Wer klopft denn da?

Schwarzspecht

Er ist der größte, nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa. Die Rede ist vom Schwarzspecht. Ihm zu begegnen ist nicht ganz einfach, aber überall dort, wo es alte Bäume, dicke Stämme und reichlich Totholz gibt, kann es ein Zusammentreffen geben. Bei einem Waldspaziergang im Nationalpark Thayatal stehen die Chancen ihm über den Weg zu laufen, richtig gut.
Hier ein paar sachdienliche Erkennungsmerkmale: Kohlrabenschwarz, von der Größe her einer Krähe ähnlich, nur filigraner im Körperbau und mit dem unverkennbar roten Scheitel. Durchgehend rot bei Männchen bzw. bei Weibchen als roter Farbklecks am Hinterkopf ausgeprägt.
Welchen besonderen „Deal“ der Schwarzspecht und seine anderen „klopfenden Kollegen“ mit dem Wald eingangen sind, könnt ihr hier nachlesen.

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Im Winter liegt Liebe in der Luft

Es ist wieder soweit. Die Kuder, die männlichen Wildkatzen buhlen um die Gunst der Weibchen. Von Jänner bis März streifen sie umher, auf der Suche nach dem verheißungsvollen, paarungsbereiten Duft einer Wildkatzendame. Auch bei unseren Gehege-Wildkatzen, Frieda und Carlo, regen sich die winterlichen Frühlingsgefühle. Einen kleinen Blick auf die beiden gewährt ein kurzes Video.

Wer mehr über die Ranzzeit bei den Wildkatzen erfahren möchte, wie Wissenschaftler sich diese zunutze machen und wer bei der Wildkatzen-Jungenaufzucht das Sagen hat, wird hier fündig.

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Die Rückkehr der Wölfe – Porträt des Säugetiers des Jahres 2017

Europäischer Grauwolf (Canis lupus lupus)

Der Wolf kehrt auf leisen Pfoten auch nach Niederösterreich zurück. Ein kleines Wolfsrudel hat sich den Truppenübungsplatz Allentsteig als neue Heimat ausgesucht. Einzelgänger durchqueren auf der Suche nach einem geeigneten Lebensraum unser Bundesland. Bei diesen „Durchzüglern“ handelt es sich meistens um Jungwölfe, die bei ihren Wanderungen mehr als 1000 Kilometer in einem Monat zurücklegen können. Solche Jungwölfe wurden wahrscheinlich auch im Kamptal gesichtet. Wölfe, die zur Familie der Hunde gehören, sind sehr anpassungsfähig und können praktisch überall vorkommen, wo es Wasser und ausreichend Nahrung gibt. Und Meister Isegrim braucht ausreichend Platz für sich und sein Rudel. Mindestens 100 Quadratkilometer hat ein kleines Wolfsrevier, wobei die Größe des Reviers stark von der Anzahl der Beutetiere und der Größe des Wolfsrudels abhängt.

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Ein Wolf aus dem Tiergehege im Nationalpark Bayrischer Wald

Kein anderes Tier löst beim Menschen so eine Faszination aus wie der Wolf. Sei es die Wölfin, die Romulus und Remus gesäugt hat, die Geschichte von Franz von Assisi, der mit dem Wolf sprach oder der böse Wolf im Märchen von Rotkäppchen. Als existenzbedrohend für Hirten, Bauern und Jäger wurde er früher gesehen und daher bis zu seiner Ausrottung verfolgt und gejagt.

Stimmen diese Bilder vom Wolf oder sind es bloß menschliche Mythen? Ich denke der Wolf ist weder gut noch böse. Der Wolf ist ein Wildtier mit einem außerordentlichen Sozialleben und ein Individualist – im Verhalten und Charakter ähnlich uns Menschen. Er ist aber auch ein Raubtier vor dem man Respekt, aber keine Angst haben muss. Wir haben einfach verlernt mit dem Wolf Seite an Seite zu leben und das löst noch immer Unbehagen aus.

