibts frische Erde für die Beete. Die Furcht vor Schlangen ist unbegründet, sie flüchten ohnehin, wenn man sich nähert und eine „ Hauskröte“ bringt Glück.

Nirgendwo kann es eine so angenehme Atmosphäre bei der Arbeit geben, wie im Garten. Alle Sinne werden dabei befriedigt. Meine Hände haben Kontakt zur Erde, zu der auch ich einmal werde, während meine Augen viel Schönes und immer wieder Neues sehen.  In einem Meer von Wohlgerüchen befinde ich mich im größten Konzertsaal, in dem Sänger in bunten Federkleidern ihre Lieder singen. Auch das Summen der Bienen ist Wohlklang in den Ohren, ebenso das Quaken der Frösche am Abend. Und wenn ich die ersten Beeren vom Himbeerstrauch auf der Zunge zergehen lasse, ist mir klar, dass diese Köstlichkeit nur direkt vom Strauch diesen Genuß ausmacht.

Wenn der Tag zur Neige geht und die Vögel besonders laut bekunden, dass sie nun schlafen gehen, werden die Fledermäuse aktiv, um sie abzulösen.

Spät am Abend lockt mich der Schrei des Kauzes noch einmal hinaus. Gerne verweile ich einige Zeit in der Stille und atme die würzige Luft ein. Dabei empfinde ich dann ein großes Maß an Freiheit und Zufriedenheit.

Foto: P.Lazarek

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Das Thayatal im Wandel der Zeiten

Petr Lazárek vom Nationalpark Podyjí über den Vergleich historischer und aktueller Bilder der Grenzregion.

Das Gebiet des heutigen Nationalparks Thayatal/Podyjí war bis ins Jahr 1918 Teil der österreich-ungarischen Monarchie. Im Zweiten Weltkrieg wurde es zum Bestandteil des Deutschen Reiches und nach Kriegsende durchlebte das Gebiet turbulente Zeiten mit der Abschiebung der deutschsprachigen Bevölkerung und der Errichtung des undurchdringlichen Eisernen Vorhangs. All diese historischen Ereignisse hatten eine starken Einfluss nicht nur auf das Leben der ansässigen Bevölkerung, sondern auch auf die Landschaft und die Natur im Thayatal.

Als langjähriger Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung Podyjí, überlegte ich wie es möglich wäre, diese Eregnisse am besten in Form eines Buches festzuhalten. Dabei ist mir aufgefallen, dass sich in der Sammlung des Südmährischen Museums in Znaim und bei Sammlern alter Postkarten ein großes Arsenal an einzigartigem, historischem Material befindet.
Das bot die Möglichkeit, den Lesern mit Hilfe von aktuellen Aufnahmen die Veränderung besonders anschaulich zu illustrieren. Seit dem Jahr 2015 arbeitete ich am Buch „Das Thayatal im Wandel der Zeiten“ und mein Ziel war es, der breiten Öffentlichkeit das derzeitige Erscheinungsbild des Nationalparks Thayatal/Podyjí aus naturwissenschaftlicher und historischer Perspektive , vor allem in Hinblick auf die Ereignisse im 19. und 20. Jahrhundert, näherzubringen.

Der aufwändigste Teil der Ausarbeitung des Buchs war das Auffinden jener Standorte, von wo aus die historischen Aufnahmen entstanden sind. Einige Standorte waren nämlich fast nicht wieder zuerkennen.
Die Landschaft des Thayatals ist mittlerweile viel stärker bewaldet und die Wiesenflächen sind um einiges kleiner geworden. Ich musste deshalb bei der Erstellung der Neuaufnahmen stellenweise bis in die Baumkronen hinaufklettern, um das derzeitige Erscheinungsbild der Landschaft festzuhalten.

Wir, die Autoren des Buches, sind über das Interesse der Leser, nicht nur aus der Znaimer Region sondern vor allem jener aus Österreich, sehr erfreut.