Wölfe sind äußerst vorsichtig und sehr neugierig und dieses natürliche Verhalten kann manchmal von Menschen falsch interpretiert werden. Dort wo wir Menschen den Wolf dulden, wird er auch künftig ein Zuhause haben und eine wertvolle Bereicherung für unser Ökosystem sein.

NÖN Kolumne, 8. Februar 2017, Wolfgang Riener

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Winter”zauber”

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Rotbuchen, Hainbuchen und Eichen scheinen im Winter zauberhafte Eigenschaften zu entfalten. Insbesondere die jüngeren Bäume behalten oftmals einige ihrer Blätter den ganzen Winter hindurch. Warum sie sich nicht trennen können, erklärt Nationalpark-Förster Wolfgang Riener: „Die Blätter dienen als zusätzlicher Schutz für die sensiblen Knospen, die im nächsten Frühjahr anstelle der welken Blätter austreiben.”
Was all das mit dem Teufel zu tun hat und warum dieser mit den Buchen- und Eichenblättern keine Freude hat, könnt ihr auch im Blogbeitrag „Den Teufel ausgetrickst“ nachlesen.

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Die Schneeflöhe springen wieder

Ende Jänner, Anfang Februar ist ihre Zeit. Wenn die Temperaturen über -3 Grad Celsius kraxeln, sammeln sich Myriaden von Schneeflöhen auf der schwindenden Schneeoberfläche. 1.000 bis 10.000 können es pro Quadratmeter sein. Ihre Mission? – Nachwuchs zeugen! Das geht in der Masse einfach besser ;-)

Mit Flöhen haben die flügellosen Mini-Insekten allerdings nichts am Hut, der Name rührt vielmehr von ihrer sprunghaften Fortbewegung: Mit einer Art Sprunggabel am Hinterleib vollführen die kleinen Hüpfer katapultartige Sprünge.

Wer mehr über sie erfahren möchte, wird im Blogbeitrag „Wenn die Sommerschläfer erwachen“ fündig.

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Das wundersame Leben der Tiere im Winter

Stimmt, einige hauen sich faul aufs Ohr, andere frieren ein, um die kalte Zeit möglichst unaufgeregt hinter sich zu bringen. Aber es gibt sie die wackeren Pioniere, die dem Winter trotzen, weil sie gelernt haben, seine eisigen Bedingungen gezielt für ihre Zwecke einzusetzen und mitunter scheinen sie sogar richtig Spaß daran zu haben.

Hier hat einer der winterlichen Pioniere seine Spuren im Schnee hinterlassen. Wer das wohl war? - Der Fischotter!

Hier hat einer der winterlichen Pioniere seine Spuren im Schnee hinterlassen. Wer das wohl war? – Der Fischotter!

Betriebsamkeit unterm Schnee
Aber der Reihe nach. Wenn wir so durch einen winterlich verschneiten Wald spazieren, denken wir wohl kaum daran, dass es unter der Schneedecke wie auf einem viel befahrenen Verkehrsknotenpunkt zugehen kann. Wer dafür verantwortlich ist? – Die Wühlmäuse. Zwar lassen sie sich im Winter hie und da auch oberirdisch blicken, meist legen sie dort aber nur kurze Strecken zurück, um von einem Baueinang zum nächsten zu huschen. Am heimeligsten fühlen sie sich unter der Schneedecke. Diese hat nämlich eine angenehm isolierende Wirkung, weshalb der Boden unter dem Schnee in der Regel nicht friert. Ein Umstand, den sich die Wühlmäuse zunutze machen und mitten im Winter – wenn andere rasten – eifrig ihr Gänge-Netzwerk ausweiten. Sobald der Schnee im Frühjahr abschmilzt, lassen sich die „Narben“ ihrer wühlenden Aktivität leicht ausfindig machen.
Die Schneedecke hat aber noch etwas Gutes – zumindest aus Sicht der Mäuse. Sie bewahrt sie, bei ausreichender Dicke, vor so manchem Feind. Aber eben nur vor so manchen. Einige Räuber sind nämlich so gewieft, dass es ihnen gelingt, die kleinen Nager selbst durch eine beträchtliche Schneehaube ausfindig zu machen. Füchse oder Habichtskäuze nutzen dafür ihr feines Gehör. Also aufgepasst, wer das nächste Frühjahr erleben möchte!