O 220 Josef Doré - Ledové sluje u Vranova n. Dyjí, 1850, olej, plátno

Die “Jagd auf die Wildkatze”

NP Mitarbeiter David Freudl auf der Suche nach der scheuen Waldbewohnerin

Die Wildkatzenforschung im Nationalpark Thayatal erlebt heuer einen Neustart. Nachdem im Herbst 2017 unser grenzüberschreitendes INTERREG-Projekt „Connecting Nature AT-CZ“ bewilligt worden ist, werden nun neue Akzente bei der Wildkatzenforschung gesetzt. Eine Vielzahl an Fotofallen sowie Lockstöcken ist sowohl im österreichischen als auch im tschechischen Teil des Nationalparks verteilt, um das Wildkatzenvorkommen genau zu untersuchen. Dabei greifen wir auf unsere eigenen und die Erfahrungen unserer Projektpartner zurück und bringen auch neue Erhebungsmethoden zum Einsatz. An den Lockstöcken wird eine Vielzahl an verschiedenen Duftstoffen ausprobiert und mit Hilfe von Mäuseburgen wird die Wildkatze angefüttert und vor die Fotofallen gelockt. An den Lockstöcken können Haarproben gewonnen werden und erstmalig wird im Nationalpark Thayatal mit einem Wildkatzenspürhund nach Losungsproben geschnüffelt! Der Nationalparkförster Wolfgang Riener hat seinen Border-Collie namens „Cooper“ zum Wildkatzenspürhund ausbilden lassen, der gezielt auf den Duft von Wildkatzenlosung trainiert ist. Anhand des gesammelten Probematerials könnte auch der Kontakt mit anderen Populationen in Europa nachgewiesen werden, da durch genetische Untersuchungen die Verwandtschaft unserer Wildkatzen erhoben wird.  Aktuell sind wir Sichtungen im Umfeld des Nationalparks auf der Spur und möchten uns an dieser Stelle bei jenen Personen bedanken, die uns bei der Wildkatzenforschung unterstützen, indem Sie uns Hinweise zum Wildkatzenvorkommen zukommen lassen. Nicht nur in der Nationalparkregion sondern auch aus der Wachau sowie dem Dunkelsteiner Wald gibt es immer wieder neue Hinweise. Die Vernetzung solcher wertvollen Lebensräume ist das übergeordnete Ziel des Projektes „Connecting Nature AT-CZ“  dem die Wildkatze als Botschafterin dient. Wir sind sehr gespannt darauf zu erkunden, wie es der einst heimischen Wildkatze bei ihrer heimlichen Rückkehr nach Österreich ergeht und wie wir sie dabei unterstützen können.

Wolfgang Riener mit seinem Border-Collie “Cooper”Wildkatzenspürhund "Cooper"

 

Hinaus in die Natur – es ist endlich Frühling!

Nationalpark-Ranger Birgit Gruber über die heilsame Wirkung der Natur, die hilft, neue Lebensgeister zu wecken.

Nach dieser langen kalten Jahreszeit erwacht die Natur wieder zu neuem Leben. Die Pflanzen sind aus ihrem scheinbaren Winterschlaf erwacht und innerhalb kürzester Zeit ist die Natur um uns herum zu neuer Üppigkeit und Schönheit erwacht. Dies ist auch eine Wohltat für unseren Körper, Geist und Seele. Es zieht uns wieder hinaus in die frische Luft.

Wir leben teilweise sehr abgekoppelt von der Natur, doch trotzdem unterliegen wir ihrem Rhythmus. Dieser Rhythmus bringt auch Bewegung in unser Leben. Sie ist essenziell für unser Leben. So wie die Zellen von den Pflanzen, können auch die menschlichen Zellen nicht ohne Bewegung existieren. Unser Herz-Kreislaufsystem und Bewegungsapparat werden durch körperliche Betätigung verbessert. Dies beeinflusst unsere Stressreaktionen, Hormonsystem, Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit.

Besonders erholsam auf uns Menschen wirken nachweislich Landschaften mit Wald, Wasser und bergigen Höhen. Dies tut unserer Seele am meisten gut und lässt am besten den Alltag aus der Distanz erscheinen. Es ist die beste Ressource für unsere Gesundheit. Die Natur wirkt auf uns bewusst und unbewusst ein.

Der Nationalpark Thayatal vereint all diese Faktoren auf engstem Raum. Die Thaya formte dieses romantische, wilde Tal mit den Wäldern ringsherum, die jetzt mit Frühlingsboten üppig übersät sind. Für anstrengende Aufstiege und wunderschöne Ausblicke sorgt der harte Granit, der über Jahrmillionen Wind und Wetter Stand gehalten hat.

Thayaufer, Nationalpark Thayatal, Popp&Hacker

Thayaufer, Nationalpark Thayatal, Popp&Hacker

Der Frühling schaut zum Fenster rein

NP Mitarbeiter Christoph Milek kann der Versuchung nicht widerstehen

Nach vielen kalten Wochen sind die ersten wärmeren Tage eine einzige Wohltat. Die Sonne ist wieder merkbar länger über dem Horizont und wärmt uns endlich wieder die Wangen. Ich kann nicht anders, ich muss hinaus. Nicht nur mir geht es so, auch die Pflanzen und Tiere haben sichtlich schon drauf gewartet.

Die Wacholderdrossel, ein Wintergast, hat sich während dem letzten Schneefall noch den Bauch mit Ligusterbeeren vollgeschlagen und mittlerweile Platz für Grünfink, Goldammer und Bachstelze gemacht. Das Frühlingskonzert der Singvögel hat begonnen und alle streiten um die besten Plätze.

Ein Besucher hat mir vor ein paar Tagen von einer Gruppe Seeadler über der Thaya berichtet, seine Fotos zeigen einen Alt- und zwei Jungvögel wie sie sich in die Lüfte schrauben. Schön, daß sie da sind.

Auch die ersten Frühblüher stehen in den Startlöchern, die Leberblümchen etwa, beginnen den Wald mit violetten Tupfen zu verzieren. Eine besonders interessante Pflanze, der rosa blühende, intensiv riechende Seidlbast, ist auch schon zu finden. Wie der gelbe Hartriegel blüht der Seidelbast bevor er Blätter ausbildet und ist deshalb zurzeit besonders leicht aufzuspüren. Ausserdem bildet er die Blüten als einzige Pflanze in Österreich direkt am Stamm aus, dieses Phänomen ist sonst eher in den Tropen verbreitet.

Man ist eventuell versucht, den Seidelbast als Zimmerschmuck in die Vase zu stellen, allerdings sprechen zwei Besonderheiten der Pflanze dagegen: Er ist in ganz Österreich streng geschützt und er ist stark giftig. 10 Früchte sollen für einen Erwachsenen nicht mehr verträglich sein und auch die Haut wird stark gereizt wenn man einen Zweig abreißt. Selbst der intensive Blütenduft ist giftig.

Ein Grund mehr für mich wieder meinen Frühlingsspaziergang fortzusetzen. Nur ein paar Grade im Plus reichen, um dem Wald einen ganz anderen Geruch zu geben. Der Boden ist nicht mehr hart und gefroren sondern saftig und weich, die Geräuschkulisse hat sich gewandelt und die winterliche Stille ist nicht mehr zu vernehmen. Ich versuche die Atmosphäre des erblühenden Waldes ganz in mich aufzunehmen und meinen Kopf auszulüften. Der Nationalpark Thayatal bietet dafür das perfekte Ambiente.

Am Sonntag  den 25. März haben Sie die Möglichkeit mit Nationalpark-Ranger Hans Fittl auf den ersten  Streifzug des Jahres durch die blühende, wieder zum Leben erwachte Wildnis des Nationalparks zu begleiten und unter seiner fachkundigen Leitung in die vielfältige Welt von Buschwindröschen, Lerchensporn und Schuppenwurz einzutauchen.

Auch wenn es noch ein paar Tage kalt werden soll – Der Frühling kann kommen!

Seidelbast

Seidelbast

“Lehrling” wird von der Natur berührt

Margit Müllner, Stadtamtsdirektorin, über ihre erste Woche als Ranger-Anwärterin

Den Slogan der Nationalparks „Nichts berührt uns wie das Unberührte“ durfte ich am Wochenende eindrucksvoll erleben. Als Teilnehmerin des neuen Nationalpark-Rangerlehrganges hatte ich gemeinsam mit meinen weiteren 16 KollegInnen die Möglichkeit, den Nationalpark Thayatal von einer seiner schönsten Seiten kennenzulernen.

Meine Motivation Nationalpark-Ranger zu werden, erklärt sich aus der Liebe zur Natur und zu meiner Heimatregion. Da ich beruflich viel mit Menschen zu tun habe und mir die Gemeinde und die Entwicklung meines Umfeldes sehr am Herzen liegen, möchte ich mich aktiv daran beteiligen, vielen naturinteressierten Bewohnern und Besuchern die Besonderheiten und Schönheiten des Nationalparks zu vermitteln.