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Fischotter wissen sich den Winter auch mit Spaß zu vertreiben.

Lust auf eine Rutschpartie?
Vor dem Fischotter müssen sich die kleinen Nager nicht in Acht nehmen, obwohl er ein Räuber ist. Aber der Fischotter hat es – nomen est omen – auf anderes Futter abgesehen. Um an selbiges zu gelangen, nutzt er – für den Gang ins Wasser – in der Regel immer die gleichen Eingänge. Doch was tun, wenn sein Gewässer im Winter zufriert? Ganz einfach, die räuberischen Marder brechen ein Loch ins Eis, durch das sie abtauchen und auch wieder Luft schnappen, falls keine andere Stelle offen ist.
An Land wissen sie sich ebenfalls ihre Zeit zu vertreiben und das nimmt sehr oft auch spielerische Auswüchse an. Man ist ja immer vorsichtig beim Zuweisen von menschlichen Verhaltensweisen. So wird ein spielerisches Verhalten bei Jungtieren meist als Vorbereitung auf den harten „Kampf ums Dasein“ gesehen, es geht darum Jagdtechniken beim Herumtollen einzuüben. Was aber, wenn auch die Erwachsenen herumtollen? Machen sie dann einen „Auffrischungskurs“? Wer Fischotter dabei beobachtet, wie sie einen vereisten Hang oder eine Schneerutsche nach unten flitzen und kaum angekommen schon wieder nach oben hasten, um eine zweite, dritte, vierte Runde in Angriff zu nehmen, der kommt nicht umhin, eine gewisse Spiellust ausfindig zu machen. Und bei vielen Tieren gibt es diese tatsächlich, nicht jede Handlung ist konsequent ziel- und zweckgewidmet. Manchmal kann man auch einfach Spaß haben! – Wobei die Fischotter ihre Schneerutschen im Winter gerne auch als Schnellverbindungen zur Fortbewegung nutzen. Spaß und Nutzen lassen sich auf diese Weise ideal kombinieren. Eine clevere Strategie.

Für die Fischotter sind die Schneerutschen im Winter Schnellverbindungen zur Fortbewegung, aber nicht nur das, sie bieten auch jede Menge Spaß und Rutschvergnügen!

Für die Fischotter sind die Schneerutschen im Winter Schnellverbindungen zur Fortbewegung, aber nicht nur das, sie bieten auch jede Menge Spaß und Rutschvergnügen!

Gut gekühlt schmeckt’s am besten
Am schwersten haben es wohl die Vegetarier unter den winterlichen „Aktivsportlern“. Grünzeug ist halt während der kalten Jahreszeit Mangelware. Was also tun? – Der Biber weiß sich zu helfen. Rechtzeitig bevor der Winter anbricht, sorgt er vor. Wie? – Indem er Bäume fällt, bevorzugt Weiden und Pappeln. Das tut er aber nicht x-beliebig, sondern ganz gezielt. Er nagt die Bäume so an, dass sie nicht in Richtung des trockenen Ufers umfallen, sondern ins Wasser plumpsen. Im kalten Nass nämlich bleiben die Blätter wie in einem Kühlschrank lange frisch. Wann immer es den Biber dann im Winter nach einem Blatt-Snack gelüstet, braucht er nur seinen Kühlschrank aufzumachen und loszuschmausen. Erst wenn die Blätter ganz aufgezehrt sind, verlegen sich die Biber auf kargere Rindenkost. Wer reichlich vorsorgt, diniert also auch im Winter vorzüglich.

Biber wissen vorzusorgen, um den kalten Winter mit ausreichend schmackhafter Kost zu überstehen.