Bei strahlendem Sonnenschein und eisigen minus 16 Grad Celsius starteten wir am Sonntag, den 25. Februar morgens zu einer für mich unvergesslichen Tour in den Kirchenwald. Unter der fachkundigen Leitung von Nationalpark-Direktor Christian Übl und unserer Ausbildungsleiterin Claudia Waitzbauer erhielten wir erste Einblicke in die Besonderheiten eines nahezu unberührten Waldes, in dem die Vielfalt der Bäume und Sträucher selbst in der vegetationsarmen Zeit erkennbar ist.

Wir analysierten gemeinsam eine Vielzahl an Tierspuren und konnten an einem besonderen Aussichtspunkt oberhalb der Thaya die Dimensionen des Thayatals mit seinen zerklüfteten, steilen Felshängen wahrnehmen. Entlang der Thaya stapften wir durch die einsame schneebedeckte Landschaft und beobachteten ehrfürchtig die Kraft des Wassers und des zerbrechenden Eises, das die Stille des Tales immer wieder durchbrach. Für einige Momente durften wir auch den Anblick eines lautlos schwebenden Uhus genießen.

Obwohl wir den ganzen Tag bei eisigen Temperaturen im Freien verbracht haben, wäre ich am Abend gerne noch endlos weiter gewandert. Die Eindrücke und Erlebnisse haben mich noch tagelang begleitet und die Vorfreude und Neugier auf unsere weitere Ausbildung mit dem gesamten Team in den nächsten drei Jahren ist riesengroß. Ich spüre die Begeisterung und Motivation aller „Ranger-Lehrlinge“ und bin stolz darauf, ein Teil dieser Gruppe sein zu dürfen.

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Wie Kinder die wilde Natur entdecken

Claudia Waitzbauer, Mitarbeiterin im Nationalpark Thayatal, über den Sommer von damals

Sommerferien? Es ist zwar noch mitten im Winter, aber viele Familien planen bereits jetzt ihren Sommerurlaub. Auch bei uns im Nationalparkbüro starten nun die Anmeldungen für unsere Sommercamps für Kinder und Jugendliche. Das ist Anlass für mich, über meine eigene Ferienzeit als Kind nachzudenken: Endlich waren sie da – die heiß ersehnten Sommerferien. 9 Wochen lang keine Schule, eine gefühlte halbe Ewigkeit! Ich verbrachte meine Tage damit, barfuß durch die Wiesen und Wälder zu streunen, im nahegelegenen Bach einen Damm zu errichten, das Wasser aufzustauen und dort herum zu plantschen. Das waren viele elementare Erfahrungen, bei denen nur selten Langeweile aufkam. Wenn uns trotzdem einmal fad war, dann lagen wir im Gras, betrachteten die vorbeiziehenden Wolken und staunten über die unzähligen Krabbeltiere, die unsere nackten Arme und Beine kitzelten. Und schon bald begaben wir uns wieder auf die Suche nach einem neuen Abenteuer!

Nun ist meine eigene Tochter bereits sieben Jahre alt und ich wünsche ihr auch so einen Sommer, wie ich ihn damals erlebt habe! Aber das ist heute gar nicht mehr so einfach. Wo gibt es Wildnis, die Kinder ohne Begleitung eines Erwachsenen erkunden können? Was tun, wenn beide Elternteile berufstätig und Oma & Opa nicht vor Ort sind?

Das Ferienlager im Nationalpark für Acht- bis Elfjährige vom 22.-27. Juli 2018 bietet ein abwechslungsreiches Programm in der Natur, lässt aber auch Platz für Unvorhergesehenes und kreative Ideen der Kinder: auf Bäume klettern, Wasserräder bauen, Bachflohkrebse fangen, ein Feuer selbst entzünden, am Lagerfeuer Steckerlbrot grillen, schnitzen, Hütten bauen, Sterne schauen, … Das neue Wildkatzen Camp bietet dafür die passende Unterbringung, denn hier lautete das Motto: So wie die Wildkatze Freiheit und Wildnis im Nationalpark findet, so werden auch die Kinder im Wildkatzen Camp wilde Abenteuer erleben!

Übrigens, auch für Jugendliche gibt es beim Junior Ranger Camp oder die Möglichkeit, ihre wilde Seite kennen zu lernen!

Grillen am Feuer Foto: NP Thayatal, A.Bartl

Grillen am Feuer
Foto: NP Thayatal, A.Bartl