Biber wissen vorzusorgen, um den kalten Winter mit ausreichend schmackhafter Kost zu überstehen. Sie schätzen eben ein gutes Festessen – vermutlich auch zu Weihnachten ;-)

Und was lernen wir daraus? Wir Menschen sind nicht die einzigen, die gewitzte Strategien entwickeln, um es uns gut gehen zu lassen und Spaß zu haben. Frohe Festtage!

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Der Weg der “gefallenen Blätter”

Wer im November durch einen Laubwald wie jenen im Nationalpark Thayatal wandert,  wird begleitet von einem lauten Rauschen und Rascheln. Mit jedem Schritt wirbelt man das Blättermeer, das nun nicht mehr auf den Bäumen, sondern unter ihnen liegt, durcheinander.

Alle Jahre wieder landen Abertausende Blätter in den Laubwäldern des Nationalparks Thayatal auf dem Waldboden.

Alle Jahre wieder landen Abertausende Blätter in den Laubwäldern des Nationalparks Thayatal auf dem Waldboden.

Warum versinkt der Wald nicht im Herbstlaub?
Ein intensives Geräuscherlebnis, das zum Nachdenken anregt. Denn, wie kann es sein, dass die Wälder nicht in ihren Blattmassen untergehen? – Wenn man bedenkt, dass eine 100-jährige Buche über den Daumen gerechnet eine halbe Million Blätter im Herbst abwirft und eine Laubschicht von fünf bis zehn Zentimetern Dicke anwachsen lässt.
In einem Buchenwald in Deutschland haben sich Wissenschaftler sogar die Mühe gemacht, das anfallende Laub, die Knospenschuppen, Früchte, Zweige und Äste auf einem Hektar Wald abzuwiegen. Das Ergebnis war rund vier Tonnen schwer, Trockengewicht wohlgemerkt.

Noch hängen die Blätter unversehrt an den Ästen, sobald sie jedoch den Waldboden berühren, beginnt eine unaufhaltbare Zersetzungs-Maschinerie.

Noch hängen die Blätter unversehrt an den Ästen, sobald sie jedoch den Waldboden berühren, beginnt eine unaufhaltbare Zersetzungs-Maschinerie.

Fragt sich nur, wohin verschwindet das viele Laub bzw. fachmännisch ausgedrückt, die Laubstreu? Definieren wir zunächst einmal, was mit Laubstreu gemeint ist, es handelt sich dabei um „eine lockere Decke aus äußerlich noch unverändertem oder nur wenig verändertem Laub“. Aber das bleibt nicht lange so, denn sobald die Blätter den Boden berühren, setzt sich eine Zersetzungs-Maschinerie in Gang. Und sobald man ein bisschen tiefer in die Laubstreu hineinblickt, sieht man auch, was den frisch gefallenen Blättern demnächst blüht. Weiter unten nämlich zeigen sich die „gefallenen Blätter“ schon deutlich verändert, gebrandmarkt von Fraßspuren und Löchern, aufgespeist bis auf das Blattgerippe.

Vom intakten Blatt zum klapprigen Skelett
Aber der Reihe nach. Wenn ein Herbstblatt zu Boden segelt, wird es dort von einer illustren Schar von Mikroorganismen erwartet, die schnurstracks damit beginnen, die oberste Zellschicht des Blattes, die Epidermis, aufzuschließen. – Feuchte Witterung und ein entsprechender Wasserfilm rund ums Blatt kommt ihnen dabei sehr gelegen.
In der nächsten Zersetzungsphase treten Springschwänze, Rindenläuse und Hornmilben auf den Plan. Sie fressen Löcher in die Epidermis der Blattunterseite. Zweiflüglerlarven beteiligen sich in der Folge am Fensterfraß, vergrößern die Löcher und setzen dem Blatt nun auch an dessen Rändern zu.
Mit fortschreitendem Zernagungsgrad wird die Anzahl der Buffetgäste immer größer. Auch Ohrwürmer, Asseln, Schnecken, Schnurfüßer, Saftkugler, Borstenwürmer und Milben gesellen sich hinzu. Alle zusammen schmausen sie nicht nur, sondern bilden auch Kot, der wiederum von Kleinstlebewesen zersetzt wird. Die Regenwürmer sorgen schließlich dafür, dass die Blattüberreste von oberhalb der Erde nach innen gelangen, mit Mineralteilchen verschmischt und in den Boden eingearbeitet werden.

Je nachdem wie hart oder weich die Blätter sind und wie viel Stickstoff sie enthalten, läuft die Zersetzung unterschiedlich schnell ab.

Je nachdem wie hart oder weich die Blätter sind und wie viel Stickstoff sie enthalten, läuft die Zersetzung unterschiedlich schnell ab.

Wie lange dauert die Zersetzung?
Je nach Blattart kann der Zersetzungsprozess unterschiedlich lange dauern. Weiche Blätter werden rascher abgebaut als harte und solche, die besonders viel Stickstoff enthalten – wertvoller Dünger für den Boden! – werden von den Bodenorganismen in die schnellere „Abfertigungsspur“ aufgenommen. Rascher geht es etwa bei Erle, Esche und Ulme, ihre Blätter sind bereits im Folgesommer zersetzt. Hainbuchenblätter brauchen etwa eineinhalb Jahre, das härtere Eichenlaub zweieinhalb Jahre und Buchenblätter meist drei Jahre.

Hitze verlangsamt Zersetzung
Ohne die Arbeit der emsigen Bodenbewohner wären all diese Prozesse undenkbar. Biologen aus den USA haben allerdings herausgefunden, dass klimatische Veränderungen für Aufruhr in der Laubstreu sorgen könnten. Anhand des Rot-Ahorns stellten sie fest, dass die Bäume bei heißerem und trockenerem Wetter vermehrt Gerbstoffe, die in der Regel zur Schädlingsabwehr dienen, produzieren. Fällt dieses gerbstoffreiche Laub zu Boden, wirkt es hemmend auf die Mikroorganismen, was wiederum den Zersetzungsprozess verlangsamt.
Ob das auch auf Buche, Eiche und Co. zutrifft bzw. inwiefern die Böden der möglicherweise wärmeren Zukunft dadurch tatsächlich nährstoffärmer werden, steht noch in den Sternen. Feststeht, dass ein Spaziergang durch den spätherbstlichen Wald nicht nur ein Geräuscherlebnis ist, sondern auch ganz schön lehrreich ist :)

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Wolken mit Bodenkontakt

Rot, gelb und orange strahlen die Blätter von Buche, Eiche, Ahorn & Co. um die Wette, die Lufttemperaturen sinken, das Wasser der Thaya erscheint dunkler als sonst und immer öfter hüllt ein milchiger Schleier die Landschaft ein. Selbst wenn die Sonne hie und da die Oberhand behält, mit der Herbstzeit beginnt die Nebelzeit. Auch im Nationalpark Thayatal, wo die für das Waldviertel so typischen bodennahen Wolken für eine mystische Stimmung sorgen.

     Aucb im Thayatal ziehen im Herbst die Nebel durch die bunten Wälder.

Auch im Thayatal ziehen im Herbst die Nebel durch die bunten Wälder.

Das heute gebräuchliche Wort „Nebel“ geht zurück auf das Griechische nephele, und das bedeutet so viel wie Wolke. Doch wie entstehen die „Wolken mit Bodenkontakt“ eigentlich?
Die Nächte im Herbst sind nicht nur länger, sondern auch kälter. Der Boden kühlt – durch verstärkte Wärmeabstrahlung – allmählich aus. Wenn tagsüber die Sonne scheint, erhitzt sich die Luft allerdings noch beträchtlich. Sobald der Feuerball untergeht, rasseln die Lufttemperaturen dann wieder nach unten. Zusätzlich beschleunigt wird dies durch den kalten Boden.
Wer kennt das nicht? – In der prallen Sonne kommt man selbst im Herbst noch ins Schwitzen, kaum aber schiebt sich eine Wolke vor oder neigt sich der Tag zu Ende, ist die Gänsehaut auch schon zur Stelle und der Pulli Pflicht.

Entscheidend für die Entstehung von Nebel ist die Tatsache, dass sich mit der Temperaturveränderung der Luft auch die Kapazität Wasser zu halten, verändert. Was heißt das? – Ganz einfach: Warme Luft kann sehr viel mehr Wasser aufnehmen als kalte. Kühlt Luft ab, muss sie unweigerlich – früher oder später – etwas von ihrem gasförmigen Wasser abgeben. Wann passiert das? Sobald der Taupunkt unterschritten ist. Der Taupunkt, ist jener Punkt, an dem die Luft maximal mit Wasserdampf gesättigt ist. Kühlt sich die Luft unter diese magische Marke ab, kondensiert das überschüssige Wasser, es wird flüssig und für uns als Nebel sichtbar. An feinsten Staubkörnchen in der Luft lagert sich das Wasser an und bildet – je nach Menge – einen mehr oder weniger dichten Schleier.

Je nachdem, wie viel Wasser kondensiert, präsentiert sich die Nebelschicht mehr oder weniger dicht.

Je nachdem, wie viel Wasser kondensiert, präsentiert sich die Nebelschicht mehr oder weniger dicht.

Wo kommt das im Herbst häufig vor?
Vor allem in Tälern und Senken. Wenn der neue Tag anbricht, lassen die Sonnenstrahlen den Nebel meist rasch verschwinden, sprich verdunsten. Man kann regelrecht dabei zusehen, wie es den Wasserdampf „aus der Luft saugt“, sobald die Sonnenstrahlen eine gewisse Stärke erreicht haben. Weg ist der Wasserdampf freilich nicht, sondern – wie wir erfahren haben – gespeichert in der wärmeren Luft. Bereit für eine neue Nebel-Runde, sobald die Temperaturen wieder sinken.

Was begünstigt also die Nebelentstehung im Herbst?
Klare, kalte Nächte mit geringer Bewölkung und wenig Wind sind ideale Voraussetzungen. Starker Wind kann den Nebel dagegen „ausputzen“.

Und warum hält sich der Nebel mitunter richtig hartnäckig?
Die kurze Tageslänge im Winterhalbjahr reicht nicht immer aus, um die bodennahen Luftschichten intensiv genug zu erwärmen und / oder der Wind bläst zu schwach. Der Rekord im Waldviertel liegt bei 109 „undurchsichtigen“ Tagen.

Der Nebelrekord im Waldviertel beträgt 109 "undurchsichtige" Tage in Folge.

Der Nebelrekord im Waldviertel beträgt 109 “undurchsichtige” Tage in Folge.

Dass auch diese ihren Reiz haben, zeigen die mystisch, nebelverhangenen Thayatal-Wälder. Buntes Laub, kondensierte Wasserschwaden in der Luft und hie und da ein Sonnenblitzer, das macht ein Thayatal-Herbsterlebnis perfekt.
Nur eins fehlt noch: Ein paar spannende Geschichten! Und wer könnte diese besser erzählen als „Kräuterhexe“ und Nationalpark-Rangerin Helga Donnerbauer? – Am Sonntag, 30. Oktober nimmt sie mit auf eine im wahrsten Sinne des Wortes sagenhafte Wanderung durchs Thayatal. Wer bei den „Sagen im Nebel“ dabei sein möchte, kann sich noch anmelden.

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Sagenhafte Burg Kaja

Niemand kannte ihn, keiner wusste, woher er kam oder wohin er ging. Nur eines stand fest. Wann immer der „Schwarze Ritter“ auftauchte, wurde der Gerechtigkeit genüge getan.
So auch im Falle der Burg Kaja. Der alte Burgherr war auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen. Nur kurze Zeit darauf hatte die Burg einen neuen Herrn. Dieser, so munkelten die Leute, verfügte über dämonische Kräfte und hielt Roswitha, die Tochter des alten Burgherren, gefangen. Roswithas untreue Zofe war es zu „verdanken“, dass sich der unheimliche neue Burgherr Zugang zur Kaja verschaffen konnte. Dem Schwarzen Ritter aber gelang es, den Burgherren zu besiegen und Roswitha aus ihrem Bann zu lösen. Die Kammerzofe allerdings musste für ihren Verrat bezahlen.

Die sagenhafte Burg Kaja.

Ob der “Schwarze Ritter” die Kaja wirklich besucht hat? – Der Sage nach soll es so gewesen sein.

Womit? Die Antwort darauf weiß Helga Donnerbauer: „Sie wurde in eine Äskulapnatter verwandelt und lebt auch heute noch als Schlange auf der Burg. Wenn Besuch kommt, dann zieht sie sich um, mit anderen Worten: sie häutet sich. Eben vor zwei Wochen haben Kinder bei einer Führung auch tatsächlich kleine Schlangenhäute entdeckt.“

Helga Donnerbauer führt durch die Burg.

Die Merkersdorferin Helga Donnerbauer kennt die Burg wie ihre Westentasche. Bei einer Burgführung gibt sie ihr Wissen weiter.

In zwei Etappen erbaut
Heute ist die Burg Kaja, die östlich von Merkersdorf liegt, längst nicht mehr bewohnbar, aber im Rahmen von Führungen und auf eigene Faust lässt sich die gut erhaltene Ruine immer noch erkunden. Die Merkersdorferin Helga Donnerbauer hat viel Sagenumwobenes für die Besucher parat und auch die wichtigsten geschichtlichen Eckdaten. „Die Burg ist in zwei Etappen erbaut worden, begonnen hat man im 12. Jahrhundert. Nachdem die Hussiten die Burg und alles ringsherum, etwa auch Hardegg oder Retz zerstört hatten, sorgten Ulrich und Martin Eytzinger – mit monetärer Unterstützung von Herzog Albrecht – dafür, dass die Burg nach 1432 wieder hergerichtet wurde. In dieser Zeit entstand auch der vordere Teil der Burg“, erklärt Frau Donnerbauer.

Die vorburg ist nur über zwei Brücken erreichbar.

Die Vorburg mit dem 23 Meter hohen Bergfried ist nur über zwei Brücken erreichbar. Im Mittelalter wusste man sich abzusichern.

Die Vorburg aus dem 15. Jahrhundert, die nur über zwei Brücken erreichbar ist – im Mittelalter hat man sich eben gut abgesichert – beherbergt auch einen 23 Meter hohen Turm bzw. Bergfried. „Der Turm ist begehbar“, sagt Burgführerin Helga Donnerbauer, die auch Mitglied des Vereins zur Erhaltung der Feste Kaja ist. Ihm ist es zu verdanken, dass der Bergfried heute gefahrlos begehbar ist. Brücken-, Stiegen-, Geländersicherungen, sprich sämtliche Instandhaltungsarbeiten gehen auf das Konto des 1969 gegründeten Vereins. In den 1950er Jahren noch war die Ruine wegen Baufälligkeit gesperrt, heute kann sie von Mai bis Oktober an Samstagen, Sonn- und Feiertagen zwischen 10 und 17 Uhr besichtigt werden, ganz ohne Voranmeldungen. Nur für Führungen braucht es eine telefonische Vorab-Reservierung bei der Stadtgemeinde Hardegg.

Natur pur in der Burg
Die Aussicht auf das bewaldete Kajabachtal vom Bergfried aus, beeindruckt Frau Donnerbauer freilich auch. „Mein Lieblingseck ist aber die über hundert Jahre alte Linde im Burghof, dort ist es einfach am gemütlichsten“, sagt sie. Gemütlich findet die Burg aber noch jemand: „Sie sind im Rittersaal, am Turm, im Keller, einfach überall. Fledermäuse, d. h. vor allem Kleine Hufeisennasen, dürfen die Burg sowohl sommers wie winters nutzen“, sagt Helga Donnerbauer und fügt verdientermaßen stolz hinzu: „Der KFFÖ, die Koordinationsstelle für Fledermausschutz und –forschung in Österreich, hat uns sogar als fledermausfreundliches Gebäude ausgezeichnet.“

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Die vielen Winkel, Ecken und alten Gemäuer der Burgruine sind auch bei Fledermäusen beliebt. Und in der Kaja dürfen sie auch gerne hausen!

Wer Lust bekommen hat, sich die sagenhafte Burg Kaja einmal genauer anzuschauen, der hat dazu noch bis 27. Oktober Zeit. Danach macht die Burg Winterpause, die Äskulapnatter zieht sich zurück, die Linde legt eine Rast ein und die Fledermäuse freuen sich darüber, dass die Burg nun ihnen ganz alleine gehört.
Kontaktinfos finden sich hier.

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Happy Birthday NP Podyjí!

Franz Kraus über den Beginn des Naturschutzes im Thayatal

Die Geschichte des Naturschutzes im Thayatal ist von Beginn an eine grenzüberschreitende Geschichte. Aufgrund des Grenzverlaufes in der Flussmitte wurden ehemals geplante Erschließungsmaßnahmen wie eine Bahnlinie oder ein Straßenprojekt niemals umgesetzt. Später, am Beginn der 1950er Jahre, senkte sich der Eiserne Vorhang über Europa. Das Thayatal wurde zur „toten“ Grenze. So schwierig diese Zeit für das Grenzland war, die Natur an der Thaya konnte sich vor allem im tschechischen Sperrgebiet nahezu ungestört entwickeln.

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Heute ist das Thayatal ein Naturschatz. Vor einigen Jahrzehnten aber war es bedroht durch ein geplantes Kraftwerk.

1984 wurde in Hardegg bekannt, dass die damalige CSSR Planungen zu einem Kraftwerksbau an der Thaya bei Byči Skala verfolgte. Rasch formierte sich in Österreich Widerstand in Form der „Bürgerinitiative zur Rettung des Thayatales“. Gemeinsam mit der Stadtgemeinde erreichten wir die Ausweisung eines Naturschutzgebietes an der Thaya. Auf tschechischer Seite gab es bereits ein Landschaftsschutzgebiet, das sogar mit eigener Verwaltung ausgestattet war. Noch vor dem Fall des Eisernen Vorhanges traf ich mich bereits mit Martin Skorpik von der tschechischen Verwaltung, um über ein grenzüberschreitendes Schutzgebiet zu sprechen.

Die Pläne zum Staudamm im Thayatal.

Der geplante Stausee im Thayatal.

Im österreichischen Blätterwald rauschte es ordentlich. Zum Glück konnte das Kraftwerksprojekt abgewendet werden.

Im österreichischen Blätterwald rauschte es ordentlich. Zum Glück konnte das Kraftwerksprojekt abgewendet werden.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhanges herrschte auf tschechischer Seite eine große Euphorie über die gewonnene Freiheit, ein Bürgerforum übernahm die politischen Agenden. Ehemalige Dissidenten wurden zu Staatspräsidenten und Außenministern (Vaclav Havel und Jiři Dienstbier) und auch beim Thema Naturschutz gab es große Ideen. Dort, wo früher der Eiserne Vorhang Europa trennte, sollte ein „Grünes Band“ von Schutzgebieten eingerichtet werden. Im Bereich des Národní park Podyjí nützte man die Gunst der Stunde und errichtete bereits 1991 den 6300 ha großen Nationalpark. Ebenso wurde damals der Národní Park Šumava (Böhmerwald) realisiert.

Nun feiert der NP Podyjí sein 25-jähriges Bestehen. Wir gratulieren herzlich! Der Nationalpark Thayatal zeigt aus diesem Anlass ab 1. Oktober eine Ausstellung im Nationalparkhaus über die Geschichte unseres großen tschechischen Bruders.

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